Globalisierung - "Die Bürde des weißen Mannes" ?

Der Daedalus

Commander
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Viel wird geredet über den G8 Gipfel, die Globalisierung und deren Gegner.

Nun stellt sich mir immer wieder die Frage was "Globalisierungsgegner" eigentlich wollen.
Wogegen sind sie?
Was fordern sie?
Sind ihre Kritikpunkte und Forderungen berechtigt?

Zur Einleitung in dieses Thema kann ich einen Beitrag aus der Online Version der FAZ empfehlen.
http://www.faz.net/s/RubF0E4F4ECFDD...49A8A065E0FFC8BA07~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Dieser gibt im Grunde meine Einstellung zu der Thematik recht gut wieder.

Klar ist, dass nicht alles, was im Zuge der Globalisierung passiert richtig ist.
Doch sehe ich deshalb keinen Grund alles schlecht zu machen. Wie bei vielen anderen Dingen gilt für mich auch hier:
Das Grundkonzept ist gut, denn es dient dem Menschen. Über die Ausgestaltung muss man sich in einigen Punkten mehr Gedanken machen. Dies allerdings liegt in der Verantwortung aller Menschen und jeder kann seinen Teil zur Gestaltung beitragen.

Hinweisen möchte ich in diesem Zuge auch auf Projekte in Afrika bei denen nach dem Motto "weniger ist mehr" sehr erstaunliche Erfolge erzielt werden.
So gibt es etwas, was sich Millenium Projekt (nicht das, was du UNO aufgezogen hat) nennt. Dort werden die Menschen mit wenig Geld sinnvoll unterstützt. Den Bauern wird beigebracht, wie sie Düngen müssen und was sie beim Anbau ihrer Pflanzen zu beachten haben. Es werden Schulen gebaut und Lehrer ausgebildet. Und der Grundsatz des Programms: "Nach 5 Jahren sind wir weg und ihr müsst zusehen wie ihr selbst klar kommt."
Die Erfolge scheinen dem Konzept recht zu geben.
 
Zu den Gegnern der Globalisierung:
Wenn sich die G8 treffen, wird kritisiert, dass hier eine kleine Elite das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hand nehmen will. Wenn sich in Hamburg die Außenminister von 27 EU-Staaten und 16 asiatischen Staaten treffen, ist das ebenfalls eine Demo wert. Ich weiß nicht, ob die ASEM-Gegner überhaupt wussten, was auf der Tagesordnung in Hamburg stand:
- Afghanistan, Irak, Naher Osten,
- Atomprogramme (Iran, Nordkorea),
- Klimaschutz,
- Energieversorgung.
 
Wenn sich die G8 treffen, wird kritisiert, dass hier eine kleine Elite das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hand nehmen will.

Dabei ist dieser Kritikpunkt konstruiert und eigentlich völlig an dem vorbei, was G8 ist.

Die Treffen der G8 Repräsentanten haben durchaus einen Sinn. Dort wird darüber diskutiert wie die Staaten, die über ein enormes finanzielles Potential verfügen, ihre Resourcen sinnvoll einsetzen können um etwas zu bewegen.
 
Die Hilfe, die an vielen Stellen geleistet werden muss, kann nur von denen kommen, die etwas erübrigen können. Und das sind die Industrienationen. Im Sinne eines G8-Kritikern sollte man vielleicht ebenso die Regierungschefs aus Tansania oder Uganda nach Heiligendamm einladen. Aber die sind schon damit überfordert, ihre Bevölkerung mit Nahrung, Trinkwasser, Medizin und etwas Bildung zu versorgen. Die großen Gesprächsrunden gibt es bereits bei den Vereinten Nationen.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Anregungen für Hilfeleistungen in Afrika und anderen armen Regionen, etwa die Mikrokredite. Aber auch dieses Geld muss irgendwo herkommen, genauer gesagt aus den Ländern, die über Geldreserven verfügen. Das sind wieder die industralisierten Nationen, nicht die sog. Entwicklungsländer. So gesehen sitzen in Heiligendamm schon die richtigen Leute am Tisch.
 
