th3o
Admiral
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Weil verstärkt in verschiedenen Diskussionen im P&G-Unterforum die Verschränkung von Nationalismus, Patriotismus, Kapitalismus, Demokratie usw. immer mal wieder Gegenstand von Diskussionsbeiträgen einiger User war und noch ist, so habe ich mir mal gedacht, dass man wirklich einen Thread aufmachen könnte, der genau diese Zusammenhänge zwischen den oben genannten Bereichen thematisiert oder zumindest um sie kreist.
Zunächst mal ist der Umgang der hiesigen Demokratie, etwa mit einer Partei wie die NPD, durchaus interessant zu beobachten. Selten, eigentlich gar nicht, sieht man Vertreter dieser Partei in Talkshows und sofern Vertreter dieser Partei mal irgendwo auftauchen, stehen die Demokraten empört auf und laufen davon. An einer sachlichen, inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem, was die Faschisten (gemeint immer: Neofaschisten) zu sagen haben, an einer solchen Auseinandersetzung haben Demokraten kein Interesse. Die Frage ist: Weshalb? Meine These lautet:
und da schließe ich mich diesem Text an, dem ich auch einige Zitate weiter unten entnehme http://www.fhuisken.de/DemFasch.htm
Weil die Demokraten an den meisten Grundprinzipien des faschistischen Programms (richtig, es gibt eines) keine inhaltliche, sachliche Kritik üben können. Und zwar nicht deswegen, weil sie eine Kritik haben und diese lediglich nicht vortragen wollen, sondern weil die Kritik, die gegen die Faschisten vorgebracht werden könnte, in wesentlichen Punkten die Demokraten mitkritisieren würde.
Daraus wird klar: Natürlich haben die Demokraten dann keine Lust mit Faschisten sich auseinanderzusetzen und deshalb verbieten sie diese lieber oder grenzen sie aus -> Das haben sie übrigens mit den Faschisten auch gemeinsam, denn auch diese, wofern sie an der Macht waren, haben alle ihnen unliebsamen Partein schlicht verboten. Eine sehr interessante Parallele also, zwischen der Art und Weise wie mit politischen Gegnern und gegnerischen Argumenten und Inhalten tendentiell umgegangen wird. Einzig das Bundesverfassungsgericht hat sich bisher gegen ein Verbot gestellt. Ginge es aber nach den demokratischen Parteien des bürgerlichen Spektrums, so wäre zb die NPD sofort zu verbieten.
Nun aber zu dem, wo ich meine, dass Demokraten und Faschisten in wesentlichen Punkten durchaus ein gemeinsames Themenspektrum haben:
1) Auch Faschisten kritisieren den Sozialstaatsabbau, sie sind etwa Kritiker von Hartz 4. Auszug von der NPD-Sachsen: "Zum 1. Januar 2005 findet der größte Raubbau unserer Nachkriegsgeschichte statt. Mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfegeld zum Arbeitslosgeld II werden Arbeitslose zu Sozialhilfeempfängern gemacht und systematisch in die Armut getrieben."
Da fragt man sich: Inwiefern passt das nicht in das bürgerliche demokratische Spektrum? Darüber könnten doch die bürgerlichen Parteien mit ihnen diskutieren.
2) Faschisten sind auch globalisierungskritisch, sie bemängeln die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten von Staaten Einfluss auf wirtschaftliche Geschicke zu nehmen und bemängeln, dass die Interessen der jeweiligen Länder durch die Globalisierung nicht mehr so zum Zuge kommen. Zitat aus dem NPD Kurzprogramm:
"Die Möglichkeiten des Staates, Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen, werden immer geringer [...] Neben massivem Sozialabbau fördert die Globalisierung auch Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzexport."
Auch in der bürgerlichen demokratischen Debatte wird darüber geredet wie denn die nationale Souveränität erhalten werden kann in einer globalisierten Welt. Es gibt kaum einen demokratischen Politiker (zumal nicht die in der Regierung), der etwas gegen dieses Ziel sagen würde. Auch ihnen geht es um die Interessenlage Deutschlands, auch sie sind um die Souveränität Deutschlands besorgt und versuchen, wo immer es geht die Interessen ihres Landes zu vertreten. Insofern auch hier die Parallelen zu den Faschisten.
