xXPsychoclownXx schrieb:
hört sich doch stimmig an...ich mache meine ausbildung als fachinformatiker in systemintegration und bin somit auch in einer klasse mit den anwendungsentwicklern...und somit weiss ich auch, dass du kein mathe mehr haben wirst^^
Gerade die Anwendungsentwickler benötigen Mathematik ohne Ende. Mathematik lehrt uns nicht, was A+B ist. Das kann der Computer wirklich auch erledigen. Mathematik lehrt uns, wie wir ein realistisches Problem in klare Segmente teilen und diese Segmente programmatisch abarbeiten. Mathematik ist der Schlüssel zur Algorithmierung und somit zur Anwendungsentwicklung. Kein Algorithmus -> keine Anwendung.
Genauso: Kein Mathe -> kein Plan von Mengelehre -> massive Probleme bei Logik... und ohne Logik wird auch nix in der Informatik. Es muss ja keine mehrwertige Logik sein, aber zweiwertige Aussagenlogik braucht man überraschend oft, auch wenn man sich dessen kaum bewusst ist.
Man kann z.B. glauben, dass man die Pseudotetraden, die man bei der Ansteuerung einer Sieben-Segment-Anzeige in der Ausbildung vielleicht mal betrachtet, nie wieder braucht. Tatsächlich hatte ich vor nem halben Jahr ein Problem, das ich am Ende durch eine analoge Herangehensweise schnell und elegant lösen konnte. Mathematik machts möglich: Teile und herrsche.
DunklerRabe schrieb:
Firmen beklagen, zum Großteil zu Recht, Azubis mit schlechter Allgemeinbildung, mangelnder Selbstständigkeit und so weiter. Das ist nichts was sich in Schulnoten niederschlägt. Daher beklagen sie auch keine schwachen Abschlüsse, da dort nicht unbedingt ein Zusammenhang besteht.
Ah komm. Ich hab genug Kandidaten der aktuellen Jahrgänge kennen gelernt. Mangelnde Selbständigkeit? 100%. Schlechte Allgemeinbildung? Auf jeden Fall. Bei denen kommen auf jede Stunde mit dem PS3-Controller in der Hand nur 2 Minuten mit nem Buch. Bildung kommt übers Smartphone, indem man Wikipedia befragt...
So etwas schlägt sich aber ganz sicher auf die Noten nieder. Diese faule Bande, die jetzt so 16-20 Jahre alt ist, zeigt zu weiten Teilen einfach leeren Raum zwischen den Ohren. Wenn die nie in ihrem Leben ein Buch um des Buches willen in die Hand genommen haben, dann schlägt sich das als aller erstes auf Rechtschreibung, Satzbau und Wortschatz nieder. Das gilt für alle Sprachen. Hätt' ich Herr der Ringe nicht auf Englisch gelesen, ich wüsste wohl kaum, was "alas" heißt. Scheint Tolkiens Lieblingswort zu sein, analog zu Lovecrafts "cyclopean". Somit können wir aus den Noten in Deutsch heraus schon einmal ziemlich weit in die Psyche des Probanden blicken. Wenn der Proband jetzt in Mathe nur miese Noten hat, dann kann es mit seinem logischen und algorithmischen Denkvermögen nicht weit her sein: Mathe, Schach und Programmierung schlagen alle in dieselbe Kerbe. Mit einer 4 in Mathe ist der Proband in einer denkbar schlechten Ausgangslage für einen Entwickler-Beruf. Zum besseren Kabelaffen taugt er wohl, aber nicht zum Entwickler. Entweder war der Proband zu faul, permanent abgelenkt oder seine Synapsen schalten nicht auf Logik...
Es gibt Noten, die in der IT keine Rolle spielen. Dazu gehören die Kunst-Fächer, Ethik/Reli/Gemeinschaftskunde und Sport. Wobei etwas künstlerisches Talent kein Nachteil ist. Sowas sorgt für kreative Ansätze, kann wirklich interessant sein.
Da kommen Leute, die sich auf eine Ausbildungsstelle in der IT bewerben, z.B. als FI SI. Die leiden jetzt schon unter mangelnder Allgemeinmeinbildung und sind außerdem IT-mäßig praktisch garnicht vorbereitet.
Oh ja, die liebe Allgemeinbildung... Spätestens wenn du dem Praktikanten gegenüber erwähnst, dass du im Urlaub n Ausflug nach Xanten gemacht hast und ihm dazu rein gar nichts einfällt weißt du, wie es um die Bildung heute bestellt ist.
Lukas97 schrieb:
Ist Informatik ein Fach an einer Schule (Gesamtschule)? Weil bei uns gabs das nicht.
Bei mir gabs Info als Fach seit Mitte/Ende der 90er. War aber damals eher ein Kurs in "Wo ist der Powerknopf, wo geht Works auf...". Es fehlte damals einfach an kompetenten Personal. Infolehrer wurde der, der Excel richtig buchstabieren konnte und den "Any-Key" blind finden konnte.
Später, in der Oberstufe, gabs aber tatsächlich noch einmal richtig guten Unterricht. Da wurde richtig programmiert, anhand von Turbo Pascal und Delphi, inklusive Objektorientierung. Das ist dann Zeug, mit dem man wirklcih was anfangen kann. Auch wenn es nur Grundlagen sind: OO braucht man als Anwendungsentwickler garantiert, je eher man damit in Berührung kommt desto besser.