Für mich stellt sich die Frage, ob eine Frage, die nach der Berechtigung der Kritik fragt, selber überhaupt gerechtfertigt ist. Wenn einer etwas kritisiert, so hat er oder sie sich Gedanken gemacht und ist zu einem Schluß gekommen, der eine Kritik notwendig macht.
Wenn jetzt aber einer aus der Reihe der Kritisierten ankommt und mit seinen Maßstäben die Kritik seiner Gegner beleuchtet dann ist doch nur logisch, dass ihre Kritik seinen Maßstäben nicht gerecht wird. Deshalb sollten wir die Frage, ob Kritik überhaupt berechtigt ist oder nicht, weglassen, denn sie ist es immer dann, wenn eine wie auch immer geartete Minderheit über das Schicksal einer Mehrheit entscheidet. Und das völlig unabhängig vom Inhalt.
 
Zuletzt bearbeitet:
@th30
Ich halte die Vorgehensweise, dass eine (aus-)gewählte Minderheit stellvertretend für eine Mehrheit handelt, für "naturgegeben". Du kannst z. B. einen Staat nicht dadurch regieren, dass jeder Bürger bei jeder Frage mit abstimmt. Selbst in einem Parlament oder innerhalb einer Regierung vollzieht sich die Meinungsbildung selten unter Einbeziehung aller Beteiligten. Das machen stets die "Eliten" unter sich aus, weil es anders gar nicht ginge (unter zeitlichen und organisatorischen Gesichtspunkten).

Der G8-Gipfel ist die Spitze dieses Eisberges. Dort reden ja auch nicht nur acht Leute miteinander, sondern dort werden Papiere erörtert, die zuvor in zahlreichen Arbeitsgruppen vorbereitet wurden. Man kann diese Vorgehensweise natürlich immer kritisieren. Trotzdem gibt es dazu kaum eine zweckmäßige Alternative.
 
Also wenn an dir Kritik geübt wird, dann hinterfragst du nicht ob diese Kritik an deiner Person überhaupt angebracht war?!

Erst wenn man Argumente und Gegenargumente vorliegen hat, kann doch eine sachliche Diskussion begonnen werden.
Die von mir genannten Punkte und vor allem die im genannten FAZ Artikel aufgeführten Aspekte gehen alle inhaltlich auf die Kritik der "Globalisierungsgegner" ein.

Wenn man jetzt die Diskussion mit dem Argument abwürgen will, dass Kritik an der Kritik nicht legitim sei, dann kommt man inhaltlich nicht weiter. Ferner stellt sich dann natürlich die Frage wie weit es denn wirklich her ist mit den sachlichen Argumenten der Kritiker.

Sprich: Wenn die Kritiker nicht inhaltlich auf die Gegenargumente der Kritisierten eingehen können, bzw. inhaltlich nichts mehr entgegen zu setzen haben, dann zeigt sich in meinen Augen, dass die Kritik an dem Kritisierten unbegründet war.

Es darf durchaus differenziert werden zwischen "unbegründeter" und "begründeter" Kritik. Vor allem dann, wenn man mit Kritik erreichen will, dass sich was am Kritisierten Zustand ändert.
 
Das Problem bei solchen Themen ist die jeweilige Sicht auf die Welt.
Keshkau hat z.B. schon den Begriff des Naturgegebenen ins Spiel gebracht was genausogut als ein Todschlagsargument aufgefaßt werden könnte und eigentlich jeder Sachlichkeit entbehrt...sofern man deinem (Daedalus) Post folgen will.

In Relativismus ausarten will aber wiederum auch niemand. Dann bräuchte man ja gleich nicht mehr diskutieren wenn jeder die Welt durch seine je eigene "Brille" sieht und eine Kommunikation somit auch gar nicht möglich wäre.

Hier allerdings geht es um Gesellschaftsgenese. Wenn Leute aufeinander treffen, die sagen, dass sie G8 toll finden und welche, die sagen G8 ist Kacke und die jeweiligen Argumente mehr oder weniger stichhaltig sind und man immer mehr in die Tiefe steigt, dann kommt man irgendwann, ob man will oder nicht, auf Grundfragen. Und diese haben für mich nichts mehr mit "Brillen" zu tun sondern mit grundsätzliches Beurteilungsvermögen einer Basis auf welcher Gesellschaft möglich oder unmöglich ist. Will heißen: Wenn einer partout nicht einsehen will, dass Kapitalismus etwas Gutes ist, dann hat das, hoffentlich, nichts damit zu tun, dass er unsachlich ist, sondern weil das nun mal gegen sein Verständnis von Welt geht. Und das nicht als reines Bauchgefühl, sondern nach reiflicher Überlegung.
 
