Valve Steam Machine im Test: Langsam und teuer ist nicht die ganze Wahrheit

Jan-Frederik Timm
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Valve Steam Machine im Test: Langsam und teuer ist nicht die ganze Wahrheit

Valves Steam Machine ist langsam und viel zu teuer, selbst günstiger wäre die PC-Konsole eine Totgeburt. Klar! Doch nach drei Wochen mit der Spielkonsole wird auch die andere Seite der Medaille sichtbar: Die Steam Machine ist dank SteamOS ein extrem durchdachtes Produkt, das immer wieder positiv zu überraschen weiß.

It just works (nach Updates)

Steam Machine auspacken, mit dem Stromnetz und per HDMI (liegt nicht bei) mit einem Fernseher verbinden, an der Konsole einschalten und auf geht's: Schon begrüßt die Installationsroutine denjenigen, der gerade viel Geld in einen kleinen, aber dafür sehr schweren Gaming-PC-Würfel von Valve gesteckt hat.

Nach dem ersten Einschalten wird erst einmal geupdatet und das kann dauern – viel länger, als immer wieder angezeigt wird
Nach dem ersten Einschalten wird erst einmal geupdatet und das kann dauern – viel länger, als immer wieder angezeigt wird

Die Einrichtung geht grundsätzlich flott von der Hand, Maus oder Tastatur werden höchstens bei der Eingabe eines extrem langen WLAN-Schlüssels vermisst.

Preise der Steam-Machine-Varianten
Steam Machine 512 GB SSD 2 TB SSD
Inklusive Steam Controller Nein Ja Nein Ja
Preis 1.039 Euro 1.108 Euro 1.359 Euro 1.428 Euro

Was Zeit in Anspruch nimmt, ist ein Update von SteamOS im Setup-Prozess. Und nach dem ersten Start geht es auf der Steam-Oberfläche so weiter: Updates für Controller (Firmware) und Controller-Empfänger (Firmware) warten. Das Update der Controller-Firmware erfordert dabei, dass der Controller per USB-Kabel (liegt bei) mit der Konsole verbunden wird.

Updates für SteamOS, aber auch für Controller und dessen Empfänger gab es im Testzeitraum mehrere

SteamOS

Die Steam Machine startet Steam unter SteamOS im Steam Big-Picture-Modus, wobei der sogenannte „Game Mode“ (Gamescope) wie auf dem Steam Deck nicht nur die Vollbild-Benutzeroberfläche bezeichnet, sondern auch bewirkt, dass SteamOS (so wie das unter Windows der Fall ist), im Hintergrund wirklich Dinge nicht lädt, die die SteamOS-Desktop-Oberfläche benötigen würde. Das spart CPU-Ressourcen, RAM und VRAM – später dazu mehr. Wer vom Desktop Mode zurück zum Game Mode wechselt, sollte daher im Zweifel immer neu starten.

Die Steam-Startseite auf der Steam Machine im Game Mode
Die Steam-Startseite auf der Steam Machine im Game Mode

Diese Titel laufen auf Steam

Von 551 Spielen in der Steam Bibliothek laufen laut Valve 254 problemlos auf der Steam Machine (46 Prozent)
Von 551 Spielen in der Steam Bibliothek laufen laut Valve 254 problemlos auf der Steam Machine (46 Prozent)
Werden auch die mit Einschränkungen spielbaren Titel berücksichtigt, sind es 400 von 551 Spiele (73 Prozent)
Werden auch die mit Einschränkungen spielbaren Titel berücksichtigt, sind es 400 von 551 Spiele (73 Prozent)

Ist die Installation abgeschlossen, begrüßt den Spieler die eigene Bibliothek in Steam. Ein Filter informiert direkt darüber, welche Spiele perfekt auf der Konsole laufen – entweder weil sie nativ für Linux entwickelt wurden (selten) oder weil ihre Windows-Version via Proton ohne Einschränkungen auf SteamOS inklusive Controller-Bedienung läuft.

Die ComputerBase-Steam-Bibliothek umfasst 551 Spiele. Davon sind 254 laut Steam auf der Steam Machine ohne Einschränkung spielbar. Mit Einschränkungen, wobei sich diese zumeist auf die Bedienung mit Controller beziehen, sind es 400. Angezeigt bekommen Anwender das inzwischen direkt auf der Steam Machine, ganz zu Anfang war das noch nicht der Fall – aber Updates haben hier zuletzt ihre Wirkung nicht verfehlt. Auch danach filtern lässt sich problemlos.

