Welchen Studiengang für meine Interessen?

IronNike

Ensign
Registriert
Apr. 2012
Beiträge
251
Hallo,

nun...ich bin jetzt 11. Klasse und habe gestern mein Halbjahreszeugnis bekommen und möchte mich langsam bewerben. Das Zeugnis ist okay, ich bin kein Spitzenschüler, aber ich denke mit einem Schnitt von 1,3 kann ich mich bei vielen Sachen bewerben. Lieblingsfächer sind Mathe, Deutsch, Geschichte, Physik. Englisch zählt nicht zu den Lieblingsfächern aber ich kämpfe mich durch. Sowas wie Biologie interessiert mich kaum, doch gebe mir größte Mühe.

Ich habe nur keine Ahnung, in welche Richtung es gehen soll. Könnt ihr mir bei der Entscheidung helfen?
Es gibt eigentlich 2 Bereiche, die mich interessieren.

Zum Einen wäre das Jura. Ich weiß, was Anwälte/Staatsanwälte/Richter machen. Mein Vater ist selbst Anwalt, ich war schon x-mal als Zuschauer bei Gericht...weiß also, was mich im Berufsleben erwarten würde. Das Problem: Das Studium - reichen da meine aktuellen Noten aus? Es wären 6 Jahre Studium, bei dem man kaum/gar kein Geld verdient. Wenn ich nicht gut genug bin, dann kann ich "nur" Anwalt werden und werde nicht als Richter einberufen. Selbstständigkeit in der heutigen Zeit..kritisch. Ich kenne ja die Probleme, die einen als freiberuflichen Anwalt erwarten. Viel Prozesskostenhilfe, Mandanten zahlen nicht. Gibt gute und Schlechte Monate usw. Also ein sehr risikovolles Unterfangen. Allerdings reizt mich vor allem das Argumentieren und Diskutieren. Ich bin relativ gut in Deutsch...zwar sind Aufsätze wie Gedichtsinterpretationen nicht meins, aber eine Erörterung..find ich immer gut.


Zum Anderen der Automobilsektor: Ich interessiere mich ungemein für Autos, speziell Motorentechnik, Motorentwicklung. Einfach alles, was mit Autos zu tun hat. Daher hab ich über ein Studium bei Audi/VW/ Porsche/Benz.. Co nachgedacht.
Nun, bei Audi gibt es eine Differenzierung zwischen Dualem Studium und Technisches Verbundstudium (stEP). Worin liegen die Unterschiede?
Wenn mich speziell der Bereich Motorentwicklung/ Fahrzeugentwicklung anspricht, welchen Studiengang sollte man sich genauer anschauen? Fahrzeugelektronik und mechatronische Systeme oder Maschinenbau,
Mechatronik.
Mein Interesse besteht also vor allem in der Entwicklung, Qualitätssicherung, fast "Forschung" im Motoren/Getriebe, aber auch technischem Sektor. Sowas wie Wirtschaftsinformatik oder BWL eher nicht. Welcher Studiengang wäre dann der Richtige?


Vielleicht fallen euch noch ein paar Ideen ein, wenn ich euch noch etwas Input zu meiner Person gebe.

Ihr wisst nun, mich interessiert neben Jura der technische Sektor rund um Autos, Motoren, aber auch Technik (z.B. Hardware von Computern). Reines IT möchte ich aber nicht studieren. Ich habe mal bei einer AG Programmieren mit gemacht...stundenlanges vor dem Rechner hocken, irgendwelche Quellcodes bearbeiten ist nichts für mich.

Medizin fällt raus, da meine schulischen Leistungen dafür eh nicht gut genug wären und mich Biologie nicht wirklich interessiert.

Allgemein sagt man mir oft, dass ich neben technischem/mathematischem/physikalischem Verständnis, ein sehr guter Redner sei. Sport interessiert mich auch..wer hätte es gedacht: Motorsport. Ein Freund meines Vaters hatte daraufhin vorgeschlagen, sich vielleicht mal sowas wie Testfahrer für ein Fahrzeugunternehmen oder eine Autosendung anzuschauen. Was meint ihr? Welche Voraussetzungen benötigt man, wenn man z.B. Testfahrer bei GRIP (wie Matthias Malmedie) werden möchte?