Dies kannst du natürlich einführen um einer inhaltlichen und sachlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen.

Hilft das weiter? Ich denke kaum.

Dennoch ist Kritik an der Kritik durchaus legitim.
 
@th30
Es gibt je nach persönlicher Situation und Sichtweise (auch unter Einbeziehung individueller Wertvorstellungen) jeweils gute Gründe für und gegen eine Sache, wie z. B. die Globalisierung. Unter der Bedingung, dass man sich darauf einigen kann, was inhaltlich unter den zu diskutierenden Begriff fällt und was nicht, kommt jeder zu seiner Einschätzung. Keine der beiden Ansichten ist grundsätzlich falsch: Wenn der Kaffeebauer in Südamerika darüber klagt, dass er zu wenig Geld für seinen Kaffee bekommt, könnte er im selben Atemzug über die Globalisierung schimpfen. Ich dagegen könnte darauf verweisen, dass er ohne Globalisierung keinen Absatzmarkt für seinen Kaffee hätte und dass doch Vertragsfreiheit besteht. Demnach trägt er selbst teilweise die Schuld dafür, zu welchem Preis er seinen Kaffee verkauft.

Letztlich spielen doch bei aller Überlegung, die man anstellt, die Bewertungen eines Sachverhalts die entscheidende Rolle. Ich könnte, bezogen auf das Beispiel des Kaffeebauern, zu dem Schlus kommen, dass der Mann in Südamerika unterbezahlt ist. Und ich könnte mich auf eine innere Moral berufen, die das für ungerechtfertigt hält. Ob ich das so handhabe oder ob ich mich lieber an dem kostengünstigen Kaffee erfreue, bleibt mir überlassen.

Und gerade bei der Globalisierung ist es doch so, dass die Bevölkerungen ganzer Länder mehr oder weniger an einem Strang ziehen. Die Amerikaner, die im weltweiten Vergleich einen riesigen Strom- und Wasserverbrauch pro Person haben, sind z. B. kaum zu Zugeständnissen bereit. Wir wiederum schütteln darüber den Kopf und verweisen auf unsere Anstrengungen, die Verbräuche niedrig zu halten. Woanders in der Welt versteht man den Dissens zwischen den USA und den Europäern überhaupt nicht, weil die Europäer in deren Augen immer noch zehn Mal so viel Energie verbrauchen als die Menschen in den meisten Entwicklungsländern.

Der Knackpunkt bei allen globalen Themen ist ja, dass man versuchen will, die völlig unterschiedlichen Lebensbedingungen und -gewohnheiten irgendwie in Einklang zu bringen, damit es letztlich allen Menschen auf den Planeten besser geht.
 
Ich habe in Berichten gesehen, das die meisten Globalisierungsgegner garkeinen Plan davon haben, gegen was sie sind bzw. was die Themen beim G8-Gipfel sind. In ienen Beitrag fand ich es besonders unschön, das selbst eine der Organisatorinnen keine Auskunft darüber geben konnte.

keshkau schrieb:
Wenn der Kaffeebauer in Südamerika darüber klagt, dass er zu wenig Geld für seinen Kaffee bekommt, könnte er im selben Atemzug über die Globalisierung schimpfen. Ich dagegen könnte darauf verweisen, dass er ohne Globalisierung keinen Absatzmarkt für seinen Kaffee hätte und dass doch Vertragsfreiheit besteht. Demnach trägt er selbst teilweise die Schuld dafür, zu welchem Preis er seinen Kaffee verkauft.

Mir erscheint es so, das die Menschen nur das schlechte an der Globalisierung sehen wollen, was aber anscheinend ein normales menschliches Verhalten ist. Auf der anderenn Seite kam im Weltspiegel wirder ein Bericht, das niederländisches Gemüse den afrikanischen Markt überschwemmt, da es dank Subventionen so billig ist, das einhimische Bauern nicht mithalten können.
Eine Reduzierung der Subventionen für hier nicht mehr rentable Bereiche wäre ja auch ein Vorteil für uns, da man das Geld in andere Bereich stecken kann. Letzte Woche lief auch der zweite Teil von "Das Märchen vom gerechten Staat" dort wurden die Kohlesubventionen angesprochen und was man mit denen sinnvolles anstellen könnte (selbst wenn man die Kumpel mit vollen Lohn zuhause sitzen lässt und einfach die Zechen dicht macht).