So sieht es mit der Kompatibilität der ComputerBase-Bibliothek aus
Titel auf Steam Uneingeschränkt
kompatibel
Eingeschränkt
kompatibel
551 254 (46 %) 400 (73 %)
Über Filter lassen sich verschiedene Steam-Machine-Kompatibilitäts-Stufen auswählen

Alternative Launcher nutzen

Steam ist ab Werk vorhanden, aber wie sieht es nun mit Windows-Spielen von anderen Plattformen aus? Auch die können, wenn weder ein Kopierschutz noch eine Anti-Tamper-Technologie den Betrieb verhindert, auf der Linux-Konsole zum Laufen gebracht werden. Einzig Spiele aus dem Xbox Store gehen nicht, da deren Universal-Windows-Platform-Basis (UWP) nicht von SteamOS unterstützt wird.

Ubisoft Connect, EA Origin, Epic Games, GOG und Amazon Games können wiederum über den Wechsel auf den SteamOS-Desktop (einfach zu erreichen über das Ein/Aus-Menü) installiert und dann praktisch über SteamOS im Game Mode aufgerufen werden. So wie das auch vom Steam Deck bekannt ist:

  • Ubisoft Connect & EA Origin
    Es können direkt die Windows-Launcher verwendet werden. Nach dem Download über den SteamOS Desktop Mode werden die Launcher per Rechtsklick als „steam-fremdes Spiel“ in Steam eingebunden. Von dort werden sie nach Angabe eines Kompatibilitätswerkzeugs (Eigenschaften, Kompatibilität: Proton Experimental) installiert. Der Installer kann dann wieder von Steam entfernt und die eigentliche Launcher.exe hinzugefügt und mit Proton Experimental ausgeführt werden. Schon starten die Launcher über SteamOS und Spiele können heruntergeladen und installiert werden. Nur eine praktische Info, ob das Spiel auch laufen wird, gibt es direkt im Launcher nicht.
  • Epic Games, GOG und Amazon Games
    In diesem Fall bedarf es eines Umweges über den „Heroic Games Launcher“, der aus dem SteamOS App Store (Desktop Mode) bezogen werden kann. Im Anschluss gilt es lediglich die Accounts zu verknüpfen. Wer Titel nicht über den Launcher (es gibt einen Vollbildmodus wie auf Steam), sondern über SteamOS starten möchte, stellt das in den Einstellungen einfach ein. Neue Spiele müssen in dem Fall aber immer über den Umweg über den Heroic Games Launcher bezogen werden.
    Im Desktop Mode lässt sich der Heroic Games Launcher installieren, er bindet Titel von Epic Games, GoG und Amazon ein - auf Wunsch automatisch direkt in Steam

Die durchdachte SteamOS-UI

Was im Umgang mit der Steam Machine (wie mit dem Steam Deck) tagein, tagaus überzeugt, ist die Steuerung der Benutzeroberfläche im Game Mode mit dem neuen Steam Controller. Gefühlt ist alles, was man braucht, nur einen Knopfdruck entfernt. Und weil die Oberfläche sehr flüssig läuft, geht jeder Schritt leicht von der Hand.

Notifications, die Freunde-Liste, wichtige Einstellungen und die Musikwiedergabe lassen sich jederzeit über das Menü am rechten Rand (über Taste „...“ aufrufen) vornehmen

Features, wie sie andere Konsolen nicht, Gaming-PCs aber schon bieten, finden sich auch auf der Steam Machine: Darunter das in vier Stufen konfigurierbare Steam Overlay, aber auch die Möglichkeit, VSync an- und abzuschalten („Tearing zulassen“).

Auch das bekannte Steam Overlay ist über das Menü jederzeit in vier Stufen einblendbar

Das ab Werk eingestellte FPS-Limit von 60 FPS gehört ebenfalls zu den jederzeit per Druck auf die „...“-Taste erreichbaren Einstellungen. Es kann in 1-FPS-Schritten von 12 bis 60 FPS festgelegt oder deaktiviert werden – wahlweise global oder für jedes Spiel separat. Ein Hinweis: Ändert sich der Fernseher/das Display, ist das 60-FPS-Limit immer wieder aktiv.

