Devolo GigaGate im Test: Gigabit-WLAN-Bridge für Streaming und PlayStation

Frank Hüber 46 Kommentare
Devolo GigaGate im Test: Gigabit-WLAN-Bridge für Streaming und PlayStation

tl;dr: Devolos GigaGate ist eine schnelle und zuverlässige WLAN-Bridge, die durch eine einfache Einrichtung und eine nahtlose Integration ins Netzwerk überzeugt. Wer punktuell schnelles Netzwerk an einem schwer erreichbaren Ort benötigt, ist mit dem Devolo GigaGate gut beraten.

Devolo GigaGate im Test

Mit dem GigaGate, einer WLAN-Bridge mit einer Datenübertragungsrate von „bis zu 2.000 Mbit/s“, möchte Devolo dem Bedarf an einer schnellen Datenverbindung auch an schwierigen Orten gerecht werden. Multimedia-Komponenten wie aktuelle Spielekonsolen oder Set-Top-Boxen und Multimedia-Receiver wie Amazon Fire TV, Apple TV oder Telekom Entertain, die auf eine unterbrechungsfreie, schnelle Datenverbindung angewiesen sind, sollen so auch dort zum Einsatz kommen können, wo keine klassische Verkabelung oder Nutzung von dLAN, also die Übertragung über das Stromnetz, möglich ist, oder das WLAN-Signal des Routers keine ausreichende Datenübertragungsrate mehr gewährleistet. Hierfür setzt das Set, das aus einer Base, die an den Router angeschlossen wird, und einem Satelliten besteht, auf eine Übertragung im 5-GHz-Netz.

Der Satellite bietet einen Gigabit- und vier 100-Mbit-LAN-Anschlüsse sowie darüber hinaus selbst noch einen WLAN-n-Access-Point im 2,4-GHz-Netz. Der einzelne Gigabit-Anschluss am Satelliten soll für eine Komponente eingesetzt werden, bei der ein 100-Mbit-Anschluss unter Umständen nicht mehr ausreichend ist – hierzu könnte etwa ein NAS-System gehören.

Vier simultane WLAN-Verbindungen für eine schnelle Übertragung

Die Base des GigaGate-Starter-Pakets wird per Ethernetkabel mit dem Router verbunden. Der GigaGate-Satellite wird unmittelbar bei den zu verbindenden Multimedia-Komponenten platziert, sofern diese per Kabel verbunden werden sollen. Die beiden GigaGate-Komponenten bauen daraufhin mittels selbstausrichtender Antennen automatisch vier simultane WLAN-Verbindungen im 5-GHz-Bereich auf. Die Basisstation verfügt nicht über einen eigenen WLAN-Access-Point oder zusätzliche Netzwerkanschlüsse, ihre Aufgabe ist einzig und allein die schnelle Verbindung zum Satellite. Mehr Möglichkeiten, weniger Komfort und bei gleicher Geschwindigkeit einen höheren Preis würde eine Lösung aus zwei 5-GHz-Routern darstellen, die einen Betrieb als WLAN-Bridge erlauben.

2.000 Mbit/s = 1.733 + 300 Mbit/s

Die von Devolo beworbenen „bis zu 2.000 Mbit/s“ ergeben sich in der Praxis aus der Summe der Verbindung zwischen Base und Satellite sowie dem WLAN-Access-Point des Satellite. Die Verbindung zwischen Base und Satellite beträgt dabei maximal 1.733 Mbit/s brutto.

Devolo GigaGate – Base und Satellite
Devolo GigaGate – Base und Satellite
Devolo GigaGate
Devolo GigaGate
Devolo GigaGate – Satellite und BAse
Devolo GigaGate – Satellite und BAse

Das Starter-Kit umfasst neben der Base und dem Satellite je ein Netzteil und ein Netzwerkkabel sowie eine Kurzanleitung, die auf die Inbetriebnahme eingeht. Das Devolo GigaGate-Starter-Paket weist eine unverbindliche Preisempfehlung von 229,90 Euro auf und ist derzeit im Handel für rund 200 Euro erhältlich.

WLAN-Bridge mit 2 Gbit/s

Um die Base und den Satellite zu unterscheiden, gilt es genau hinzusehen, denn beide setzen auf ein identisches Gehäuse, das aufgrund der Hochglanzoptik sehr anfällig für Staub und Fingerabdrücke ist. Über einen kleinen Standfuß, der bei Bedarf nach rechts und links ausgezogen werden kann, kann die Standfestigkeit der beiden Komponenten erhöht werden. Alternativ können beide Komponenten an den vier seitlichen Bohrungen an einer Wand montiert werden.

