Mein Güte, wie ich sowas hasse. Unser Rechtssystem ist dermaßen kompliziert...
Allerdings kann sich eine Ausnahme zB für Außenwände ergeben, die unter Einhaltung energiesparrechtlicher Vorschriften nach dem 31. Dezember 1983 errichtet oder erneuert worden sind (siehe Anlage 3 der EnEV). Entsprechend § 25 EnEV gibt es auch eine Befreiungsmöglichkeit wegen Unwirtschaftlichkeit.
Habs mir nochmal angesehen. Hier wird aber tatsächlich der 31.12.83 als Stichtag angeshen (meins ist aus den 60ern). Dennoch müsste sich der wirtschaftlichkeits ansatz übertragen lassen.
Ich versuche es mal so: Die EnEV basiert auf dem EEG. Da muss (habs auf die schnelle nicht gefunden) es wohl ein passus geben welcher fordert das eine Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll sein muss. Laut Az: 1 T 15543/05 des Landgericht München wurden hier 10 Jahre für die Amortisierung angesetzt und sind mittlerweile wohl gängige Rechtsprechung. Und da kann man was draus machen...
Ausgangsbasis.
OK, Schönrechnen und so und auch die Grunsatzdiskussion zum Dämmen kam ja schon auf, hilft mir aber alles nix... Laut aktueller Rechtsprechnung müsste ich wohl damit rechnen, dass ich zunächst meine Dämmung mit ~15cm machen muss. Kosten pro qm sind durchschnittlich 90€-150€. Aufgrund der zunächst günstigen Umstände muss ich am unteren Ende bleiben. Also sagen wir 90€.
Und jetzt mal en bissel gerrechnet...
Bei 90€ kosten mich die 100qm ~9000€
Ich "spare" 142.350kWh in 10 Jahren, was bei 0,07€/kwh 9964,5€ macht (ich weiß selber, dass das unrealistisch ist, hält sich aber nach meinen Möglichkeiten nahe an die übliche Berechnung).
Ergo: Die Ersparnis nach üblicher Rechnung beträgt nach 10 Jahren 964,5€, alles im grünen Bereich, die Maßnahme ist wirtschaftlich, ich muss also voll mit 15cm dämmen.
Das mein Bauvorhaben noch deutlich wirtschaftlicher wäre spielt juristisch keine Rolle.
ABER:
Um diese Maßnahme nach EnEV umzusetzen, müssen weitere vorbereitende Arbeiten vorgenommen werden. Das Dach müsste um min. 5-10cm verbreitert werden und ggf. wird sogar der Zugang zu Haustür zu schmal. Hier muss (bin mir nicht ganz sicher, ist auch in den Bundesländern unterschiedlich geregelt) aus Brandschutzgründen eine mindestbreite von 100-80cm eingehalten werden. Auch das kann eng werden. Alleinde das Dach würde mindestens ~2500€ kosten und der Treppenaufgang zur Haustür nochmal etwa 3000€
Bei der Tür bin ich mir nicht sicher, aber beim Dach!
Damit kostet die Maßnahme nicht 9000€ sondern 11500€ und eine Amortisierung in 10 Jahren ist nicht möglich

Somit dürfte die Maßnahme aus den Vorgaben heraus fallen da es nicht möglich ist sie unter Einhaltung der EnEV wirtschaftlich um zu setzten.
Dazu muss ich sagen: Ich habe keinen verwertbaren Fall gefunden der meinem direkt ähnelt. Aber ich habe mehrere Informationen an Architekten gefunden, worin sie darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie ihren Kunden gegenüber verpflichtet sind die Wirtschaftlichkeit solcher Maßnahmen zu prüfen. Wird dies unterlassen können Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden (und wurden wohl auch bereits). Also sollte die Wirtschaftlichkeit wohl ein Hebel sein an dem man ansetzen könnte.
Meint ihr das könnte gehen? Oder schlicht Bullshit based on Wunschdenken?
EDIT:
so, da ja schimmel kein problem ist. was für steine sind denn für die außenmauer verwendet worden? und wie dick ist die außenmauer?
Hohllochziegel weichgebrannt aus mitte 60er ~24cm. Innen Gipsputz und außen ein mineralischer Putz. Ich kenne das Material vom Namen nicht, hatte aber bei der Kellersanierung einen Gutachter da der meinte das oberirdisch keine Trockung notwendig ist da die Wand problemlos und schnell auch nach außen abtrockenen kann. Ergo: Es muss ein diffusionsoffener Putz sein sonst würde das nicht gehen. Es sind sonst keine Sperrschichten verbaut.
EDIT2:
soweit ich das spontan überblickt habe, nirgends Wandstärken vorgeschrieben, sondern immer nur Wärmedurchgangskoeffizienten.
Da hast du vollkommen recht, auch mit dem was du folgend schreibst. Es werden bestimmt Durchgangskoeffizienten genannt welche Mindeststandards für bestimmte Werkstoffe definieren (das sind diese Lambda Werte [unabhängig von der Dicke]) und es werden Vorgaben für z.B. Wand, Fenster, Dach... gemacht. Das ist der U Wert. Angenommen du musst einen U Wert von 0,24 für eine Wand erreichen setzt sich der aus der Dämmwirkung von Mauer, Putz und ggf. Dämmung zusammen. Und hier kommt dann auch die Abhängigkeit von der Dicke zum tragen. Denn die Wand an sich ist fix und (in der Praxis) nicht variabel. Also musst du eine bestimmte Dicke Dämmmaterial mit einem angegebenen Durchgangskoeffizienten auftragen um auf den geforderten Wert zu kommen.
Ergebis: Niemand schreibt 15cm xy vor. Aber da bei alten Gebäuden (wie bei mir) die Wand selber kaum Dämmt benötigt man sehr oft eine Dicke von 15cm der klassischen Dämmstoffe um in Summe auf den vorgegeben Wert zu kommen. Die diversen Dämmstoffe unterscheiden sich nur marginal. Erst Vakuumplatten sind wirklich deutlich besser als Styropor, Mineral/Holzfaser/Hanf/Jutewolle. Nur leider völlig unbezahlbar und extrem empfindlich.