Auch ein Linux- (oder Windows-)PC

Wer den Game Mode der Steam Machine zum Desktop Mode verlässt, der findet ein vollwertiges Linux vor sich – die Steam Machine ist eben auch ein Desktop-PC. Auf Wunsch ist sie sogar mit Windows nutzbar. Alle benötigten Treiber stellt Valve zum Download bereit.

Der SteamOS Desktop, wie man ihn im Desktop Mode zu Gesicht bekommt
Der SteamOS Desktop, wie man ihn im Desktop Mode zu Gesicht bekommt

Auf dem SteamOS Desktop kann man nicht nur alternative Launcher einrichten, sondern grundsätzlich tun und lassen, was man will. Dank der Trackpads geht das im Notfall auch mit dem Controller.

Testergebnisse

Und was genau bedeutet jetzt „sehr langsam“ bei der Steam Machine? Die nachfolgenden Benchmarks klären auf.

Testmethodik

ComputerBase hat die Steam Machine in dem Testparcours getestet, der zuletzt im Artikel Grafikkarten bis 300 Euro im Test: RTX 3060 vs. 4060, 5050, 5060, RX 7600, 9060 XT und B580 genutzt wurde. Maßgabe bei dessen Einrichtung war, dass eine RTX 4060 8 GB in Full HD inklusive Quality-Upscaling ein gutes Spielgefühl abliefert.

Mit diesem Software-Stand wurde die Steam Machine getestet
Mit diesem Software-Stand wurde die Steam Machine getestet

Testparcours (und Ausfälle)

Aus dem Parcours wurden der Einfachheit halber (und weil alle Spiele dann doch nicht auf die 2 TB große SSD gepasst hätten) nur die Titel, die auf Steam verfügbar sind, genutzt. Von diesen mussten dann drei gestrichen werden, weil sie nicht auf SteamOS lauffähig sind (Crimson Desert wiederum wäre gelaufen, wurde aber schlichtweg übersehen ...):

  • Battlefield 6 (Anti-Cheat)
  • Call of Duty Black Ops 7 (Anti-Cheat)
  • F1 25 (Anti-Cheat)
Diese Spiele wurden auf der Steam Machine getestet
Diese Spiele wurden auf der Steam Machine getestet

Die restlichen Spiele sind laut SteamOS vollständig kompatibel mit der Steam Machine, nur Warhammer macht davon eine Ausnahme: Nicht überall im Spiel ist die Bedienung mit dem Steam Controller uneingeschränkt möglich. Dem Benchmark (mit Tastatur und Maus) stand das aber nicht im Weg.

Warhammer 40.000: Space Marine II läuft, unterstützt den Controller aber nicht perfekt
Warhammer 40.000: Space Marine II läuft, unterstützt den Controller aber nicht perfekt

Als Benchmark-Software diente MangoHUD, das auf SteamOS schon vorinstalliert ist. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Zählweise der Frames völlig anders als unter Windows funktioniert und mit MangoHUD deutlich ungenauer ist.

Denn während die Benchmark-Tools unter Windows zum Beispiel durchweg jeden einzelnen Frame erfassen, macht dies zumindest MangoHUD nicht. Stattdessen werden nur alle x Millisekunden (konfigurierbar) die Informationen abgefragt, was weniger genau ist und auch mehr Hardware-Ressourcen fordert. Das framegenaue Protokollieren unter Windows kostet weniger CPU-Zeit als das Protokollieren alle 10 Millisekunden unter Linux, obwohl ersteres genauer ist. Die Performancekosten sind zwar gering, aber auch mit einer schnellen CPU messbar. Das gilt auch für diesen Artikel: Je nach Spiel gehen zwischen 0 und 2 Prozent an FPS durch die Benchmark-Protokollierung unter Linux verloren.

Mit der Radeon RX 7600 ist in diesem Parcours auch der „direkte Gegenspieler“ der Steam Machine enthalten. Sie wurde für den Test im April noch mit FSR 3.1 getestet, findet sich jetzt aber auch mit FSR-4.1-Ergebnissen im Parcours wieder. Warum?

