Elcrian schrieb:Aber: So sehr ich jeden unterstuetzen mag der den Linux Desktop vorantreibt... es jemandem anzudrehen der vermutlich wenig Verstaendnis dafuer hat ist doch recht gewagt. Es gibt OEM Windows Lizenzen fuer wenig Geld auf Ebay.
Ich kann dir naemlich verraten was passiert wenn der PC mal fuer mehr als Surfen verwendet wird (sollte das nicht so sein rate ich zu einem iPad, die sind erfolgreich weil sie jeder bedienen kann): Da wird sich was runtergeladen um die Kamera anzuschliessen und sich gewundert warum der Doppelklick auf die *.exe nicht viel macht. Oder warum Word seltsam aussieht. Oder warum Dropbox abstuerzt. Oder warum Netflix Chrome will und nicht Firefox....
Eine Umgewöhnung für jemanden, der sich womöglich gar nicht umgewöhnen mag, kann natürlich eine Herausforderung sein. Bei meiner Mutter nahm ich damals das Supportende von Windows XP als Anlaß für den Wechsel auf Linux. Da wäre eine Umgewöhnung ohnehin erforderlich gewesen.
Ich gebe unumwunden zu, das war schon ein wenig experimentell, insbesondere da ich selbst noch kein Linux-Nutzer war und halt durch die nicht totzukriegenden Kommentare von Linux als Frickelsystem doch ein paar Bedenken mitschwingen.
Glücklicherweise bin ich positiv überrascht worden! Das hat mich nicht nur erstaunt, sondern selbstverständlich auch sehr erfreut, gerade, weil es so durchgehend gut lief und sich keinerlei Befürchtungen bestätigten. Diese Erfahrung kann bei anderen Bedürfnissen sicherlich variieren - das ist mir schon bewußt - im Nachhinein ist mein Fazit jedoch eindeutig: Die Entscheidung war richtig.
Je nach Anspruch, wird nicht jeder mit Linux glücklich. Ist jemand auf Software angewiesen, die es nur in der Windowswelt gibt (wie Spiele, beruflich benutzte/vorgegebene Software), sollte man denjenigen auch nicht zwangsmigrieren. Insgesamt jedoch erlebe ich Windows seinerseits viel mehr als Frickelsystem als Linux. Ich habe für meine Tätigkeit als Hobbyadmin signifikant weniger Anfragen und Aufwand mit Linux.
Das von Dir beschriebene Szenario möglicher Probleme, ist mir in der mittlerweile >3-jährigen Linuxrealität noch nicht begegnet. Denjenigen mit grundlegendem Verständnis und halbwegs sicherem Umgang mit dem PC, kann man ohne Weiteres kurz erklären wie es in Linux mit der Software läuft. Diejenigen denen diese Begabung nicht zuteil ist, die trauen sich auch unter Windows nichts zu und bekommen spätestens durch verunsichernde Rückfrage-Popups Zweifel falls sie sich doch einmal tollkühn einen Klick weiter wagen.
Meine Sichtweise auf Windows vs. Linux hat sich daher in den letzten Jahren grundsätzlich umgekehrt: Als Standard würde ich heute ein passendes Linux empfehlen und davon dann abweichen, wenn spezifische Software den Einsatz von Windows unumgänglich macht.