Corsair Galleon 100 SD im Test: Die Zukunft des Nummernblocks ist absehbar
Corsair-Gaming-Tastatur und Elgato Stream Deck finden sich in der Galleon 100 SD vereint. Das Ergebnis denkt den Nummernblock völlig neu: Schick, flexibel, mit Gaming-Fokus und einer Obsession für Bildschirme. Das funktioniert gut. Und dennoch ist die Zukunft nur absehbar, aber noch nicht ganz da. Warum erklärt der Test.
Einfach ein Elgato Stream Deck (Test) mit einer Tastatur zu mischen, das klingt willkürlich, das klingt nach der krampfhaften Suche nach Synergien aus Unternehmenszukäufen, zumal Corsair auch noch großspurig eine „neue Ära der Eingabe“ bei der Vorstellung der Galleon 100 SD ausruft. Doch die Lachmuskeln können sich entspannen, denn die Idee funktioniert. Dafür hakt es beim Produkt. Alle Details liefert der Test.
- Ordentliche Taster & Handballenauflage
- Vielseitiger Nummernblock
- Sinnvolle Display-Integration
- Übersichtliche Web-App (Tastatur)
- Zwei Software-Lösungen nötig
- Stream-Deck-Tasten wackelig, schwammiges Feedback
- FN-Taste fest definiert
Corsair Galleon 100 SD im Überblick
Für Corsair ist die Galleon 100 SD „mehr als eine Tastatur – sie ist eine neue Ära der Eingabe“. Die Basis stammt aus dem Baukasten:
- Tenkeyless-Tastatur
- übliche Gaming-Features
- gängige Taster
- normale Dämmung
- iCUE- und Web-Hub-Software-Set
Neu ist daran nur die endlich breite, damit viel bequemere Handballenauflage sowie der USB-2.0-Pass-Through-Port, der mit einem optionalen, zweiten USB-Kabel bedient wird.
Statt den Nummernblock aber ersatzlos zu streichen, wird es durch ein Stream Deck mit 12 Tasten, zwei Drehreglern und einem Bildschirm ersetzt. Beides wird über Elgatos Softwarelösungen angesprochen – und das schafft Flexibilität.
Neben den Tasten ist auch deren Beschriftung programmierbar. Der Trick: Die Tasten liegen über einem riesigen Display (720×1080p). Welche Funktion eine Taste gerade hat, kann damit durch kleine Bilder angezeigt werden. Dem Bildschirm darüber bleiben für Statusinformationen, Logos und Bilder ein Teil davon (720 × 384p).
Diese Funktionen sind eingebunden in Elgatos Ökosystem, in dem es für Spiele und Apps passende Pakete gibt. Das verspricht atmosphärischen Premium-Look und Erleichterungen mit wenigen Klicks – und weniger Beliebigkeit als grenzenlose Freiheit.
| Corsair Galleon 100 SD | |
|---|---|
| Größe (L × B × H): | 44,8 × 15,9 (24,6) × 3,5 (4,6) cm Handballenauflage |
| Layout: | 85% Plus ISO (erweitert) Display, Touchscreen |
| Gewicht: | 1.390 g |
| Gehäuse-Material: | Aluminium/Kunststoff |
| Kabel: | 1,80 m, USB/Type-C-USB (modular) |
| Hub-Funktion: | 1 × USB 3.0 |
| Key-Rollover: | N-KRO |
| Schalter: | Corsair MLX Pulse Thocky Hot-Swap-fähig |
| Switch Plate: | Polycarbonat |
| Tasten: | Form: zylindrisch Material: PBT-Kunststoff Beschriftung: Double-shot molding |
| Zusatztasten: | 12 × Makro Scrollrad (Helligkeit, Lautstärke) |
| Medienfunktionen: | Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück |
| Zusatzfunktionen: | Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus, Makroaufnahme, Office-Funktionen, System-Funktionen |
| Beleuchtung: | Farbe: RGB Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife Sonstige: individuelle LED-Profile |
| Makros & Programmierung: | 8.192 kB, 5 Profile, Hardware-Wiedergabe vollständig (inkl. Sekundärbelegung) programmierbar |
| Preis: | ab 350 € |
MLX-Taster sind Durchschnitt
In der Galleon 100 SD stecken leichtgängige lineare Taster in Hot-Swap-Sockeln. Die MLX Pulse Thocky werden aber auch in Bezug auf ihre Akustik beworben, Corsair stellt sie als „Hi-Fi-Switches“ vor. Sie versprechen einen trockenen, poppigen Anschlag, der ein gut hörbares „Tock“ produziert. Kombiniert mit leichtgängiger Feder versprechen sie Agilität mit klarem Feedback. ComputerBase hatte sich das Modell in der Makr 75 (Test) bereits genau angeschaut.
