Ich habe insbesondere ein "Problem" mit der nicht vorhandenen Spannung in vielen westlichen Kinofilmen. In wie weit das auch auf "viele" der aktuell beliebten Serien zutrifft, kann ich leider nicht beurteilen, da ich schon seit langer langer Zeit keine westliche Serie mehr gesehen habe; bei vielen der Serien, wie Startrek, die ich früher so gesehen habe, war dies auf alle Fälle so. Das bereits genannte Babylon 5 war eine der wenigen Ausnahmen. Deshalb bezieht sich folgendes vor allem auf diese westlichen Kinofilme:
Ein Punkt den man nur kurz Abhaken braucht: Meist Schwarz und Weiss die "guten" gewinnen mit minimalen Verlusten immer. Allein dadurch, dass man dies weiss, wird die Handlung vorhersebar, wodurch der Story die Spannung geraubt wird.
Das ganze geht damit weiter, dass meistens sämtliche Charaktere extreme Stereotypen sind, zB sind die Hauptcharaktere meist der tolle Held und sein "Fickfleisch". Ersterer ist aus irgendwelchen Gründen, meistens da Ex-Elite-Soldat, in nahezu allen meist "Übermenschlich" gut, kommen Schusswaffen vor, so wird er nie getroffen, während seine Trefferrate nahe bei 100 % liegt.
Das "Fickfleisch" erfüllt meistens keine weitere Funktion in der Handlung, ihre Aktionen haben keinerlei Erfolge, ausser dem Helden mit ihren weiblichen Reizen einen Grund fürs Kämpfen zu geben. Hin und wieder rettet sie vielleicht auch den Helden in einer Szene kurz vorm Ende das Leben.
Gleichzeitig wird viel der Laufzeit dafür verwendet um Visuals und Action darzustellen, während für die tiefere Charakterisierung der Figuren zu kurz kommt. Man erfährt meistens nie was sie denken, was sie fühlen, was sie gerne tun, was für Vorlieben sie haben. Haben sie charakterliche Schwächen, wie Gier Neid oder Hass oder eventuell auch eine mindere geistige Störung, oder besondere Stärken? Welche Fertigkeiten, Talente oder "Unbegabungen",wie Kochkunst Fahrkünste oder ähnliches, besitzen sie sonst noch ?
Für eine solche Charakterisierung werden viel Laufzeit und alltägliche Szenen benötigt, jedoch ist sie extrem wichtig, damit dem Zuschauer die Charaktere sympathisch werden und er sich irgendwie in sie hineinversetzen identifizieren. Denn bleibt die Charakterisierung aus, so bleiben die Figuren für den Zuschauer weiterhin leere Hüllen, und er wird nichts für sie empfinden, nicht mit ihnen leiden oder sich nicht über ihre Erfolge freuen oder mit ihnen "mitfiebern". Da in der menschlichen Psyche jedoch, die Spannung durch einen potentiellen Gewinn oder Verlust für sich oder einer sympathischen Person entsteht, ist diese Charakterisierung eben extrem wichtig, dass überhaupt Spannung entstehen kann. Deshalb kann in den Filmen soviel explodiert und geschossen werden wie es will, ohne die Charakterisierung wird der Zuschauer dadurch kaum Spannung empfinden.
Des Weiteren sind oben genannte schlechte Charaktereigenschaften für die guten Charaktere sind in westlichen Filmen ebenfalls sehr selten, aber dennoch für die Identifizierung oder Sympathisierung des Zuschauers mit den Figuren sehr vorteilhaft. Hier könnte man beispielhaft Jack Sparrow nennen. Obwohl er wegen seinen geistigen Schwächen das ist was man im Volksmund als Spinner bezeichnen würde, ist er er unglaublich bekannt und in den meisten Teilen der Bevölkerung extrem beliebt.
