Digitale Notfallmappe für Hinterbliebenen Informationen

Allan Sche Sar

Lt. Commander
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1.970
Hallo zusammen,

ich bin dabei eine Notfallmappe zu erstellen. Also im Falle eines Unfalls, dass Menschen (denen ich vertraue) in meinem Umfeld Zugriff auf verschiedene Dienste haben oder über Informationen verfügen.
Aber auch einen Ort an dem geregelt ist, wie mit Lebenserhaltenden Massnahmen umgegangen werden soll.

Solche Notfallmappen kennen ich in Papierform auszufüllen und sich beim schreiben der 20 Seiten oder mehr einen Krampf zu holen. Wenn dann etwas geändert werden muss, so muss man die Seite komplett neu schreiben.

Das entspricht nicht meiner Natur. Ich hätte gerne eine digitale Lösung - welche ich jedoch auch ausdrucken werden nach Abschluss.
Nur finde ich nicht so recht etwas im Netz.

Hat sich bereits jemand mit dem Thema digitale Notfallmappe beschäftigt und kann mir unter die Arme greifen?
 
Trenne die digitale Welt von der realen Welt.

Also Patientenverfuegung, letzter Wille etc. nicht zusammen mit "Papieren" wo Passwoerter/Keys zu digitalen Diensten drin sind. Macht Schreibarbeit einfacher.

Ich hab z.B. die Zugangsdaten fuer alles Digitale aka Telefon, Computer, irgendwelche Accounts wie CB hier, Mail-Provider usw. in einem kleinen VeraCrypt-Container. In dem Container sind auch die digitalen Kopien meiner Patientenverfuegung, letzter Wille und ein paar andere Sachen wie Versicherungsvertraege. Frau und Sohn wissen wie sie daran kommen.
 
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BFF schrieb:
Trenne die digitale Welt von der realen Welt.
Würde ich auch empfehlen. Alles was rechtlich geregelt werden muss, muss sauber in Papierform erledigt werden, das kann sein (je nach eigenen Wünschen):
  • Patientenverfügung
  • Vorsorgevollmacht
  • Betreuungsverfügung
  • Vollmachten über Konten/Depots vor einem Erbfall (Wichtig, um Verbindlichkeiten von vor dem Tod oder für die Beerdigung zu begleichen)
  • Testament (Empfehlung: Beim Amtsgericht hinterlegen)
  • Organspendeausweis (Neue DB über Bund-ID: https://organspende-register.de/erklaerendenportal/)
  • Medikamentenplan
  • Ggf. Erkrankungshistorie für den Rettungsdienst/Notarzt

Alle übrigen Dinge kann man dann individuell (digital) Regeln. Ich habe alle Zugangsdaten für alle Accounts, die ich besitze in einem Passwortsafe. Dadurch muss ich "nur" das Masterpasswort für diese verschlüsselte Datei übergeben und der Empfänger hat automatisch Zugriff auf alles.
Darüber hinaus habe ich eine Excel-Tabell mit allen laufenden Verträgen. Zugriff darauf hat auch meine Frau. Die könnte man ggf. auch noch ausdrucken, damit auch dritte ohne großen Aufwand Zugriff drauf hätten. Die müsste man natürlich immer mal wieder ausdrucken, wenn sich was ändert.
Was würdest du in die Mappe denn reinschreiben? Außer Zugangsdaten auch noch Anleitungen oder ähnliches?
 
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Eventuell als Ergänzung, weil ich das gestern zufällig entdeckt habe: Bei Apple kann man eine Nachlassperson hinterlegen im Account. Man erhält dann einen Code. Im Falle des Ablebens des Accountbesitzers überträgt Apple alle Zugänge auf die Nachlassperson wenn man diesen Code in Kombination mit einer Sterbeurkunde bei Apple einreicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, erhält die Nachlassperson dann auch die Möglichkeit gesperrt Geräte zu entsperren.

