Warum drosseln Internetdienstanbieter?

Mileet

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Mir ist aufgefallen, dass diverse Anbieter z.B. Kabel Deutschland / Vodafone ab einen TB Traffic im Monat drosseln, die Telekom hat(te) dies ja auch vor.

Warum eigentlich?

Traffic kostet ja nichts mehr und das Peering der Telekom ist ja wie man am Beispiel YouTube sehen kann, anscheinend so oder so nicht besonders hochwertig.

Geht es den Anbietern echt um den verursachten Traffic oder nur um die Netzwerkauslastung?

Der meiste Traffic ist ja auch eingehender Traffic, und der kostet ja wenn überhaupt noch weniger als ausgehender. Viele Serveranbieter wie z.B. Hetzner berechnen eingehenden ja auch gar nicht mehr.

Ich bin jetzt absolut kein Experte, interessiert mich nur mal ob meine Logik total falsch ist.
 
Mileet schrieb:
...oder nur um die Netzwerkauslastung?

Das ist der Grund. Kabel als shared Medium ist vielerorts total überlastet, weil einfach viel zu viele Anschlüsse aufgeschalten werden. Wenn dann ein paar "Powersauger" dabei sind, dann blockieren die einen Großteil der Bandbreite.
 
Es geht um Gewinnoptimierung. Wenn man einen gedrosselten Tarif anbietet kann man:

A) einen teureren ungedrosselten oder mit höherem Volumen anbieten
B) besteht die Chance, dass die User sich teures Zusatzvolumen dazubuchen

Edit.: Thema Shared Medium, klar ich merke das selbst, zu Stoßzeiten (Sonntag 20:15) kommen gerade mal 8 von 16 mBit an bei mir, unter der Woche volle Geschwindigkeit. ABER, das kann man (als Provider) grundsätzlich damit lösen, dass man nicht Geschwindigkeiten verspricht und schaltet, die nicht dauerhaft gehalten werden können. Das will der Provider aber nicht, weniger max. Geschwindigkeit verkauft sich schließlch schlechter.
 
Zuletzt bearbeitet:
komisch... wie kann dir auffallen , dass kd / vodafone angeblich drosselt, wenn sie es ja garnicht tun ?

Mileet schrieb:
Geht es den Anbietern echt um den verursachten Traffic oder nur um die Netzwerkauslastung?
das wichtigeste vergessen ?
firmen wollen geld verdienen...
 
In einigen Falle macht sicherlich die Auslastung Probleme und es geht nicht mehr durch die Leitung, ansonsten wird halt versucht mehr Geld zu bekommen.
 
Jeder drosselt auch die Hoster ala Hetzner, nennt sich dann Fair Use und soll einfach nur sicherstellen, dass man kein Schindluder mit den Kisten betreibt.

Und nun warum, auch wenn Traffic billig ist, ist er nicht unendlich vorhanden. Die großen Knoten ala De-Cix sind in ihrer Kapazität auch begrenzt. Hätte nun jeder Mensch einen 100Mbit Leitung und würde ununterbrochen saugen, dann wäre alles dicht und niemand könnte mehr surfen.

Kannst du dir in etwa wie eine Autobahn vorstellen, in der Rush Hour hast du Stau, ohne Drosseln wäre im Inet immer Rush Hour, folglich immer Stau.
 
Die Netze sind überlastet, bei der Telekom sind die Netzwerkknoten zB überlastet, die auf die YouTube und Apple Server im Übersee gehen. Dann läuft abends zur besten Zeit ein Video plötzlich nur noch mit 360p. Die Telekom kann sich natürlich mehr Bandbreite mieten, aber das kostet. Sprich unterm Strich geht es wie immer ums Geld.
Das Kabelnetz ist nach meinen ganzen Erfahrungen auch immer zur Abendstunde überlastet bei KD. Das ist ein elendiges Thema.

Von der Drossel sind meist nur Poweruser betroffen, wo pro Anschluss mehr als 300GB im Monat gesaugt werden. Die müssen nun 5€ mehr zahlen.
 
Drosseln ist so eine Sache, da gibts das, was wirklich passiert und das, was einem die ISP erzählen.

Ist hier in Österreich ähnlich: viele UPC-User haben Probleme, Netflix mit über 480p zu schauen, aber die Leitung gibt überall sonst die volle Power her. Da Netflix sogar anbietet, dass sich die ISP kostenlos deren Content in-house auf einer eigenen Hardware speichern können, kann man sich eh zusammenreimen, was da passiert.
 
Warum sollte Traffic "nichts mehr kosten"? Das ist die einzige Sache die was kostet.

Prinzipiell geht es darum, eine Leistung mehr Leuten zu verkaufen, als man in der Lage ist, liefern zu können. Als ob der Eismann mit 500 Kugeln Eis im Kühler über das Netz 1000 Leuten eine Kugel Eis verkauft, und sich dann hinstellt, dass es ja ganz normal sei, dass 500 Leute grade kein Eis bekommen, weil die anderen nicht "fair" Gebrauch von ihrem Eis machen.

