Patriot Viper V760 im Test: Tastatur-Premiere mit RGB-Beleuchtung und Magneten

Max Doll 16 Kommentare
Patriot Viper V760 im Test: Tastatur-Premiere mit RGB-Beleuchtung und Magneten

tl;dr: Speicherhersteller Patriot baut jetzt auch Eingabegeräte. Die erste Tastatur setzt mit mechanischen Tasten und einer bunten RGB-Beleuchtung für 120 Euro im Hochpreis-Segment an. Trotz magnetisch verankerter Handballenauflage kann sie im Test aber nicht aus der Masse der Angebote hervor stechen.

Patriot V760 im Test: Eine graubunte Tastaturmaus

Patriot verzichtet bei der V760 auf größere Extravaganzen. Die meisten Features, darunter vollständig programmierbare Tasten und N-Key-Rollover, gehören in dieser Preisklasse mittlerweile zum guten Ton. Auch Handballenauflage und ein durchgeschliffener USB-Port sind in dieser Preisklasse Teil des Klangbildes, was ebenso für eine umfangreich ohne Software konfigurierbare RGB-Beleuchtung gilt, auf die Patriot einen Schwerpunkt legt. Entscheidend wird damit die qualitative Umsetzung der Feature-Palette.

Die Fokussierung auf die Beleuchtung schlägt sich auch im Layout wieder; die meisten der zahlreichen Zusatzfunktionen kreisen um die Konfiguration der LEDs. Konzeptionell geht die V760 in eine ähnliche Richtung wie Sharkoons MK80 RGB (Test), die auf Basis der gleichen Taster sehr ähnliche Funktionalität bietet und sogar auf ähnlichen Grundüberlegungen aufbaut: Auch das Patriot-Erstlingswerk nimmt zugunsten des Design weit mehr Platz in der Breite in Anspruch, als es unbedingt nötig wäre. Pro Seite ragen die Hüften des Gehäuses immerhin zwei Zentimeter über das Tastenfeld hinaus – äshtetische Extravaganzen gehen zu Lasten des Platzbedarfs.

Patriot Memory Viper V760
Sharkoon Shark Zone MK80 RGB (Kailh Brown)
Logitech G810 Orion Spectrum
Größe (L × B × H): 46,8 × 15,0 (20,3) × 4,0 (5,2) cm
Handballenauflage
47,0 × 18,0 (24,5) × 3,5 (5,1) cm
Handballenauflage
44,4 × 15,3 × 3,4 (3,8) cm
Layout: 105 ISO 105 ISO (erweitert)
Gewicht: 1.158 g 1.450 g 1.180 g
Kabel: 1,50 m, 2 × USB 2.0 2,00 m, 2 × USB 2.0 1,80 m, USB 2.0
Hub-Funktion: 1 × USB 2.0 2 × USB 2.0, HD-Audio
Key-Rollover: N-KRO 6-KRO, N-KRO 26-KRO
Schalter: Kailh Brown Romer-G (Alps-Type)
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Zusatztasten: 5 × Medien
2 × Extra
Scrollrad (Lautstärke)
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus, Makroaufnahme Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 1 Profile
vollständig programmierbar
4.096 kB, 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
teilweise programmierbar
Preis: ab 100 € 140 € ab 100 €

Äußerlichkeiten: Kurze Leitung, sonst solide

Ein wesentlicher Eckpunkt des Designs sind bei Patriot die freistehend montierten Taster, die den Eindruck schwebender Tastenkappen erzeugen („floating keys“). Das vereinfacht die Reinigung des Tastenbetts, erhöht aber in der Regel die Lautstärke.

Erzeugt wird ein solches, mittlerweile nicht mehr ganz so einzigartiges Erscheinungsbild, indem auf das obere Element eines klassischen Tastaturgehäuses verzichtet wird. Stattdessen wird als Abdeckung im Kern die Metallplatte genutzt, auf der mechanische Taster ohnehin stabilisiert werden. In Berührung kommen Nutzer mit einem solchen „Metallgehäuse“ im Falle der V760 aber nicht, weil das Aluminium-Element seitlich mit Kunststoff eingefasst wird.

Unauffällig bleibt das Gehäuse zunächst im positiven Sinne, indem Patriot Grundlagen eines Eingabegeräts abdeckt: Ein guter, ausbalancierter Stand und seitlich aufklappende, einfach zu bedienende Anstellfüße überzeugen. Auch die Position des USB-Ports erweist sich als durchdacht, die Anschlussstelle kann ohne Blickkontakt ausgemacht und genutzt werden.

