Nachtfotografie: Frage zu extremen Langzeitbelichtungen

Der Landvogt

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Ich habe eine EOS 450D und mache damit gerne Nachtaufnahmen. Neulich habe ich ein paar Fotos vom Sternenhimmel gemacht und dabei ein wenig rumexperimentiert.
Dabei bin ich auf die Idee gekommen statt 30 Sekunden einfach mal mehrere Minuten zu belichten. Dabei enstehen dann "Sternenspuren". Das ganze ist recht interessant und ich würde gerne eine Belichtung über mehrere Stunden machen.

Frage: schadet eine Belichtung über mehrere Stunden dem Sensor? Die Belichtung ist logischerweise nachts wo es inzwischen recht kühl ist und kein Mond scheint.
Habt ihr noch Tipps damit ich bereits beim ersten Versuch ein brauchbares Ergebnis bekomme (ISO, Blende, ...)? Dass das RAW-Foto nachbearbeitet werden muss ist klar. Mir geht es auch um die zwangsläufige Überbelichtung. Diese soll noch nachbeartbeitbar sein.
Vielleicht einfach mehrere Fotos mit je einer Stunde Belichtungszeit wäre wohl das sinnvollste. Aber wie setzt man die Fotos dann zusammen? Gibt es da ein kostenloses Tool?
 
Schaden könnte das dem Sensor wohl allenfalls, wenn überhaupt, falls man die Sonne länger belichtet.
Von daher: probiere es einfach.
Allerdings ist das Ganze ja sinnlos, wie du bereits festgestellt hast, wenn man keine Astro-Nachführung hat. Und soweit ich bisher mitgekriegt habe sind Belichtungszeiten länger als 30 Sek. eh nur in den wenigsten Fällen sinnvoll, nämlich nur bei Deep Sky-Objekten wo man definitiv andere Ausrüstung als ein normales Kamera-Objektiv braucht.
Ansonsten wären so lange Belichtungszeiten wohl bei sowas wie Sternschnuppenschauern wie den der Perseiden interessant.
 
Also unbedingt schaden wird es dem Sensor nicht. Bedenke jedoch folgendes:
Zunehmende Betriebsdauer am Stück den Sensors führt zu einer starken Erwärmung. Diese verursacht s.g. thermisches Rauschen, spricht die Pixel werden so warm, dass sie denken, dass sie weiß "sehen" aufgrund der Ladung der Zellen. Diese Ladung kann auch auf benachbarte Pixel überspringen, sodass du recht viele weiße Pixel haben wirst.

Abhilfen wären:

a) Anstatt 30 Minuten mit ISO100 nur 15 Minuten mit ISO200 (Aber auch da kann schon thermisches Rauschen entstehen. Einfach testen.)
b) Den Sensor kühlen (kleinen Handventilator von hinten draufblasen lassen

Allgemeine Einstellungen sollten möglichst niedriges ISO sein (damit wen Rauschen entsteht), eine Blende von etwa f8 bis f10 (da hat ein Objektiv meistens die beste Schärfe).
 
Führ so lange Belichtungen macht man aber eher alle 30 Minuten 30sek Belichtungen über die zeit die du willst und fügt sie hinterher zu startrails zusammen.
Dabei kenne ich mich aber noch nicht aus.
 
https://www.computerbase.de/forum/threads/langzeitbelichtung-sensorueberhitzung.1205774/
Hier kannst du mal reinschauen.
Die Kamere bricht die Aufnahme ab bevor der Sensor überhizt. Ich habe schon öfters bis zu 45minuten am Stück belichtet. Zu den einstellungen, es kommt auf das Objektiv an, und welche Blende du verwendest. Bei über 20minuten würde ich die niedrigste ISO wählen also 100, vorallem weil die 450D nicht das aller beste Rauschverhalten hat. Hier mal die Einstellungen eines meier Fotos: 1270 Sek ƒ/4.5 ISO 125 17mm. Du kannst aber auch mehrmals hintereinander 30Sekunden belichten und es dann zusammenfügen. Gratis Software gibts hier: http://www.startrails.de/html/softwared.html
 
Danke schon mal für die vielen und schnellen Antworten. Die wichtigste Frage (ob das dem Sensor schadet) wurde schon mal klar beantwortet.


Sublogics schrieb:
Allerdings ist das Ganze ja sinnlos, wie du bereits festgestellt hast, wenn man keine Astro-Nachführung hat. Und soweit ich bisher mitgekriegt habe sind Belichtungszeiten länger als 30 Sek. eh nur in den wenigsten Fällen sinnvoll, nämlich nur bei Deep Sky-Objekten wo man definitiv andere Ausrüstung als ein normales Kamera-Objektiv braucht.
Die Sternspuren sind ja beabsichtigt. Genau damit möchte ich ein wenig rumexperimentieren. Ansonsten habe ich bei der Astrofotografie auch die besten Erfahrungen mit 30 Sekunden gemacht.

makiyt schrieb:
Zunehmende Betriebsdauer am Stück den Sensors führt zu einer starken Erwärmung. Diese verursacht s.g. thermisches Rauschen, spricht die Pixel werden so warm, dass sie denken, dass sie weiß "sehen" aufgrund der Ladung der Zellen. Diese Ladung kann auch auf benachbarte Pixel überspringen, sodass du recht viele weiße Pixel haben wirst.
Daher habe ich auch an die momentan etwas kühleren Nächte im einstelligen Gradbreich gedacht. Ggü. dem Sommer sollte es das dem ganzen zumindest ein wenig entgegenwirken.

