Anleitung Linux-Root in Windows-Root Server umwandeln

masterrob

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#1
Aus einem Linux-Rootserver remote einen Windows-Rootserver machen!

Kurzbeschreibung:
In meinem Tutorial geht es darum, einen Linux-Root-Server, welchen man sich angemietet hat, in einen echten Windows-Root-Server umzuwandeln. Dies ohne monatl. Lizenzgebühren der Hoster.

Bitte lest vor Beginn mein Vorwort!


Hallo liebe Community,

da es an solchen Anleitungen ziemlich mangelt bzw. es noch keine in dieser Form weltweit gibt, möchte ich heute ein solch kurzes und relativ simples HOW-TO präsentieren. Eine englische Übersetzung ist bereits in Arbeit. Dieses HOW-TO ist an mittelmäßig-fortgeschrittene Linux-Anwender gerichtet. Jedoch können einzelne Vorgehensweisen leicht er-googelt werden. Ich schneide gewisse Aktionen nur leicht an, damit alles schick nach Reihenfolge geht.

Nochmal zur Info: Es geht hier nicht darum eine Virtuelle Maschine zu installieren, sondern aus einem Linux-RootServer einen Windows-RootServer zu machen, mit einem "OS-Switch" (Betriebssystemwechsel) mit Hilfe von VMware.

Dieses HOW-TO kann auf allen Linux-Root Servern durchgeführt werden, auf welchen mindestens 2 Festplatten (besser) oder 1 Festplatte mit mind. 2 Partitionen installiert sind. Optimalerweise ein CPU mit VT oder AMD-V, ist aber nicht zwingend erforderlich (für 64bit schon). Kann nahezu bei jedem Hoster durchgeführt werden!


WICHTIGER HINWEIS:
Die Durchführung geschieht auf eigene Gefahr! Datenverlust vorprogrammiert! Klärt bitte mit euren Hostern ab, ob Ihr euer eigenes Windows installieren dürft! Diese Anleitung ist nur dafür da, spezielle Windowssysteme auf Servern installieren zu können, welche ein Hoster in der Regel nicht bietet (Windows 7, 8, Sharepoint, usw). Ein legales Windows oder eine Testversion wird vorrausgesetzt.[/B]

Getestet und durchgeführt mit folgendem System:

OS: CentOS 6.5 (Empfehlung!)
CPU: i7 4770
RAM: 32 GB
HDD: 2x 3 TB HDD

Installiert wird: Windows Server 2012 R2 Standard 64bit

Benötigte Software:
-VMware Workstation 10 Testversion - Linux 64bit oder 32bit (je nach Server-CPU)
-ISO von Windows Server 2012 oder jedem anderen Windows System
-PuttY
-VNC Viewer

Vorbereitung:

------!!!-----
UPDATE: Ein wichtiger Hinweis vorab!Dieser Punkt ist ausschlaggebend für die ganze Vorgehensweise!
Prüft bitte Eure Netzwerkeinstellungen nachdem Euer Linux frisch installiert wurde oder vor der Neuinstallation! Sollten dort spezifische IP-Einstellungen festgelegt sein, geht dann davon aus, dass Euer Hoster KEINEN DHCP-Server zur automatischen IP-Vergabe im Netzsystem stehen hat!

Sollte dies der Fall sein, so prüft nach ob Euer Hoster vKVM für Eure Server anbietet! Noch besser wäre LARA (meist kostenpflichtig). Notiert die kompletten IP-Netzwerkeinstellungen welche im Linux angezeigt werden auf einen Zettel, diese müssen später mit Hilfe vKVM Konsole oder mit LARA manuell im Windows eingetragen werden damit der Windows-Server später erreichbar ist! Hilfestellung dazu kann per PM bei mir angefordert werden! vKVM und LARA werden parallel zum ersten Hard-Boot von Windows genutzt.

Sollte die IP-Vergabe automatisch abgerufen werden, sprich per DHCP Server, könnt Ihr getrost mit der Anleitung fortfahren.
-----!!!-----

Anmerkung:

Wir helfen gern per Teamspeak und Teamviewer.

1.
Als erstes ist es sehr wichtig das Ihr euch Linux (wenn möglich CentOs) frisch auf eurem Server installiert habt. Dies geht meistens automatisch über den Hoster mit einem Restore. Meine Erklärung ist auf CentOS 6.04 bezogen, da bei diesem System keinerlei Fehler entstanden sind und sehr stabil läuft. Die meisten Befehle für Linux sind universal, also sollte es kaum Unterschiede geben.

