Maximale Sicherheit: BIOS, Festplatte, Partition und OS verschlüsseln?

Mondgesang

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Liebe Freunde,

es gibt so viele native, bereits ab Werk eingebaute Sicherheitsmechanismen die ich irgendwie nie genutzt habe, aber nun packt mich die Neugier, nachdem ich eine Festplatte aus einem nicht funktionierenden Laptop ausgebaut und auf meinem Hauptsystem als Speichermedium eingesteckt und wie ein Buch auslesen konnte. Es war ein Ubuntu-System btw. Ob der dortige Benutzer ein Passwort hatte? Ich weiß es nicht. Aber ich konnte alle Verzeichnisse in /home öffnen und alle Dateien sehen.

Ein wenig belesen habe ich mich natürlich auch, aber ich habe noch keine Praxisbeispiele für "was wäre wenn" gefunden. Daher wende ich mich an euch. Vielleicht hat der eine oder andere Erfahrungen aus Sicht des Schützers und aus Sicht des Auslesers.

Ich führe einfach mal die Sicherheitsmechanismen auf, die mir so vorschweben.

ANGENOMMEN wir nehmen einen PC oder ein Notebook, bei dem eine ganz gewöhnliche HDD-Festplatte zum Einsatz kommt. Nichts Verlötetes, ganz normal herausnehmbar.


1. Nur das Benutzerkonto ist mit einem Passwort versehen
In diesem Falle habe ich auf dieser Festplatte ein ganz normales z.B. Ubuntu 26.04LTS installiert, mir einen Benutzer angelegt und diesem Benutzer ein starkes Passwort mit Sonderzeichen und allem PiPaPo vergeben.

OK, ein fremder Benutzer (Ausleser genannt) wird den Computer booten können, am BIOS vorbeikommen, ins OS kommen und dann an der Benutzeranmeldung scheitern. Was aber, wenn er die Festplatte aus dem Computer ausbaut und woanders anschließt als eine Art portable Festplatte, wie ich es bei dem nicht funktionierenden Computer oben gemacht habe. Wird dieser fremde Ausleser irgendwas im /home sehen können? Oder wird sein OS ihm sagen, dass die Ordner nicht geöffnet werden können? Gibt es Möglichkeiten, bereits DIESE Hürde zu umgehen?

In jedem Falle aber denke ich, dass er trotzdem alle Ordner, die gesamte Ordnerstruktur mit /etc /media /run und alles was sonst so da ist sehen können.


2. /home Partition ist verschlüsselt
Verstehe ich richtig, dass nur dem Benutzerkonto ein Passwort zu verpassen NICHT dasselbe ist, wie /home zu einer eigenständigen Partition zu machen und diese zu verschlüsseln? Wird hier vom Benutzer jedes Mal, wenn man auf Bilder, Dokumente, Videos, Musik oder Desktop zugreifen will ein Passwort verlangt?

Was sieht der fremde Ausleser, wenn die /home Partition verschlüsselt ist?


3. LVM - mit vollständig verschlüsselter Festplatte
Hier fehlt mir jede Expertise. So oft sah ich bei OpenSUSE oder Fedora z.B. die Option bei der Installation LVM zu verwenden und die Festplatte zu verschlüsseln. Irgendwie gingen diese beiden Begriffe immer Hand in Hand. Habe ich nie gemacht. Ist es ähnlich zu verstehen wie Windows Bitlocker? Hier schafft man es ja am BIOS vorbei aber noch nicht bis zum Betriebssystem, denn hier kommt Bitlocker oder LUKS und will schon ein Passwort haben.

Was sieht ein fremder Ausleser in diesem Falle? Sieht er überhaupt irgendwas? Wird im die Festplatte überhaupt in seinem System angezeigt? Und wenn ja, mit irgendwelchen Partitionen, Speicherplätzen, oder Echtdaten? Google sagt, dass ohne Schlüssel nur ein Haufen unlesbarer Datenmüll sichtbar ist.


