2/2 LG G5 360 VR im Test : Kopfschmerzen und Schwindel mit Leichtigkeit

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Gutes Bedienkonzept

Das Bedienkonzept der 360 VR besteht aus der freien Wahl zwischen der Steuerung über die Brille oder das Smartphone. Welches Menü ausgewählt werden soll, wird zunächst durch den Blick in die entsprechende Richtung abgewickelt. Bestätigen lässt sich die Auswahl anschließend entweder über das Tippen auf den Bildschirm des Smartphones, der während der Nutzung der 360 VR ausgeschaltet ist, oder über die „OK“-Taste auf der Oberseite der Brille. Dort befindet sich auch eine Taste, um wieder einen Schritt zurück zu gehen. Alternativ erledigt diesen Schritt ein langes Halten des Displays mit einem Finger. Das Bedienkonzept fühlt sich etwas „freier“ an als bei Samsungs Gear VR, weil alle Eingaben über das Smartphone abgewickelt werden können. Das Tippen und Drücken an der rechten Seite der Brille fallen damit weg.

Knöpfe für Bestätigung und Zurück
Knöpfe für Bestätigung und Zurück

Kopfschmerzen und Schwindel

Die derzeit auf der 360 VR verfügbaren Inhalte nehmen den Träger mit in eine andere Welt – eine Welt der Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Die vrChannel-App von LG ist wie eingangs erwähnt noch leer, normale Inhalte können deshalb nur aus der LG-Galerie in Form von Fotos und Videos dargestellt werden, für VR-Inhalte ist primär aber die Jaunt-App zuständig. Dabei handelt es sich jedoch weniger um VR-Inhalte, wie sie auf der HTC Vive oder Oculus Rift mit Spielen präsentiert werden, sondern mehr um cinematische VR-Erlebnisse aus den Bereichen Reisen, Film, Musik und Sport.

2 × 720p auf 1,88 Zoll
2 × 720p auf 1,88 Zoll

Das Eintauchen in die New Yorker Innenstadt, die Inka-Stadt Machu Picchu oder in Sportveranstaltungen mit Dirk Nowitzki will aber aus gleich mehreren Gründen nicht gelingen. Zum einen sorgt der massive Lichteinfall stets für ein Bewusstsein der realen Welt, zum anderen sorgen die niedrige Auflösung, der Fliegengittereffekt und nicht zuletzt auch die starke Schlierenbildung bei Bewegungen für Unwohlsein, das schon nach kurzer Zeit für Kopfschmerzen und Schwindelgefühle sorgt. Das haben unabhängig voneinander drei ComputerBase-Redakteure beim Ausprobieren der Brille bestätigt.

Mit welcher Bildwiederholfrequenz die kleinen Displays der 360 VR arbeiten, ließ sich bis zur Veröffentlichung des Tests nicht von LG in Erfahrung bringen, für flüssige Schwenks à la Vive und Rift reicht es aber nicht. Die scharfe Darstellung von Inhalten ist auf einen kleinen Bereich der Bildmitte beschränkt, das Fliegengitter ist aber auch hier immer klar erkennbar.

Fazit: Viel zu teuer

Trotz all ihrer Schwächen hätte die 360 VR zum niedrigen Preis dennoch ein interessantes Zubehör für das G5 werden können – allerdings nicht zum Preis von 279 Euro. Das Aufsetzen der Brille gelingt einfach, die Verbindung zum Smartphone per USB Typ C ist praktisch und die Bedienung über das G5 ist ebenfalls gut von LG umgesetzt worden.

Aber die für Virtual Reality wichtigsten Wertungsbereiche Darstellungsqualität und Immersion sind gleichzeitig die beiden größten Schwachpunkte der Brille. Ja, die 360 VR zerstört anders als die Gear VR, Vive oder Rift nicht die Frisur beim Tragen und sorgt nicht für Abdrücke im Gesicht – das macht LG gut. Aber durch den starken Lichteinfall und den gefühlten Abstand der Inhalte zum Träger geht die Immersion vollständig verloren, sie kommt genauer gesagt erst gar nicht zustande. Die von LG propagierten Vorteile, mit denen man Samsung ins Lächerliche zieht, zünden nicht und werden zu Nachteilen.

Spaß will mit der 360 VR nicht aufkommen
Spaß will mit der 360 VR nicht aufkommen

In Kombination mit der Kopfschmerzen und Schwindel verursachenden Darstellungsqualität will einfach kein Spaß aufkommen. An den aktuellen Straßenpreisen gemessen kostet die Kombination aus G5 und 360 VR rund 900 Euro. Für ein Samsung Galaxy S7 und die Gear VR müssen derzeit knapp 720 Euro bezahlt werden. Die Hürde für mobiles VR ist damit bei Samsung deutlich niedriger gesteckt. Abgesehen vom Tragekomfort ist die Gear VR auch in allen anderen Bereichen das bessere Produkt.

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