Übermässige Spannung in Filmen und Serien

Es ging mir in beiden nicht um einen direkten Vergleich untereinander, sondern um drastische Beispiele, was gute Charakterisierung Spannungstechnisch ausmachen kann. Allerdings betrachte ich in der Tat, wegen der kurzen Laufzeit Kinofilme deshalb eher benachteiligt bis ungeeignet um spannende Geschichten zu erzählen. Jedoch ist es durchaus möglich dies mit wenig Zeit gut hinzubekommen, wie zB Fluch der Karibik oder Harry Potter oder Reine Nervensache, wobei die ersteren beiden Filme durchaus Actioneinlagen haben, und ich dem ersteren fast dem Actiongenre zuordnen würde. Auch habe ich mich speziell auf primäre Actionfilme bezogen, weil dort das Problem am deutlichsten wird: Trotz vieler Action kaum Spannung, da für diese Handlung oder die Charakterisierung benötigt wird, welche aber beide zu kurz kommen. Die obige Argumentation lässt sich in ähnlicher Form auch auf andere Genres übertragen, wie zB Abenteuerfilme, Dramen, Fantasy Filme oder Science Fiction Filme: Trotz eventueller Action, drohenden Verlust oder Gewinn für die Charaktere entsteht kaum Spannung. Handlung besitzen diese ja durchaus, Tiefgang von Fall zu Fall, aber wenn sie in der Charakterisierung scheitern, wird man sich dennoch von ihnen nicht mitgerissen und keine Spannung empfinden. Genau die selbe Argumentation könnte man auch über mangelnde Spannung in diversen actionalstigen Computerspielen führen.


Des Weiteren würde ich ,je nach Definitions des Begriffe, Tiefgang, vor allem wenn er in die Ecke Erziehung des Zuschauers, "Erhobener Zeigefinger", Gesellschaftskritik oder Katharsis geht, nicht Spannungsverstärkend betrachten, sondern von Fall zu Fall sogar störend, da dadurch die Story eben wieder extrem vorhersehbar wird.

P.S. ich habe in den beiden Posts wohl den Fehler gemacht, dass ich versucht habe meine Meinung weitestgehend neutral durch "man" oder passiv zu beschreiben, obwohl sie in dem Fall sehr subjektiv ist. Dadurch kommt meine Argumentationskette oder eher Empfindungskette denke ich nicht so gut herüber und ist leicht misszuverstehen.
 
Du unterstellst CAPTAIN Jack Sparrow ein Unterbelichteter zu sein? Würde ich gar nicht so sehen! Für mich ist er eine weitreichende, skurrile, egozentrische und narzistische Figur. Er handelt nur Aufgrund seiner Überzeugung, zu seinem Nutzen und für seine Ziele. Er ist kein Held, er ist ein Schurke aufs übelste Überzeichnet, wird den Leuten dabei zum Sympathieträger. In seinen Absichten für Andere undurchschaubar und mit einem Augenzwinkern abgetan tut er doch nichts unbelassen um seine Haut zu retten und stößt dabei jeden von der Planke um seine Ziele zu erreichen.

Außerdem ist das in einigen Fällen auch gewollt.

Nehmen wir nur einmal Filme von Sergio Leone. Western. Der einsame Mann, der auftaucht, Mundharmonika spielt, und 4 Stunden Spannung aufbaut ohne wirklich viel von dem Charakter zu erfahren. Man weiss, er ist ein guter Schütze und am Ende weiss man auch warum. Danach zieht er von dannen. Gepaart mit der unglaublichen Musik von Ennio Morricone. Oder aber die Dollar-Triologie. Man weiss wahrscheinlich auch wie diese Filme ausgehen, dennoch möchte man sie sehen. Und die bauen den kompletten Film über eine Spannung auf. Die sie dann am Schluss entladen und die Endszenen stilistisch hochgeputscht herrichten für Auge, Ohr und Seele.

Da würde ich niemals sagen: Die Spannung ist zu groß. Denn dann dürfte ich dieses Genre einfach nicht gucken.

Als wunderbarstes Beispiel sei hier mal Watchmen angeführt. Dort ist sogar der Bösewicht sympatisch, Gut und Böse sind nicht einfach festzustellen, es kommt auf den Blickwinkel an, und das ist nur eines der genialen Moralvorstellungen dieses Filmes.
 