-> Es geht mir eigentlich nur darum zu sagen, das vielen schon geholfen ist, wenn man den Subventionsirrsinn abstellt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie gesagt, lest euch bitte den FAZ Artikel durch der passt perfekt ins Thema.

Mir erscheint es so, das die Menschen nur das schlechte an der Globalisierung sehen wollen[...]

Genau so ist es.
So ist ja, wenn man dem FAZ Artikel Glauben schenkt, die Zahl der Armen Menschen z.B. in China gravierend zurück gegangen.

Einzig Afrika ist noch immer ein Problem. Aber hier wird vor allem die Entwicklungshilfe als Grund für die negative Entwicklung in Afrika angeführt (klingt im ersten Moment Paradox, macht bei genauerer Betrachtung aber durchaus Sinn).
 
Die Zeitschrift "Der Überblick" veröffentlichte in der Ausgabe 3/2005 den Artikel "Tanz auf dem Rand des Vulkans. Hilfswerke in Somalia, einem Land ohne Staat". Dort werden einige der Schwierigkeiten beschrieben, die man als Helfer vor Ort haben kann: Ich kann hier schlecht den Großteil des Textes zitieren, deshalb belasse ich es bei diesem Link:

http://www.weltpolitik.net/Regionen/Afrika/Somalia/Analysen/Tanz auf dem Rand des Vulkans.html

Die geschilderten Probleme sind Anarchie, militärisch ausgestattete und verfeindete Clans, Aushöhlung der heimischen Produktion durch Hilfslieferungen, fehlende Schul- und Ausbildung, Analphabetismus, mangelnde Infrastruktur (Müllabfuhr), Hunger, verbreiteter Drogenkonsum

Selbst die Vertreter der Vereinten Nationen haben 1995 resigniert das Land verlassen. Man sah einfach keinen Weg mehr, der Lage Herr zu werden. Hier würde mich interessieren, welche alternativen Vorschläge die Globalisierungsgegner in der Tasche haben, sofern ihnen Afrika überhaupt ein zentrales Anliegen sein sollte.
 
Ich habe ja fast Hemmungen, eure so überaus einvernehmliche Diskussion zu stören. Ich fühle mich beinahe 30 Jahre zurückversetzt, als ich immer gebannt und höchst amüsiert die "Diskussionen" im Fernsehen der DDR verfolgt habe: Die Teilnehmer überboten sich förmlich in ihren gegenseitigen Bestätigungen.

Es war mir auch klar, daß das Ergebnis eurer Beweisführung nur lauten konnte: Schuld an der Armut haben die Armen letztendlich selbst.

Um auch einmal die Kehrseite dieser Medaille zu Wort kommen zu lassen, empfehle ich das Buch des Schweizer Soziologen Jean Ziegler mit dem Titel "Das Imperium der Schande".
Um Lust zum Nachdenken zu bekommen, genügt vielleicht auch diese Buchbesprechung :http://www.nachdenkseiten.de/cms/front_content.php?idart=1189
 
Klasse Thread bis jetzt, habe ich das erste mal so schön hier gesehen. Satire pur? :D

Nun stellt sich mir immer wieder die Frage was "Globalisierungsgegner" eigentlich wollen.
Wogegen sind sie?
Was fordern sie?
Sind ihre Kritikpunkte und Forderungen berechtigt?

Es kam noch (fast) kein Diskussionsbeitrag von "Gegnern". Dann baut man sich halt welche, das Bild hat man ja im Kopf und "zerpflückt" "deren Argumente", sich gegenseitig auf die Schulter klopfend in der Luft.
Weiter so. :p
 
Warum habe ich gerade das Gleiche gedacht Mac und Brigitta?:)

@Dadalus&keshkew

benutzt ihr eigentlich den gleichen Rechner oder habt ihr 2 davon im gleichen Raum stehen?

