Shelter 2 im Test : Ich, meine Luchsbabies und die Langeweile

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Shelter 2 im Test: Ich, meine Luchsbabies und die Langeweile

Was Die Sims für Menschen ist, ist Shelter für Tiere: Eine Lebenssimulation, in der der Spieler neue Rollen und Perspektiven einnehmen kann. Im 2013 veröffentlichten ersten Teil von Shelter schlüpfte man in die Rolle einer Dachsmutter, die ihre Jungen gegen alle Widrigkeiten der Umwelt großziehen muss.

Mit Shelter 2 können Freunde des Ansatzes sich ab sofort über ein großes Update freuen. Neben einigen neuen Funktionen bietet der vom schwedischen Indie-Studio Might and Delight entwickelte Titel vor allem ein neues Setting: Dieses Mal ist es ein weiblicher Luchs, der vom Spieler gesteuert werden kann.

Spoiler-Warnung: Da ein Spieletest nicht immer gänzlich ohne die Wiedergabe einzelner wichtiger Handlungselemente der Geschichte möglich ist, bitten wir all jene, die vorab nichts über die Handlung des Spiels erfahren möchten, nur das Fazit zu lesen. Wir bemühen uns jedoch stets, die Wiedergabe auf absolut notwendige Erzählelemente zu beschränken.

Systemanforderungen

Bei den Systemanforderungen präsentiert sich Shelter 2 sehr genügsam. Demnach sollte der Titel selbst auf älteren Systemen problemlos laufen.

Testsystem und Herstellerempfehlung (Minimum)
Komponente Testsystem Herstellerempfehlung
Betriebssystem Windows 8.1 (64 Bit) Windows XP SP 2
Prozessor Core i7-4790 2,6 GHz, Single-Core
Arbeitsspeicher 8 GByte 2 GByte
Grafik Radeon R9 290X DirectX 9 kompatibel
Festplattenspeicher ca. 2 GByte
Internetanbindung Ggf. für Steam-Aktivierung

Shelter 2 auf einen Blick

Shelter 2 beginnt durchaus dramatisch: Eine Luchsin auf schneeverwehten Pfaden, verfolgt von einem Rudel Wölfe. Dunkelheit, aschfahles Licht und Geheul. Eine Jagd über Stock und Stein. Und dann, kurz bevor die Häscher zuschnappen können: Die gelungene Flucht in ein neues, sicheres Gebiet.

Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test

Der positive Ausgang dieses mit einem minimalen Tutorial verbundenen Intros ist auch deswegen erleichternd, weil unsere Luchsin kurze Zeit später im Schutz einer sicheren Zuflucht vier Junge zur Welt bringt. Diese vier Geschöpfe gilt es in der Folge durchzubringen, bis sie groß genug sind, um auf eigenen Beinen zu stehen. Was vor allem bedeutet : Unsere Heldin muss jagen, jagen, jagen.

Während die Kleinen also zunächst im sicheren Bau bleiben, macht sich der Spieler auf die Suche nach Essbarem. In Third-Person-Perspektive steuern wir unsere Luchsin durch eine Landschaft, die Wälder, Wiesen und Sümpfe bereithält. Hier findet sich die erste große Veränderung im Vergleich zum auf das Dachsleben konzentrierten Vorgänger: Die weitgehend offene, von wenigen Ladebalken unterbrochene „Open World“ ist angenehm groß und abwechslungsreich.

In dieser Umgebung findet die Luchsin schnell, was sie für das Überleben ihrer Familie braucht. Wir pirschen uns an Hasen und anderes Kleintier heran, trinken aus den großen Seen, schütteln Vogelnester aus den Bäumen und erlegen mit etwas Glück sogar ein Reh. Als nützlich erweist sich dabei der neue Witterungssinn, mit dem sich Beute kurzzeitig einfacher aufspüren lässt.

Allerdings vereinfacht diese neue Funktion die ohnehin etwas zu einfache Jagd noch weiter, sodass es nicht sonderlich schwerfällt, alle kleinen Luchse durchzufüttern. Hat man sich nämlich erstmal an die zu Beginn fiesen Haken der Hasen gewöhnt, ist die Luchsin eine sehr effiziente Jägerin. Deswegen ist es gut, dass auch eine Ausdauer-Anzeige Einzug hält, sodass der Spieler einem besonders gewieften Beutetier nicht ewig hinterherhetzen kann.

Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test

Abseits der Jagd sammeln wir noch allerlei unnütze Gegenstände wie bestimmte Blätter oder Steine: Bei aller Liebe zum Konventionsbruch haben es sich die Entwickler doch nicht nehmen lassen, für die „Achievement“-Freunde in der potentiellen Spielerschaft einen Sammelspaß zu integrieren. Unserem Eindruck nach ist das Ganze in einem solchen Spiel aber reichlich deplatziert.

Sind die Kleinen auf diesem Weg erstmal stark genug für einen Spaziergang, wird die Angelegenheit wesentlich einfacher. Statt mit der Beute immer wieder zum Unterschlupf zurückkehren zu müssen, wird unsere Luchsin jetzt einfach von den Sprößlingen begleitet. Erlegte Tiere können so schneller angeboten werden, was auch nötig ist: Hat man ein paar Mal in Folge kein Jagdglück, riskiert man, dass eines oder gar mehrere der Kleinen vom Hunger dahingerafft werden.

Uns passierte dies etwas unerwartet, wobei wir nicht sicher sind, ob tatsächlich der Hunger entscheidend war. Wohlgenährt begaben wir uns auf eine Erkundungtstour durch ein Sumpfgebiet. Ob es die dort fehlenden Beutetiere waren oder aber der fiese Morast: Plötzlich ertönte ein gellender Schrei – und eines unserer Babies war verschwunden.

So richtig berührt hat uns der Zwischenfall allerdings nicht, womit ein bereits im ersten Teil vorhandenes Problem angesprochen wäre. Denn wie schon im Vorgänger gelingt es auch in Shelter 2 nicht so recht, eine Beziehung zwischen Spieler und Nachwuchs aufzubauen. Dies liegt vor allem daran, dass die Kleinen einfach nur mitlaufen und fressen. Mehr Interaktion findet, abgesehen von der neuen Möglichkeit, die kleinen Mitesser herbeizurufen, nicht statt. Die kleinen Luchse haben keinen eigenen Charakter, sie wollen nicht spielen oder kuscheln und ja, sie werden nicht mal von der Umgebung wahrgenommen: Auch wenn eines mal vorläuft, wird es die Beute nicht verjagen.

Doch das ist nicht das einzige Problem des Spiels. Schwierig ist auch, dass ein Luchs im Unterschied zu den Dachsen aus dem ersten Teil kaum Gefahren fürchten muss. Da das Wolfsrudel unverständlicherweise nach dem Intro völlig ausgeblendet wird, muss sich der geneigte Baby-Luchs-Pfleger eigentlich nur noch um ausreichend Nahrung kümmern. Die einzige Gefahr besteht hier darin, dass durch sehr schlechtes Wetter die Sicht derart verringert wird, dass die Luchsin einige Zeit nicht richtig oder nur sehr eingeschränkt auf Beutezug gehen kann.

Hier hätten die Entwickler mehr Kreativität an den Tag legen müssen. Durch an bestimmte Orte gebundene Scripte und damit verbundene Gefahren würde verhindert werden, dass Shelter 2 auf die Dauer zur reinen Jagdveranstaltung verkommt. Schade, dass hier nicht mehr geliefert wird – so droht schnell Langeweile.

Grafische Umsetzung mit Diskussionspotential

Technisch gibt es an dem Indie-Titel dagegen wenig zu meckern. Die grafische Umsetzung ist ungewöhnlich und wird mit ihren markanten Zeichnungen und schemenhaften, manchmal groben Gegenständen auf geteilte Meinungen stoßen. Uns gefällt die Umsetzung insgesamt gut – Geschmackssache.

Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test
Shelter 2 im Test

Gelungen sind auch die neuen dynamischen Licht- und Wetterverhältnisse. Auf strahlenden Sonnenschein folgen Stürme, die manchmal nicht nur Regen sondern auch schwierige Sichtverhältnisse mit sich bringen. Auch die Jahreszeiten werden dargestellt, sodass der Nachwuchs über sommerliche Wiesen und vereiste Waldböden tollen kann.

Sehr gut gelungen ist auch der Soundtrack, der von Retro Family eingespielt wurde. Einziges kleines Manko ist somit die nicht ideale Optimierung: Bei maximalen Details läuft der auf der Unity-Engine basierende Titel trotz sehr moderater Anforderungen in einer Auflösung von 1.920 × 1.080 nicht durchgängig bei 60 Bildern pro Sekunde, sondern bricht auch schon mal um bis zu 20 FPS ein.

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