ADHS als erwachsener - wo/wie kann ich mich testen lassen

Paulela

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ich weiß nicht so richtig wo ich da anfangen soll.
Früher war ich mir nicht so wirklich sicher, und dachte eigentlich ich wäre einfach nur ein lebhaftes Kind. Je mehr ich darüber nachdenke und reinlese, desto eher denke ich dass es auf mich zutrifft. Es ist unangenehm, weil ich mich ständig dagegen gesträubt habe es einzusehen. Ich denke mal, meine Eltern wollten (konnten) das damals nicht einsehen. Man hat denen es auch mal nahe gelegt mich testen zu lassen.

In der Schule hatte ich früher oftmals Auffälligkeitsprobleme, dass ich auch sehr stark unterfordert war. zB:

Lehrer gab uns eine Aufgabe mit Zeitpensum von 30min, nach 10min fertig und statt mich mit was zu beschäftigen habe ich angefangen den Unterricht zu stören.

Auf der anderen seite, wenn ich eine Aufgabe als “zu schwer” / anstrengend empfunden habe, habe ich diese aufgegeben und ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen. (Meine Facharbeit in der Oberstufe musste meine damalige Freundin schreiben, da ich nach mehrmaliger Aufforderung diese nicht gemacht habe)

Auch jetzt in der Uni, ich habe bereits 2 Studiengänge abgebrochen , da ich nach einiger Zeit einfach die Motivation verliere. Jetzt, im 3. Studiengang (zum Glück mit permanenter Anwesenheitsliste), läuft alles etwas organisierter ab. Dennoch merke ich, dass es einige Momente gibt bei denen ich mich von jetzt auf gleich anfange mit anderen zu beschäftige und mein Drumherum aus den Augen verliere.


Aus diesem Grund würde ich gerne irgendwie eine Anlaufstelle finden, wo ich mich eben auf AD(H)S testen lassen kann. Und meine Fragen dazu wären:
1. Wo/Wie mache ich das am besten?
2. Welche Kosten kommen auf mich zu?
 
Du bist hier falsch. Geh zum Arzt.
 
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Und zwar zum Psychiater. Dieser stellt das bei Kindern und Jugendlichen auch schon fest.
 
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@Paulela Ich hatte mich im Rahmen eines Kurzvortrages mal vor einiger Zeit mit dem Thema beschäftigt.

1. Ein bisschen was zur Diagnose: ADHS ist kein "ja" oder "nein". Man kann das nicht klar sagen, ob jemand das hat oder nicht. Im Grunde hat man immer nur (ggf. starke) Tedenzaussagen.

Die Diagnose erfolgt damit nicht kategorial, sondern dimensional und erfolgt messend über Gespräche und Beobachtung. Übrigens hat natürlich auch nicht jedes zappelige Kind ADHS, Überbegabung kann z.B. teilweise ähnliche Symptome zeigen.

Die Symptome müssen in gewisser Weise robust sein (sonst kann man andere Effekte für die Symptome einfach verantworltich machen): Die Symptome müssen schon vor bestimmten Lebensphasen (wie z.B. vor der Schule) schon aufgetreten sein (sonst sind spezifische Effekte im Zusammenhang mit der Schule verantwortlich). Und auch müssen die Symptome in verschiedenen Lebensbereichen auftreten (nicht nur z.B. an der Schule/Arbeitsplatz).

2. Zur Behandlung: Was erwartest du davon, dass du von dir sagst, "oh, ich habe adhs" (wobei die aussage wegen oben beschriebener tendenzaussage schon schwierig ist). Bei einigen Menschen ist es so, dass Sie das als nützliches Ettikett empfinden. So nach dem Motto, "ich armer, ich habe adhs", das können sie dann anderen erzählen um Mitleidsanerkennung zu bekommen oder um sich faul zu machen, "oh, ich habe adhs, ich kann das nicht, ich strenge mich erst gar nicht an".

Ich selbst war auch immer schon ein recht aktiver Mensch. Meine Eltern haben mir später als Erwachsener mal erzählt, dass in der Grundschule eine Lehrerin mich auf ADHS prüfen lassen wollte, weil ich den Unterricht durch Unsinn gestört habe. Da kam dann aber für meine Eltern damals schon raus, dass ich in der Klasse extrem ungünstig saß. Und aus meiner Sicht heute kann ich mich auch noch sogar dran erinnern, weil das damals für mich sehr unangenehmer Unterricht aus einer sozialen Situation heraus war.

Übung macht den Meister: Aufmerksamkeit halten usw. ist Übungssache. Man darf halt nicht zu sehr das "Steuer los lassen" und alles auf sich gleichzeitig einlassen. Wenn man Auto fährt, lässt man das Steuer ja in der Regel ja auch nicht los, warum sollte man das bei der Aufmerksamkeit anders machen? Außerdem hilft mir persönlich Meditation viel weiter. Und ja, das ist unesotherisch und wissenschaftlich gesehen nützlich. Heißt im Endeffekt, 10 Minuten am Tag auf den Atem hören und Aufmerksamkeitshalten üben (einkommende Gedanken akzeptieren bzw. wie eine Wolke fliegen lassen), wobei "Halten" schon ein trügerisches Wort ist, weil das Aufwand impliziert. Das stimmt aber gar nicht, weil das fliegen lassen viel unaufwändiger und fauler und entspannter ist.

Und ja, was macht eine Behandlung schon: Verhaltentherapie, Aufklärungsarbeit, stärken von wichtigen Kompetenzen, z.B sozialer Kompetenz und Medikamente. Und von Medikamenten würde ich strickt abraten, weil das teilweise z.B. das Vergnügensgefühl killt und man nur funktioniert (also sinnvolle Heute-auf-Morgen-Magie gibt es dort nicht). Btw. generell wird das Problem bei Älteren etwas geringer.