Weil SteamOS über Proton Experimental inzwischen FSR 4.1 auf der RDNA-3-GPU unterstützt. Wann immer ein Titel mindestens FSR 3.1 unterstützt und der Spieler das auch aktiviert, wird über Proton Experimental FSR 4.1 daraus. Doch FSR 4.1 kostet gegenüber FSR 3.1 Leistung (siehe FSR Upscaling 4.1 auf RDNA 3 im Test: Bildqualität & Benchmarks auf RX 7000 vs. FSR 3.1 und RDNA 4), der FPS-Vergleich ist also nur bei gleicher Upscaling-Technologie fair.

Unterstützt ein Titel mindestens FSR 3.1, wird über Proton Experimental auf der Steam Machine FSR 4.1 daraus
Unterstützt ein Titel mindestens FSR 3.1, wird über Proton Experimental auf der Steam Machine FSR 4.1 daraus

Gaming-Benchmarks ohne Raytracing

Wie erwartet, erreicht die Steam Machine mit 28 CUs RDNA 3 und reduzierter TDP nicht das Leistungsniveau der RX 7600 mit 30 CUs RDNA 3. Bei den Durchschnitts-FPS liegt sie gemittelt über alle 15 Spiele um 15 Prozent zurück, bei den 1%-Perzentil-FPS sind es 24 Prozent. Inwiefern in diesem Fall SteamOS oder die vergleichsweise schwache CPU im Vergleich zum Testsystem mit RX 7600 (9850X3D) eine Rolle spielt, kann nicht geklärt werden.

Performancerating 1.920 × 1.080
Performancerating 1.920 × 1.080 – Rasterizer, AVG-FPS
    • Radeon RX 9060 XT (8 GB)
      90,8
    • GeForce RTX 5060 (8 GB)
      89,6
    • GeForce RTX 4060 (8 GB)
      70,9
    • GeForce RTX 5050 (8 GB)
      69,2
    • Arc B580 (12 GB)
      69,1
    • Radeon RX 7600 (8 GB)
      65,8
      FSR 3.1, schlechte Bildqualität
    • Radeon RX 7600 (8 GB), FSR 4.1
      61,1
    • GeForce RTX 3060 (12 GB)
      57,6
    • Steam Machine, Texturen niedr.
      54,3
    • Steam Machine
      51,8
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel

Einen gravierenden negativen Einfluss haben die nur 8 GB Grafikspeicher in diesem Testparcours noch nicht – kein Wunder, er war auch auf gute Spielbarkeit auf einer RTX 4060 mit ebenfalls nur 8 GB ausgelegt. Mit reduzierten Textur-Details geht es dennoch 5 Prozent bei den Durchschnitts- und 13 Prozent bei den Perzentil-FPS nach oben.

Gaming-Benchmarks mit Raytracing

Eine durchaus dicke Überraschung gibt es dann in den Titeln, die Hardware-Raytracing nutzen. Ja, dessen Einsatz ist auf der Steam Machine mit Blick auf das Leistungsniveau grundsätzlich zu hinterfragen, aber dass die Konsole im Durchschnitt mit Raytracing plötzlich besser abschneidet als die RX 7600, ist dann doch eine Überraschung – zumal Linux die größten Probleme bei der Leistung auch mit Mesa 26 noch beim Einsatz von Raytracing auf AMD Radeon hat. Also wie kann das sein?

Die einzig logische Erklärung ist die Optimierung des VRAM-Verbrauchs im Game Mode von SteamOS. Der scheint der Steam Machine wiederholt die paar Prozent zusätzliche Speicherkapazität für das Spiel zu geben, die der RX 7600 unter Windows fehlt, weil Windows selbst schon viel VRAM belegt.

Besonders krass ist der Vorsprung der Steam Machine in Indiana Jones und der große Kreis sowie Hogwarts Legacy. In Doom wiederum gelingt der Steam Machine das Kunststück nicht, hier bricht sie unter Verwendung von Raytracing ein. In Pragmata und Resident Evil Requiem lässt sich das Feature wiederum auch weiterhin erst gar nicht unter SteamOS aktivieren.

