"Jesus Camp" Militärischer Drill für US-Gotteskrieger- Freiheit oder Schulbesuch?

perfekt!57

Commodore
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Amerika (und die Welt) für Christus zurückerobern - "Entschuldigung, aber wir sind im Besitz der Wahrheit"

Scheint einen neuen Dokumentarfilm zu geben, den man möglicherweise gesehen haben sollte. (Ganz sicher dann, wenn man in der Nähe einer US-Base irgendwo hier wohnt, argwöhne ich immer mehr.)


"... Becky Fischer... , die wohl selbsternannte Pastorin, die sich mit überbordender Energie und Leibesfülle in die Jugendarbeit stürzt, ist der Star des aufsehenerregenden Dokumentarfilms „Jesus Camp“. Darin ist von einer Ermattung der evangelikalen Nachkommenschaft nichts zu spüren. Im Gegenteil, der militärische Drill, mit dem hier Kinder in Gotteskrieger verwandelt werden, muß aufgeklärten Christen Schauer über den Rücken jagen. Was Pastorin Fischer durchaus bezweckt. „Extremen Liberalen“, mithin allen noch nicht wiedergeborenen Christen und Ungläubigen, erklärt sie frohgemut den Filmemacherinnen Heidi Ewing und Rachel Grady, sollten beim Zusehen die Beine in den Stiefeln schlottern.

Ausgerechnet am Devil's Lake, dem Teufelssee, in North Dakota leitet Fischer eine Sommerkolonie, in der Kinder, vorzugsweise mit ihren Familien, für die Sache Gottes trainiert werden. Ja, trainiert, so heißt es im Film immer wieder, und die Pastorin will mit dem Training früh beginnen, am besten, wenn die Kinder zwischen sieben und neun Jahre alt sind. Das geschieht durch Spiele und Zeremonien, die gern in Massenhysterie enden. Kinder liegen schluchzend am Boden, werden aufgefordert, tränenüberströmt in Zungen zu reden, huldigen einer Pappfigur des amtierenden Präsidenten und zerschlagen wutverzerrten Gesichts Porzellantassen, auf denen „Government“ steht. Wo die Grenze zwischen religiöser Verzückung und Kindesmißhandlung liegt und Glaube in Psychoterror übergeht, ist in diesem Trainingscamp, das den Namen „Kids on Fire“ trägt, nicht mehr zu erkennen.

Sie kommen wie Levi, ein aufgeweckter Zwölfjähriger, und die drei Jahre jüngere, aber manchmal schon verbiestert grimassierende Rachael aus Familien, die sich in einer evangelikalen Nische eingerichtet haben. Wie viele ihrer Freunde gehen sie nicht zur Schule, sondern werden zu Hause von der Mutter unterrichtet, die ihnen zum Beispiel beibringt, daß Kreationismus gut und Wissenschaft schlecht sei und Abtreibung nichts anderes als Mord.

Dem bereits fest verankerten Glauben der Kinder gibt Pastorin Fischer militärischen Schliff. In Kriegsbemalung führen sie Kriegstänze auf und schwingen zu mächtig pumpenden Heavy-Metal-Klängen Stöcke und Schwerter, um Amerika für Christus zurückzuerobern. Wer da seinen Augen nicht traut, den belehrt die Pastorin unmißverständlich, sie bilde Kinder zu Soldaten in Gottes Armee aus. Soldaten, die Schluß machten mit der Trennung von Kirche und Staat. Soldaten, die unter Gott wieder die Nation vereinten. „Nehmt diese Prophezeiungen und was der Apostel Paulus sagte und führt damit Krieg!“ ruft sie ihnen verzückt zu. Die Kinder lernen, daß ein wahrer Gotteskrieger sich vor nichts und niemandem fürchtet, auch nicht vor dem Tod. Einer wie Levi muß da natürlich denken: „Very cool.
Zwischen dem Camp am Devil's Lake und einer Koranschule in Pakistan gibt es Unterschiede nur im Lehrstoff. Genau das versetzt Frau Fischer in Ekstase. Sie gesteht freimütig ein, von der muslimischen Sitte, schon Drei- und Fünfjährige zu drillen, beeindruckt zu sein, versäumt es freilich auch nicht, uns auf die Unvergleichbarkeit der religiösen Indoktrination hier und dort aufmerksam zu machen: „Entschuldigung, aber wir sind im Besitz der Wahrheit."


http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA95...519105F7E7F9F75EAD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://cgi.ebay.de/JESUS-CAMP-Promo...goryZ197QQrdZ1QQssPageNameZWD2VQQcmdZViewItem


Ich möchte Eure Meinung zum Thema wissen. U.a.

- kriegen wir so was demnächst auch (in Bayern oder Bremen?),
- sind diese Amis noch normal oder bin ich überfordert?
- Wie weit darf Meinungsfreheit eigentlich noch gehen?
- Wie und wie soll man sich wehren? (Wir Europäer - uns)
- usw.

Grüße

p.
 
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Viele Fragen auf einmal... ;)

Zunächst mal für die interessierten: http://www.youtube.com/results?search_query=jesus+camp&search=Search

Ähnliches gibt es bereits in Deutschland und das auch nicht erst seit gestern. Es gibt unzählige "christliche" Sekten, die sich mit ähnlicher Indoktrinierung Macht über ihre Schäfchen verschaffen. Einen Anfang in der Kindheit zu haben, ist natürlich wunderbar für die Gurus dieser Sekten, sind Kinder doch dankbare Opfer für Beeinflussungen jeglicher Art.

Wehren kann man sich IMO nur durch Aufklärung durch die Gesellschaft, es könnte dazu, gerade in den USA, allerdings schon zu spät sein.