Kinderleichte Inbetriebnahme

Nach dem Anschluss beider Komponenten verbinden sich beide automatisch per WLAN – die Übertragung erfolgt per AES verschlüsselt. In dieser Zeit blinkt die vorderseitige LED sowohl bei der Base als auch dem Satellite weiß. Sobald die LED permanent leuchtet, wurde die Verbindung erfolgreich hergestellt. Ein rotes Blinken würde hingegen auf einen Fehler bei der Verbindung hindeuten. Während die Base nur drei LEDs für die WLAN-Verbindung zum Satellite, den Status des Gigabit-Ports und die Stromversorgung bietet, verfügt der Satellite zusätzlich noch über LEDs für jeden der vier 100-Mbit-LAN-Anschlüsse und den WLAN-Access-Point. Beide Komponenten bieten eine WPS-Taste, der Satellite verfügt zudem über einen Knopf zum Ein- und Ausschalten des WLAN-Access-Points.

Devolo GigaGate – Front der Base
Devolo GigaGate – Front der Base
Devolo GigaGate – seitliche Symbole für die LEDs
Devolo GigaGate – seitliche Symbole für die LEDs
Devolo GigaGate – Front der Base
Devolo GigaGate – Front der Base

Nach der ersten Verbindung zwischen Base und Satellite durchlaufen diese einen Lernprozess, um den optimalen Funkkanal in Abhängigkeit von externen Störeinflüssen zu ermitteln. Aus diesem Grund kann die Datenübertragung direkt nach dem Aufbau noch nicht der maximal möglichen Übertragungsleistung entsprechen.

Die Inbetriebnahme und der Aufbau der Funkverbindung zwischen Base und Satellite sind kinderleicht und bereiteten im Test keinerlei Probleme.

Weitere Konfiguration optional

An der Unterseite des Satellite sind die SSID und das Passwort für die kabellose Verbindung zum WLAN-Access-Point vermerkt. Bei Bedarf können diese ebenso wie weitere Einstellungen jedoch über die webbasierte Benutzeroberfläche geändert werden. Neben den Netzwerkeinstellungen kann über die Weboberfläche auch ein Update der Firmware durchgeführt oder die Konfiguration zur späteren Wiederherstellung gesichert werden. Umfassende Funktionen wie eine Zugriffskontrolle mit Zeitbeschränkung oder eine WLAN-Zeitsteuerung bieten die Einstellungen allerdings nicht.

Devolo GigaGate – Weboberfläche

Ein guter Ausgangspunkt für die Konfiguration der Komponenten ist dabei die optionale Software „devolo Cockpit“, die nicht nur einen Zugriff auf die Weboberfläche ermöglicht, sondern auch den Status der Komponenten, die aktuelle Verbindungsgeschwindigkeit und ein Firmware-Update ermöglicht. Im Test kam auf der Base die Firmware V1.0.4 und auf dem Satellite die Firmware V1.0.5 zum Einsatz.

Auch Multicast-IPTV ist kein Problem

Auch Multicast-IPTV-Anwendungen wie Telekom Entertain funktionieren am Satellite ohne Probleme und bedürfen keiner weiteren Konfiguration durch den Benutzer. Die Nutzung von IPv6 stellt die Komponenten von Devolo ebenfalls vor kein Hindernis.

Transferraten

Für die Messung der Datenübertragungsraten kommt der klassische Bridge-Betrieb zum Einsatz, bei dem die Base mit dem Router per Kabel verbunden ist, die Daten per Funk an den Satellite überträgt, der wiederum per Kabel über den Gigabit-LAN-Port mit einem PC verbunden ist.

Für den Test wurden Base und Satellite sowohl mit direktem Sichtkontakt in einer Entfernung von lediglich 1,40 Metern platziert, als auch über 14 Meter durch drei Trockenbauwände hinweg. Im ersten Fall meldet das devolo Cockpit eine Funkverbindung mit 1.170 Mbit/s (rund 145 MB/s), im zweiten immer noch mit 1.077 Mbit/s (rund 135 MB/s). Die Messung der Datenübertragungsrate wurde einerseits mit jPerf im Client-Server-Betrieb getestet, andererseits auch mittels Übertragung einer exakt ein Gigabyte großen Datei über den Windows Explorer.

Alle angegebenen Werte sind Durchschnittswerte aus mehreren Messungen.