UPDATE: Wenn Ihr die Möglichkeit habt die Einstellungen für die Linuxinstallation zu bearbeiten, stellt sicher das Ihr folgende Änderungen in der Config vornehmt, es muss exakt genau so aussehen wie ich es aufzeige bevor Ihr mit der Installation startet:

Im Falle einer 2. Festplatte (/dev/sdb) sorgt dafür, das diese nicht in der Config vorhanden ist:
Code:
##HARD DISK DRIVE(S):

DRIVE1 /dev/sda
Code:
##SOFTWARE RAID:

SWRAID 0
Code:
##PARTITIONS FILESYSTEM:
PART swap swap 4GB
PART /boot ext3 512MB
PART /     ext3 10GB
Mit diesen Config-Einstellungen wird nur die 1. Festplatte genutzt. Wir haben Linux insgesamt 14.5 GB zugewiesen und 3 Partitionen. Der restliche freie Speicher wird später entweder für die NTFS Partition genutzt um dort Windows zu installieren, oder wird später im fertigen HARD-Windows als Zusatzspeicher verwendet wenn Ihr Windows auf der 2. Festplatte installiert.

2.
Der nächste Schritt nachdem das Grundsystem steht ist folgender:
- GNOME Desktop installieren mit dem Terminal via SSH (als root):
Code:
yum groupinstall x11 basic-desktop desktop-platform fonts
Diese Anleitung führt Euch durch die weiteren Schritte bis das Desktopsystem steht: Anleitung GNOME Dektop für CentOS

Sobald dies abgeschlossen ist, testweise einen Reboot durchführen.

3.
Nachdem der Reboot abgeschlossen ist, installieren wir nun den VNC Server:

Code:
yum install tigervnc-server
Dieser Schritt dauert 2-5 Minuten!
Nach der Installation legen wir ein VNC-Passwort fest:
Code:
vncpasswd PASSWORT
Nachdem dies erledigt ist, starten wir den VNC-Server folgendermaßen:
Code:
vncserver :1

Wenn dieser Schritt erledigt ist, installiert Ihr euch den VNC-Viewer auf eurem Rechner und startet diesen.
Bitte tragt dort Eure Server IP und den Port 1 ein, z.B. IP:1

4.
Die nächsten Schritte sollten genau beachtet werden!

Nun ladet Ihr Euch VMware Workstation 10 für Linux von der Webseite runter, entweder direkt auf Euren Server (Achtung: GNOME bietet bei der Standardinstallation keinen Browser, muss manuell geladen werden "System -> Administration -> Add/Remove Software -> Firefox suchen) oder erstmal lokal auf euren Rechner und ladet es manuell per SSH z.B. mit SCP(!) im binären Übertragungsmodus hoch.

Nachdem dies getan ist, öffnet Ihr ein Terminal auf dem GNOME Desktop (Applications --> System Tools --> Terminal) und betretet das Verzeichnis in welchem das VMware Workstation.bundle liegt welches Ihr heruntergeladen habt. Wichtig ist, das Ihr als "root" angemeldet seid!

Folgende Befehle wird nun eingegeben (ggf. sind je nach Version Änderungen der Bezeichnung nötig):

Code:
chmod 755 VMware-Workstation-Full-10.0.1-1379776.x86_64.bundle
./VMware-Workstation-Full-10.0.1-1379776.x86_64.bundle
Das Paket sollte nun entpackt werden und der Installer von VMware sollte kurz darauf starten. Standarteinstellungen beibehalten und wie von Windows auch gewohnt installieren.

Nach der Installation ist VMware auf dem GNOME Desktop in der Menüleiste unter Applications -> System Tools zu finden! Anklicken und probestarten, danach wieder schließen.

5.
Nun wird es kniffelig. Folgende Schritte sollten wieder exakt so durchgeführt werden, wie ich sie beschreibe.

Solltet Ihr die Möglichkeit vom Hoster aus den Server in den Recoverymodus zu setzen, solltet Ihr dies jetzt tun.
Sprich den Server rebooten und im Recoverymodus mit Befehlszeile starten. Meist ein kleines Debiansystem.

Wir beginnen nun mit der Vorbereitung der Festplatte und/oder der Partitionen:

-->Hinweis<--
Um neue Partitionen zu erstellen, zu löschen oder komplette Festplatten in NTFS zu formatieren, nutzt am besten cfdisk
Code:
cfdisk /dev/sdb[B][/B]
Als erstes löscht Ihr alle Partitionen welche sich auf der 2. Festplatte befinden, auf welcher Ihr Windows installieren wollt.