Ich meinte nicht "unterbelichtet", die diversen Dialogszenen mit ihm, lassen sogar wegen Logik Satzbau und Wortwitz auf eine hohe Intelligenz schliessen, sondern eben seine "geistigen Schwächen" bzw. Makel als sehr weitgefächerten Begriff. Hierunter fallen seine oft moralisch zweifelhaften Ziele, seine Vorgehensweisen um diese zu erreichen, Anzeichen von Schiophrenie (zumindest lassen diverse Filmszenen im dritten Teil darauf schliessen) und zu guter letzt sein zwanghaft tänzelndes tuntiges Verhalten.
Insbesondere letzteres wäre wohl heutzutage eine so starke Charakterschwäche, dass es ohne weiteres in vielen Berufen die Kündigung rechtfertigen würde oder er gar nicht eingestellt werden würde. Würde man einen solchen Menschen auf der Strasse sehen, würden ihn die meisten anderen Menschen auf Grund seines Verhaltens für einen "Spinner" halten. Aber eben wegen dieser Schwächen und da die guten Seiten seines Charakters ebenfalls dargestellt werden gewinnt die Figur auch sehr viel Sympathie. Er ist die Ikone der Trilogie, überstrahlt alle anderen Charaktere, jeder kennt ihn und die meisten mögen ihn. Ohne diese Kombination aus geistigen Schwächen und geistigen Stärken wäre dies wohl nicht der Fall.

Außerdem ist das in einigen Fällen auch gewollt.
Ob es gewollt ist oder nicht, ich empfinde in solchen "charakterlosen" Filme wegen obiger Begründung eben als nicht Spannend, insbesondere die diversen Action Filme, die ich in letzter Zeit immer so aus "Gesellschaftlicher Verpflichtung" mit Freunden oder Familie schauen musste. Zu den von dir genannten Beispielen kann ich leider nichts sagen, weil ich diese noch nicht gesehen habe.
 
Mo-mo-moment.

Wo ist das denn eine geistige Schwäche? Im Gegenteil. CAPTAIN Jack Sparrow weiss was er will und wie er es erreichen kann. Und zwar indem er über jedermanns Grab steigt und auch nicht vor dem miesesten Trick zurückschreckt. Das ist aber nur in einer Weise verwerflich, nämlich in Moralvorstellungen, die bei jedem Menschen anders aussehen. Naja ich möchte nicht die ganzen Filme spoilern, aber die Figur ist einfach Anders. Und Anders-denkende, handelnde und agierende Menschen werden immer in eine Ecke gestellt. Nur weil er exzentrisch ist, ist es eben noch kein Spinner. Außerdem bin ich sogar soweit, dass ich sagen würde, dass seine Art ein Selbsterhaltungstrieb ist. In einer Welt voller Bösewichter und komplexen sozialen Schichten ist er sozusagen seine eigene.

Das mit der Kündigung sehe ich nicht so, sein Verhalten ist merkwürdig, aber der Vergleich ist hinfällig, wie soll man einschätzen ob er ein guter Mitarbeiter ist oder nicht? Finde auch den Gedankengang komisch. Er ist eine Filmfigur, und wie soll man das übertragen auf das wahre Leben? Es gibt mit Sicherheit Menschen, die in dieser Art leben, und ich könnte mir vorstellen, dass so jemand sehr beliebt ist. Aber was in diesem Menschen vorgeht oder wer es ist, das erfahren wir doch gar nicht. Und was er wirklich auf dem Kasten hat ebenfalls nicht.

Naja gut, ich finde es eher viel schlimmer wenn es überhaupt keine Handlung oder nur sinnlose Spannung/Action gibt, die einfach aus dem Hut gezaubert wurde ohne Hand und Fuß. Ein wenig Hintergrund wäre schon schön wenn jemand anfängt Leute zu erschießen oder Amok zu laufen. Aber wir will man all das in einen solchen 2 Stunden Film bringen? Das ist fast schon unmöglich. Da Bedarf es dann schon einer Serie. Und die muss ja den Zuschauer anregen weiter zu gucken. Jeder hat da seine besonderen Interessen und Vorstellungen.
 