Heutzutage wo soviel über das Smartphone läuft (Banking, ePA etc.) eventuell auch ganz sinnvoll.
 
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Ich würde neben Passwörtern auch noch Beschreibungen für verschiedene Services erstellen. Zudem Beschreibung von Daten auf Festplatten. Die Zugriffe alleine über ein Passwort ist nicht ausreichend, um auf verschiedene Konten zuzugreifen. Auf meinen Festplatten sind Verifizierungsdateien für die Anmeldung und Vertragsunterlagen.
BFF schrieb:
Ich hab z.B. die Zugangsdaten fuer alles Digitale aka Telefon, Computer, irgendwelche Accounts wie CB hier, Mail-Provider usw. in einem kleinen VeraCrypt-Container
Wie weiss der Nachlass von dem Container?


Kagee schrieb:
Würde ich auch empfehlen. Alles was rechtlich geregelt werden muss, muss sauber in Papierform erledigt werden, das kann sein (je nach eigenen Wünschen):
  • Patientenverfügung
  • Vorsorgevollmacht
  • Betreuungsverfügung
  • Vollmachten über Konten/Depots vor einem Erbfall (Wichtig, um Verbindlichkeiten von vor dem Tod oder für die Beerdigung zu begleichen)
  • Testament (Empfehlung: Beim Amtsgericht hinterlegen)
  • Organspendeausweis (Neue DB über Bund-ID: https://organspende-register.de/erklaerendenportal/)
  • Medikamentenplan
  • Ggf. Erkrankungshistorie für den Rettungsdienst/Notarzt

Und genau diese Dokument möchte ich nicht mit einem Kugelschreiber ausfüllen, sondern nur unterschreiben müssen. Gibt es einen Online Service oder eine Plattform, wo ich mir diese Formulare herunterladen kann?

Einen Organspendeausweiss habe ich bereits in meinem Gepäck seit knapp 20 Jahren. Nun wohne ich in der Schweiz und muss schauen, was es für ein EU Register gibt.
 
Notfalls Formular einscannen und von einer KI in Word übertragen lassen
 
Allan Sche Sar schrieb:
Wie weiss der Nachlass von dem Container?
Ganz einfach.
Sie wissen bereits wo er ist. Einmal auf meinem PC, einmal auf unserem NAS, eimal in der Familien iCloud, einmal auf einer kleinen HDD im Bankschließfach.

Jeder von uns hat solch einen Container.

eltono91 schrieb:
Wenn ich es richtig verstanden habe, erhält die Nachlassperson dann auch die Möglichkeit gesperrt Geräte zu entsperren.
Korrekt.
 
Allan Sche Sar schrieb:
Wie weiss der Nachlass von dem Container?
Gegenfrage: wer muss davon wissen und wie schlimm ist es, wenn jemand schon vorher das PW dazu kennt?

Ich würde das einfach analog den paar Leuten geben, die auf das digitale Erbe (egal, ob es dann echtes Erbe ist oder ich nur nicht mehr zurechnungsfähig bin) zugreifen müssen.

Gerade so Dinge wie eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht müssen beide Parteien unterschreiben. Eine einfache Adobe-PDF Unterschrift dürfte dort nicht genügen, bei Docusign must Du das unterschriebene Dokument nachher irgendwo rechtssicher lagern. Was im privaten Sektor davon in D anerkannt wird, ist mir unbekannt.

Im Zweifel das ganze über einen Notar regeln und den Bevollmächtigten nur sagen, an wen sie sich wenden können. Wenn ich den Leuten aber so wenig traue, kann ich es persönlich auch gleich lassen.

Allan Sche Sar schrieb:
Und genau diese Dokument möchte ich nicht mit einem Kugelschreiber ausfüllen, sondern nur unterschreiben müssen.
EIn Testament muss in D zwingend komplett handgeschrieben sein, ob es einem gefällt oder nicht. Ggf. darf hier auch wieder ein Notar helfen, wenn man selber nicht (mehr) schreiben kann.