Performancerating 1.920 × 1.080
Performancerating 1.920 × 1.080 – Raytracing, AVG-FPS
    • GeForce RTX 5060 (8 GB)
      63,8
    • Radeon RX 9060 XT (8 GB)
      60,1
    • Arc B580 (12 GB)
      58,8
    • GeForce RTX 4060 (8 GB)
      53,2
    • GeForce RTX 5050 (8 GB)
      51,1
    • GeForce RTX 3060 (12 GB)
      47,2
    • Steam Machine, Texturen niedr.
      38,3
    • Steam Machine
      31,7
    • Radeon RX 7600 (8 GB)
      28,5
      FSR 3.1, schlechte Bildqualität
    • Radeon RX 7600 (8 GB), FSR 4.1
      26,9
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel

Leistungsfazit: Auch die neuen Benchmarks ändern am Ende nichts an der Tatsache, dass die Steam Machine auf eine sehr schwache Hardware-Basis setzt. Mit FSR 4.1 hat die Konsole zwar pünktlich zum Start noch das wesentliche Feature erhalten, das potenziell UHD mit FSR Ultra Performance gangbar macht (und je nach Spiel sogar Full HD mit besserem Upscaling vorzuziehen sein könnte), aber eine leistungsreduzierte RX 7600 mit 8 GB VRAM bleibt eine leistungsreduzierte RX 7600 mit 8 GB VRAM.

Einzelergebnisse im Überblick

Leistungsaufnahme

Das interne Netzteil der Steam Machine ist 300 Watt stark, abgerufen wird die Nennleistung von der Hardware aber auch unter Volllast in Spielen ohne FPS-Limit nicht. An der Steckdose waren es im Test maximal knapp 240 Watt (Cyberpunk 2077), andere Titel rangierten zwischen 200 und 220 Watt. Es können aber auch weniger als 200 Watt sein; erst recht, wenn das ab Werk aktive FPS-Limit von 60 FPS greift und das Spiel dafür nicht die volle Leistung der Spielkonsole benötigt.

Stromverbrauch (Steckdose)
    • Steam UI (60-Sekunden-Refresh)
      18
    • Steam UI (aktiv)
      55
    • Cyberpunk 2077
      215
    • Kingdom Come Deliverance II
      235
Einheit: Watt (W)

Außerhalb von Spielen hängt der Stromverbrauch davon ab, ob der Nutzer die Steam-Oberfläche aktiv nutzt oder eben nicht. Denn nach circa 25 Sekunden Inaktivität (keine Controller-Eingaben) friert SteamOS die Oberfläche ein, eine Aktualisierung erfolgt nur noch einmal die Minute. Unabhängig davon, wann die Oberfläche schlafen gelegt wird, findet ein letzter Refresh immer zur vollen Minute statt – höchstwahrscheinlich aus optischen Gründen. Eine einzige Controller-Eingabe (eine Taste drücken) weckt die UI sofort wieder auf.

Wird die Steam Benutzeroberfläche nicht genutzt, friert SteamOS sie nach circa 25 Sekunden ein und aktualisiert die Ansicht nur noch alle 60 Sekunden jeweils zur vollen Minute. Der Stromverbrauch fällt von circa 55 auf unter 20 Watt

Im eingefrorenen Zustand beträgt die Leistungsaufnahme 17 Watt. Ist die UI aktiv, sind es 50 bis 60 Watt.

Lautstärke

Ob 17 oder 50 bis 60 Watt, im „Leerlauf“ ist die Steam Machine quasi unhörbar. Im Test drehte der 120-mm-Lüfter zwar immer. Doch mit 430 U/min (UI längere Zeit eingefroren) bis 480 U/min (UI aktiv) lag die „Idle-Drehzahl“ so niedrig, dass die Steam Machine nur aus direkter Nähe überhaupt wahrgenommen werden kann.

Im „Leerlauf“ ist der Lüfter selbst aus nächster Nähe kaum zu hören
Im „Leerlauf“ ist der Lüfter selbst aus nächster Nähe kaum zu hören

Unter Last waren in 40 cm Abstand maximal 34 Dezibel zu messen – an der Rückseite. Lag der Verbrauch nicht bei 230 – 240 Watt, sondern circa 20 Watt darunter, waren es schon nur noch 33 Dezibel. An der Front lag die Lautstärke um 2 dB(A) niedriger.