Ganz ehrlich: Wenn du das machst, was ich oben sagte, also Meditation, "Steuer idR nicht los lassen" und vllt zusätzlich noch sportlichen Ausgleich, dann kommst du damit schon super zurecht, würde ich jetzt erstmal behaupten.
Ergänzung ()

@Paulela Noch ein paar Einzelantworten:
Paulela schrieb:
Lehrer gab uns eine Aufgabe mit Zeitpensum von 30min, nach 10min fertig und statt mich mit was zu beschäftigen habe ich angefangen den Unterricht zu stören.

Auf der anderen seite, wenn ich eine Aufgabe als “zu schwer” / anstrengend empfunden habe, habe ich diese aufgegeben und ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen.
Das klingt ganz stark nach hohen Versagensängsten, die vermutlich durch mangelnden Kompetenzselbstwert in dem Bereich verursacht werden.

Auch jetzt in der Uni, ich habe bereits 2 Studiengänge abgebrochen , da ich nach einiger Zeit einfach die Motivation verliere. Jetzt, im 3. Studiengang (zum Glück mit permanenter Anwesenheitsliste), läuft alles etwas organisierter ab. Dennoch merke ich, dass es einige Momente gibt bei denen ich mich von jetzt auf gleich anfange mit anderen zu beschäftige und mein Drumherum aus den Augen verliere.
Das klingt eher nach Disziplin und Motivationsproblemen. Hier wäre möglicherweise Lektüre aus dem Selbstmanagementbereich angebracht. Ich schlage das vermutlich beste überblickgebene Selbstmanagement Buch vor: Golden Rules von Martin Krengel. Und auch wäre natürlich interessant zu wissen, warum du genauer die Studiengänge geänder hast. Wegen dem Beruf später oder wegen dem Studium selbst? Hast du dich vorher genügend informiert und damit beschäftigst, was du willst? Ggf. Praktika gemacht (die ja heute sogar bezahlt werden)? Eine Änderung des Studienganges ist erstmal nichts verwerfliches, im Gegenteil, du hast vllt gemerkt, dass dich ein anderer Beruf viel mehr erfüllt, und dann ist das nur folgerichtig zu diesem zu wechseln (wobei ich, wenn nur noch 1-2 semester sind, aus strategischen Gründen den bisherigen Gang ggf. zu Ende machen würde; Deutschland ist ein Land der Scheine; Kompetenz will immer durch Dokumente nachgewiesen werden werden). Oder hast du dein Studium nur wegen lokalen Problemen/Schwierigkeiten geändert? Das wäre natürlich ein ganz anderes Thema. Da bräuchte man mehr Infos von dir.

Aus diesem Grund würde ich gerne irgendwie eine Anlaufstelle finden, wo ich mich eben auf AD(H)S testen lassen kann. Und meine Fragen dazu wären:
1. Wo/Wie mache ich das am besten?
2. Welche Kosten kommen auf mich zu?
Das weiß ich zwar nicht, aber die beste Lösung ist vermutlich, dass du dich mal in deiner Uni umschaust. Unis haben häufig wirklich tolle Einrichtungen, die den Studenten helfen (wenn ich so rede, meine ich selbstverständlich auch Frauen). Da gibt es bestimmt eine passende Anlaufstelle für dich. Falls du gar nichts findest, geh einfach mal zur Fachschaft der Psychologen, die Studenten freuen sich bestimmt, dir da ein bisschen Wissen auf den Weg mit zu geben und vllt gibt es ja sogar eine Studie, bei der du mitmachend kostenlos weitere Hilfe bekommst. Aber wie zuvor gesagt im Post hier drüber, ich glaube du wirst mit den genannten Mitteln auch so dort zurecht kommen. Mir scheinen deine Probleme weniger mit ADHS zusammenzuhängen (das ist ja eine Symptombeschreibung für einen zeitlich,örtlichen Detailfall und weniger für ein Jahreübergreifendes Studium). Selbstmanagement (vor allem Organisation, Motivation, Disziplin) ggf. Selbstsicherheit/Kompetenzselbstwertsteigerung und spielerischeres Herangehen scheinen mir bei dir die viel effektivieren Methoden zu sein.

Aber wie oben bereits gesagt, du müsstes mal etwas mehr erzählen (warum Studium aufgehört usw.), so auf die Ferne kann man sonst weniger sagen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es gibt Ärzte, die sich zusammen mit Psychlogen auf solche spezialisiert haben.
Wobei ein eindeutige Diagnose oft sehr schwierig wird.

Such mal nach "ADHS bei Erwachsenen".
Da findet sich einiges
 
Ich empfehle dir, dich vom Hausarzt an einen Facharzt überweisen zu lassen. Du wirst da dann umfassend dazu beraten. Zugleich schließe ich mich der Meinung von DoS007 an. Ich hatte das Thema ADHS auch mehrfach in Psychologievorlesungen und das von dir beschriebene Verhalten entspricht eher nicht den Symptomen. Ich sehe dein Problem ebenfalls eher im Bereich der Motivation bzw. noch eher darin, dass du nicht weißt was du willst.

Und das sage ich dir, weil ich einmal genau so war wie du. Ich wusste nicht was ich wollte, habe viel abgebrochen und häufig gewechselt, da ich nie wusste, was ich mit mir und meinem Leben anfangen will. Irgendwann hat sich das geändert und ich habe mir Ziele für die Zukunft gesetzt und von diesem Augenblick an, hat sich das alles schlagartig geändert. Natürlich muss das nicht auf dich zutreffen und es kann bei dir auch ganz andere Ursachen haben, nur sehe ich es als noch viel unwahrscheinlicher an, dass du ADHS hast.
 
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