Ich würde mich über viele Antworten freuen!
 
Hallo,

mal abgesehen, dass du während deines Studiums egal in welchem Bereich kein/nur wenig Geld verdienen wirst, ein Risiko, dass du danach nicht angestellt/übernommen oder kein Einkommen hast, besteht auch immer.
Ein Studium selbst ist noch kein Garant für ein sicheres Einkommen!

Was für dich doch als Studiengänge scheinbar in Frage kommt ist Jura, Mathematik, Physik, Maschinenbau/Fahrzeugtechnik.

Generell solltest du, auch wenn du vllt. ein Studium bei Audi anstrebst, dich nicht von einem Arbeitgeber abhängig machen. Wenn es blöd läuft wird das Werk geschlossen und du hast noch nie was anderes als deinen Arbeitgeber gesehen.
Das Duale Studium hat zwar den Vorteil eines kleinen Einkommens, allerdings wird es wenn du in die Richtung Forschung gehen willst mehr Hürden geben, als wenn du gleich an einer Uni studierst. Um in der Forschung dauerhaft erfolgreich zu arbeiten ist ein Doktor eigentlich nicht verzichtbar.

Demnach wirst du wohl 5 Jahre für Studium (Master) und nochmal optional 3-7 Jahre für deinen Doktor benötigen.

Solche Gedanken wie Testfahrer würde ich allerdings vergessen. Wenn du bisher (18 Jahre?) noch keine Rennerfahrung hast wird das wohl nichts. Da ist ein Studium wesentlich sinnvoller.

Um wircklich ein Gefühl dafür zu bekommen, was dir gefällt würde ich dir nahelegen dich in ein paar Vorlesungen reinzusetzen.
 
Testfahrer kannst du knicken. Die Jobs sind rar und wenn du kein Benzin im Blut hast, dann kannst du noch so viel lernen. Das wird nichts :)
Geh zu einem Tag der offenen Tür an einer Uni. Dort kannst du dann alle Leute mit Fragen löchern. Zusätzlich schau dir den Modulplan für ein Studium an und guck ihn dir wirklich sehr genau an.

Bei uns an der Uni hat der Fachbereich Fahrzeugtechnik ein eigenes Rennteam, das auch Sponsoren hat. Da lernst du direkt die Praxis fürs Bauen eines Fahrzeuges mit und kannst Kontakte zu Firmen in der Fahrzeugtechnik knüpfen. Da könntest du am ehesten etwas Testfahrer-Luft schnappen :D

Ganz anderer Alternativvorschlag: Geowissenschaften :D
 
Cokocool schrieb:
Testfahrer kannst du knicken. Die Jobs sind rar und wenn du kein Benzin im Blut hast, dann kannst du noch so viel lernen. Das wird nichts :)...

Falsch, Testfahrer sind doch keine Rennfahrer die Fahrzeuge im Extrembereich fahren. Bei den Autoherstellern sind die Ings auch gleichzeitig Testfahrer und bewegen die Fahrzeuge in Bereiche, in denen normale Autofahrer einpennen würden. Es werden jährlich tausende Testfahrten durchgeführt, bei jedem Hersteller, und je nach Testbereich sitzen anderen Fahrer im Auto, nämlich meist die Ings die ihre eigenen Systeme prüfen. Man setzt doch keinen Steve McQueen ins Auto damit er Klima, Lenkung, Bremse, Schaltung usw. bei 30-50km/h testet.
Klar werden auch Extremtests gemacht, aber das sind IMO 0,1% der Testfahrten. Also kann er als Ing bei einem Autohersteller auch Testfahrer werden.
btw. ein Bekannter arbeitet bei BMW als Ing und macht mehrere Testfahrten pro Jahr in Schweden, aber Benzin im Blut braucht er keines, nur Gedult, Messgeräte und Monotonie-Resistenz :)

IronNike schrieb:
...okay, ich bin kein Spitzenschüler, aber ich denke mit einem Schnitt von 1,3 ...