Lautstärke (40 cm Abstand)
  • Gaming (230 – 240 Watt):
    • vorne
      31,5
    • links
      33,0
    • rechts
      33,0
    • oben
      33,0
    • hinten
      34,0
  • Gaming (210 – 220 Watt):
    • vorne
      30,0
    • links
      31,5
    • rechts
      31,5
    • oben
      31,5
    • hinten
      33,0
Einheit: dB(A)

Die Messergebnisse machen deutlich: Wer die Steam Machine vom Sofa aus bedient, bekommt vom Kühlsystem nichts mit, es sei denn, er spielt ohne jeglichen Sound oder Nebengeräusche.

Steam Machine im Eigenbau

Wer sich gerne selbst eine Steam Machine zusammenbauen oder SteamOS parallel auf seinem Rechner installieren will, der kann das mit dem frei verfügbaren SteamOS schon länger tun. Zum Release der Steam Machine hat Valve das Betriebssystem respektive dessen Hardwarekompatibilität noch einmal deutlich ausgebaut.

Neben den Systemen, die mit SteamOS zum Kunden kommen (Steam Deck, Steam Machine und Lenovo Legion S), werden jetzt als „Beta“ auch alle anderen Handhelds mit AMD-Hardware sowie dedizierte AMD-GPUs unterstützt. Sichergehen, dass alle Komponenten vom Ethernet-Adapter bis zur Soundkarte auf Anhieb funktionieren, kann man in diesem Fall jedoch nicht. Neben der Hardware gilt es vermutlich auch, an der Software zu basteln.

Weitere Informationen halten die Installationsanleitungen zu SteamOS parat.

Fazit

Die Steam Machine ist einfach die einfachste Lösung, um Spiele aus dem Steam-Store ohne Cloud-Gaming-Abo oder per Steam-Link verbundenen Gaming-PC am Fernseher zu spielen. Das seit Jahren auf dem Steam Deck (und Eigenbau-Steam-Machines) so erfolgreiche SteamOS liefert auch auf der stationären Valve-Konsole ab.

Die Valve Steam Machine am LG G5 48 Zoll im Test
Die Valve Steam Machine am LG G5 48 Zoll im Test

Bleibt man im Steam-Kosmos, ist der (wirklich gute neue) Controller das einzige Eingabegerät, das man zur Hand nehmen muss. Auch Updates für Steam, SteamOS, Proton und die Hardware (Treiber, Firmware) kommen zentral über die Steam-Oberfläche. Das ist Konsolen-Feeling pur.

Die UI ist durchdacht und bietet auf Knopfdruck Features wie ein konfigurierbares FPS-Limit, VSync an/aus oder HDR an/aus. Als Dreingabe gibt es einen extrem leisen Betrieb, außerhalb von Spielen ist die Steam Machine gar als lautlos zu bezeichnen.

Nein, auch heute laufen nicht alle Steam-Spiele unter SteamOS, Anti-Cheat auf Kernel-Level ist der Showstopper Nummer 1. Aber Proton ist weit gekommen: Aus der ComputerBase-Bibliothek laufen von 551 Titeln immerhin 400 (73 Prozent) auf der Steam Machine.

Die Valve Steam Machine mit der im Betrieb blau leuchtenden Status-LED
Die Valve Steam Machine mit der im Betrieb blau leuchtenden Status-LED

Stichwort „keine Veröffentlichung auf Steam“: Wer vom Game Mode mit Steam Big Picture Mode auf den Desktop wechselt, kann (mit etwas Übung sogar mit dem Controller) in wenigen Schritten auch Ubisoft Connect oder EA Origin über Steam installieren und den Launcher dort einbinden. Schon laufen auch Ubisoft-Connect- und EA-Titel. Und über den „SteamOS App Store“ lässt sich der Heroic Games Launcher hinzufügen, der Spiele vom Epic Games Store, GOG und Amazon unter Steam verfügbar macht. Fehlen nur die Xbox-Store-Titel, die als UWP-App nicht von SteamOS respektive Proton unterstützt werden.

Bleibt am Ende der Elefant im Raum: der Preis. So gut die Steam Machine mit SteamOS auch abliefert, er liegt extrem hoch, erst Recht wenn man das Leistungsniveau betrachtet. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber wichtig.