4. BIOS Masterpasswort
Jetzt wirds richtig ernst. Ich bin mir jetzt nicht sicher, obs bei ALLEN BIOS/UEFI war oder nur bei so Enterprise-Laptops von IBM/Lenovo, DELL, HP und FUJITSU aber ich sah unter dem Reiter Sicherheit oft die Möglichkeit, ein Master-Passwort oder Admin-Passwort oder nur Passwort zu vergeben. Ich denke das sind alles gleichrangige Synonyme nur je nach Hersteller anders genannt. Ist das die ultimative Sicherheitsstufe? Ist für den fremden Ausleser bereits hier Schluss beim Versuch den Computer zu booten?

Natürlich hat dies keine Auswirkung auf die Sicherheit der Festplatte denke ich. Wenn man sie ausbaut, umgeht man ja diese BIOS-Hürde. Dieser Punkt ist also eher die Sicherheit für DIESEN Computer.

Ich hatte mal einen uralten ThinkPad geschenkt bekommen aber da war ein BIOS Passwort drauf und der Vorbesitzer kannte es selbst nicht (vermutlich deshalb geschenkt). Da hatte ich mich etwas schlau gemacht und dieses Passwort wird wohl in einem kleinen, auf der MB verlöteten Modul gespeichert. Dieses hätte man irgendwie mit Impulsen oder so bearbeiten müssen oder schlicht entfernen. Irgendwie so.


5. Alles zusammen
Jetzt kommt der Sicherheits-Megatron wo wir alle Punkte verbinden. Wir setzen also ein BIOS Masterpasswort, verwenden für unser OS diese LVM-Methode mit vollverschlüsselter Festplatte, machen die /home Partition separat und ebenfalls verschlüsselt und erstellen natürlich einen Benutzer mit Passwort. Ist ein solches System unknackbar? Ist eine solche Festplatte für den fremden Ausleser ein Stück unbrauchbarer Metallschrott?


Bonus
Und eine kleine Bonusfrage. Kann man eine solche Festung von Festplatte später einfach wieder formatieren und weiterverwenden? Angenommen ich kenne die ganzen Passwörter nicht (mehr). Und will diese Hochburg gar nicht mehr betreiben sondern diese Festplatte einfach als externe Platte benutzen. Kann ich sie dann einfach mir nichts dir nichts einstöpseln, in z.B. exFAT formatieren und alles ist wieder gut? Oder machen all diese Verschlüsselungen die Platte in der Tat unbrauchbar, da sie ihre nach außen signalisierten Größen und Partitionen unlesbar und unbearbeitbar machen?
 
Eine Verschlüsselung ist nur gut gegen ungewollten Verlust. Wenn dich jemand mit dem Leben bedroht und fragt "Passwort oder Leben" verlierst du im mindestens eins davon ;-)

Ansonsten macht eine Verschlüsselung die Platte nicht unbrauchbar. Partitionen löschen und neu formatieren und schon ist sie wieder für jeden nutzbar
 
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Verschlüssel die Platte in Bitlocker oder einer Linux Alternative. Damit ist sie unbrauchbar, weder zum Booten noch Ausbauen und Auslesen ohne Passwort.
Formatieren kannst du die aber immer, nur halt ohne Daten.
 
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Es gibt auch Passwörter für die Festplatten, SATA-Passwörter. Die sind auch schon sehr hilfreich gegen Diebe. Ist dann zwar nicht verschlüsselt, aber ich als Privatmann konnte sowas bisher noch nicht umgehen.
 
Smily schrieb:
Damit ist sie unbrauchbar, weder zum Booten noch Ausbauen und Auslesen ohne Passwort
Wie wird sie dem Ausleser denn angezeigt? Oder wird sie überhaupt angezeigt? Angenommen man baut sie aus, und schließt sie mittels SATA-zu-USB an einem PC an. Wird sie überhaupt als Datenträger erkannt? Muss ja, wenn man sie noch formatieren können soll.

Und @Smily und @Stanzlinger ihr sprecht hier von Verschlüsselungen aus meinem Punkt 3, korrekt? Also nicht nur Benutzer oder Benutzer und /home, sondern Vollverschlüsselung?
 
