Im Test vor 15 Jahren: Die unerwartete Radeon HD 6790 gegen die GTX 550 Ti
Überraschend schickte AMD vor 15 Jahren die Radeon HD 6790 (Test) ins Rennen, um der GeForce GTX 550 Ti den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Test gelang das problemlos, wobei das größte Problem der Radeon HD 6790 und der GeForce GTX 550 Ti eine andere, ältere GeForce war.
Bewährtes Holzhammerrezept
AMD verwendete die Barts-GPU aus der Radeon HD 6850 als Herzstück der Radeon HD 6790, setzte aber kräftig den Rotstift an. So wurde der 1,7 Milliarden Transistoren starke Chip von 192 Shader-Einheiten auf 160 beschnitten, büßte die Hälfte der ROPs ein und verlor jeweils acht TMUs und TAUs. Im Gegenzug hob der Hersteller die Taktraten der GPU von 775 auf 840 MHz und die des Speichers von 2.000 auf 2.100 MHz an. Verglichen mit der Radeon HD 5770 war die Rohleistung somit auf dem Papier etwas geringer, wobei die Speicherbandbreite mit 134 GByte/s gegenüber 76,8 GByte/s auf der Radeon HD 6790 deutlich höher ausfiel. Der verbesserte Tesselator der Barts-GPU sollte zudem in DirectX-11-Titeln helfen.
| GeForce GTX 550 Ti | GeForce GTX 460 768 MByte | Radeon HD 5770 | Radeon HD 6790 | Radeon HD 6850 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Chip | GF116 | GF104 | Juniper | Barts | |
| Transistoren | ca. 1,17 Mrd. | ca. 1,95 Mrd. | ca. 1,04 Mrd. | ca. 1,7 Mrd. | |
| Fertigung | 40 nm | ||||
| Chiptakt | 900 MHz | 675 MHz | 850 MHz | 840 MHz | 775 MHz |
| Shadertakt | 1.800 MHz | 1.350 MHz | 850 MHz | 840 MHz | 775 MHz |
| Shader-Einheiten (MADD) | 192 (1D) | 336 (1D) | 160 (5D) | 160 (5D) | 192 (5D) |
| FLOPS (MADD/ADD) | 691 GFLOPS | 907 GFLOPS | 1.360 GFLOPS | 1.344 GFLOPS | 1.488 GFLOPS |
| ROPs | 24 | 16 | 32 | ||
| Pixelfüllrate | 14.440 MPix/s | 16.200 MPix/s | 13.600 MPix/s | 13.440 MPix/s | 24.800 MPix/s |
| TMUs | 32 | 56 | 40 | 48 | |
| TAUs | 32 | 56 | 40 | 48 | |
| Texelfüllrate | 28.800 MTex/s | 37.800 MTex/s | 34.000 MTex/s | 33.600 MTex/s | 37.200 MTex/s |
| Shader-Model | SM 5 | ||||
| effektive Windows Stromsparfunktion |
✓ | ||||
| Speichermenge | 1.024 MByte GDDR5 | 768 MByte GDDR5 | 1.024 MByte GDDR5 | ||
| Speichertakt | 2.052 MHz | 1.800 MHz | 2.400 MHz | 2.100 MHz | 2.000 MHz |
| Speicherinterface | 192 Bit | 128 Bit | 256 Bit | ||
| Speicherbandbreite | 98.496 MByte/s | 86.440 MByte/s | 76.800 MByte/s | 134.400 MByte/s | 128.000 MByte/s |
| Stromangaben Typisch/Maximal |
116/? Watt | 150/? Watt | ?/108 Watt | ?/150 Watt | ?/127 Watt |
Die Radeon HD 6790 im Test stammte von AMD und sollte in diesem Referenzdesign nie auf den Markt kommen. AMD übernahm dafür schlicht die Platine inklusive aller Bauteile der Radeon HD 6870. Damit landete die Grafikkarte bei einer Länge von 25 cm. Der Dual-Slot-Kühler setzte auf einen Kupferkern auf der GPU, der über drei Heatpipes mit den Aluminiumlamellen verbunden war. Diese wurden wiederum von einem 70-mm-Radiallüfter mit Luft versorgt. Die zwei 6-Pin-PCIe-Stecker sorgten zusammen mit dem PCIe-Steckplatz ohne Probleme für die maximal spezifizierte Leistungsaufnahme von 150 Watt.
Als zweites Modell trat die Sapphire Radeon HD 6790 an, die beim PCB und dem Kühler auf Eigenentwicklungen setzte. Mit 23 cm war die Platine der Sapphire-Karte etwas kürzer als beim Referenzdesign, aufgrund des überstehenden Kühlers war die Gesamtlänge jedoch nahezu identisch. Der Dual-Slot-Kühler besaß einen Kupferkern, der ebenfalls mit drei Heatpipes mit den Aluminiumlamellen verbunden war. Der Lüfter war mit 85 mm Durchmesser etwas größer als beim Referenzdesign. Bei den Taktraten und der Stromversorgung legte der Hersteller keine Hand an.
Die GeForce GTX 550 Ti hatte keine Chance
Die Radeon HD 6790 ließ die GeForce GTX 550 Ti ohne Probleme hinter sich. In den Tests lag der Leistungsvorsprung zwischen 6 und 19 Prozent, wobei das Zuschalten von Kantenglättung den Vorsprung generell etwas eindämpfte. Auf die Radeon HD 5770 waren es im Mittel zwischen 7 und 14 Prozent. Das selbst gesteckte Ziel, die GeForce GTX 550 Ti abzuhängen, erfüllte AMD somit. Das eigentliche Problem war für beide Grafikkarten aber die GeForce GTX 460 (768 MByte) der letzten Generation. Diese war um 3 bis 10 Prozent schneller als die Radeon und 16 bis 22 Prozent vor der GeForce GTX 550 Ti. Dabei lag der Preis der GeForce GTX 460 (768 MByte) mit 108 Euro sogar ein Stück unter den 119 Euro der Radeon HD 6790 und den 116 Euro der GeForce GTX 550 Ti.
Abseits der Rohleistung schlug sich die Sapphire Radeon HD 6790 solide. Die GPU-Temperatur war völlig im grünen Bereich und die Lautstärke war vergleichsweise gering. Bei der Leistungsaufnahme steckte die Radeon 6790 zurück und wurde sowohl von der GeForce GTX 550 Ti als auch der Radeon HD 5770 geschlagen. Selbst die schnellere Radeon HD 6850 benötigte weniger Energie unter Last. Für Übertakter bot die Grafikkarte gutes Potenzial: Im Test konnten bis zu 13 Prozent mehr Leistung durch angehobene Taktraten erreicht werden.
Fazit
Die GeForce GTX 550 Ti hatte gegen die Radeon HD 6790 keine Chance. Die Leistung der Grafikkarte war gut, die Temperaturen ausgezeichnet und die Lautstärke nicht zu störend. Insgesamt konnte die Radeon HD 6790 überzeugen. Preislich hatte sie mit 119 Euro gegenüber der älteren und schnelleren GeForce GTX 460 – ebenso wie die GeForce GTX 550 Ti – jedoch das Nachsehen. Das eigentliche Problem war nicht der aktuelle Gegenspieler, sondern das ältere Modell eine Klasse höher.
In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:
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