Wer die bittere Pille schluckt, erhält als Gegenwert allerdings ein durch und durch durchdachtes Produkt, das im Kleinen immer wieder positiv zu überraschen weiß. Mit den systembedingten Einschränkungen, dem niedrigen Leistungsniveau und der Häme der Inhaber viel schnellerer Gaming-PCs muss man sich dann einfach abfinden.

Spielekonsolen im Vergleich
Steam Deck OLED Steam Machine PlayStation 5 Pro PlayStation 5 Xbox Series X Xbox Series S
SoC beziehungsweise CPU/GPU AMD Ryzen „Sephiroth“
Zen 2 + RDNA 2
AMD Ryzen Zen 4
AMD Radeon RDNA 3
AMD Ryzen Custom
Zen 2 + RDNA 3.5
AMD Ryzen Custom
Zen 2 + RDNA 2
CPU Kerne / Threads 4C / 8T 6C / 12T 8C / 16T
Takt bis zu 3,5 GHz bis zu 4,8 GHz bis zu 3,85 GHz bis zu 3,6 GHz
GPU Architektur RDNA 2 RDNA 3 RDNA 3.5 RDNA 2
CUs 8 CUs 28 CUs 60 CUs 36 CUs 52 CUs 20 CUs
Takt 1,6 GHz 2,45 GHz bis zu 2,18 GHz bis zu 2,23 GHz 1,825 GHz 1,565 GHz
FP32-Leistung 1,6 TFLOPS 8,8 / 17,6 TFLOPS (Dual Issue) 16,75 / 33,5 TFLOPS (Dual Issue) 10,3 TFLOPS 12,1 TFLOPS 4,0 TFLOPS
Speicher Typ 16 GB LPDDR5
@ 6.400 MT/s
16 GB DDR5 RAM + 8 GB GDDR6 VRAM 16 GB GDDR6 + 2 GB DDR5 16 GB GDDR6 10 + 6 GB GDDR6 8 GB GDDR6
Bandbreite 102,4 GB/s ? 576 GB/s 448 GB/s 560 GB/s 224 GB/s
Massenspeicher 512 GB / 1 TB SSD 512 GB / 2 TB SSD 2 TB SSD 825 GB SSD 1 TB SSD 512 GB / 1 TB SSD
Konnektivität Wi-Fi 6E,
BT 5.3
Wi-Fi 7,
BT 5.1
Wi-Fi 6,
BT 5.1
Wi-Fi 5,
BT 5.0
Ausgang USB-C, Dock HDMI 2.0,
DisplayPort 1.4
HDMI 2.1
Abmessungen 298 × 117 × 49 mm 152 × 162,4 × 156 mm 9,6 × 35,8 × 21,6 cm 10,4 × 39 × 26 cm 15,1 × 15,1 × 30,1 cm 6,5 × 15,1 × 27,5 cm
Marktstart Nov 2023 Juni 2026 Nov 2024 Nov 2020
UVP 780 € (512 GB)
920 € (1 TB)
ab 1.039 € 900 € 650 € 600 € 350 €

ComputerBase hat die Steam Machine in der 2-TB-Version mit Controller von Valve zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Test fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Meinung von Jan-Frederik Timm
Jan-Frederik Timm

Nein, ich habe mir die Steam Machine mit 2 TB und Controller für über 1.400 Euro nicht gekauft. Ich hatte die Chance, sie auf Basis des von Valve gestellten Testmusters sehr genau kennenzulernen. Eine Chance, die vielen potenziellen Kunden in Anbetracht der Preise verwehrt bleiben wird. Und das ist einfach schade.

Denn die Steam Machine ist an sich ein extrem rundes Produkt. Mit Ecken und Kanten, ja, denn sie kann eben noch immer nicht alle Spiele wiedergeben, die es unter Windows gibt – und leistungsstark ist sie auch nicht. Aber sie macht deutlich, wie weit Proton und SteamOS die letzten Jahre gereift sind und was für eine gute Konsolenerfahrung sich damit auf den Bildschirm zaubern lässt. Das ist so gut, dass es auch gerne mal ein Detail weniger sein darf, damit das Spiel noch flüssig läuft.

Valves Steam-Konsolen-Initiative hat definitiv Zukunft, sie hat mit der Steam Machine aber eigentlich auch mehr Gegenwart verdient. Das Produkt als solches hat das Zeug dazu. Nur der Preis.

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