Ähnlich wie bei den guten Figuren die schlechten Eigenschaften fehlen so fehlen bei den bösen Figuren die guten Eigenschaften. Man erfährt über den Bösen meistens nichts, ausser dass er ein Bösewicht ist, welcher eben seinen bösen Zielen, wie Vergewaltigung Mord Gier Sadismus Unterwerfung bzw (Welt)herrschaft, nachgeht. Weshalb er die Ziele hat bleibt dem Zuschauer meistens verborgen. Man sieht den bösen nur beim Ausüben oder Planen seiner Ziele, nie jedoch im Alltag. Positive Charaktereigenschaften werden beim Bösen ebenfalls meist nicht erwähnt oder in die Story eingebaut. Das führt dazu, dass sich der Zuschauer mit dem Bösen nicht sympathisieren oder identifizieren kann.
Wenn man jedoch bei einem Film Filmen Böse mit ebenfalls gute Charaktereigenschaften einbaut, so wird der Zuschauer bei sämtlichen Konflikten mit beiden Seiten mitfiebern, wodurch sowohl die Dramatik als auch die Spannung stark erhöht werden.
Somit ist die mangelnde Charakterisierung des Bösen ebenfalls schlecht für die Spannung
(!!!!! Im folgenden kommen ein paar Spoiler vor!!!!!)
Ein gutes Beispiel, worauf das meiste Zutrifft, Avatar. Hauptcharakter Ex Soldat mit Plot-Kugelschild. Fickfleisch erreicht nichts ausser ihn auf ihre Seite zu ziehen und rettet ihm zweimal das Leben. Viel Visuals mit der Jungellandschaft viel Action dafür kaum Charakterisierung. Man erfährt kaum etwas über den Charakter die beiden Hauptfiguren, über deren Charakterschwächen oder den Rest der Figuren schon gar nichts. Der Böse ist handelt aus Profitgier oder aus Befehlstreue. Man erfährt nichts Positives über ihn. Wozu führte dieser Filmaufbau? Als die Wissenschaftlerin gestorben ist, empfand man keinerlei Trauer; beim Verlusten während des Endkampfes ebenfalls nicht. Es ist zwar viel explodiert und geschossen worden aber Spannung empfand man trotzdem nicht.
Als Gegenbeispiel sei die Serie Steins;Gate genannt. Hauptcharakter ein leicht "spinnender" Student. Weiblicher Hauptcharakter eine Wissenschaftlerin, welche ihm permanent hilft indem sie ihm seine Zeitmaschinenmikrowelle ausbaut, und die meiste Zeit nicht einmal Grund für sein Handeln ist. Visuals waren relativ minimal; die Handlung spielte an wenigen real existierenden relativ unspektakulären alltäglichen Orten in Toukyou. Die einzigen Requisten waren ein paar Handys, eine Mikrowelle, ein Fernseher, ein Uraltcomputer und eine Zeitmaschine. Die ersten 13 Folgen der 25 teiligen Serie beschäftigten sich weitestgehend mit der Charakterisierung und den Grundlagen für die Haupthandlung. Die eigentliche Hauphandlung ging also erst im zweiten Teil der Serie los, wobei ebenfalls weite Teile der restlichen Serie für die Charakterisierung verwendet wurden. Dadurch, dass die guten ebenfalls hin und wieder etwas verloren haben hat man permanent mit ihnen mitgetrauert und mitgefiebert. Selbst den "bösen" Handlangern wurden glaubhafte Motive mitgegeben, weshalb man ebenfalls mit diesen mitgefiebert hat. Dadurch empfand jedem Verlust man immer ein "Naaain, bloss nicht, naaaaain", und dementsprechend, wegen des Verlustrisikos, war die Spannung auch hoch. Am Ende der Serie war der Hauptcharakter dementsprechend traumatisiert und fertig, dass er an mehreren Stellen einfach nur geheult hat, was dem Zuschauer auch nachvollziehbar war, weshalb man mit ihm mitgefühlt hat. Sowohl das Traumatisiert sein als auch das Weinen sind Handlungen und Vorgänge, welche ich in westlichen Filmen ebenfalls insbesondere bei männlichen Figuren vermisse, und das Sympathisieren mit ihnen stark erschwert und dementsprechend die Spannung reduziert.
Ist leider ein etwas grösserer Wall of Text geworden, jedoch wollte ich das irgendwie einmal los werden