Ein Highlight setzt Patriot mit der Handballenauflage: Die Soft-Touch-Oberfläche ist ebenso wie die kompakte Breite zwar nur gewöhnlich, die Befestigung erfolgt jedoch über Magnete. Diese Art der Befestigung empfiehlt sich dringend als künftiger Standard: Die unsichtbare Verbindung hält die Auflage selbst bei angehobenem Chassis sicher am Platz und erlaubt zugleich eine spielend leichte De- und Remontage des Accessoires.

Überraschende Kabel-Limitierungen

Ebenfalls unauffällig, wenngleich im umgedrehten Sinne, ist das kurze Anschlusskabel, das eher im Sinne der absoluten Budget-Klasse abgemessen wurde. Eine Länge von 1,4 Metern vermag gerade einmal im Wortsinne auszureichen und setzt voraus, dass der Rechner in der Nähe des Arbeitsplatzes steht.

Zudem wird der Zweck der beiden Anschlüsse nicht wie eigentlich üblich mit Symbolen kodiert. Die farbliche Markierung über den Stecker selbst erweist sich als inadäquater Ersatz: In Umgebungen mit wenig freien Steckplätzen wird ein Blick ins Handbuch oder unnötiges Ausprobieren erzwungen, weil „Grün“ und „Orange“ sich nicht unmittelbar in „USB-Port“ und „Tastatur“ übersetzen lassen.

Beleuchtung: Bunter Standard

Nicht nur auf der Sonnenseite bewegt sich die Beleuchtung. Zum Einsatz kommen in der V760 Taster mit schwarzer Außenhülle und einer oberhalb des Gehäuses platzierten LED, womit es sich um die einfachste Variante einer Tastenbeleuchtung für mechanische Schreibgeräte handelt. Die Ausleuchtung ist aufgrund dieses Aufbaus nur direkt über der Diode optimal, mit zunehmender Entfernung zur Lichtquelle und insbesondere auf der anderen Seite des Schaltergehäuses sinkt die Helligkeit unter der Tastenkappe.

Daraus resultiert ein leichter Helligkeitsverlauf, der bei ausladenden Beschriftungen, die sich über die gesamte Tastenkappen ziehen, in Erscheinung tritt. Durch Nutzung der maximalen Helligkeitsstufe, die genug Reserven für Arbeitsumgebungen mit direktem Sonneneinfall freisetzt, wird dieser Effekt reduziert. Grundsätzlich bleibt der untere Bereich der Tastenkappe aber dunkler.

Konfiguration mit Einschränkungen

Die LEDs können ohne Software in fünf unterschiedlichen Profilen konfiguriert werden. Laufrichtung und Abspielgeschwindigkeit von Effekten lassen sich ebenfalls wählen. Hektisches Blinken verwandelt sich so auf Wunsch in augenfreundliches Leuchten, das die Aufmerksamkeit nicht permanent vom Bildschirm abzieht.

Auch das Anlegen von Profilen mit individuell in abweichenden Farben erstrahlenden Tasten ist ohne zusätzliches Programm möglich, aber mit zwei unerwarteten Einschränkungen verbunden. Zum einen bleibt bei statischer Beleuchtung die FN-Taste zwingend dunkel, zum anderen lassen sich nur sieben vorgegebene Farben wählen. Durch die Art der Konfiguration bedingt sind diese Limitierungen nicht: Konkurrenten wie Cooler Master, Ducky und Xtrfy können ohne Software eine breite Palette an Farben bereitstellen.

Alltagserfahrungen: Überraschend leise

Signale generiert die Viper V760 mit Kailh Brown, die sich funktional sowie hinsichtlich der Abstimmung an Cherrys gleichfarbig kodierten MX-Taster orientieren. Ein genauer Blick auf die Kailh-Interpretation brauner Schalter fördert jedoch feine Unterschiede zu Tage.

Kailh Brown zählen ebenfalls zu den taktil abgestimmten Tastern, sie besitzen folglich einen Druckpunkt. Dieses haptisches Feedback wird bei Kailh schwächer ausdefiniert: Da der Widerstand nach Erreichen des Signalpunktes weniger stark einbricht, verschwimmt der Druckpunkt bei „Brown“-Tastern, er lässt sich weniger deutlich wahrnehmen. Zugleich wirkt die Rückmeldung der Feder eine Spur schwammiger. Dabei handelt es sich aber um Nuancen, die kein völlig neues Tippgefühl produzieren.

