Hier ein wie ich finde sehr schöner Text von Eddy zum Thema:
http://etienne.virtualimpressions.de/index2.html
Heute ist ein Tag, an dem ich mal nicht in üblicher Manier über die Abgründe des Lebens schreibe. Wobei so ganz stimmt das nicht, denn als junger Mensch in der Medienwelt, bedauere ich sehr, dass heute eine der letzten großen Fernsehideen ausstirbt.
Die Rede ist von GIGA. Nach über 7.5 Jahren, ist vor wenigen Minuten zum letzten Mal das GIGA Logo durchs die Kabelhaushalte in Deutschland geschossen. Seit geraumer Zeit hat sich diese negative Entwicklung am Horizont abgezeichnet. Ich weiß gar nicht wieviele Mails und Foren-Einträge ich in den letzten Monaten zu diesem Thema gelesen habe. Immer wieder kamen die gleichen Fragen auf: Warum? Wer ist Schuld? Wie kann man es aufhalten?
Die Antworten auf diese Fragen sind wie so oft bei komplexen Problemen nicht einfach. Ich bin trotz meiner fast sechs Jahre bei GIGA auch nicht sicher, wie man diese Fragen beantworten soll und gleichzeitig allem Gerecht zu werden.
Trotzdem muss ich auch erst mal sagen, dass wohl niemand des ursprünglichen GIGA Teams damals an so einen langfristigen Erfolg überhaupt geglaubt hätte. Das soll in keinsterweise bedeuten "seid doch froh, dass es Euch überhaupt so lange gab", aber es soll zumindest auch in Zeiten des Abschieds etwas stolz machen. Stolz auf das, was jeder Einzelne, sei es Zuschauer, Fan, Moderator, Crew-Mitglied oder Redakteur, wer auch immer, zu diesem einzigartigen Fernsehprodukt beigetragen hat.
GIGA war für mich in vierlerlei hinsicht immer ein ganz besonderer Platz zu Arbeiten. Ich weiß es klingt wie eine abgedroschene Floskel wenn ich sage, dass es wie eine Familie war. Aber ich denke jeder der mal bei GIGA war, egal ober beruflich oder als Gast oder Zuschauer, der wird bestätigen können, dass es bei uns immer irgendwie "anders" zuging als man es von einem Fernsehsender erwartet hätte. Natürlich war GIGA schon immer eine Low-Budget-Produktion. Wir waren nie MTV oder VIVA, geschweige denn ein "richtiger" Fernsehsender. Und trotzdem waren wir genauso dort im Flimmerkasten wie all die Stars und Sternchen. Man kann sicherlich darüber streiten, ob diese oder jene Person bei GIGA richtig aufgehoben war. Ob Netzreporter XYZ ein guter Moderator war, oder ob die Fragen der Hosts manchmal "peinlich" waren. Aber am Ende des Tages war genau DAS GIGA.
Ich hätte nie gedacht, wieviel Kritik und wieviele Meinungen einem entgegen fliegen, wenn man plötzlich in der Öffentlichkeit steht. Durch die Verschmelzung von Sendung und Zuschauer bei GIGA, wurde diese Art der Kritik natürlich noch gefördert. Plötzlich hatte jeder eine Meinung zum Thema GIGA. Alles und jeder wurde hinterfragt. Von Werbetrennern über Aufnahmeleiter bis hin zur Programmdirektion, wurde so ziemlich alles bei GIGA öffentlich diskutiert und kritisiert. Das sorgte unweigerlich auch dafür, dass die GIGA-Schaffenden enger zusammengeschweisst wurden, als es für diese Branche unter Moderatoren und Teams, aber auch unter Fernsehmachenden und Fernsehschauenden üblich war.
Damit wurde GIGA zum Einen etwas besonderes, etwas innovatives, aber zum Anderen weigerte man sich so einen gewissen Weg einzuschlagen, der von Nöten ist um in dieser Branche langfristig zu bestehen.
Ich will GIGA nicht als Märtyrer in dieser Fernsehlandschaft darstellen, aber ich muss schon sagen, dass in Zeiten von Klingeltönen, Astro-Shows, Call-In-Quiz Sendungen und Franchise-Programmen, GIGA erfrischend anders war. Anders vor allem deshalb, weil GIGA autenthisch war. Nicht pseudo-authentisch mit Wackelkamera wie die Abschussklasse auf Pro7, sondern authentische Menschen die Fernsehmachen, obwohl sie es nie wirklich gelernt haben und nie die dafür nötigen Mittel bekommen haben.
Fast alle Sachen bei GIGA sind in minimal Aufwand durch die Ideen weniger Leute und den Antrieb einiger Personen entstanden. Ob es Trailer waren, Bühnenshows, Gesangseinlagen, Kamera-Spielchen, was auch immer. Es ist den Köpfen bei GIGA entsprungen und sie haben es einfach gemacht. Ganz gleich ob es den Fernseh-Regeln entspricht, ganz gleich ob es peinlich-schlecht, übertrieben oder unangemessen war. Nicht jeder Gag war ein treffer, nicht jede Maz lief einwandrei und war richtig ausgeleuchtet, nicht jedes Mikro war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es ist so einfach GIGA für das zu kritisieren, was GIGA "nicht" geleistet hat. Aber viel interessanter ist es in meinen Augen, festzuhalten, WAS GIGA geleistet hat. Nämlich Fernsehen von ganz normalen Verrückten für ganz normal verrückte. GIGA war Fernsehen mit Herz. Zu keinem Zeitpunkt wurde jemals der Anspruch erhoben Fernsehen wie im ZDF zu machen. Ich bezweifele deshalb, dass es in absehbarer Zeit wieder Fernsehen gibt, das mutig genug ist anders zu sein. Ich werde die Zeit mit GIGA niemals vergessen und ich bin stolz ein Teil davon gewesen sein zu dürfen.
Ich widme diese Gedanken all den Leuten, die in den vergangenen 7.5 Jahren GIGA mitgelebt haben. Besonders der gesamten Crew in Berlin, die plötzlich ohne Job auf der Straße stehen, damit endlich wieder Platz für "Knight Rider" und "Simon&Simon" im Fernsehen ist.