In der Galleon werden sie ein wenig präsenter als in der Makr 75, subjektiv in hellerer Klangfarbe und mit ein wenig mehr „Nebengeräuschen“. Dazu kommt: Diese Art hörbarer Taster muss man wollen. Vereinzelt schleifen Tasten zudem minimal hör-, wenn auch im Prinzip nicht spürbar. Es bleibt also dabei: MLX sind solide Taster, hervorragende Taster sind sie jedoch nicht.
| Corsair MLX Pulse Thocky | |
|---|---|
| Charakteristik: | linear |
| Hubweg: | 3,6 mm |
| Widerstand: | ? ? |
| Position des Signalpunktes: | 2,0 mm |
| Widerstand am Signalpunkt: | 45 g |
| Widerstand am Druckpunkt: | – |
| Lebensdauer (Anschläge): | 80 Mio. |
Stream-Deck-Tasten sind nicht einmal das
Für das Stream Deck nutzt Corsair Rubberdome-Tasten, aufgrund des Displays ist Mechanik keine Option. Was Corsair daraus gemacht hat, sendet jedoch massive Störtöne und zeigt auf, warum mechanische Taster oftmals so viel besser anfühlen – fast schon, als wolle der Hersteller diesen Unterschied größtmöglich betonen. Die Oberfläche der Tasten kippt beim Betätigen abseits der Mitte merklich.
Darüber hinaus scheint sie zwei Druckpunkte zu haben, die beide auslösen – vermelden die Finger. Beim Tippen bewegen sich die Finger ständig zwischen beiden, als würde die Gummiglocke nicht sauber „einknicken“. Das erzeugt Unklarheit und führt dazu, dass Tasten versehentlich gar nicht ausgelöst werden. Selbst bei vollem, betontem Durchdrücken sorgt eine schwammige, unpräzise Rückmeldung für Frust.
So bedient fühlt sich das Numpad hakelig an – und wird langsam. So oder so: Einfach die Hand auflegen und schnell ein paar Zahlen eintippen, das scheitert grandios, selbst wenn es nur gelegentlich benötigt wird. Bei normalem Sichtabstand sorgt die Tastenkappe zudem für einen unscharfen Streifen am unteren Teil der Taste.
Undefinierte Rubberdome-Taster müssen es aber nicht sein. Be quiets! Dark Mount (Test) nutzt Mikroswitches mit strammen Sitz der Tasten. Für einen Nummernblock und schnell hintereinander folgende Tastenbetätigung auf einem Nummernblock ist das auch keine Lösung, eine ideale Abstimmung läge irgendwo in der Mitte. Es müsste sie geben.
Alltag & Akustik
Akustisch setzt die Tastatur keine Maßstäbe. Sie schwimmt in der 200-Euro-Klasse irgendwo mainstream-mäßig mit. Sechs Schichten Dämmung sorgen für recht vollen Klang, übrig bleiben vernehmbares Kunststoff-Klackern und ein wenig Kratzen. Das kann eine Makr 75 komplett einfangen und selbst die markiert – auch für 200 oder 250 Euro – nicht das oberste Ende des Möglichen. Zerlegt man die Galleon in eine 200-Euro-Tenkeylesstastatur und ein 150-Euro-Stream-Deck, fällt die Bilanz etwas besser aus: Der Klang bekommt ein achselzuckendes „okay“. Es gibt Besseres schon für (weit) weniger.
Mit größerer Handballenauflage und den Corsair-typischen Gimmicks funktioniert der Tastatur-Teil gut. Alles andere wäre überraschend. Da der „Nummernblock“-Einstellungen für die Tastatur nur doppelt belegt, wäre eine frei verlegbare FN-Taste nach wie vor sinnvoll.
Das kann der „Nummernblock“
Unter diesen Hürden steckt eine sehr sinnvolle Idee. Dabei wird zwischen zwei Betriebsmodi unterschieden. Im Hardware-Modus ersetzen die Display-Buttons den Nummernblock und konfigurieren die Tastatur. Zwischen beiden Funktionen schaltet der linke Drehregler um.
Mit aktiver Elgato-Software verschwindet diese Hardware-Ebene, dafür können Verknüpfungen und spezifische Programmfunktionen auf die Tasten gelegt werden. Auch „Doppelfunktionen“ sind möglich: Die Anzeige der CPU-Auslastung ist gleichzeitig eine Verknüpfung zum Task Manager, der Play/Pause-Button für Spotify zeigt (cool!) das Album-Cover an. Weitere Unterstützung bietet das Display, auf dem (passende) Statusinformationen sowie Infos zu Funktionen und Widgets angezeigt werden. Das Wechseln zwischen Funktionen und Belegungen klappt ohne groß darüber nachzudenken.
Um die Zusatztasten richtig zu nutzen, braucht es den Elgato-Marktplatz, wo Nutzer ihre Stream-Deck-Module teilen oder verkaufen können. Dadurch bauen Plugins und Profile den Funktionsumfang des Stream-Deck-Teils deutlich aus. Es gibt sie für CapCut, OBS, Davinci, Blender, mit Shortcuts zu KI sowie für Spiele. Dort werden vor allem Simulationsspiele mit komplexer Steuerung bedient, etwa Star Citizen, Elite Dangerous, World of Warcraft oder der Flight Simulator. Viele Angebote kosten jedoch Geld, die Spanne liegt zwischen 5 und 25 Euro. Im Produktivbereich und für Fans, die hunderte Stunden in ein Spiel stecken, eine vielleicht verschmerzbare Investition, aber auch eine, mit der man rechnen sollte.
