2/2 K88H Smart : So viel Smartwatch gibt es für 40 Euro

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Im Alltag unausgegoren

Neben den Performance-Einbrüchen im Menü hat die Uhr im Alltag mit weiteren Schwächen zu kämpfen. Das beginnt bei einem ungünstig positionierten Power-Knopf, der als Krone getarnt mittig an der rechten Gehäuseseite sitzt. So kam es im Test gleich mehrfach vor, dass sich die Uhr etwa beim Abstützen mit der Hand oder beim Autofahren je nach Winkel des Handgelenks ausgeschaltet hatte. Um diesen Fehler zu umgehen, ist der Startknopf bei anderen Smartwatches wie der Huawei Watch oder Moto 360 2nd Gen. höher angebracht.

K88H Smart im Test – Schlecht platzierter Power-Knopf
K88H Smart im Test – Schlecht platzierter Power-Knopf

Siri wird unterstützt nicht unterstützt

Das Menü ist leicht verständlich angeordnet und zeigt pro Seite vier Auswahlsymbole an. Neben der rein englischen Menüführung, nicht für alle Anwender ein Kritikpunkt, sorgt der integrierte Sprachassistent für eine echte Enttäuschung. Zwar bewirbt die K88H mit einer Siri-Sprachunterstützung für iOS-Geräte, doch funktionierte sie in keinem der etwa zwölf getesteten Versuche. Nach Auswahl der App und verschiedenen Befehle wie etwa „Timer auf 30 Minuten“ oder „Schalte Lampen ein“ passiert minutenlang nichts. Im günstigsten Fall wird zwar eine Spracheingabe zum Smartphone weitergeleitet, Siri kann sie aber nicht verstehen.

Ebenso nervtötend sind eingehende Benachrichtigungen, die mittels Vibration und eines Klingeltons angekündigt werden – der lässt sich nicht abschalten und wiederholt sich, bis die Benachrichtigung nicht auf der Uhr geöffnet wurde. Kleiner Wermutstropfen: Zeigen andere Smartwatches nur ausgewählte Benachrichtigungen mancher Apps an, informiert die K88H über sämtliche Benachrichtigungen des gekoppelten Smartphones.

Ein kleiner Lichtblick sind indes die Individualisierungsmöglichkeiten zu werten. Bietet die Konkurrenz lediglich die Möglichkeit, das Zifferblatt zu wechseln, stehen dem Nutzer der K88H sechs Ziffernblätter, drei Menühintergründe und zwei Symbolanzeigevarianten zur Auswahl.

Katastrophale App

Übertroffen wird der bisher schlechte Gesamteindruck von der dazugehörigen App. Zunächst klar verständlich aufgebaut, trifft der Nutzer hier auf ein Sprachgemisch von Deutsch und Englisch. Neben wenigen brauchbaren Menüpunkten bleibt die Übersicht der Schritte, Pulsdaten und des Schlafes übrig. Wochen- oder gar Monatsanalysen werden nicht geboten. Neben einigen Verbindungsabbrüchen kristallisiert sich jedoch die Datensynchronisation als größte Schwachstelle heraus. Sie muss manuell ausgewählt werden und funktionierte im Testverlauf nur wenige Male. Fehler in dem Datenaustausch zwischen App und Smartwatch waren an der Tagesordnung.

K88H im Test – die App
K88H im Test – die App

Vitalsensoren

Eine komplette Kehrtwende legt die K88H hinsichtlich ihrer Vitalsensoren an den Tag. Lediglich mit Schrittzähler und Herzfrequenzmesser ausgestattet, erfüllen beide ihre Aufgabe sehr gut. Die gezählten 1.000 Schritt analysiert die K88H mit einem Wert von 1.017 Schritten, was einer Abweichung von gerade einmal 1,7 Prozent entspricht. Unklar ist jedoch, wieso die Schrittzählung manuell gestartet werden muss. Ein Punkt, der beim morgendlichen Anlegen der Uhr schnell vergessen werden kann.

Schrittzähler
Angaben in Punkten
  • Zielvorgabe 1.000 Schritte:
    • Fossil Q
      1.053
    • K88H Smart
      1.017
    • Samsung Gear Fit2
      1.001
    • Apple Watch Series 2
      1.001
    • Referenz 1.000 Schritte
      1.000
    • Nike FuelBand SE
      957
    • Runtastic Moment
      928
    • Withings Activité Pop
      876
    • Runtastic Orbit
      738

Ein nicht ganz so überzeugendes, aber immer noch sehr gutes Ergebnis liefert der Herzfrequenzsensor ab. In verschiedenen Szenarien, die sich aus Ruhephasen und Ertüchtigung zusammensetzten, wich die Smartwatch nur wenige Punkte vom mit dem Brustgurt Polar H7 ermittelten Referenzwert ab – unterliegt jedoch, selbst mit kleinen Abweichungen, deutlich der Konkurrenz.

