Exascale-Supercomputer: Tianhe-3 wird von CPU bis OS in China gebaut

Michael Günsch 46 Kommentare
Exascale-Supercomputer: Tianhe-3 wird von CPU bis OS in China gebaut
Bild: National Supercomputing Center in Tianjin

Chinas erster Exascale-Supercomputer hat einen Namen: Er wird in der Tradition der Vorgänger Tianhe-3 heißen. Mit einer Leistung von einer Trillion Rechenoperationen in der Sekunde, was einem ExaFLOPS entspricht, soll der bisherige Spitzenreiter um den Faktor zehn übertroffen werden. Gefertigt wird das System komplett in China.

Die Pläne zu Chinas Exascale-System sind längst bekannt, doch der Name Tianhe-3 wurde erst jetzt öffentlich bestätigt. Damit tritt er in die Fußstapfen von Tianhe-1 (2,57 PetaFLOPS im Jahr 2010) und Tianhe-2 (33,86 PetaFLOPS im Jahr 2013). Ob die Maximalleistung von 1 ExaFLOPS real (Rmax) oder nur theoretisch (Rpeak) zu erreichen ist, bleibt abzuwarten. Je nach Rechengrundlage soll er etwa zehnmal schneller als der amtierende Spitzenreiter Sunway TaihuLight (ebenfalls aus China) rechnen, der es auf 93 (Rmax) respektive 125 (Rpeak) PetaFLOPS bringt.

Tianhe-3 Sunway TaihuLight Tianhe-2
Rechenleistung (Rmax) n.a. (~1.000 PetaFLOPS) 93 PetaFLOPS 34 PetaFLOPS
Rechenleistung (Rpeak) n.a. (~1.000 PetaFLOPS) 125 PetaFLOPS 55 PetaFLOPS
Inbetriebnahme 2018 (Prototyp) / 2020 (Fertigstellung) 2016 2013

Vom Prozessor bis zum Betriebssystem „Made in China“

Wie China Daily berichtet, wird Tianhe-3 vollständig in China hergestellt. Das betrifft auch die Prozessoren, die somit weder von AMD noch von IBM oder Intel stammen. Auch das Betriebssystem soll eine Eigenentwicklung sein. Anfang 2018 soll zunächst der Prototyp fertiggestellt sein, Ende Januar war noch von Ende 2017 die Rede. Die Fertigstellung am National Super Computing Center in Tianjin wird dagegen weiterhin für 2020 anvisiert. Den USA will China damit zuvorkommen, aber auch Frankreich und Japan planen Exascale-Supercomputer für 2020.

Analysen von Smog, Erdbeben oder Gen-Sequenzen

Tianhe-3 soll vor allem im wissenschaftlichen Bereich Verwendung finden und dort zur „öffentlichen Nutzung“ durch Forschungsinstitute verfügbar sein. Als mögliches Einsatzgebiet werden Analysen und Simulationen mit Hinblick auf die Ausbreitung von Smog und Epidemien oder Erdbeben genannt. Auch die Analyse von Gen-Sequenzen und Proteinstrukturen soll damit in „beispiellosem Maßstab und Geschwindigkeit“ möglich werden.