Fazit: Müsst ihr wissen
Braucht es sie überhaupt? Vieles geht über Shortcuts beziehungsweise die FN-Ebene, manches ist bloße Spielerei – immerhin gibt es ein Soundboard und Emoji-Tasten 🎉🔥👏. Das macht zugleich klar, dass das Stream Deck keine zauberhafte neue Welt einfügt, sondern „nur“ schicke Makrotasten mit ein paar Nutzungsideen bündelt. Über den tatsächlichen Nutzen sollte man sich aber bei Makrotasten wie Features im Allgemeinen vorher klar sein, denn magisch besser machen sie das Leben nicht.
Display mit Mehrwert
Das Display ist Teil der Bedienungsebene und hat hier einen Mehrwert. Im Elgato-Modus sind seine vier Segmente mit den Drehreglern verknüpft. In der vorgegebenen Konfiguration schaltet der linke Drehregler weiterhin zwischen verschiedenen „Seiten“ der Makrotasten um. So sind etwa Sets von Belegungen für verschiedene Programme schnell aufrufbar, ein kurzer Druck führt zur Startseite zurück. Der rechte regelt erneut die Lautstärke.
Ein längerer Druck schaltet die Funktion auf das darunter liegende Display-Widget um und ändert dadurch die Funktion beispielsweise zur Mediensteuerung. Alternativ können auf die vier Display-Felder auch individuelle Befehle gelegt werden, das Drehen des Reglers dient dann entweder der Auswahl des Befehls oder, wenn nur je einer für linke und rechte Drehrichtung belegt wurden, dem direkten Auslösen. So hat der Bildschirm tatsächlich einen größeren Mehrwert als sonst.
Software: Zwei Apps für ein Produkt
Weil die Galleon eigentlich „zwei“ Produkte ist, braucht sie auch zwei Apps. Das stört tatsächlich ein wenig. Für die Tastatur ist Corsairs WebHub-App zuständig (alternative iCUE), mit der das Unternehmen einigermaßen Anschluss am Markt hält, für den Elgato-Part Elgatos Stream-Deck-Software. Damit fällt es tatsächlich leicht, dem Stream Deck einen entweder individuellen Look oder mit wenigen Klicks mühelos ein stimmiges Äußeres samt nützlicher Funktionen zu verpassen.
Fazit: Die Zukunft sehen
Einfach ein Elgato Stream Deck (Test) mit einer Tastatur zu mischen, das klingt willkürlich, das klingt nach der krampfhaften Suche nach Synergien aus Unternehmenszukäufen, zumal Corsair auch noch großspurig eine „neue Ära der Eingabe“ bei der Vorstellung der Galleon 100 SD ausruft. Doch die Lachmuskeln können sich entspannen, denn die Idee funktioniert. Dafür hakt es beim Produkt. Alle Details liefert der Test.
Tatsächlich wirkt die Kombination aus Display und Display-Buttons weitaus vielversprechender als bisherige Versuche, einzelne Teile davon in eine Tastatur zu integrieren. Das liegt zum Teil auch an der Elgato-Software mit dem Marktplatz für weitere Profile und Apps, bei denen sich Mehrwerte deutlicher abzeichnen – cool und nützlich. Dass das nicht jeder braucht und FN-Shortcuts mindestens so gut funktionieren, ist eine andere Geschichte. Die Idee gewinnt, das Produkt verliert: Die Galleon ist nicht der Anfang vom Ende des Nummernblocks, sondern höchstens das Ende vom Anfang.
Das liegt dieses Mal eben nicht daran, dass Corsair – wie bei Displays – gar nicht weiß, wo der große Mehrwert abseits der Ästhetik liegt. Im Gegenteil, durch die Plugins und mit einem durchdachten Bedienkonzept zeigt die Tastatur auf, wo der liegt. Doch die Tasten des Stream Deck geben eine ziemlich unfeine Rückmeldung. Was nützen nützliche Extratasten, die man gar nicht drücken will, um die man instinktiv herumdrückt? Ziemlich wenig, weshalb man sie auch wieder weglassen könnte.
Zum Preis von gut 350 Euro muss man diese Kombination wirklich, wirklich wollen. Schade, denn das Konzept kann durchaus sehr gut aufgehen, irgendwann zumindest: Bessere Tasten und eine eventuell vereinheitlichte Software für Tastatur und Deck, dann ließe sich durchaus eine Zukunft sehen. Es ist aber eine, die man aktuell aus sicherer Entfernung betrachten sollte.
- Ordentliche Taster & Handballenauflage
- Vielseitiger Nummernblock
- Sinnvolle Display-Integration
- Übersichtliche Web-App (Tastatur)
- Zwei Software-Lösungen nötig
- Stream-Deck-Tasten wackelig, schwammiges Feedback
- FN-Taste fest definiert
ComputerBase hat die Galleon 100 SD von Corsair leihweise unter NDA zum Testen erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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