Herzfrequenz
Angaben in Prozent
  • Genauigkeit in Prozent Messung 1:
    • Samsung Gear Fit2
      102,33
    • Motorola Moto 360 2nd Gen
      100,00
    • Samsung Gear S2
      100,00
    • Huawei Watch
      97,73
    • K88H Smart
      90,81
  • Genauigkeit in Prozent Messung 2:
    • K88H Smart
      100,95
    • Motorola Moto 360 2nd Gen
      100,00
    • Samsung Gear S2
      100,00
    • Samsung Gear Fit2
      100,00
    • Huawei Watch
      95,35
  • Genauigkeit in Prozent Messung 3:
    • Huawei Watch
      102,25
    • Samsung Gear S2
      101,16
    • Motorola Moto 360 2nd Gen
      100,00
    • K88H Smart
      98,20
    • Samsung Gear Fit2
      95,08
  • Messgenauigkeit im Durchschnitt:
    • Samsung Gear S2
      100,39
    • Motorola Moto 360 2nd Gen
      100,00
    • Samsung Gear Fit2
      99,14
    • Huawei Watch
      98,44
    • K88H Smart
      96,65

Laufzeit

K88H Smart im Test
K88H Smart im Test

Die Laufzeit ist im Smartwatch-Segment nach wie vor eines der wichtigsten Argumente und gilt zugleich als Achillesferse. Erreichen andere Smartwatches Laufzeiten von einem bis zwei Tagen, übersteht die K88H noch nicht einmal 24 Stunden, und das bei einem gegenüber den Nebenbuhlern mit 300 mAh etwa gleich großen Akku. Im Schnitt betrug die Laufzeit der K88H rund 21 Stunden, von denen die Uhr sieben bis neun Stunden zum Schlafen abgelegt wurde. Das Ladekonzept gestaltet sich mittels magnetischen Anschlusses auf der Uhrenrückseite einfach.

Laufzeiten
Angaben in Stunden
    • Pebble Steel
      116,0
      Hinweis: E-Ink-Display
    • Pebble Time
      107,0
      Hinweis: color E-Ink-Display
    • Sony Smartwatch 3
      48,0
    • LG G Watch R
      46,0
    • Asus ZenWatch
      38,0
    • LG G Watch
      36,0
    • Samsung Gear Fit2
      34,0
    • Huawei Watch
      33,0
    • Motorola Moto 360 2nd Gen 42 mm
      31,0
    • Samsung Gear Live
      28,0
    • Motorola Moto 360
      26,0
    • Samsung Gear S2
      25,0
    • K88H Smart
      21,0

Fazit

Beinahe zu schön klang das Versprechen einer zu Android und iOS kompatiblen Smartwatch zum sehr niedrigen Preis von 40 Euro. Doch in nahezu allen Punkten weist die Smartwatch K88H Smart im Alltag so gravierende Schwächen auf, dass das Verhältnis aus Preis zu Leistung trotzdem nicht stimmt. Insgesamt kann damit trotz der überzeugenden Vitalsensoren nur von der K88H Smart abgeraten werden. Das schließt nicht aus, dass es gute sehr günstige Smartwatches aus Fernost gibt. In diesem Fall ist das vermeintliche Schnäppchen aber keins.

K88H Smart im Test
K88H Smart im Test

Alternativen?

Dank der iOS-Unterstützung von Android Wear steht seit geraumer Zeit beiden Smartphone-Lagern eine reichhaltige Auswahl an Smartwatches zur Verfügung – wenn auch mit abgespecktem Funktionsumfang. Wird ein vollwertiger Funktionsumfang für iOS und Android benötigt, sind Smartwatches aus dem Hause Pebble eine uneingeschränkte Empfehlung.

Können Interessenten ihre Nutzungsgewohnheiten auf das Aufzeichnen von Vitalfunktionen beschränken, sind hingegen grundsätzlich reine Sport-Wearables die oftmals günstigere Alternative zu Smartwatches.

Die K88H Smart wurde ComputerBase leihweise vom Onlineshop GearBest zur Verfügung gestellt. Der Händler ist auf den Versand von nicht in Deutschland erhältlichen Artikeln aus China spezialisiert. Was es für Kunden dabei zu beachten gilt, hat ComputerBase im Frühjahr zusammengefasst.

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