Veracrypt wäre mein Kandidat.
 
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Wird normalangezeigt, als NTFS, aber beim Öffnen wird nach dem Schlüssel gefragt.
Kenne mich mit Linux nicht aus, kann aber sein das Linux Bitlocker nicht lesen kann.
Aber grundsätzlich wäre es da auch ähnlich. Verschlüsselte Platte wird normal erkannt, aber du kommst nicht drauf.
 
@Mondgesang
Natürlich wird die Festplatte/SSD als Datenträger angezeigt und kann dann auch wie jeder Datenträger gelöscht und neu partitioniert werden. Wer physischen Zugriff auf den Datenträger hat, der kann das immer.
 
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Ist denn auch schon Punkt 1 oder 2 ausreichend, um die persönlichen Daten auf der Festplatte völlig unlesbar zu machen? Sprich ein bloßer Benutzer mit Passwort? Oder wird man diese Daten dennoch auf einem externen Computer sehen können?
 
Linux ignoriert irgendwelche NTFS Benutzerrechte komplett. Und ein Windows-Administrator kann sich jederzeit einfach als Besitzer eintragen.
 
Mondgesang schrieb:
ANGENOMMEN wir nehmen einen PC oder ein Notebook, bei dem eine ganz gewöhnliche HDD-Festplatte zum Einsatz kommt. Nichts Verlötetes, ganz normal herausnehmbar.
Dann hake hier schon mal ein und verwende eine SSD.
Die ist in Sachen Sicherheit - im Sinne von "gelöscht ist gelöscht" einer HDD überlegen.
Nach dem Löschen von Daten schickt Windows sehr schnell den TRIM-Befehl - und die SSD-Controller führen sehr zeitnah eine Garbage-Collection aus. Dann sind die Daten endgültig sortenrein und unwiederbringbar recycled.
Egal, ob der Datenträger selbst verschlüsselt ist oder nicht.

Mondgesang schrieb:
1. Nur das Benutzerkonto ist mit einem Passwort versehen
In diesem Falle habe ich auf dieser Festplatte ein ganz normales z.B. Ubuntu 26.04LTS installiert, mir einen Benutzer angelegt und diesem Benutzer ein starkes Passwort mit Sonderzeichen und allem PiPaPo vergeben.
Jedes Benutzerkonto muss unter Deiner Prämisse ein Passwort haben. Punkt.
Mondgesang schrieb:
OK, ein fremder Benutzer (Ausleser genannt) wird den Computer booten können, am BIOS vorbeikommen, ins OS kommen und dann an der Benutzeranmeldung scheitern. Was aber, wenn er die Festplatte aus dem Computer ausbaut und woanders anschließt als eine Art portable Festplatte, wie ich es bei dem nicht funktionierenden Computer oben gemacht habe.
Verschlüssle die SSD.
Bei Linux käme VeraCrypt in Frage.
Aber: Vergiss nie regelmäßige Backups anzulegen. Du wärst nicht der Erste, der sonst Datenverlust erleidet, weil Passwort vergessen oder VC-Header beschädigt.
Mondgesang schrieb:
2. /home Partition ist verschlüsselt
Verschlüssle den kompletten Datenträger. Du willst maximale Sicherheit.
Mondgesang schrieb:
Wird dieser fremde Ausleser irgendwas im /home sehen können? Oder wird sein OS ihm sagen, dass die Ordner nicht geöffnet werden können? Gibt es Möglichkeiten, bereits DIESE Hürde zu umgehen?
Bei maximaler Sicherheit darf es keine "fremden Ausleser" geben. Punkt.
Normale Nutzer dürfen nicht auf die Daten anderer Nutzer zugreifen - dafür sorgt Linux.
Mondgesang schrieb:
4. BIOS Masterpasswort
Kannste machen - nur halt nicht das Passwort vergessen/verlegen.
Standardfunktion von UEFI.

