Nextcloud Box im Test : Barebone mit PiDrive für die private Cloud

, 54 Kommentare
Nextcloud Box im Test: Barebone mit PiDrive für die private Cloud
Bild: Nextcloud

Als ownCloud im Jahr 2010 den Markt betrat und die Cloud für das eigene Wohnzimmer propagierte, war die Zeit reif für eine Lösung, die es Anwendern gestattet, ihre Daten, Termine und Kontakte unter eigener Kontrolle mit anderen zu teilen und auf ihren Geräten synchron zu halten – und nicht auf Servern von Apple, Google oder Amazon. Der Erfolg des vom KDE-Entwickler Frank Karlitschek erdachten Konzepts war vorprogrammiert.

Im Frühjahr 2016 trennte sich Karlitschek wegen Unstimmigkeiten mit dem kommerziellen Arm des Unternehmens ownCloud Inc. von seiner Gründung, nahm den Open-Source-Code sowie das Gros der Entwickler mit und gründete Nextcloud. Nextcloud verspricht mehr Einfluss für die Community und dass auch Entwicklungen, die für Unternehmen entworfen werden, frei lizenziert allen Anwendern zur Verfügung stehen.

Nextcloud umgarnt die Community

Um die Verbindung mit der Community glaubhaft zu vermitteln, fand im September an der TU in Berlin eine Woche lang die erste Nextcloud Conference statt. Dort wurde mit der Nextcloud Box auch die erste Hardware des Projekts, die in Kooperation mit Western Digital und Canonical entstand, der Öffentlichkeit vorgestellt.

NextCloud Box
NextCloud Box (Bild: NextCloud)

Die Umsetzung der Idee, die ursprünglich aus den WDLabs stammt, begann bei ownCloud und wurde nun von Nextcloud zusammen mit den Partnern zur Marktreife gebracht. ComputerBase hat sie getestet.

Die Nextcloud Box ist ein Barebone

Der kleine braune Karton, den Nextcloud-Pressesprecher Jos Poortvliet persönlich in die Redaktion lieferte, enthält eine 15,0 × 15,0 × 2,6 Zentimeter große schwarze Box mit aufgedrucktem Nextcloud-Logo, ein Netzteil mit fünf Volt und drei Ampere, passende Stecker zum Wechseln für internationale Steckdosen sowie einen Kabelsatz. In einer kleinen Plastiktüte befindet sich neben einem kleinen Torx-Schraubendreher und vier Schrauben noch eine vier GByte fassende microSD-Karte von SanDisk samt Adapter.

Die Hardware kommt mit Schraubendreher

Die Nextcloud Box lässt sich leicht öffnen, da der Deckel von drei Magneten gehalten wird. Bei näherer Betrachtung des Gehäuses zeigen sich von außen an der Vorderseite Durchlässe für die nötigen Kabel, im Inneren ist eine Kabelführung zu erkennen. An der Unterseite ist zudem ein Luftauslass, der mit einem Einlass zur passiven Kühlung der Elemente an der Vorderseite korrespondiert.

NextCloud Box
NextCloud Box (Bild: NextCloud)

Die rechte Hälfte des Innenraums der Box wird von einer Festplatte mit USB-3.0-Anschluss eingenommen. Es handelt sich um das PiDrive von Western Digital, allerdings hier nicht mit 314 GByte, sondern mit einem Fassungsvermögen von 1 TByte. Die Festplatte ist im Auslieferungszustand noch unpartitioniert. Der gesamte Lieferumfang ohne das Nextcloud-Gehäuse wird auch von WD selbst als WD PiDrive Kit für 75 Euro angeboten. Dabei unterscheidet sich lediglich der Inhalt der microSD-Karte, die bei WD BerryBoot enthält.

Noch Platz im Gehäuse für Raspberry Pi

Die linke Hälfte des Gehäuses lässt Platz für einen Raspberry Pi oder einen anderen Minirechner mit den gleichen Maßen. Hier erschließt sich auch der Sinn des Schraubendrehers mitsamt den vier beigepackten Schrauben: Rechts bleibt auch nach oben noch Luft, sodass ein zweites PiDrive Platz finden kann, um damit einen RAID-Verbund für mehr Redundanz zu realisieren. Wenn 1 TByte nicht ausreicht, können natürlich auch eine oder zwei größere Festplatten eingebaut werden.

Kein Pi in der Box

Der Pi selbst findet sich allerdings nicht im Lieferumfang. Das hat zwei Gründe: Einerseits haben viele Anwender bereits einen oder mehrere Kleinrechner zu Hause, die für diesen Zweck eingesetzt werden können. Des Weiteren bleibt der Anwender auch flexibel, denn außer dem bisher für die Box zertifizierten Raspberry Pi 2 sollen in nächster Zukunft zumindest der Raspberry 3 und der Odroid C2 von Hardkernel für die kleine Box nutzbar gemacht werden. Hierzu bedarf es weiterer Anpassungen an der Software. Künftig sollen bei ausreichend Nachfrage aber auch Komplettpakete bestellbar sein.

Auf der nächsten Seite: Software und Aufbau