Auc in dem G8 fred schmeißt ihr Euch die Bälle ja nur so zu.
Man könnte meinen, ihr führt Selbstgespräche:D

War das Eure Intention der Sendung Scheibenwischer in diesem Forum Leben einzuhauchen?

Dann ist das aber das falsche Unterforum ;)
 
@Brigitta
Wir können ja nichts dafür, dass den Globalisierunggegnern die Spucke wegbleibt oder dass Ihnen die Ideen ausgehen ;-)

Ich bin ja mal gespannt, ob noch etwas zum Thema Somalia kommt.

Aber gut! Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass der Wohlstand der frühindustrialisierten Länder zu einem Teil auf Kosten der Entwicklungsländer ging (man denke nur an die Kolonien). Manche würden jetzt einwenden, dass dies noch heute der Fall ist, was durchaus richtig sein mag. Das ist jedenfalls die Ausgangslage, die jetzt gegeben ist. Ich wollte mit meinem obigen Beispiel (#13) nur darauf hinweisen, dass einfache Holzhammermethoden, wie ein durchgängiger Schuldenerlass, keine Lösung darstellen. Wobei ich speziell beim Schuldenerlass mal die Gesichter der Leute sehen will, die irgendwo ihr Geld angelegt haben und denen die Bank nach dem G8-Gipfel mitteilt, dass ihre Knete nunmehr futsch ist - eben erlassen.


@Drakon
Es ist nicht so, dass ich unbedingt mit Daedalus in jedem Punkt übereinstimme. Aber wenn ich die Wahl habe, etwa zwischen ihm und jemandem wie extasy, dann macht es einfach mehr Spaß, dem Letztgenannten "eine reinzuwürgen" - zumal das in der Regel einfacher ist und deshalb leichter von der Hand geht. Ich könnte aber ebenso gut einmal die Seiten wechseln und hier heftigst gegen das G8-Treffen oder gegen die Globalisierung als solche wettern. Das wäre bestimmt mal ganz lustig.

@MacII
Ich greife exemplarisch einen Punkt aus der Buchbesprechung heraus, nämlich den Global Compact, demnach sollen die unterschreibenden Unternehmen:

1. die international verkündeten Menschenrechte respektieren und ihre Einhaltung innerhalb ihrer Einflusssphäre fördern.
2. sicherstellen, dass sie nicht bei Menschenrechtsverletzungen mitwirken.
3. das Recht ihrer Beschäftigten, sich gewerkschaftlich zu betätigen, respektieren sowie deren Recht auf Kollektivverhandlungen effektiv anerkennen.
4. alle Formen von Zwangsarbeit bzw. erzwungener Arbeit ausschließen.
5. an der Abschaffung von Kinderarbeit mitwirken.
6. jede Diskriminierung in Bezug auf Beschäftigung und Beruf ausschließen.
7. eine vorsorgende Haltung gegenüber Umweltgefährdungen einnehmen.
8. Initiativen zur Förderung größeren Umweltbewusstseins ergreifen.
9. die Entwicklung und die Verbreitung umweltfreundlicher Technologien ermutigen.
10. gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschließlich Erpressung und Bestechung.

Auf den Nachdenkseiten werden die dazugehörigen Gedanken von Jean Ziegler folgendermaßen wiedergegeben:

Der 1999 in Davos einstimmig verabschiedete Global Compact, der zwischen den Vereinten Nationen und transnationalen Konzernen geschlossen wurde, ist ein typisches Beispiel für "gut gemeint". Mit dem Global Compact wird Kontrolle Ad absurdum geführt. Die Entwicklung des Global Compacts mit seiner festgeschriebenen freiwilligen Selbstkontrolle der Konzerne in sozialer, umweltpolitischer und arbeitsrechtlicher Hinsicht ist ein Persilschein für die Kosmokraten.