Kailh Brown Cherry MX Brown
Charakteristik: taktil
Hubweg: 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 2,0 mm
Widerstand am Signalpunkt: 50 g 45 g
Lebensdauer (Anschläge): 60 Mio. 50 Mio.

Den größten Unterschied zwischen beiden Tastern macht der Widerstand (d.h. die Federspannung) aus. Braune Kailh-Taster setzen den Widerstand am Signalpunkt um fünf Gramm höher an. Diese numerisch geringfügige Änderung macht sich in den Fingern bemerkbar, wenn die Tasten mit kalkuliertem Kraftaufwand nur bis zum Signalpunkt heruntergedrückt werden. In diesem Fall erscheinen die Taster schwergängiger. Eine solche Abstimmung ist erneut eine Frage des Geschmacks, sie kommt Nutzern entgegen, die leichtgängigere Taster versehentlich eindrücken, oder Tasten (d.h. Signale) bewusster auslösen möchten.

Klang: Angenehm, aber nicht „ultra silent“

Qualitative Bedenken wecken die Kailh-Taster auf der V760 im Allgemeinen nicht. Weder lassen sich die Schlitten bei ungünstiger Betätigung verkanten noch verändern sich Feedback oder Widerstand von Taster zu Taster. Potentielle Langzeit-Qualitäten müssen Kailh-Taster aber noch immer praktisch unter Beweis stellen. Selbst das für MX-Nachbauten typische Federpingen lässt sich nur provozieren, indem mit unnötig hoher Kraft auf die Tasten gehauen wird, bleibt aber selbst dann dezent. Im Alltag lässt sich ein solcher Nachhall hingegen nicht wahrnehmen.

Patriot Viper V760 (Kailh Brown)

Klanglich bleibt die Tastatur so in einem angenehmen Bereich. Die grundsätzlich dumpferen Kailh-Taster helfen, den mit einer offenen Kulisse einhergehenden, helleren und lauten Geräuschpegel einzufangen. Dadurch bleibt die Lautstärke auf einem für mechanische Tastaturen moderaten Niveau. Von „ultra silent“, wie Patriot selbst verkündet, kann dennoch keine Rede sein.

Licht und Schatten im Alltag

Im normalen Arbeitseinsatz zeigt die V760 Licht und Schatten. Werden Grundfunktionen einer Tastatur betrachtet und das Kabel ausgeklammert, überzeugt die Tastatur, lediglich der Wunsch nach einer breiteren Handballenauflage schiebt sich immer wieder an den Rand der Wahrnehmung.

Das eingängige Layout lässt sich trotz der zahlreichen Funktionen gut nutzen, die Option zur präzisen Auswahl einzelner Effekte erweist sich dabei als praktisch und auch die Programmierung neuer LED-Profile geht gut von der Hand.

Sollen Funktionen über die Beleuchtung hinaus genutzt werden, erweist sich die V760 hingegen als weniger ideale Wahl. Die Medienfunktionen lassen sich nicht mit nur einer Hand erreichen, was für Spieletastaturen schwerlich ideal erscheint. Außerdem können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur LED-Profile angelegt werden.

Eine Option zum Erstellen von unterschiedlichen Profilen mit unterschiedlich programmierten Tastenfunktionen existiert mittlerweile in der Software, allerdings kann nur ein Profil auf der Tastatur hinterlegt werden, das zudem manuell nach Bedarf ausgetauscht werden muss. Wie mittlerweile einige andere Hersteller hat sich Patriot aber dazu entschieden, mit Makros und andere Funktionen die ursprüngliche Tastenbelegung nicht vollständig zu ersetzen. Auf der Basisebene eines Profils steht stets die ausgewiesene Standard-Tastenfunktion zur Verfügung.

Die vom Nutzer erstellte Konfiguration wird erst beim Aktivieren der separaten Spieleebene geladen. Wann diese Spieleebene aktiv ist, wird auf der Tastatur aber nicht vermerkt, sondern muss durch prüfenden Tastendruck ermittelt werden – auch das ist nicht ganz bis zum Ende gedacht.

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