Dr. Chaos schrieb:
„Tut sie nicht.“
Doch, genau darum geht es. Wenn ein Agent ein übergeordnetes Ziel erhält, aber nicht jeder einzelne Schritt zur Erreichung dieses Ziels vorgegeben wurde, muss er selbst entscheiden,
welchen Weg er zur Lösung einschlägt. Natürlich geschieht das innerhalb seiner technischen Möglichkeiten und auf Grundlage seiner Modelle – aber daraus folgt nicht, dass jeder konkrete Lösungsweg vorher vom Programmierer festgelegt wurde.
Dr. Chaos schrieb:
„Sie nutzt grundsätzlich alle möglichen Ressourcen.“
Das ist für mich kein Gegenargument. Die interessante Frage ist doch gerade,
wie diese Ressourcen eingesetzt und miteinander kombiniert werden, um ein Ziel zu erreichen. Ein Agent kann dabei Strategien wählen, Zwischenergebnisse bewerten und seinen weiteren Lösungsweg entsprechend anpassen.
Dr. Chaos schrieb:
„Der Agent kann halt einfach unzählige Möglichkeiten in extrem kurzer Zeit abarbeiten um den richtigen Weg zu finden.“
Und warum sollte genau das kein intelligentes Verhalten sein?
Wenn ein System aus einer Vielzahl möglicher Handlungsoptionen diejenigen auswählt, die es zur Lösung eines Problems für geeignet hält, ist das zumindest ein Verhalten, das wir bei Menschen ebenfalls als Problemlösungsfähigkeit und damit als intelligent bezeichnen würden.
Dass ein Computer das wesentlich schneller und auf eine andere Art macht als ein Mensch, ändert daran doch nichts.
Dr. Chaos schrieb:
„Nein, dafür müsste der Agent, aus dem was er macht lernen können, Schlussfolgerungen ziehen und Dinge überhaupt wissen. Ein Agent weiß eigentlich gar nichts.“
Hier würde ich widersprechen. Du setzt meiner Meinung nach
Intelligenz mit menschlicher Intelligenz gleich.
Ein System muss weder ein Bewusstsein besitzen noch wie ein Mensch lernen, um intelligentes Verhalten zeigen zu können.
Wenn ein KI-System Informationen verarbeitet, Zusammenhänge erkennt, Schlussfolgerungen daraus ableitet und dieses Wissen zur Lösung eines Problems verwendet, dann würde ich durchaus sagen, dass hier zumindest eine Form von intelligentem Verhalten vorliegt.
Und auch die Aussage „ein Agent weiß eigentlich gar nichts“ ist mir zu absolut. Natürlich „weiß“ eine KI nicht auf dieselbe Weise wie ein Mensch. Aber sie verfügt über gespeicherte Informationen bzw. erlernte Strukturen und kann diese bei der Bearbeitung einer Aufgabe verwenden. Wenn ich sage, dass mein Computer „weiß“, welche Datei er öffnen soll, behaupte ich schließlich auch nicht, dass er ein menschliches Bewusstsein besitzt.
Ich glaube deshalb, wir reden hier ein Stück weit über unterschiedliche Definitionen.
Ich behaupte
nicht, dass ein KI-Agent ein Mensch ist, Bewusstsein besitzt oder die gleiche Art von Intelligenz hat wie ein Mensch.
Meine Aussage ist wesentlich einfacher:
Wenn ein System selbstständig Probleme lösen, Strategien auswählen, auf neue Situationen reagieren und dabei Lösungen hervorbringen kann, die nicht als konkrete Schritt-für-Schritt-Anweisung programmiert wurden, dann sehe ich darin durchaus eine Form von intelligentem Verhalten.
Ob man das anschließend „Intelligenz“, „maschinelle Intelligenz“ oder nur „intelligentes Verhalten“ nennt, ist letztlich auch eine Definitionsfrage.
Aber zu sagen, es könne grundsätzlich kein intelligentes Verhalten sein,
nur weil der Agent nicht bewusst denkt oder aus jeder Handlung dauerhaft lernt, halte ich für eine unnötig enge Definition.