Vielleich verstehe ich hier ja etwas falsch, aber anscheinend haben einige hier die Einstellung, dass der Arbeitsmarkt etwas sei, das ihnen einfach passiert. Gerade in den technischen Fächern liegt doch aber auf der Hand, wie einfach die Mechanismen sind: will man beruflich erfolgreich sein, muss man seinem Arbeitgeber eine Leistung bieten, die mehr wert ist, als das eigene Gehalt. Die Tatsache, dass ein vollständiges Bewerbungsverfahren eine Menge Zeit und Geld kostet, erhöht den Einsatz für das Unternehmen - dass man hier kein Risiko eingehen will und im Zweifel einschlägige Referenzen wie Praktika oder fachbezogene Abschlussarbeiten verlangt, ist doch nur konsequent. Dass ein Hochschulabschluss keine Lizenz zum Gelddrucken ist (und auch nie war), sollte sich auch hier langsam herum gesprochen haben.
Ich habe in letzter Zeit ziemlich viele Lebensläufe von sehr gut verdienenden Personen aus dem technischen Bereich in der Hand gehabt. Da waren einfache BEngs genauso dabei wie MSc mit MBA von Yale etc. Heute war sogar einer dabei, dessen höchster Abschluss die Ausbildung zum Industriemechaniker war - heute leitet er in dne USA mehrere Fabriken für einen mittelgroßen Automobilzulieferer. So unterschiedlich diese Werdegänge auch sind, eines ist ihnen gemeinsam: sie haben Verantwortung übernommen. Erst für sich selbst (und das idR sehr früh) und später im Rahmen der ersten Führungserfahrungen für den Erfolg ganzer Teams.
Also hört doch bitte auf, aufgrund irgendwelcher Statistiken oder Hörensagen auf den bösen Arbeitsmarkt zu schimpfen. Gerade in den Ingenieurswissenschaften gilt heutzutage, dass man es selber in der Hand hat. Und wer - überspitzt gesagt - tatsächlich erwartet, dass allein ein Abschlusszeugnis die Eintrittskarte in den priveligierten Club der Hausingenieure von EADS ist oder sein sollte, der hat an einer Hochschule ohnehin nicht viel verloren. Hängt euch einfach rein und dann zeigt, was ihr könnt - dann wird auch nichts groß schief gehen. Aber man kann natürlich auch in der Zeit im Internet recherchieren und diskutieren, was an der Situation alles nicht stimmt, anstatt sie einfach selbst in die Hand zu nehmen
p.s.
Dass ein Praktikum zur Lebenslaufkosmetik nicht taugt, wenn man im Vorstellungsgesprääch nicht mal erläutern kann, was einem das konkret gebracht hat, sollte auch klar sein. Klingt überspitzt, passiert aber in unserer Generation der Stoischen Lebenslaufoptimierer immer öfter...