Mafia 3 im Test : Die 60er sind zurück

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Mafia 3 im Test: Die 60er sind zurück

Es gibt wenige Spielereihen, die ein fast tadelloses Image haben. Mafia gehört bisher definitiv dazu. Weder im grandiosen ersten Teil (2002) noch im ebenfalls sehr guten Mafia 2 (2010) leisteten sich die Entwickler größere Fehltritte. Im Gegenteil: Beide Spiele überzeugten in hohem Maße. „Was will man mehr?“, fragten wir in unserem Fazit zu Mafia 2. Diese Frage könnte man ganz grundsätzlich für die Marke stellen.

Kein Wunder also, dass Mafia 3 von vielen Spielern herbeigesehnt worden ist. Mit dem von Hangar 13 und 2K Czech entwickelten ersten großen Blockbuster dieser Saison verbinden sich viele Hoffnungen. Zu Recht?

Spoiler-Warnung: Da ein Spieletest nicht immer gänzlich ohne die Wiedergabe einzelner wichtiger Handlungselemente der Geschichte möglich ist, bitten wir all jene, die vorab nichts über die Handlung des Spiels erfahren möchten, nur das Fazit zu lesen. Wir bemühen uns jedoch stets, die Wiedergabe auf absolut notwendige Erzählelemente zu beschränken.

Systemanforderungen

Bei den Systemanforderungen gibt sich Mafia 3 durchaus fordernd. Ein aktuelles System sollte demnach schon vorhanden sein, um den Titel mit hohen Details flüssig spielen zu können. Weiteren Aufschluss liefert in Kürze unser Technikcheck.

Testsystem und Herstellerempfehlung
Komponente Testsystem Herstellerempfehlung
Betriebssystem Windows 8.1 (64 Bit) ab Windows 7 (64 Bit)
Prozessor Core i7-4790 Core i7-3770 / FX-8350
Arbeitsspeicher 8 GByte 8 GByte
Grafik Radeon R9 290X GeForce GTX 780 / Radeon R9 290X
Festplattenspeicher ca. 48 GByte
Internetanbindung Für Steam-Aktivierung

Ein neues Mafia-Universum

Mafia 3 schließt als kleines Schmankerl für echte Liebhaber der Reihe in der mancher Hinsicht an den Vorgänger an. Einige Charaktere und Hintergründe werden Spielern des zweiten Teils daher bekannt vorkommen. Ansonsten präsentieren die Entwickler aber ein komplett neues Universum.

Dieses fußt zu allererst auf dem Setting. Doch auch bei der Story geht Hangar 13 weitgehend neue Wege. Herausgekommen ist ein Spiel, bei dem Licht und Schatten nah beieinander liegen. Doch der Reihe nach.

Die Story

New Bordeaux, 1968: Lincoln Clay ist gerade aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrt und muss feststellen, dass sich in seiner alten Heitmat einiges verändert hat. Der heruntergekommene Bezirk der fiktiven, aber ganz offiziell New Orleans nachempfundenen Stadt ist nicht mehr in der Hand von Lincolns schwarzer Familie. Statt seines Stiefvaters und -bruders haben Haitianer die Macht übernommen, die brutal über das Gebiet regieren und die Bewohner terrorisieren.

Im Zuge des überraschend langen Vorspanns stellt sich allerdings heraus, dass die haitianische Mafia längst nicht das größte Problem von Lincoln und seiner Familie ist. Die weitaus größere Gefahr lauert eine Etage weiter oben: Die von der Familie Marcano vertretene italienische Mafie hält die Stadt fest im Griff. Als Boss Sal beschließt, dass es im Viertel von Lincoln einen Führungswechsel geben muss, verliert der Ex-Soldat alles.

Protagonist Lincoln Clay
Protagonist Lincoln Clay

Das übergeordnete Ziel von Mafia 3 ist auf dieser Grundlage schnell erzählt: Natürlich will sich Lincoln für die brutale Ungerechtigkeit, die ihm und seiner Familie widerfährt, rächen. Dazu wird die übliche von-ganz-unten-nach-ganz-oben Geschichte erzählt: Lincoln muss sich zunächst von einer schweren Verletzung erholen, steht mit nichts da – und wird doch durch seine Zielstrebigkeit und seinen Eifer schnell zur stadtbekannten Größe. Bald schon fangen die Marcanos mächtig an zu schwitzen, weil der Racheengel ihnen immer mehr Geschäfte streitig macht und ihnen immer näher rückt.

Diese Geschichte wird von Hangar 13 solide und ohne große Brüche und Logiklücken erzählt. Ein großes Plus ist dabei die exzellente Inszenierung, die vor allem von großzügig eingestreuten, cineastischen Zwischensequenzen lebt. In diesen werden die Motivationen der Hauptcharaktere über gelungene Dialoge ausgebreitet. Zudem funktioniert die Erzählung insgesamt als Doku, in der Jahrzehnte später wichtige Protagonisten zu Wort kommen. Dieses häufiger verwendete Instrument ist clever, weil die Figuren so mit der Weisheit des Abstands weitere Details einfließen lassen können.

Zu viel 0815

Allein, was uns ein wenig sauer aufstößt, ist, dass Mafia 3 inhaltlich insgesamt doch sehr konventionell ausfällt. Dass einem armen, fertigen Typ übel mitgespielt wird und er sich dann von ganz unten hochkämpft und seinen Peinigern das Leben schwer macht, ist nicht ein, sondern das Paradigma von Hollywood. Etwas mehr Pepp und Mut zur Avantgarde hätten hier gut getan.

Cassandra ist eine wichtige Verbündete
Cassandra ist eine wichtige Verbündete

Ein gewisses 0815-Gefühl stellt sich auch bei den Charakteren ein. Lincoln Clay etwa bleibt über weite Strecken ein blasser Held. Muskelbepackt und mit den Fähigkeiten eines Special-Forces-Mitglieds ausgestattet, ist er der perfekte Killer. Auch seine Rachegelüste nimmt man ihm ab. Abseits davon gewinnt Lincoln aber kaum Profil. Wie steht er eigentlich zu der ganzen Gewalt? Zum Vietnameinsatz, der immerhin einen guten Teil seines Lebens geprägt hat? Zum Mafia-Geschäft? Zum rassistischen Amerika der späten 1960er Jahre? In den Dialogen beschränkt sich Lincoln meistens auf das Wesentliche – und kommt uns deswegen nicht besonders nah.

Beschwert wird die Story von Mafia 3 daher nicht durch tiefgehende Inhalte und Charakterkonstellationen, sondern durch inhaltlich eigentlich unnötige Komplexität. Immer wieder tun sich in der Handlung neue Abzweige auf: Neue Namen, neue Tätigkeiten, neue Gegner. Wer war jetzt noch mal wer? Und in welchem Verhältnis steht er zu den anderen Protagonisten? Die Personenvielfalt hat einen spielerischen Grund (dazu gleich mehr); inhaltlich gefällt sie aber nicht wirklich.

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