3) Kritik des US-Imperialismus.
Auch die Faschisten halten es für, gelinde gesagt, unschön, dass Deutschland immer mal wieder in die Geschicke der USA eingespannt wird und sie kritisieren, dass Deutschland sich ja nur in den Dienst nehmen läßt und dabei kaum bis wenig Vorteile genießt.
Sie kritisieren, dass Kriege geführt werden, an denen sich Deutschland beteiligt, sowohl mit Geld als auch mit Soldaten. Sie sind also auch hier wieder um die Interessen dieser Nation besorgt und setzen sich für eine deutsche Souveränität ein gegenüber anderen Mächten.
Auch das passt ausgesprochen gut in den bürgerlich demokratischen Diskurs.
Es läßt sich also konstatieren, dass zwischen der demokratisch etablierten Diskurskulisse und den Themenbereichen, die die Faschisten thematisieren, erstmal keine so große Lücke klafft.
Würden die Demokraten die Faschisten bei diesen Themen inhaltlich kritisieren, so könnten sie das kaum anhand der meisten prinzipiellen Anliegen der Faschisten tun, denn das sind auch irgendwo ihre eigenen Ziele -> siehe nationale Souveränität, siehe nationale Interessenlagen im weltweiten Wettbewerb, siehe Organisation der Arbeit und des Kapitals im Inland für ein florierendes Land und eine erfolgreiche Nation usw.
Man kommt nicht umhin festzustellen, dass, aus der Sicht der etablierten demokratischen Parteien, diese Ziele, in Gestalt der Faschisten, lediglich von den falschen verfolgt werden, und dass sie, also die Demokraten, beanspruchen diese Ziele zum Wohle der Nation ja viel besser umsetzen zu können. Von einer grundsätzlichen Differenz der Ziele läßt sich aber überhaupt nicht sprechen.
Die Faschisten unterscheiden sich von den Demokraten lediglich in der Schärfe der Verfolgung dieser gemeinsamen Interessen.
Für die Faschisten sind beispielsweise die vielen Ausländer hier schuld daran, dass es Arbeitslose gibt. Auch sind die Faschisten nicht gegen den US-Imperialismus, weil sie Imperialismus für schlecht halten, sondern weil sie lieber einen deutschen Imperialismus hätten. Auch sind Faschisten keinesfalls Kritiker des Kapitalismus, sondern lediglich Kritiker des Kapitalismus, der zum Wohle Weniger dient, anstatt zum Wohle der Nation. Deswegen wurde schon in der Zeit des Nationalsozialismus die Unterscheidung zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital genau durch Faschisten eingeführt. Eine Begrifflichkeit, die im übrigen auch von so manchen Kritikern heute (siehe Debatte um Finanzsektor, Managerboni etc.) umstandslos übernommen wird.
Fazit: Faschisten sind Idealisten des Kapitalismus (schaffend soll er sein, nicht raffend), Idealisten der Organisation der nationalen Interessen und auch Idealisten der Demokratie, nämlich weil sie den demokratischen Volksparteien nicht etwa vorwerfen, dass sie sich demokratisch haben wählen lassen, sondern sie kritisieren, dass diese immerzu rumlügen würden und letzen Endes dann doch mit allen möglichen Gegnern koalieren würden.
Faschisten sind somit nicht den Demokraten grundsätzlich gegensätzlich, sondern lediglich eine Interessengemeinschaft, die sehr wohl zu vielen Aspekten des bürgerlichen Diskurses passt. Und genau weil sie das tut, aber lediglich die Ziele konsequenter verfolgen möchte, deswegen soll sie verboten werden.
Edit aus gegebenem Anlass um Missverständnissen vorzubeugen:
Ich will darauf hinaus, dass wenn man Faschisten richtig kritisieren möchte, man um eine Kritik der Demokraten auch nicht herumkommt.