Seine Einschätzung teile ich in dieser Form nicht. Wenn man den Global Compact aus westeuropäischer Perspektive betrachtet, mag es sich hierbei um Minimalstandards oder Selbstverständlichkeiten handeln, über die man bei uns gar nicht groß reden würde. In vielen Entwicklungsländern sieht die Realität aber völlig anders aus, wie ich schon am Beispiel Somalia gezeigt habe. Dort zählen die Menschenrechte nämlich nichts, weil man bereits an der nächsten privaten Straßensperre von einem bekifften Jugendlichen erschossen werden kann, nur weil man gerade nicht genug Geld bei sich hat. In so einem Land interessiert sich auch niemand für das Thema Kinderarbeit, weil sie ganz selbstverständlich zum Lebensalltag gehört. Wenn sich Unternehmen in solch einem Umfeld dazu verpflichten, vor Ort die oben genannten Grundsätze einzuhalten, obwohl sie es angesichts der geltenden Umstände nicht müssten, dann ist das schon ein richtiger Schritt, den ich nicht pauschal verurteilen würde.


Wenn ich schon einmal dabei bin, greife ich gleich noch einen zweiten Punkt aus der Buchbesprechung heraus, nämlich die Kritik an der Nutzung von Steueroasen durch global agierende Unternehmen. Vordergründig geht es darum, dass die Unternehmen dort zu wenig Steuern zahlen, wo sie ihren eigentlichen Geschäftssitz haben. Sie gründen Filialen in anderen Staaten, in denen günstigere Steuertarife gelten. Manchmal verwenden die Unternehmen interne Verrechnungspreise, um Gewinne von einem Land in ein anderes zu verschieben.

Wie läuft das genau ab? Erstens muss die passende Steueroase gefunden werden. Dabei gilt es zu prüfen, was einem wichtig ist. Hongkong und Singapur z. B. versprechen eine gute Infrastruktur und eine brauchbare Rechtsprechung. Dort klappt auch die Zusammenarbeit mit internationalen Institutionen gut. Man kann sich natürlich auch für die Niederländischen Antillen, für Belize oder den Libanon entscheiden. Hier sind die Rahmenbedingungen insgesamt schwieriger, dafür könnte ein Engagement steuerlich interessanter sein. – Der Konzern transferiert seinen Gewinn also in die Steueroase und zahlt statt z. B. 30 Prozent Steuern nur noch 10 Prozent. Da es sich bei den Unternehmen um Kapitalgesellschaften handelt, hat zunächst niemand etwas davon, nur der Konzerngewinn nach Steuern steigt. Als direkte Folge können höhere Gewinnbeteiligungen (Dividenden) ausgeschüttet werden, wovon meinetwegen der Aktionär in Deutschland profitiert. Aber spätestens jetzt schnappt die Falle zu, weil der Aktionär als Privatperson steuerpflichtig wird. So gesehen ist es gleichgültig, ob das Unternehmen Körperschaftsteuer zahlt oder der Eigentümer später zur Einkommensteuer herangezogen wird.

Natürlich gibt es noch andere Effekte im Zusammenhang mit den Offshore-Finanzplätzen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass man sich die Sachen immer im Detail ansehen muss, bevor man seine Kritik formuliert.
 
Zuletzt bearbeitet:
MacII schrieb:
Es war mir auch klar, daß das Ergebnis eurer Beweisführung nur lauten konnte: Schuld an der Armut haben die Armen letztendlich selbst.

Wo bitte habe ich dies gesagt oder auch nur ansatzweise auf diese Aussage hingearbeitet?!

Das Problem, gerade in Afrika, liegt bei dem völlig falschen Verständnis von Entwicklungshilfe. Dieser Begriff sagt es doch schon ... es soll Hilfe zur Entwicklung sein. Doch dies geschieht in Afrika keinesfalls.
- Man karrt Tonnenweise Lebensmittel dahin anstatt den Bauern zu zeigen, wie man effizient die Felder bestellt.
- Man sorgt durch billige Hilfsmittel (Milchpulver) dafür, dass die Bauern im Land keine Chance haben ihre Produkte abzusetzen.
- Man verschließt sich dem Markt Afrika als Zulieferer. Man will Rohstoffe, aber keine Endprodukte.

Hast du den Artikel auf dem meine Argumentation fußt durchgelesen? Ich denke nicht, denn sonst würdest du mir nicht das oben zitierte in den Mund legen.

@Brigitta
Kannst du mir sagen was das soll? Inhaltlich sagst du nichts zum Thema und kritisierst, dass wir friedlich Meinungen bzw. Argumente austauschen?
Sorry, aber der erste unsachliche Beitrag war der von dir!

@Topic

Um mal wieder was in den Raum zu werfen:

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, wie einige Menschen argumentieren.