[moses] schrieb:
Führ so lange Belichtungen macht man aber eher alle 30 Minuten 30sek Belichtungen über die zeit die du willst und fügt sie hinterher zu startrails zusammen.
STARTRAILS, das ist der entscheidende Begriff. Das scheint mit dem gleichnamigen Programm auch zu funktionieren. Ich werde das mal testen.

SSD Turbo schrieb:
https://www.computerbase.de/forum/threads/langzeitbelichtung-sensorueberhitzung.1205774/
...
Zu den einstellungen, es kommt auf das Objektiv an, und welche Blende du verwendest. Bei über 20minuten würde ich die niedrigste ISO wählen also 100, vorallem weil die 450D nicht das aller beste Rauschverhalten hat. Hier mal die Einstellungen eines meier Fotos: 1270 Sek ƒ/4.5 ISO 125 17mm. Du kannst aber auch mehrmals hintereinander 30Sekunden belichten und es dann zusammenfügen. Gratis Software gibts hier: http://www.startrails.de/html/softwared.html
Guter Thread, danke für den Hinweis!

Das Objektiv ist ein Canon 18-200mm 3.5-5.6 IS. Brennweite wären natürlich 18mm.
ISO würde ich min. 200 nehmen. Da geht das Rauschen noch, bei 1600 ist es extrem aber dank RAW kann man noch viel rausholen. 200 oder 400 wären vielleicht ein idealer Kompromiss, da sich die Sterne ja "bewegen" und bei 100 kommen sie vielleicht nicht so gut zur Geltung.
Bei der Blende wäre ich flexibel, die Blendenzahl sollte aber möglichst niedrig sein, bei F22 würde man wohl keine Sterne mehr sehen. :)


Ich werde wohl ausprobieren müssen was ideal ist. Einmal so lange wie möglich am Stück belichten, einmal jede halbe Stunde.
Dazu braucht es erst mal eine sternklare Nacht ohne Mond.
 
ISO 200 geht auch noch aber ich glaube 400 ist für eine lange Belichtung schon zuviel. ISO 1600 habe ich bei meiner 450D nur im Notfall benuzt das ist nicht mehr so schön. Ich glaube bei den neuen Canons ist bei 30sek ISO 3200 noch deutlich schöner als bei der 450D mit 1600 oder gar 800.
 
Ja ggü. den neueren Canons (selbst der 500D) hat die 450D ein schlechtes Rauschverhalten.

Bei Astrofotografie kann man noch ISO1600 nehmen da man bei RAW (und bsp. Photoshop) extrem viel wieder rausholen kann. Bei "normaler" Fotografie ist 1600 eigentlich unbrauchbar. Ich nehme max. 400 wenn es nicht anders geht. Bei 400 geht spürbar Schärfe verloren (wenn man 1:1 am PC ranzoomt), ab 800 rauschen dann auch noch die Farben. Gerade was die Schärfe betrifft soll schon die 500D deutlich besser sein bei hohen ISO-Werten.
Aber trotzdem um Welten besser als jede nicht-DSLR (von den Möglichkeiten her). :)
 
Bin selbst auch öfters im Bereich Astrofotografie/Langzeitbelichtung unterwegs. Es sei angemerkt, dass der Sensor meines wissens nach keinen Strom während der Belichtung zieht und damit nicht wärmer werden sollte. Auch der Verstärker (für die ISO-Equiv.) kommt erst beim Auslesevorgang ins Spiel. Das Dunkelrauschen tritt natürlich trotzdem auf und auch Hotpixel sind bei solchen Verschlusszeiten zu erwarten (ich hab noch nie länger als ~4 Minute gemacht glaube ich und da waren einige dabei). Ein Element produziert allerdings ganz nett Wärme: Der mechanismus, der den Spiegel oben hält. Ich hab ne Sony SLT-55 mit durchlässigem und festen Spiegel, aus Erfahrung kann ich also nicht berichten. Hab von dieser Sache in Tutorials gelesen, hat auch mächtig Auswirkungen auf die Akkulaufzeit, ältere Kameras halten wohl keine Stunde durch, dann ist der gesamte Strom ins hochhalten geflossen. Den Sensor sollte das ganze aber nicht beschädigen, zumindest seh ich kein Argument dafür, der Arbeitet ja rein passiv (indem er Photonen in Elektronen umwandel, ein ganz bisschen wie eine Solarzelle).

Je nachdem wo du wohnst können mehrere Stunden Belichtung zu unerwünschten Problemen führen. In den meisten Regionen Deutschlands wirds einfach zu hell sein und du bekommst viel Lichtverschmutzung rein. Könnte man vielleicht mit starkem Abblenden und ND-Filter zu verhindern suchen, die Sterne selbst solten natürlich noch durchkommen. Ich denke, dass eine Software-Stacking oder Stiching Lösung wohl die beste Qualität liefert.
 
Danke für die Infos! Ich werde beides mal ausprobieren. Wenn der Akku ohnehin nur eine Stunde durchhält bleibt nur Stacking übrig.

Das ganze werde ich natürlich in einer möglichst dunklen Nacht machen (da gibts ja schon Unterschiede). Zudem mache ich das ganze auf dem Land oder gar einem Berg (muss mal schauen ob ich da einen passenden Berg mit freier Sicht finde). Ein große Stadt ist nicht in der unmittelbaren Umgebung. Ich denke, dass die Voraussetzungen dafür also sehr gut sind.

Über Ergebnisse werde ich dann berichten. Das wird aber sicher noch ein paar Wochen dauern.
 
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