Mir ist das bei der Dark Knight Trilogie von Christopher Nolan, aber auch einigen seiner anderen Filme aufgefallen (vor allem The Prestige und Inception), dass diese nicht gerade kurzen Filme einen permanent mit Spannung überlasten. Matn hat bei Batman in nahezu jeder Szene dass Gefühl, dass die jetzt unglaublich wichtig für den gesamten Film ist und gleich was unheimlich spannendes passiert, unterstützt durch die Musik, aber irgendwann stumpft man halt ab und nimmt es so hin. Bei Inception war es ungefäh ab dem Zeitpunkt, wo der Kleintransport beginnt ins Wasser zu stürzen ein Gefühl wie beim großen Finale.

Bei den Batman Filmen kam ich danach immer völlig matsche aus dem Kino, weil man halt die ganze Zeit so angespannt war, evtl. aber auch wegen des lauten Sounds.
 
Nocheinmal; eventuell habe ich mich zu schlecht ausgedrückt:
Geistige Schwächen zielte abstrakt, auf das Verhalten, das Denken, und Handeln das Charakters auch in moralischer Hinsicht also sämtliche Eigenschaften an seinem Geist, welche der Zuschauer als schwach, annnormal negativ bzw schlecht empfinden soll. Ich habe den Begriff "geistige Schwäche" vorhin nur deshalb gewählt, um zu verdeutlichen, dass ich mit Schwäche keine körperlichen schwächen bzw Makel meine.
Ich meinte auch nicht, dass er sich bei dem Erreichen seiner Ziele dumm anstellt, sondern lediglich, dass er zweifelhafte Moralvorstellungen und Ziele hat, die er mit effizienten aber moralisch zweifelhaften Methoden durchsetzt.
Mit dem Beispiel wollte ich nur nocheinmal verdeutlichen, wie stark ein solcher Makel ist bzw wie stark er in den vielen spiessigen Teilen der heutigen Gesellschaft empfunden werden würde. Da hätte man sich in der Tat bessere aussuchen können, wobei mir der Vergleich, dadurch gefallen hat,dass mir wegen meiner minderen "Skurilität" bzw Exzentrität, etwas ähnliches bereits an meiner kleinbürgerlichen kleingeistigen spiessigen (füge 100 weitere Beleidigungen ein) Zivildienststelle passiert ist: Dort wurde ich alleine wegen als etwas zu überschwänglich empfundenen freundlichen Begrüssungen bei denen ich wohl etwas zu sehr gelächelt habe, langen Haaren und bei mir vollkommen normaler leichter Zerstreutheit zum Drogentest geschickt. Das Ganze geschah, ohne dass man mir zuvor mitteilen wollte, weshalb ich zum Betriebsarzt gehen musste; dass mit dem Drogentest hat mir erst der Arzt erzählt. Und das obwohl ich Drogen hasse, keinerlei dieser Stoffe konsumiere, und nicht einmal Alkohol trinke, und die Zivildienststelle ein Krankenhaus war, welches auch u.A. Drogenkranke behandelt hat. Dementsprechend wäre ich vor Wut fast beim Arzt explodiert.

Ich hoffe nun sind die Missverständnisse ausgeräumt und meine Argumentation verständlicher ist. Allerdings war es nie ein Ziel von ihr im Endeffekt über die evtl unglücklich gewählten Beispiele zu argumentieren, deshalb nun aber bitte wieder zurück zum Thema.

Ein wenig Hintergrund wäre schon schön wenn jemand anfängt Leute zu erschießen oder Amok zu laufen. Aber wir will man all das in einen solchen 2 Stunden Film bringen? Das ist fast schon unmöglich. Da Bedarf es dann schon einer Serie.

Wie bereits erwähnt gibt es gibt Filme die das halbwegs gut schaffen, allerdings scheitern viele daran. Und eben deshalb betrachte ich Serien, wegen ihrer höheren Laufzeit Story und Spannungstechnisch den Kinofilmen überlegen.

Und die muss ja den Zuschauer anregen weiter zu gucken. Jeder hat da seine besonderen Interessen und Vorstellungen.

Serien die ich als gut und spannend betrachte machen dies auch meistens sehr geschickt. Selbst in der aufbauenden Charakterisierungsphase werden dem Zuschauer Actioneinlagen oder "Spannungshäppchen" der Haupthandlung zugeworfen die ihn fesseln und das Interesse wecken die Serie weiter zu schauen. Hier könnte man wieder Steins;Gate als Beispiel nennen.
 
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