3/8 80-Plus-Gold-Netzteile im Test : Enermax Revolution X't II gegen LC-Power LC6560GP4

, 50 Kommentare

Technik

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt der Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

Enermax vertraut zur Fertigung des Revolution X't II 550W wie schon bei dem Vorgänger auf CWT. Das technische Design baut dabei auf der GPS-Serie auf. Great Wall stellt für LC-Power das LC6560GP4 her, das auf derselben Plattform wie das LC8850III 850W und sogar das LC6560GP3 aufbaut. Die eingesetzten Techniken bestehen, wie für ein 80-Plus-Gold-Netzteil üblich, aus einer LLC-Halbbrücke mit sekundärseitig synchroner Gleichrichtung. Zur Bereitstellung stabiler Ausgangsspannungen werden bei beiden Probanden die Schienen unabhängig mittels DC-DC-Abwärtswandlern geregelt.

Technische Daten Enermax LC-Power
Primärseite
EMV-Filter 2 X-, 4 Y-Kondensatoren, 2 CM-Drosseln, Ferrit
Sicherungen Feinsicherung, MOV Feinsicherung
Aktive PFC 2 MOSFETs (GP18S50G), 1 Diode (Rohm SCS206AG) 2 MOSFETs (Vishay SiHP22N60E), 1 Diode (NXP BYC)
Einschaltstrombegrenzer NTC + Relais
Zwischenkreiskondensator Nippon Chemicon (KMR-Serie) 330 µF, 400 V, 105 °C 2 Rubycon (USG-Serie) 220 µF, 400 V, 85 °C
Konvertertopologie LLC-Halbbrücke
Schalter 2 „CMS6024“ 2 „P6020“
Sekundärseite
Wandlung Minor-Rails (5 V und 3,3 V) DC-DC
Gleichrichter +12 V 4 „SG40N01D“ 4 Advanced Power AP9992GP-A-HF
DC-DC-Schalter 5 V und 3,3 V je 1 Ubiq QM3004D und 1 Ubiq QM3006D je 2 Infineon IPD040N03L
Filterkondensatoren +12 V Nippon Chemicon 6 1.000 µF Feststoffkondensatoren (PSG-Serie) und 1 1.000 µF (KY-Serie) 1 Teapo (SZ-Serie) 2.200 µF und 4 470 µF Feststoffkondensatoren
Filterkondensatoren 5 V 820 µF Feststoffkondensator 1 Elite (ED-Serie) 2.200 µF und 1 Teapo (SZ-Serie) 2.200 µF
Filterkondensatoren 3,3 V 820 µF Feststoffkondensator 1 Elite (ED-Serie) 2.200 µF und 1 Teapo (SZ-Serie) 2.200 µF
Filterkondensatoren 5 VSB Nippon Chemicon 2.200 µF (KZE-Serie) und 1.000 µF (KY-Serie) Teapo 2.200 µF (SZ-Serie) und 1.000 µF (SY-Serie)
Supervisor-IC Sitronix ST9S313-DAG Sitronix ST9S429-PG14
Lüfter
Modellbezeichnung Enermax ED142512W-OA Yate Loon D14SH-12
Technische Daten ? U/Min, Twister-Magnetlager 2.300 U/Min, Sleeve-Gleitlager

Der Aufbau der Eingangsfilter beider Netzteile ist identisch. Einzig das Revolution X't II 550W bietet zusätzlich einen MOV als passiven Überspannungsschutz. Anschließend folgt ein Brückengleichrichter, der an einem ausladenden Kühlkörper zusammen mit den anderen Leistungshalbleitern der Primärseite montiert ist, was das Bauteil auf kühleren Temperaturen halten soll. Als Einschaltstrombegrenzer gibt es in beiden Fällen einen NTC-Widerstand, der mit einem Relais nach dem Einschalten zur Effizienzsteigerung überbrückt wird.

Die aktive PFC sorgt nun für eine möglichst sinusförmige Stromaufnahme aus dem Netz. Die Energie wird schließlich in großen Elektrolytkondensatoren zwischengespeichert. Dabei setzt Enermax mit einem Nippon-Chemicon-400-Volt-330-µF-Elko der KMR-Serie auf eine qualitativ gute Wahl. LC-Power schaltet wie schon beim LC8850III zwei Rubycon-Elkos parallel, die mit jeweils 220 µF zusammen eine etwas höhere Kapazität besitzen. Aus deren 85-Grad-Celsius-Bewertung folgt allerdings auch eine geringe Lebenserwartung gegenüber den 105-Grad-Celsius-KMR-Elkos. Der Alterungseffekt ist beim Betrieb im 230-Volt-Netz weniger stark ausgeprägt und beeinträchtigt im Wesentlichen nur die Stützzeit des Netzteils.

Die beiden Halbleiterschalter der Halbbrücke konnten genauso wie die MOSFETs zur synchronen Gleichrichtung auf der Niederspannungsseite des Enermax-Netzteils nicht identifiziert werden. Die Gleichrichter-Halbleiter wurden dabei auf die Rückseite des PCBs gelegt und verursachen offensichtlich eine derart geringe Verlustleistung, dass eine indirekte Kühlung über die Lötverbindung vom großen Source-Kontakt des TO-252-Gehäuses zu den Kühlkörpern auf der Vorderseite ausreichend ist. Das LC6560GP4 geht den klassischen Weg mit der Verschraubung auf einem massigen Kühlkörper, von dem zudem die Temperatur für die Lüfterregelung abgegriffen wird.

Gehobene Auswahl bei den Kondensatoren

Die DC-DC-Wandler befinden sich auf einer zusätzlichen Platine vertikal zum Haupt-PCB. Zur Filterung der Restwelligkeit wurde eine sinnvolle Kombination aus Feststoffkondensatoren und Elkos gewählt. Nur für die Minor-Rails des Revolution X't II 550W ist die Ausstattung mit einem Feststoffkondensator etwas spärlich, weshalb dort keine Bestwerte für die Restwelligkeit erwartet werden können. Auf der dauerhaft aktiven 5-VSB-Schiene machen beide Probanden bezüglich der Elko-Bestückung alles richtig. Auf dem Kabelmanagement-Board des LC6560GP4 wird die Filterung mit vier Feststoffkondensatoren fortgeführt.

Die Schutzschaltungen werden jeweils von einem Sitronix-IC bereitgestellt, die die geforderten Funktionen bis auf die OTP unterstützen. Die Verarbeitung beider Netzteile ist gut gelungen. Genauso weist die Lötqualität keine Schwächen auf. Auf der Sekundärseite wurden die Leiterbahnwiderstände durch großflächige Lotbenetzung, Jumper und Metallschienen weiter verringert.

Qualitative Unterschiede beim Lüfter

Als Lüfter setzt Enermax ein eigenes Fabrikat mit Magnetlagerung ein, dessen Lebensdauer besonders hoch sein soll. LC-Power vertraut einem einfachen Fabrikat von Yate Loon, das nur ein Sleeve-Gleitlager besitzt und gegenüber anderen Flüssigkeitslagern schneller austrocknet.

Auf der nächsten Seite: Elektrische Messungen