Im Falle Ihr habt nur 1 Festplatte und konntet bei der Linuxinstallation nicht selbst die Config bearbeiten, sucht eine Partition welche nicht von CentOS oder /boot/ enthält. Habt Ihr eine gefunden, löscht sie und formatiert sie ins NTFS Format (HEX = 7).

Achtet darauf das sich dort nicht euer CentOS befindet, das brauchen wir noch.

Es bleibt euch nun frei überlassen wo sie liegt und wie groß die Partition ist, es muss allerdings das NTFS Format sein. Folgender Ablauf wenn Windows eine gesamte Festplatte erhalten soll, hier /dev/sdb/:

Wenn Ihr nur 1 Festplatte habt:

Konntet Ihr Eure eigene Config bei der Linux-Installation schreiben bzw. bearbeiten, sollte auf der Festplatte noch kein zugewiesener Speicherplatz sein. Erstellt nun eine Partition mit einer Größe Eurer Wahl und formatiert diese ins NTFS Format (HEX = 7).

Bei 2 Festplatten:

Erstellt nun eine Partition auf der 2. Festplatte (dort wo Windows hin soll) im NTFS Format (HEX = 7), die Größe bleibt euch überlassen.
-->Hinweis<--
Um neue Partitionen zu erstellen, zu löschen oder komplette Festplatten in NTFS zu formatieren, nutzt am besten cfdisk
Code:
cfdisk /dev/sdb[B][/B]


Eine Formatierung ist nicht notwendig, kann aber gerne durchgeführt werden.


Sobald dies erledigt ist, verlassen wir den Recoverymodus wieder und starten das System ganz normal. Loggen uns mit bspw. Putty ein und starten den VNC-Server mit bspw.
Code:
vncserver :1
6.
!!!ACHTUNG WICHTIGER HINWEIS!!!
Achtet darauf das die eigens für Windows formatierte Festplatte, nach dem Systemstart NICHT ge-mountet ist! Sollte dies der Fall sein: UNMOUNT!


Nun verbinden wir uns auf den Server via VNC und starten VMware Workstation.
Wir wählen "Create new virtual Machine"....

1. Bei der "Configuration" wählen wir Custom und klicken immer weiter bis zum Punk "Install Operating System from..". Dort wählt Ihr eure .iso von eurem Windows aus.
2. Einen Punkt weiter wählen wir nun das zu installierende System aus.
3. Die nächsten Punkte können ohne beachten übersprungen werden indem ihr "next" klickt, bis Ihr an den Punkt kommt:
"Disk"

Dort wählen wir nun "Use a physical Disk" und klickt weiter.
Nun habt Ihr die Möglichkeit die Festplatte zu wählen oder eure Partition:

Variante 1. Möchtet Ihr Windows auf einer gesamten Festplatte installieren, wählt einfach vorhin ins NTFS Formatierte Platte aus und klickt auf weiter.

Variante 2. Solltet Ihr eine Partition mit NTFS erstellt haben, so wählt eure Festplatte aus auf welcher diese Partition liegt und wählt den Punkt "Use individual Partitions" und klickt weiter auf die nächste Seite, wo Ihr Eure ins NTFS formatierte Partition auswählt. Klickt dann bitte auf "next".

Der Punkt "Disk File" kann auch wieder ohne zu verändern angenommen werden und klickt auf "next".
Dann ist die Virtuelle Maschine fertig konfiguriert und startbereit, klickt auf "Finish".
Startet nun die VM und installiert wie gewohnt Windows.

HINWEIS: Eventuell wird beim Start der VM ein Error Code angezeigt. Stoppt die VM und startet sie erneut, und versucht mit "ESC" das Bootmenü der VM zu öffnen, um dort "Boot from CD/DVD" auszuwählen. Man muss schnell sein! Einfach mehrmals wiederholen bis man die Auswahl offen hat. Ihr müsst dazu natürlich in die VM eingreifen, indem ihr auf das Anzeigefenster (schwarz) der VM klickt (dort wo der Fehler angezeigt wird).

Nachdem Windows installiert und eingerichtet ist, haben wir es auch bald geschafft. Wichtig ist, dass Ihr bei Windows den Remotedesktop aktiviert und evtl. Firewallausnahmen dafür erstellt (oder sie erstmal ganz ausschaltet). Bei Windows 7 oder 8, empfiehlt sich die Installation von VNC (richtig konfigurieren!!). Da Remotedesktop nicht immer so richtig will.

Nachdem ihr dies getan habt fahrt den virtuellen Windows Server nun ganz normal herunter und beendet VMware.
Es ist nun ganz wichtig, das Ihr die NTFS Partitionen nicht mehr anfasst und auch nicht mehr aufruft!!!!!