Allan Sche Sar schrieb:
Gibt es einen Online Service oder eine Plattform, wo ich mir diese Formulare herunterladen kann?
Schau mal auf Youtube bei "Versicherungen mit Kopf". Dort wurde sowas mal vorgestellt.

Das war vor ca. einem Jahr. Da ich hier keine Werbung machen will (und die Plattform nicht kenne) u.U. auch nach "Vorsorgedokumente online erstellen (mit HYLI)" (auch VersicherungenMitKopf) suchen und Dir selber ein Bild davon machen.

Aber:
D ist extremst rückständig. Nicht nur, dass ich vor 5 Jahren die Vorsorgevollmacht für meine Mutter noch an das Krankenhaus faxen musste (das ging halt schneller wie per Brief oder 600km Autofahrt). Banken weigern sich, Gesetze hin oder her, eine nur vom Vollmachtgeber und den Bevollmächtigten unterschriebene Vollmacht anzuerkennen (da muss man wohl erst bis zum EUGH klagen, was keiner macht, weil es zu lange dauert).
Bei klassischen Filialbanken hilft einzig eine Vollmacht je Bank, die in der Filiale (im Beisein eines der dortigen Seelenverkäufer) unterschrieben wurde. Umzüge des Bevollmächtigten lassen sich danach per Mail und gescannten Dokumenten melden.

Für eine Immobilien wäre es auch wichtig, dass die Vorsorgevollmacht notariell beglaubigt ist. Sonst kannst du noch so lange und unwiederbringlich ohne Entscheidungsgewalt im Heim landen, der Verkauf der Immobilie wird extrem schwierig und zeitaufwändig.

Schweiz: ok, ich bin raus, dachte es geht um Deutsches Recht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schau mal bei deiner Gemeinde/Landkreis.

Bei uns hat man so eine Notfallmappe erstellt. Die kann man bestellen oder auch befüllen und ausdrucken. Enthält allgemeine Dinge (wie möchte man beerdigt werden). Es sind auch Seiten vorhanden für Digitale Sachen..

Findet man bei uns über Seniorenberatung. Gibt es sicher auch in der Schweiz..
 
Allan Sche Sar schrieb:
Ich würde neben Passwörtern auch noch Beschreibungen für verschiedene Services erstellen. Zudem Beschreibung von Daten auf Festplatten. Die Zugriffe alleine über ein Passwort ist nicht ausreichend, um auf verschiedene Konten zuzugreifen. Auf meinen Festplatten sind Verifizierungsdateien für die Anmeldung und Vertragsunterlagen.

Wie weiss der Nachlass von dem Container?




Und genau diese Dokument möchte ich nicht mit einem Kugelschreiber ausfüllen, sondern nur unterschreiben müssen. Gibt es einen Online Service oder eine Plattform, wo ich mir diese Formulare herunterladen kann?

Einen Organspendeausweiss habe ich bereits in meinem Gepäck seit knapp 20 Jahren. Nun wohne ich in der Schweiz und muss schauen, was es für ein EU Register gibt.

Puh okay. Im Schweizer Recht kenne ich mich überhaupt nicht aus.

Falls jemand diesen Thread nochmal finden und Inhalte für deutsches Recht sucht:

Allan Sche Sar schrieb:
Und genau diese Dokument möchte ich nicht mit einem Kugelschreiber ausfüllen, sondern nur unterschreiben müssen. Gibt es einen Online Service oder eine Plattform, wo ich mir diese Formulare herunterladen kann?
Ja. Natürlich gibt es Vorlagen. Aber auch die wirst du in der Regel anpassen müssen, da du deinen eigenen Willen dort ja reinschreiben musst. Die Formulierungen können also immer nur Vorschläge sein. Einzige Ausnahme (wie oben schon geschrieben): Testtamen. Das ist nur gültig, wenn es Handgeschrieben ist.

Vorlage:
 
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