Datenübertragung mit jPerf
  • 1 Stream:
    • Direkte Sicht, 1-Gbit-Port
      73,8
    • Indirekte Sicht, 1-Gbit-Port
      70,6
    • Direkte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
    • Indirekte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
  • 10 Streams:
    • Direkte Sicht, 1-Gbit-Port
      75,6
    • Indirekte Sicht, 1-Gbit-Port
      67,7
    • Direkte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
    • Indirekte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
  • 20 Streams:
    • Direkte Sicht, 1-Gbit-Port
      79,6
    • Indirekte Sicht, 1-Gbit-Port
      68,0
    • Direkte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
    • Indirekte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1

Die Datenübertragung bei der Nutzung des 1-Gbit/s-Ports am Satellite erreicht bei der gleichzeitigen Nutzung von 20 Streams mittels jPerf fast 80 MB/s (rund 640 Mbit/s). Wie für WLAN-ac üblich, steigt die Übertragungsrate mit der Anzahl paralleler Streams an. Die 100-Mbit/s-Anschlüsse des Satellite werden unabhängig von der Anzahl der Streams und der Entfernung zu jeder zeit voll ausgenutzt. Der Unterschied zwischen direkter Sicht auf kurze Distanz und indirekter Sicht auf eine Distanz von 14 Metern beträgt im Testszenario maximal 17 Prozent. Je nach Wandstärke und Material können diese Ergebnisse jedoch nicht auf jede Gegebenheit übertragen werden.

Datenübertragung 1-GB-Datei
    • Direkte Sicht, 1-Gbit-Port
      61,8
    • Indirekte Sicht, 1-Gbit-Port
      60,5
    • Direkte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1
    • Indirekte Sicht, 100-Mbit-Port
      11,1

Auch die Übertragung einer 1-GByte-Datei erreicht mit etwas über 60 MB/s gute Werte. Auch in diesem Fall erweist sich die Nutzung des 1-Gigabit-Ports als deutlich vorteilhaft, sofern das angeschlossene Gerät von dieser Geschwindigkeit profitieren kann.

Transferraten am 2,4-GHz-Access-Point des Satelliten

Am Access Point des Satelliten, der das 2,4-GHz-Netz nutzt, sind bei direkter Sicht im Test Übertragungsraten von rund 65 Mbit/s möglich gewesen. Bei einer Entfernung von 14 Metern mit drei Wänden und zahlreichen Fremdnetzen reduziert sich diese im Test auf durchschnittlich 33 Mbit/s. Die Übertragungsraten des WLAN-Access-Points sind somit zwar noch zufriedenstellend, könnten jedoch durchaus höher ausfallen.

Fazit

Wer eine WLAN-Bridge benötigt, da die WLAN-Leistung des Routers nicht ausreicht, dLAN nicht in Frage kommt, oder kabelgebundene Multimedia-Geräte an einem Ort verbunden werden müssen, ist mit dem Devolo GigaGate sehr gut beraten.

Kinderleichte Einrichtung

Die Einrichtung der Basis und des Satelliten sind einfach und auch für Netzwerk-Neulinge dank der vollständigen Vorkonfiguration und nahtlosen Integration in das vorhandene Netzwerk problemlos möglich; zwei schnelle Router im Bridge-Modus zu betreiben ist um Längen komplizierter. Wer Änderungen an den Einstellungen vornehmen möchte, kann dies zudem über eine intuitiv und auch für Mobilgeräte geeignete Weboberfläche tun, die Notwendigkeit besteht dazu jedoch zu keiner Zeit.

Die Transferraten überzeugen, wobei man sich als Endkunde erneut nicht von der beworbenen Bruttoreichweite von „bis zu 2.000 Mbit/s“ täuschen lassen darf, die sich auch nur in Summe der Übertragungsraten ergibt. Im Test überzeugte das Devolo GigaGate zudem mit einem sehr zuverlässigen und absolut unauffälligen und unproblematischen Betrieb. Während des Testzeitraums von über einem Monat gab es keinerlei Aussetzer, Abstürze oder anderweitige Fehler.

WLAN-n mit nur 300 Mbit/s

Sollen über den WLAN-Access-Point des Satellite weitere kabellose Geräte mit dem Netzwerk verbunden werden, steht hierfür lediglich WLAN-n mit maximal 300 Mbit/s zur Verfügung. Dies bremst aktuelle WLAN-Geräte unter Umständen bereits aus, weshalb sich Devolo diesen Kritikpunkt gefallen lassen muss. Dass der Satellite nur einen Gigabit-Port bietet und ansonsten auf vier 100-Mbit-Anschlüsse setzt, ist derzeit bei den meisten Multimedia-Geräten noch ausreichend. Dass Devolo den Satellite genau in diesen beiden Punkten in Zukunft aufrüsten wird, ist allerdings sehr wahrscheinlich.

Angesichts der Leistung, Ausstattung und des zuverlässigen Betriebs ist auch der Preis von derzeit rund 200 Euro angemessen. Die günstigsten Router mit 1.733 Mbit/s über 5 GHz kosten in Summe mehr.

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