Teilweise fodert ein und die selbe Person, dass 1.) in Deutschland die Reallöhne ständig steigen, 2.) die ärmeren Länder nicht "ausgebeutet" werden und 3.) gleiches Recht für alle Menschen auf der Welt gilt und 4.) wird dann der aktuelle Prozess der Globalisierung in dieser Form kritisiert.

So jetzt sehen wir erst einmal von Afrika ab und nehmen Länder wie China oder Indien und betrachten wir auch nicht Einzelfälle sondern erst einmal die Masse.
Es ist denke ich unbestreitbar, dass gerade in diesen Ländern im Moment der Lebensstandart der Einwohner sehr steigt. In China ist die Zahl der "armen" Menschen rapide gesunken.
Im gleichen Zuge sinken, wegen der steigenden Konkurrenz durch das Ausland, unsere Reallöhne leicht. Dennoch steigt der Lebensstandart.
Und jetzt die Rechte. Ich denke, wenn wir in 50 oder 100 Jahren noch einmal nach China und Indien schauen, dann wird sich da viel getan haben im Bezug auf Menschenrechte und Demokratie. Das solche Entwicklungen "nicht vom Zaun gebrochen werden können" ist doch klar, oder?

Für mich stellt sich die Frage: Wenn man vor allem 1. und 3. haben möchte, warum stellt man sich dann so gegen die Globalisierung?

Klar steigt unser Lebensstandart im Moment mehr, weil in China die Sachen billiger produziert werden können. Aber das ist doch eine Entwicklung von der beide provitieren. Gäbe es die "Globalisierung" nicht, dann würde es den Menschen in China dreckiger gehen als mit der Globalisierung.
 
Ich möchte das jetzt nicht als allumfassend richtig darstellen, aber grob kann man doch sagen, das China das Nordkorea ist, welches sich der Globalisierung geöffnet hat, oder nicht?

Bei diesem Beispiel sieht man sogar noch etwas: und zwar gewährleistet die Globalisierung aus meiner Sicht am effektivsten/stabilsten den Weltfrieden. Denn schließlich ist keinem Unternehmer oder Politiker daran gelegen Länder zu bombadieren wo eigene Fabriken stehen, oder wo die Leute (aus Sicht unserer Exportnation) eben unsere Produkte kaufen. Das sollte man sich insbesondere mal durch den Kopf gehen lassen, wenn man sich überlegt was Ende des 21. Jhd. passieren wird, wenn die fossilien Rohstoffe plötzlich zur Neige gehen. Durch Kleinstaaterei entsteht nur Missgunst und Neid, aber leider wollen das die rechten und linken vieler Gesellschaften. Erschließung von alternativen Energiequellen ist ein ähnliches Thema, der eine hat die natürlichen Ressourcen dafür (Wasserfälle, Sonne/Wüste, Wind) und ein anderer das KnowHow dort Kraftwerke zu bauen. Genausowenig gäbe es die immer mehr aufkeimende (bemannte) Raumfahrt, die unsere Zivilisation schließlich auch vor dem Ende bewahren soll.
Aber ohne Frage ist auch viel schlechtes bzw. egoistisches an die Umsetzung der Globalisierung gekoppelt, aber es demonstriert auch niemand das in den Schwellenländer alle Polizisten u.ä. bestechlich sind und Leute dann an Geräte kommen, oder mit Chemielastern irgendwo reinkommen, was sie mit gesundem Verständnis nicht sollten. Ist halt wie in der deutschen Politik, nur weil ein Gesetz nicht weit genug geht, sollte man sich doch nicht dagegenstellen, es ist doch immerhin der Beginn eines Umdenkens auf dem man aufbauen kann!


So und da es hier ja an "echten" Gegenargumenten mangeln soll, verweis ich einfach mal auf das so oft angepriesene YouTube Video, aus dem man sich vielleicht bedienen könnte:
http://www.youtube.com/watch?v=rsKryWZ69bM

P.S. Der Kaffeebauer wird natürlich entweder von der Mafia kleinlaut gehalten (massives Problem in Entwicklungsländern, Ärmste ausbeuten ist wohl einfacher) oder von den Großabnehmern damit abgespeist es gäbe ja genug andere Bauern sich über jene Bezahlung freuen würden ;)
 
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