7.
Wir kommen zum letzten und wichtigsten Schritt: Der GRUB Bootloader
Dieser muss noch angepasst werden.

Noch per VNC mit eurem "noch" Linuxserver auf GNOME verbunden, öffnet ihr nun die Datei "/boot/grub/menu.lst"

Dort tragt Ihr ÜBER dem "CentOS Eintrag" folgende Werte ein:

Code:
title Windows
root (hd1,0)
makeactive
chainloader    +1
Dies ist nun ein sehr wichtiger Punkt!!
Der Eintrag "root (hd1,0) muss entsprechend eurem Festplattenmanagement angepasst werden!

hd1 = Festplatte 2, 0 = Partition 1
oder
hd0 = Festplatte 1, 1= Partition 2

Wählt die Festplatte und die Partition aus auf welchem euer Windows installiert ist!
Solltet Ihr eine komplette Festplatte für die Installation verwendet haben, ist es bei /dev/sdb (2. Festplatte) = (hd1,0)

Wenn Ihr auf Festplatte 1, eine extra Partition (bspw. Partition 3) angelegt haben auf welchem sich nun Windows befindet, ist der Eintrag folgendermaßen: (hd0,2)

Wenn Ihr euch nicht sicher seid, dann prüft dies nochmal im Terminal mit fdisk durch.

Am Ende sollte eure /boot/grub/menu.lst dann in etwa so aussehen (natürlich die root-Einträge eurem System entsprechend angepasst):

Code:
timeout 5
default 0

title Windows Server 2012
root (hd1,0)
makeactive
chainloader    +1

title CentOS (2.6.32-358.11.1.el6.x86_64)
root (hd0,1)
kernel /boot/vmlinuz-2.6.32-358.11.1.el6.x86_64 ro root=/dev/md2 rd_NO_LUKS rd_NO_DM nomodeset 
initrd /boot/initramfs-2.6.32-358.11.1.el6.x86_64.img
Danach öffnen wir im gleichen Ordner die Datei /boot/grub/grub.conf
Achtet darauf das die grub.conf exakt genau so aussieht wie die menu.lst!

Als letztes öffnen wir die Datei /boot/grub/devices.map
Der Inhalt dieser Datei ist selbsterklärend. Im Falle Ihr habt bei der Installation von CentOS eure 2. Festplatte nicht angegeben, muss diese nun hier eingetragen werden.

In der Regel sieht eure devices.map dann so aus, je nach dem wie viele Festplatten Ihr habt:
Code:
(hd0)  /dev/sda
(hd1)  /dev/sdb
Sollte die 2. Festplatte (/dev/sdb) fehlen auf welche Ihr Windows installiert habt, tragt diese jetzt unbedingt ein!
Fertig!

Im Grunde könnt Ihr den "CentOS" Eintrag aus GRUB vollständig entfernen, empfehle ich jedoch erst wenn Windows wirklich hochgefahren ist. Es sei denn Ihr verfügt die Möglichkeit bspw. vKVM oder LARA zu nutzen. Somit könnt Ihr stets zwischen beiden Systemen hin und her switchen. Ist aber eure Sache.

Stellt sicher das alle 3 Dateien im GRUB korrekt sind und rebootet euer System, kneift alles was Ihr habt zusammen und hofft Ihr habt kein Fehler gemacht. Habt Ihr die Möglichkeit von vKVM oder LARA, könnt Ihr den Bootvorgang verfolgen.

Finale
Ihr solltet euch nun ohne Probleme per RDP oder VNC auf Windows verbinden können. Ab diesem Zeitpunkt ist die Installation erfolgreich abgeschlossen. Aktiviert euer Windows nun und passt es entsprechend euren Wünschen an.

Ich könnt nun den Windows-Bootloader komplett einbinden um die Linux-Partitionen zu löschen, um somit mehr Speicherplatz zu bekommen.
Fummelt jedoch nur am Bootloader rum, wenn Ihr wirklich Ahnung davon habt was Ihr da tut. Ansonsten lasst den GRUB Bootloader diesen Dienst weiterhin übernehmen. Die 14.5 GB für CentOS sollten nicht stören, außerdem schadet es nie ein Linux parallel zur Verfügung zu haben.

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Schlusswort: VMware Workstation ist ein sehr mächtiges Programm. Welches, wie man sehen kann, nicht nur für Virtualisierungszwecke genutzt werden kann. Die Anleitung kann im Grunde für jedes OS angewendet werden in Verbindung mit VMware Workstation.

Ich hoffe diese Anleitung war irgendwie verständlich.
​Bei Fragen zu dem Thema könnt Ihr mir gerne eine PM zukommen lassen oder hier Fragen stellen.
 
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