Zuerst sollte man wissen, wie unser Ohr, besser unser Gehirn, Schallquellen orten kann.
Das tut es durch Pegel- und Laufzeitunterschiede.
Pegelunterschiede:
wenn man ein absolut identisches Signal über zwei Lautsprecher wiedergibt, die in exakt gleicher Entfernung vom Hörer stehen, dann erscheint eine Phantomschallquelle in der Mitte zwischen den Lautsprechern. Spielt der rechte Lautsprecher lauter als der linke, dann verschiebt sich die Phantomschallquelle abhängig vom Pegelunterschied immer weiter nach rechts.
Eine Grafik dazu:
http://www.sengpielaudio.com/HoerereignRichtungDL.pdf
Laufzeitunterschiede:
wieder das absolut identische Signal über zwei Lautsprecher, es entsteht die Phantomschallquelle in der Mitte. Doch diesmal gibt der rechte Lautsprecher das Signal verzögert wieder (wichtig: er wird nicht weiter weg gestellt, denn das würde auch wieder einen Pegelunterschied bedeuten), die Phantomschallquelle verschiebt sich abhängig von der Verzögerung nach links:
Grafik:
http://www.sengpielaudio.com/HoerereignRichtungDt.pdf
Heutzutage wird bei der Aufnahm eine Mischung aus beiden Verfahren benutzt, wobei sich die Pegelunterschiede von ganz alleine ergeben.
Durch eine breite Mikrofonbasis, die genügend große Laufzeitunterschiede ermöglicht, entsteht auch immer ein Pegelunterschied zwischen den beiden Kanälen.
Das gilt natürlich nur für Aufnahmen akustischer Instrumente in freier Wildbahn, was für ein Verfahren bei Studioaufnahmen verwendet wird weiß ich nicht.
Um Deine Frage nochmal gezielt zu beantworten:
für einen Laufzeitunterschied von 0,1 ms, der ja nach der Grafik schon für einen Ortungsfehler verantwortlich gemacht werden kann, muss die Entfernung vom Hörer zu den jeweiligen Lautsprechern eine Differenz von 3,4 cm aufweisen, also nicht besonders viel.
Um den gleichen Laufzeitunterschied mit einem Kabel zu erzeugen müsste es 20 km lang sein. Erstens ist in Wohnräumen eine ziemlich ungewöhnliche Länge und zweitens müsste ich mir dann eher darüber sorgen machen, dass durch die dann sehr hohe Induktivität und Kapazität überhaupt noch bis 20 kHz übertragen wird.
Gobble-G schrieb:
Stimmt, die Adern verlaufen ja wohl meist parallel, eng nebeneinander und nicht getrennt. Darüber hab' ich noch nie nachgedacht. Man lernt eben nie aus. ;o)
Das ist halt eines dieser Gerüchte, die sich langfristig halten. Wenn jemand im Hifi-Forum so eine Frage stellt, dann ist die erste Antwort garantiert auch, das Kabel nicht aufzurollen. Das genügt dem Fragenden und er schaut nicht wieder in den Thread hinein, und schon weiß jemand mehr etwas falsches.
Das sind genau solche Nümmerchen wie Kabelklang, C37-Lack, heilige Energieordner und anderer esoterischer Schwachsinn.
Gruß
Morgoth