Kleine Deutschstunde: "bin" oder "war"

2Pat

Lt. Commander
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März 2009
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Hallo Leute,

eine kurze Frage: Person XY war vor 10 Jahren an Neurofibromatose erkrankt und schreibt jetzt darüber.

Heißt es:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose erkrankt war...

oder

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose erkrankt bin...

Person XY ist zwar heute nicht mehr krank, allerdings war sie es ja damals als man es ihr mitgeteilt wurde?

Danke
 
Variante 2.
 
Nein, Variante 1.
Der Patient "war" ja an Neurofibromatose erkrankt (der Zeitpunkt an dem die Erkrankung "begonnen" hat liegt ja vor dem Arzttermin), während die #2 bedeuten würde das er genau in diesem Moment (Tag) die Erkrankung bekommen hat.
 
Wenn man ,,bin'' als reine Zustandsbeschreibung ansieht ginge auch Variante 2, da der Ist-Zustand der Erkrankung ja schon bestand, als die Untersuchung stattfand. Die Krankheit wurde ja vom Arzt diagnostiziert.

Mein Sprachgefühl lässt mich aber eher zur Variante 1 tendieren.
 
Also ich bin auch für Variante 1, aber meine Mutter argumentiert andauernd damit, dass Person XY ja damals mitgeteilte wurde, dass Person XY erkrankt ist (also bin) und nicht war...

Laut ihr ist Varantie 1 falsch, weil man Person XY nicht mitgeteilte, dass sie erkrankt war, sondern ist (bin).



Ist dieser Service kostenfrei? :eek:


Edit:

Meine Mutter argumentiert weiter:

Laut ihr heißt es ja auch:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben ist...

Und nicht:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben war...

Und das sehe ich ehrlich gesagt genauso...

:hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt:
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin ganz klar für Variante 2.
Deine Mutter ist schwer in Ordnung. :D

Variante 1 klingt nämlich so, als wäre zum Zeitpunkt der Mitteilung die Krankheit schon wieder vorüber. À la "Du hattest die Krankheit, keiner hat's gemerkt, ist schön gewesen."
 
..erkrankt und schreibt jetzt darüber
Variante 2, weil hier eine historische Geschichte erzählt wird.
Geschichte handelt generell in der Vergangenheit aber Ihr werdet keine historische Geschichte finden, in der konsequent alles in der einfachen Vergangenheitsform (Präterium) geschrieben ist, ist einfach schlechter Ausdruck. Man bedient sich der grammatikalischen Hilfsmittel Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt usw.
Regional gibt es in deutschsprachigen Raum Besonderheiten bei der grammatikalischen Verwendungshäufigkeit.

Ihr müsst Euren Gedanken mit Variante 1 nur einmal konsequent weiterverfolgen und Euch dann die Eintönigkeit einer solchen 10 Jahresgeschichte im reinen Präteritumtext vorstellen.
 
Zu meinen Talenten würde ich zwar nicht die Beherrschung von Sprachen zählen, dennoch klingen in meinen Ohren beide Alternativen hölzern. Im Prinzip handelt es sich doch um eine Art indirekter Rede. "Mir wurde mitgeteilt, dass..." Daher würde ich intuitiv einen Konjunktiv verwenden.

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose erkrankt sei...
 
Es "gehen" grundsätzlich alle 2 Varianten.

In Variante 1 steckt mehr Informationsgehalt, weil "war" auf die spätere Beendigung der Krankheit verweist und damit mehr Informationsgehalt wiedergibt, als zum damaligen Zeitpunkt überhaupt möglich war. Der Mitteilende konnte ja nicht wissen, dass eine Heilung erfolgt.
Die richtige Beurteilung ob Variante 1 oder 2 ist mehr eine Stil- und Ausdrucksfrage. Da wir schon nicht das Satzende, geschweige den den Geschichtenaufbau kennen, können wir nur Vermutungen anstellen. Ist der Satz eine Geschichteneinleitung/-zusammenfassung, dann geht Variante 1, ist er Teil des chronologischen Geschichtenablaufes, dann mehr Variante 2.
 
Meiner Meinung nach geht hier nur Variante 2, weil die Feststellung der Erkrankung sich zum Zeitpunkt des Arztbesuches auf die Gegenwart bezieht.

Diagnose des Arztes: "Sie sind erkrankt".
Es heisst nicht "Sie waren erkrankt" (höchstens, wenn die Krankheit schon abgeheilt ist).


Formulieren wird doch mal um, dann wird es vielleicht deutlicher (man leidet an einer Krankheit).

"An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose litt..."

oder

"An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose leide..."
 
2Pat schrieb:
...
An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose erkrankt bin...
...

"An dem Tag, als bei mir Neurofibromatose diagnostiziert wurde, ..."

Eleganter und weniger verschachtelt.

Die anderen Varianten sind auch möglich und je nach Folgesatz könnte #2 besser sein.
 
2Pat schrieb:
Edit:

Meine Mutter argumentiert weiter:

Laut ihr heißt es ja auch:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben ist...

Und nicht:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben war...

Und das sehe ich ehrlich gesagt genauso...

:hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt::hammer_alt:

Die zwei Sätze beschreiben aber unterschiedliche Situationen:

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben ist...
- An Tag X erfuhr Person A, dass seine Oma ebenfalls an Tag X verstorben ist.

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Oma verstorben war...
- An Tag X erfuhr Person A, dass seine Oma an Tag Y verstorben ist.

So sehe ich das zumindest mal.
 
Oder beides nicht.

3. Variante (die richtige)

An dem Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, dass ich an Neurofibromatose erkrankt sei...
 
Wie ich schon schrieb: Indirekte Rede, folglich Konjunktiv. Hat aber offensichtlich nicht viele interessiert.
 
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