Was die Frage nach der Meinungsfreiheit angeht: Verstehe ich in dem Zusammenhang nicht wirklich, schliesslich gehts hier um die Ausübung der Religionsfreiheit, nicht um Meinungen.
 
Ich kann dich beruhigen, auch ich war verstört beim Lesen deiner geposteten Links bzw. vorallem natürlich beim eingefügten Hauptext. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass vergleichbare Camps bald auch in Europa existieren werden, da ich aber Schweizer bin, kann ich selbstredend nicht kompetente Stellung bezüglich deinem Beispiel Bayern nehmen.
"Diese Amis" (ich hoffe, du meinst explizit die im Text erwähnten. Ich interpretiere das jetzt mal nicht als Pauschalverurteilung des Amerikanischen Volkes, die ja heute hip zu sein scheint) sind genau so verrückt, wie es ihre Ebenbilder im Islam sind. Realitätsfern und fanatisch.
Inwiefern dadurch neo-militante Christen den Moslems ihr, beinahe, Monopol am Terrorismus streitig machen, sei dahingestellt.
Mit der Meinungsfreiheit hat das Jesus Camp in meinen Augen recht wenig zu tun. Ein solches Camp zu verbieten, aber auch die Einschränkung der christlichen Lehren/Dogmen (Anti-Abtreibung, Anti-Evolution, Anti-Homosexuell etc.) käme dann ja einer Abschaffung der Religionsfreiheit (und damit höchstens als Konsequenz) und der Meinungsäusserungsfreiheit gleich, und genau für diese Werte sollte eine aufgeklärte Gesellschaft ja stehen.
Wie man sich wehren kann? Darauf gibt es schlicht keine vernünftige Antwort. Es herrscht ja keineswegs eine Monokausalität für die Zunahme von diversen Fundamentalismen (egal ob christlich oder muslimisch) in unserer Welt vor. Ein oft genannter Grund ist die Klammerung an traditionelle Werte als Konsequenz der immer globalisierteren Welt. Denkbar wäre aber auch, dass sich vorallem Amerika durch den Terrorismus mit dem stärker werdenden Islam(ismus) konfrontiert sieht und sich dadurch - sozusagen als Abwehreffekt - auf die Wurzeln ihrer - christlichen - Gesellschaft beruft.
Unverständlich ist es dennoch, wie man seinen Kindern eine solche Behandlung zumuten kann und dabei zwingend die Anschauungen dieser fundamentalisten Gruppierung unterstützt. Es schadet nicht nur den Kindern, sondern auch dem christlichen Glauben, der mittlerweile doch Teil der weltweiten Friedensbewegung geworden ist (Brot für die Welt, HEKS und die unzähligen anderen Hilfswerke).
Wir Europäer können für unseren Teil nur penibelst darauf achten, dass wir unsere Freiheiten nicht zu Gunsten religiöser Ansichten aufgeben. Also niemanden zwingen sein Pferd mit dem Namen Mohammed umzutaufen oder eine Oper aufgrund politischer Correctness abzusetzen. Denn nicht selten sind es solche sinnlose präemptive Massnahmen, die Bürger verärgern und nicht selten zu fundamentalistischen Christenorganisationen treiben, sei's nur als eine Art Widerstand.
Dass ich mir mit diesem Posting nicht nur Freunde gemacht habe, ist klar. Danke für jeden konstruktiven Beitrag :cool_alt:

mfg Grimsdottîr

Edit: Danke Enolam, damit hast du mich bezüglich der "vergleichbaren Camps" eines bessern belehrt.
 
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Zur Info zu den Sekten einfach mal "Sekten in Deutschland" bei Google anfragen. Z. B. Fiat Lux oder die Vereinigungskirche sind ähnlich anzusiedeln.

Das "militärische" beim Jesus Camp dient im Übrigen in erster Linie der Gehirnwäsche. Da gibts die verschiedensten Möglichkeiten, militärischer Drill ist eine davon.
 
hm... wenn ich sowas lese fällt mir ehrlich gesagt nur noch die kinnlade runter und fehlen die worte....
 
Na super...endlich haben die Christen den islamischen Fundamentalisten was entgegen zu setzen!^^

Ich sage nur, Deckel drauf und...ach, lassen wir das! ;)
 
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Wie war der Name der 12jährigen noch mal ? Levi ?
Levi ist ein jüdischer Name. :freak:
Da wurde aber ein schlechtes Beispiel im Artikel genannt. :rolleyes:

Und der Ausspruch „Entschuldigung, aber wir sind im Besitz der Wahrheit." grenzt an Grössenwahn.

Was solls...
Es gibt viele in den USA, die (religiös) überdreht sind.
Wundert eigentlich keinen mehr.

Hier in DE wird sowas so schnell nicht entstehen. Und falls doch, dann würde sowas schnell von den Behörden wieder geschlossen werden.
Was die Meinungsfreiheit anbelangt, kann ich mich meinen Vorrednern anschliessen.
Die ist in diesem Fall kein Thema. Hier wird eher die Religionsfreiheit verletzt.

Schwerer zu beantworten ist die Frage, ob wir uns dagegen wehren können.
Ich sage mal JEIN.
Denn ein Einschreiten dagegen kann sehr schnell zur Verletzung unserer Religionsfreiheit führen.
Es wird ein sehr schmaler Weg beschritten und man kann sehr schnell vom Wege abkommen.
Aufklärung ist schon mal hilfreich. Dann fallen auch weniger auf solche Fanatiker herein.


Fanatismus, egal in welcher Form ist destruktiv und muss abgelehnt werden.
Lehnt man es nicht ab, dann wird es gefährlich.
 
Fanatiker müssen nicht dumm sein! Es amcht sie nur noch gefährlicher!

MFG
 
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