Gendiagnostik ist doch nichts neues mehr.
Die Humangenetik muss aber hierüber ärztliche Schweigepflicht walten lassen.
Dubiose Internetgeschichten gehören nicht in den medizinischen Bereich. Wer soetwas auf Basis von Google macht, ist selbst schuld.
Noch eins: Für 999 $ bekommt man wieviel Hybridsonden bzw. Chips für FISH? Dann noch die Aufwandsentschädigung? Unbefugte können in den meisten Fällen mit einer Speichelprobe nichts anfangen. Genetisches Material aus dem Mundraum ist auch nicht gerade das Nonplusultra für solche Untersuchungen. Mehr als auf 10-20 Krankheiten bzw. Prädispositionen wird man da bestimmt nicht untersuchen. Dazu noch die wenigen Krankheiten mit Chromosomendislokationen/mutationen, die in einem Karyogramm sichtbar sind. Vernünftige Forscher arbeiten mit Stammzellen aus dem Knochenmark oder bestimmten Gewebeproben und nicht mit bakterienverseuchtem Speichel. Der ist nur etwas für Vaterschaftstests.
Gendiagnostik funktioniert nach dem Muster einer konkreten Fragestellung. Kinderlose Eltern, Eltern mit behinderten Kindern und Ängsten bei einer weiteren Schwangerschaft, Pränataldiagnostik und bekannte Erbkrankheiten.
Das Schrottschussprinzip ist immernoch ein Forschungsbereich. Firma XY kann auf Prädispositionsangaben dubioser Firmen nichts geben.
Nachdem Craig Venter sein Genom mit dem des Human Genom Projektes verglichen hat, hat man erst seit kurzen erkannt, dass die genetische Variabilität viel höher ist als angenommen.
Für alle, die in der Materie nicht bewandert sind: Was der Spiegel schreibt ist zwar richtig, Der Wert dieser Analysen ist aber meist gen Null. Eine komplette Sequenzierung des menschlichen Genoms dauert immernoch Monate. Die erste "vollständige" Sequenzierung hat fast ein Jahrzehnt in Anspruch genommen. Nur ein Bruchteil der Genominteraktion haben wir wirklich verstanden. Der nächste Schritt, Proteomics, bedarf noch vieler Jahre Forschungsarbeit, um wirklich Vorraussagen über Krankheiten und mögliche Krankheitsverläufe zu treffen.
Noch eine Klarstellung: Jeder Biochemiker darf heute solche Analysen durchführen, aber nur ein Arzt mit entsprechender Schweigepflicht darf aus den Ergebnissen, dem "Patienten" einen Befund stellen. Laboranalyse und Befundung sind zwei verschiedene Dinge.
Abgesehen von der Genomdiskussion, ist es schon ewig möglich, Krankheiten aufgrund des Blutbildes zu diagnostizieren. Ein offensichtlicher Mißbrauch von Blutwerten ist mir bis heute noch nicht bekannt. Deswegen sollte man der Genomanalyse nicht den Rücken zukehren. Genau wie jeder Arzt seine Blutproben heutzutage in große kommerzielle Laboratorien schickt, so werden in absehbarer Zukunft auch genetische Analysen vermarktet. Man sollte dieses Thema also nicht als Panikmache verunglimpfen.