Wer meiner Threaderöffnung entnimmt, dass ich Faschisten verteidigen möchte, der hat absolut nichts verstanden.
Inhaltliche Auseinandersetzung mit den Thesen ist erwünscht und willkommen.
Zunächst mal ist der Umgang der hiesigen Demokratie, etwa mit einer Partei wie die NPD, durchaus interessant zu beobachten. Selten, eigentlich gar nicht, sieht man Vertreter dieser Partei in Talkshows und sofern Vertreter dieser Partei mal irgendwo auftauchen, stehen die Demokraten empört auf und laufen davon. An einer sachlichen, inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem, was die Faschisten (gemeint immer: Neofaschisten) zu sagen haben, an einer solchen Auseinandersetzung haben Demokraten kein Interesse. Die Frage ist: Weshalb? Meine These lautet:
und da schließe ich mich diesem Text an, dem ich auch einige Zitate weiter unten entnehme http://www.fhuisken.de/DemFasch.htm
Weil die Demokraten an den meisten Grundprinzipien des faschistischen Programms (richtig, es gibt eines) keine inhaltliche, sachliche Kritik üben können. Und zwar nicht deswegen, weil sie eine Kritik haben und diese lediglich nicht vortragen wollen, sondern weil die Kritik, die gegen die Faschisten vorgebracht werden könnte, in wesentlichen Punkten die Demokraten mitkritisieren würde.
Daraus wird klar: Natürlich haben die Demokraten dann keine Lust mit Faschisten sich auseinanderzusetzen und deshalb verbieten sie diese lieber oder grenzen sie aus -> Das haben sie übrigens mit den Faschisten auch gemeinsam, denn auch diese, wofern sie an der Macht waren, haben alle ihnen unliebsamen Partein schlicht verboten. Eine sehr interessante Parallele also, zwischen der Art und Weise wie mit politischen Gegnern und gegnerischen Argumenten und Inhalten tendentiell umgegangen wird. Einzig das Bundesverfassungsgericht hat sich bisher gegen ein Verbot gestellt. Ginge es aber nach den demokratischen Parteien des bürgerlichen Spektrums, so wäre zb die NPD sofort zu verbieten.
Nun aber zu dem, wo ich meine, dass Demokraten und Faschisten in wesentlichen Punkten durchaus ein gemeinsames Themenspektrum haben:
1) Auch Faschisten kritisieren den Sozialstaatsabbau, sie sind etwa Kritiker von Hartz 4. Auszug von der NPD-Sachsen: "Zum 1. Januar 2005 findet der größte Raubbau unserer Nachkriegsgeschichte statt. Mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfegeld zum Arbeitslosgeld II werden Arbeitslose zu Sozialhilfeempfängern gemacht und systematisch in die Armut getrieben."
Da fragt man sich: Inwiefern passt das nicht in das bürgerliche demokratische Spektrum? Darüber könnten doch die bürgerlichen Parteien mit ihnen diskutieren.
2) Faschisten sind auch globalisierungskritisch, sie bemängeln die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten von Staaten Einfluss auf wirtschaftliche Geschicke zu nehmen und bemängeln, dass die Interessen der jeweiligen Länder durch die Globalisierung nicht mehr so zum Zuge kommen. Zitat aus dem NPD Kurzprogramm:
"Die Möglichkeiten des Staates, Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen, werden immer geringer [...] Neben massivem Sozialabbau fördert die Globalisierung auch Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzexport."
Auch in der bürgerlichen demokratischen Debatte wird darüber geredet wie denn die nationale Souveränität erhalten werden kann in einer globalisierten Welt. Es gibt kaum einen demokratischen Politiker (zumal nicht die in der Regierung), der etwas gegen dieses Ziel sagen würde. Auch ihnen geht es um die Interessenlage Deutschlands, auch sie sind um die Souveränität Deutschlands besorgt und versuchen, wo immer es geht die Interessen ihres Landes zu vertreten. Insofern auch hier die Parallelen zu den Faschisten.
3) Kritik des US-Imperialismus.