Generell:
Denke drüber nach, WELCHE Art von Sicherheit Du haben möchtest: Sicherheit in Bezug auf Datenzugriff und/oder Sicherheit in Bezug auf Datenverfügbarkeit.

Mondgesang schrieb:
Kann man eine solche Festung von Festplatte später einfach wieder formatieren und weiterverwenden?
Partitionieren ist der korrekte Begriff - und ja, geht.
 
Wo bin ich hier schrieb:
Auch da wäre ein zweites verstecktes OS denkbar. Oder wie ist deine Aussage gemeint?
https://veracrypt.io/en/Hidden Operating System.html
Na wenn jemand die Daten haben möchte, dann weiß er ja was er will. Und dann kann man das Kennwort erpressen und auf dem Laptop sofort prüfen, ob es die Daten sind, die man erwartet.

Anders sieht es natürlich aus, wenn man eine Platte aus einem Storage mit Raid blind rauszieht - das sollte sinnfrei sein. Daher behauptet ich mal, ist ein Plattenverbund sicherer wie ein Notebook mit Besitzer daneben.
 
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Es gibt eine ganz einfache Regel, wenn irgendwelche Geräte dich verlassen die eine Festplatte haben, sorge dafür das die Daten darauf unbrauchbare sind.
A Gerät ohne Platte ausliefern
B Platte zerstören
C Die Daten darauf oft überschreiben
 
Mondgesang schrieb:
Ist denn auch schon Punkt 1 oder 2 ausreichend, um die persönlichen Daten auf der Festplatte völlig unlesbar zu machen? Sprich ein bloßer Benutzer mit Passwort? Oder wird man diese Daten dennoch auf einem externen Computer sehen können?
Ein User Passwort reicht nicht. Das sind nur die Rechte im OS. Jeder root User kann alles lesen. Also Ausbauen und in anderen PC einbauen und als root kannst du drauf zu greifen.
Am PC ohne Ausbau kannst du ein Linux Live Image booten und als root von dort lesen. Es sei denn, hier kommt das Bios ins Spiel, du hast ein Bios Passwort vergeben, so dass man das Bios Bootmenü nicht aufrufen kann oder nicht von USB booten kann.

Zuletzt als ich mit Verschlüsselung gespielt habe, da hat das booten (mit Truecrypt SSD komplett verschlüsselt) recht lange gedauert. Ich glaube über die Verschlüsselung, die die Linux Distro angeboten hatte, auch.

Wenn die SSD verschlüsselt ist, dann wird sie praktisch als unformatiert angezeigt (oder so). Du kannst sie halt formatieren und dann ist alles weg und gut ist.
Angezeigt wird sie dir immer. Zumindest in der Partitionsverwaltung.
 
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Etwas seltsam ist die Fragestellung des TE in meine Augen schon.

Wenn man etwas logisch denkt, dann sollte man auch leicht erkennen, dass beim phyischen Zugriff auf ein Gerät und dessen Datenträger jegliches "Kennwort" innerhalb des Betriebssystems oder auch im BIOS obsolet ist, das gilt für Windows wie auch für Linux.
Einzig eine DatenVERSCHLÜSSELUNG (Bitlocker oder Veracrypt) sorgen hier für Sicherheit.
Gelöscht können die Daten(träger) werden, der/die Datenträger können dann anderweitig verwendet werden.
Ebenso macht das Kennwort für eine SATA-HDD diese unbrauchbar, da man ohne dieses Kennwort der Datenträger komplett unbrauchbar ist und nicht mehr anderweitig genutzt werden kann. Die Daten auf dem Datenträger wären dann aber noch vorhanden.
Ich vermute, wenn ein Datenretter den Inhalt (Magnetscheiben) in eine baugleiche HDD verfrachtet, dann wird der PW-Schutz wohl weg sein.

Somit ist einzig Verschlüsselung der Daten sinnvoll.
Aber das hätte auch eine KI erklären können. :D
 
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SED mit HDD Passwort. Aber auch nicht SE-Drives sind recht sicher mit HDD-Passwort. Wird aber häufig nur von Notebooks unterstützt.
 
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