Witzbold und Tiefstapler :)
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Fu Manchu schrieb:
Falsch, Testfahrer sind doch keine Rennfahrer die Fahrzeuge im Extrembereich fahren.
Ich habe nix mit Rennfahrern behauptet. Benzin im Blut = Gefühl fürs Fahren

Es gibt genug Leute die nicht vernünftig Fahren(Schalten/Kuppeln/Bremsen/Steuern) können - da braucht man erst gar nicht Testen :)
 
Cokocool schrieb:
...Es gibt genug Leute die ...

Bleiben wir mal im Kontext der Eingangsfrage, dann sollten wir davon ausgehen, dass dem TE Autos liegen und er dann auch die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt. Mit "es gibt Leute" kann ich alles in Grund und Boden reden und trotzdem am Thema vorbei sein ;).
 
IronNike schrieb:
Hallo,

nun...ich bin jetzt 11. Klasse[...]

mach dir Gedanken darüber wenn du mindestens noch ein halbes Jahr in der Schule warst.
Jura hat keine hohen Zulassungsbeschränkungen, in Jena sogar garkeine.
Wenn du mathematisches, physikalisches Verständnis mitbringst und dich Autos im Motorsport interessieren dann studier vllt. etwas wo du die Autos verbesserst/konstruierst.
Du kannst dir auch mal technische Kybernetik anschauen, wenn du da den Master hast biste der König im Land :D
 
Die Juristen sind eine altehrwürdige, gesellschaftlich hoch angesehene und unter fachlicher Selbstkontrolle stehende Profession, was eigentlich nur noch vergleichbar mit dem Arztberuf ist. Der Ingenieursberuf hat in dieser Hinsicht weniger zu bieten. Das mag für den ein oder anderen vielleicht auch ein Grund für die Berufswahl sein.

Das Problem ist aktuell jedoch, dass es eine ziemliche Schwemme von Juristen gibt, die - wie du richtigerweise erkannt hast - in eine knallharten Selektion auf dem Arbeitsmarkt mündet. Die Vierer-Juristen, die größte Gruppe unter den Absolventen, haben es schwer, sich als Anwälte zu etablieren und krebsen ziemlich rum. Es ist nicht verwunderlich, dass Jura-Absolventen oft in andere Berufe hineindrängen, beispielsweise in das Feld der gesetzlichen Betreuungen. Meine Nachbarin gibt so ein trauriges Beispiel ab, da sie, obwohl sie mit einem befriedigend durchgekommen ist, einfach nicht in Tritt kommt und sich mit lauter Nebenjobs über Wasser halten muss. Es hat noch nicht mal gereicht, um aus dem Elternhaus auszuziehen. Dafür, dass die Ausbildung zum Volljuristen mindestens sieben Jahre dauert, ist das kein wirklich gelungenes Ergebnis.

Um als Jurist gut zu verdienen, muss man schon minimum ein 'Vollbefriedigend' erreichen, besser noch 'Gut'. Das schaffen prozentual gesehen aber nur recht wenige der Absolventen. Sollte man es packen, dann steht man allerdings auf der Sonnenseite dieser Profession und hat Chancen auf einen Posten als Staatsanwalt oder Richter. Alternativ wirken auch gut dotierte Posten in großen und renommierten Kanzleien.

Licht und Schatten liegen also ziemlich eng beieinander.
 
Da deine Begeisterung im Bereich Auto/Motorentechnik wohl am größten zu sein scheint, würde ich dir einfach mal empfehlen, ein Praktikum in einem Betrieb in deiner Umgebung zu machen. So bekommst du einen Eindruck, ob du das wirklich machen möchtest und kannst ggf. Kontakte knüpfen (!).

Wenn du von einem Studium sprichst, würde ich mich an deiner Stelle vergewissern, ob du das wirklich möchtest. In ein so langes Studium, wie Jura, sollte man nicht hineinspazieren mit dem Ziel Geld zu verdienen. Es ist ein sehr zähes und anstrengendes Studium mit einer sehr hohen Abbrecherquote. Sicherlich kein repräsentatives Beispiel, aber dieser Spiegel-Artikel trifft ganz gut, was ich schon von einigen Juristen in meinem Umfeld mitbekommen habe.

Was ich dir damit sagen will: fang nur an zu studieren, wenn du dich für das jeweilige Fach wirklich begeistern kannst - und nicht nur, weil dich die vermeintlich guten Jobaussichten ködern ;)
 
Zurück
Oben