Auch die Faschisten halten es für, gelinde gesagt, unschön, dass Deutschland immer mal wieder in die Geschicke der USA eingespannt wird und sie kritisieren, dass Deutschland sich ja nur in den Dienst nehmen läßt und dabei kaum bis wenig Vorteile genießt.
Sie kritisieren, dass Kriege geführt werden, an denen sich Deutschland beteiligt, sowohl mit Geld als auch mit Soldaten. Sie sind also auch hier wieder um die Interessen dieser Nation besorgt und setzen sich für eine deutsche Souveränität ein gegenüber anderen Mächten.
Auch das passt ausgesprochen gut in den bürgerlich demokratischen Diskurs.
Es läßt sich also konstatieren, dass zwischen der demokratisch etablierten Diskurskulisse und den Themenbereichen, die die Faschisten thematisieren, erstmal keine so große Lücke klafft.
Würden die Demokraten die Faschisten bei diesen Themen inhaltlich kritisieren, so könnten sie das kaum anhand der meisten prinzipiellen Anliegen der Faschisten tun, denn das sind auch irgendwo ihre eigenen Ziele -> siehe nationale Souveränität, siehe nationale Interessenlagen im weltweiten Wettbewerb, siehe Organisation der Arbeit und des Kapitals im Inland für ein florierendes Land und eine erfolgreiche Nation usw.
Man kommt nicht umhin festzustellen, dass, aus der Sicht der etablierten demokratischen Parteien, diese Ziele, in Gestalt der Faschisten, lediglich von den falschen verfolgt werden, und dass sie, also die Demokraten, beanspruchen diese Ziele zum Wohle der Nation ja viel besser umsetzen zu können. Von einer grundsätzlichen Differenz der Ziele läßt sich aber überhaupt nicht sprechen.
Die Faschisten unterscheiden sich von den Demokraten lediglich in der Schärfe der Verfolgung dieser gemeinsamen Interessen.
Für die Faschisten sind beispielsweise die vielen Ausländer hier schuld daran, dass es Arbeitslose gibt. Auch sind die Faschisten nicht gegen den US-Imperialismus, weil sie Imperialismus für schlecht halten, sondern weil sie lieber einen deutschen Imperialismus hätten. Auch sind Faschisten keinesfalls Kritiker des Kapitalismus, sondern lediglich Kritiker des Kapitalismus, der zum Wohle Weniger dient, anstatt zum Wohle der Nation. Deswegen wurde schon in der Zeit des Nationalsozialismus die Unterscheidung zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital genau durch Faschisten eingeführt. Eine Begrifflichkeit, die im übrigen auch von so manchen Kritikern heute (siehe Debatte um Finanzsektor, Managerboni etc.) umstandslos übernommen wird.
Fazit: Faschisten sind Idealisten des Kapitalismus (schaffend soll er sein, nicht raffend), Idealisten der Organisation der nationalen Interessen und auch Idealisten der Demokratie, nämlich weil sie den demokratischen Volksparteien nicht etwa vorwerfen, dass sie sich demokratisch haben wählen lassen, sondern sie kritisieren, dass diese immerzu rumlügen würden und letzen Endes dann doch mit allen möglichen Gegnern koalieren würden.
Faschisten sind somit nicht den Demokraten grundsätzlich gegensätzlich, sondern lediglich eine Interessengemeinschaft, die sehr wohl zu vielen Aspekten des bürgerlichen Diskurses passt. Und genau weil sie das tut, aber lediglich die Ziele konsequenter verfolgen möchte, deswegen soll sie verboten werden.
Edit aus gegebenem Anlass um Missverständnissen vorzubeugen:
Ich will darauf hinaus, dass wenn man Faschisten richtig kritisieren möchte, man um eine Kritik der Demokraten auch nicht herumkommt.
Wer meiner Threaderöffnung entnimmt, dass ich Faschisten verteidigen möchte, der hat absolut nichts verstanden.
Inhaltliche Auseinandersetzung mit den Thesen ist erwünscht und willkommen.
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