das Problem bei Kopfhörern und Kopfhörerverstärkern ist jenes, dass sie zusammenpassen KÖNNEN aber auch schon mal richtig schlecht miteinander harmonieren. Das muss man leider ausprobieren.
Dem 990er Badewannensound nachzusagen ist Blödsinn. Heutzutage ist sehr viel Schund auf dem Markt und vieles wird uns per Marketingstrategie als Topware oder Highend-Produkt angepriesen - solange bis wir es glauben. Im Umkehrschluss werden so wirklich gute Geräte schlecht gemacht. Und genug sind auf dem Quark bereits reingefallen. Ich habe vor einigen Monaten eine extensive Hörsession bei Madooma in Dortmund durchgezogen und war von entsetzt bis erschrocken, wie manches Gerät klingt. Ein paar positive Überraschungen waren auch dabei.
Ich "kam" von einem seinerzeit als neutral bis leicht zurückhaltend charakterisierten Sennheiser 580 precision pro. Der gehörte mal zu den Referenzkopfhörern vor der Jahrtausendwende. Ich hatte auch nie Zweifel an dieser Einschätzung. Zum Vergleich zieht man einfach eine sehr anständige Stereoanlage heran. Gewisse Grundcharakteristika sollten beide haben, dann weiß man, okay, es gibt einen Ausgangspunkt. Ist schlecht in Worte zu fassen.
Gehört bis vor ein paar Monaten habe ich immer direkt am Verstärker oder am CD-Player, eigentlich eher suboptimale Hörbedingungen, aber meine Hardware ist kein biliger Schund vom Discounter. Wenn's sein musste höre ich auch mal am PC. Der aber ist für mich kein permanentes Abspielgerät. Trotzdem werkelt auch da eine hochwertige Soundkarte. Wenn, dann will ich keine großen Abstriche machen.
Als ich vor ein zwei Jahren auf die Idee kam, den Sennheiser mal so langsam zu ersetzen, habe ich begonnen, zu testen, probezuhören.
Klanglich wollte ich mich eigentlich auch nicht großartig verändern, verschlechtern schon gar nicht. Ich mag Bässe zwar, mich zuhämmern lassen will ich aber auch nicht. Ich brauche meine Ohren noch bis irgendwann mal in die Urne hüpfe. Mittenbetonung ist nichts für mich, da sie das gesamte Klangbild versaut und die Höhen sollten luftig und sauber klingen. Ich will Details, kein Wischiwaschi.
Wenn man sich mit meiner Voraussetzung so durch's Netz liest, kommt man zum Schluß, es gäbe nur den AKG 601 oder 701, Sennheiser 650er, besser noch 700er oder 800er und einige andere Patienten bis hin zum Stax.
Ich hörte u.a. auch drei Geräte von Teufel. Da können sie auch hingehen. Die Sennheiser 600 und 650 wären in der Tat interessant, aber die Preise von denen finde ich nicht okay wenn man hier im Preisvergleich mal den Entwicklungsverlauf sieht. Der 700er ist nicht mein Fall, gefällt mir aber etwas besser als der maßlos überteuerte 800er. Der 800er klingt für mich beschneidend. Tolle Bühne aber wenn man das Gefühl hat, die Mitten nagen an den Höhen... und das am großen KHV von Sennheiser. Danke aber nein Danke.
Die AKG bzw. vielmehr DER AKG, der 701 sind im Hochton unangenehm aggressiv. Das gesamte Klangbild nervt mich. Getestet an mehreren KHV und direkt am Mac und am CD-Player. Da gab's noch einen netten Shure aus der 500-Euro-Abteilung. Dummerweise ohraufliegend. Blöd. Klanglich hat der mir zugesagt. Stax fand ich teilweise okay, teilweise überspitzt. Für den aufgerufenen Preis dann aber doch noch uninteressant. Okay, war aber "nur" das Einsteigermodell. Dafür kaufen andere uralte Gebrauchtwagen...
In der ganzen Hör"arie" habe ich dann schon fast aus Verzweiflung zu den Beyers gegriffen. Vor dem 580er hatte ich damals einen 990er gehabt. Was ich noch in Erinnerung hatte: lockerer Sitz, Spiralkabel und schrecklich dünner Klang, ganz wenig Bässe, ganz viel Höhen.
Aber nee, der ist heute ganz anders. Ich habe bei Madooma den 880er als Edition angehört, den 990er als Edition und als Pro.
Am Ende gefielen mir 880er Edition und 990er Pro so gut, dass ich sie beide mitnahm. War vorher so nicht geplant. Aber gut, dass ich mir die Beyers nochmal angesehen ähm angehört hatte. Angenehm neutral bzw. ausgewogen. Der 990er bringt eine Spur mehr Bass und Wärme mit (ein Emotionsgerät quasi), der 880er punktet dafür je nach Musik mit großer Bühne und etwas mehr in Richtung Nüchternheit (im Grunde was für Genießer der Unverfälschtheit). Am Ende habe ich's noch rund gemacht und mir einen KHV von Violectric gekauft. Das gab dann gleich noch ein ordentliches Tüpfelchen oben drauf. Was höre ich an Musik? Pop, Rock, Jazz, Funk, Soul, Lounge, Electronic.
Zum Thema KHV kann man auch sagen, dass es da schon große Unterschiede gibt. Im Idealfall nimmt man sich die Zeit, im gut sortierten Fachladen eine ausgiebige Hörsession abzuhalten. Quelle: Musik-CD. KEIN MP3-Quark. Damit kann man sich eher den Hörgenuss verderben.
Beim Kauf muss man auch darauf achten, welche OHM-Zahl man wählt. Geräte mit eher schwachen Ausgängen sollten mit KHs bei 32 oder 80 Ohm konfrontiert werden. 250er werden da schon leiser klingen, manchmal zu leise. Und 600er sind nur was für Puristen am Topequipment. Da ist ein erstklassiger KHV eigentlich Pflicht.