Gleiches findet man auch bei SMS und Gesprächsminuten. Dort muss nur nicht gedrosselt werden, weil die Kunden garnicht in der Lage sind, die bezahlte Leistung ab abzurufen. Niemand telefoniert 16 Stunden am Tag. Trotzdem sind sie so blöd für diese Sache zu bezahlen.
Aber Netz? Ein bisschen Spotify Gedudel hier, zur Primetime ein wenig Netflix, zwischendurch ein bisschen "Cloud"... da KÖNNEN die Nutzer die eigentlich bezahlte Sache auch abrufen, und wirklich leisten zu müssen ist für jeder, der ordentlich Kohle scheffeln will natürlich ein ganz böses Aua. Also wäscht man den Kunden erneut das Hirn, fabuliert etwas von "fair" (= bitte zahlt nur, aber seid so fair dass wir dafür so wenig wie möglich leisten müssen, damit es nicht auffällt, dass wir die gleiche Leostung mehrfach verkaufen).
 
Das Internet ist nicht kostenlos und wird von Firmen betrieben, die ein wirtschaftliches Interesse haben. Wenn ein Datenpaket von A nach B geht, sind meistens mehrere Netzwerke betroffen und damit mehrere Firmen.

Wenn ich auf Computerbase zugreife, sind das bei mir mein ISP und das HostEurope Netz.
Zwischen meinem ISP und HostEurope gibt es also einen Peering Vertrag (https://en.wikipedia.org/wiki/Peering#How_peering_works).
Entweder sagen die beiden, dass sie den gleichen Traffic erzeugen und die Kosten gegeneinander ausgleichen oder weil einer der beiden deutlich mehr Traffic erzeugt, zahlt er dem anderem was.

Netflix ist ein ganz besonderer Fall, weil dieser mehr Daten schickt. Deswegen kam und kommt es immer wieder vor, dass Firmen gerne Geld dafür hätten (Netflix vs Comcast). Aber Netflix dafür nicht zahlen möchten. Dadurch gibt es Flaschenhalse (Überlastung von einzelnen Routen) und die Video können nicht mehr in hoher Auflösung übertragen werden.

Zusätzlich gibt es noch die Kosten beim Provider selbst. Viele möchten gerne eine schnelle Leitung, die Provider möchten sparen. Also werden die Netze in der Art geplant, dass sie immer genug ausgelastet sind, aber nicht überlastet sind. Wenn nun in einer Region die Leute anfangen die Leitungen auszunutzen, dann haben die Provider ein Problem. Denn die Leitungen werden von wenigen überlastet. Deswegen würden sie gerne drosseln - doch dank dem Aufschrei geht das nicht.
 
estros schrieb:
Von der Drossel sind meist nur Poweruser betroffen, wo pro Anschluss mehr als 300GB im Monat gesaugt werden. Die müssen nun 5€ mehr zahlen.

Ich finde die Definition PowerUser immer wieder witzig. Ich bin letztens fast aus den Latschen gekippt als ich mal in der Fritzbox geschaut habe, was meine über 60jährige allein wohnende Mutter im Monat so verbraucht - das waren mal eben 100-150GB, sie hat ein Internetradio, einen Fire-TV Stick, ein Smartphone und surft manchmal am Rechner... Ich komme als Single auch locker auf 200-250 GB, primär legales Streaming und natürlich Steam.
Was machen dann Familien, idealerweise mit 2 Kindern - das wären automatisch alles Power User...
 
estros schrieb:
geht es wie immer ums Geld
Oder, in Anbietersprache (aus dem Mobilfunkbereich):
Kunden mit Flatrate-Tarifen, die eine sogenannte Datenautomatik enthalten, bei Erreichen ihres Volumenlimits kostenpflichtiges Zusatzvolumen zu verkaufen
http://www.heise.de/newsticker/meld...ng-gegen-Gerichtsurteil-einlegen-3119553.html

Aber klar, sind natürlich nur die bösen, bösen Poweruser. Wenn man dann X Euro extra zahlt, dann ist die Überlastung ja auch weg...
 
Das muss man jetzt von Anbieter zu Anbieter unterscheiden.

Kabelanbieter:
Weil im Segment die Kapazität zu knapp wird und es sich nicht lohnt ein Segment aufzuteilen.
Workaround: Drosseln.
Richtige Lösung: Endkundenpreise erhöhen damit ein Segment Split rentabel wird.

Telekom und andere Netzbetreiber:
Wollen die Drossel als indirekte Preiserhöhung benutzen.
Meiner Meinung nach der richtige Ansatz. Da es auch weiterhin Tarife gibt, welche ein unbegrenztes Datenvolumen bieten.
Die sind halt eben teurer (siehe O2).

Telekom Reseller / Bitstream Anbieter:
Die bezahlen für das Vorleistungsprodukt der Telekom pro übertragenem Gigabyte.
Im Vorleistungsbereich gibt es keine Flatrate.
Natürlich haben die ein Interesse daran von den Power Usern mehr Geld zu verlangen bzw. diese zu bremsen, da sie sonst mit diesen nur Verluste machen.

Allgemein:
Wenn ich hier immer wieder lese "Traffic kostet nichts".
Die Mitarbeiter der Firmen kosten auch nichts?
Die Infrastruktur muss nicht gewartet werden?
Strom zum Betrieb der Infrastruktur kostet nichts?
Ausbau kostet nichts?

Im Endeffekt ist die einzig richtige Lösung die Preise zu erhöhen.
Da aber wegen Geiz ist geil, das niemand will, sind wir da wo wir jetzt sind.

Meine Meinung.
 
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