Surface Pro 2017 im Test: Mal wieder die Firmware

Jan-Frederik Timm 93 Kommentare
Surface Pro 2017 im Test: Mal wieder die Firmware

tl;dr: Das neue Surface Pro der 5. Generation bietet schnellere CPUs im bekannten Gewand. Im Test stehen einem überzeugten Auftritt aber Probleme mit der zweiten Firmware und dem Display im Weg. Die Software-Probleme sprechen am Ende gegen den Kauf des Status quo.

Surface Pro 2017: Das ist an der 5. Generation neu

Microsoft hat die 5. Generation des Surface Pro ohne viel Tamtam präsentiert: Während Huawei auf einer global übertragenen Pressekonferenz in Berlin unter den Augen der PR-Abteilung von Microsoft Deutschland das MateBook X (Test) enthüllte, stellten die Redmonder das neue Tablet-Notebook auf einer lokalen Veranstaltung in China vor. Für den Rest der Welt gab es eine Pressemitteilung.

Äußerlich und damit auch bei den Anschlüssen unverändert, hat sich intern beim neuen Surface Pro eine ganze Menge getan. Die nachfolgenden Anpassungen sind bekannt:

  • CPUs auf Basis von Kaby Lake statt Skylake; LPDDR3-1.866 statt -1.600
  • Passive Kühlung auch für die Core-i5-Variante (vormals nur für Core M)
  • Größerer Akku (45,0 statt 38,2 Wh) durch Wechsel der SSD von M.2 auf BGA (verlötet)
  • Display unterstützt neuen Surface Pen mit 4.096 Druckstufen (vormals 1.024)
  • Bluetooth 4.1 statt 4.0 LE
  • Der Kickstand lässt sich in den Studio-Modus bringen (165 statt 150 °)
  • Varianten mit LTE, geplant für Ende 2017

Der Stift fehlt im Lieferumfang

Eine weitere Veränderung betrifft den Lieferumfang: Der Stift findet sich ab sofort nicht mehr im Paket. Type Cover und den Digitizer gilt es ab sofort separat zu kaufen. Im Test der aktiv gekühlten Core-i7-Version stehen dem Gerät am Ende aber weder die Hardware noch der Lieferumfang, sondern die Software im Weg.

Probleme mit der Firmware

Die neue Hardware hat offensichtlich auch bei der neuen Generation dazu geführt, dass die mit den Geräten in den Handel entlassene Firmware nicht fehlerfrei arbeitet. Probleme mit der Firmware sind für die Surface-Serie keine Neuigkeit, besonders betroffen war davon in der Vergangenheit das Surface Book (Test).

Probleme mit bei der Stabilität

Käufer des neuen Surface Pro mit Kaby-Lake-CPU haben seit der Markteinführung vermehrt von Problemen mit der Stabilität und der Bildschirmhelligkeit berichtet. So soll sich das Surface Pro im laufenden Betrieb einfach ausgeschaltet oder ohne erkennbaren Einfluss die Helligkeit des Bildschirms angepasst haben.

ComputerBase konnte Stabilitätsprobleme beim neuen Surface Pro mit Core i7 auf Basis der alten Firmware im Test nachvollziehen, wenn auch in anderer Form: Der Rechner schaltete sich nicht aus, sondern fror unter Last wiederholt ein. Das traf sowohl auf den Cinebench als auch auf das Encodieren eines Videos mit Handbrake zu. In Prime95 war der Absturz sogar die Regel. Ein von Microsoft am 13. Juli bereitgestelltes Update hat dieses Problem nicht behoben: In allen drei Anwendungen kommt es auch weiterhin immer wieder zu Hängern. Sie treten gleich zu Anfang auf, wenn die Taktraten noch hoch sind. Es hat den Anschein, als würde sich das System beim Wechseln in einen niedrigeren Power-State der CPU aufhängen, denn hat der Prozessor erst einmal deutlich den Takt reduziert, frieren die Anwendungen nicht mehr ein.

Schon vom Surface Pro 4 bekannt: „Backlight-Bleeding“

Die von Anwendern gemeldeten Probleme mit der Display-Helligkeit traten bei dem Testmuster in der Redaktion wiederum nicht auf. Dafür zeigt sich Backlight-Bleeding in der von vielen Anwendern berichteten Form: Im Notebook-Modus ziert ein deutlich hellerer Bereich den ganzen unteren Rand des Displays. Das fällt schon bei der Ersteinrichtung des Gerätes auf blauem Hintergrund bei Tageslicht mit bloßem Auge auf.

Der untere Bildschirmrand zeigt deutlich „Backlight Bleeding“
Der untere Bildschirmrand zeigt deutlich „Backlight Bleeding“

Power-Throttle bestimmt den Takt

Nicht grundsätzlich als Fehler in der Firmware hat sich letztendlich der zum Teil extrem niedrige Takt des aktiv gekühlten Core i7-7660U im neuen Surface Pro herausgestellt. Im Kern gibt es einen technischen Hintergrund: Das neue Surface Pro nutzt erstmals den mit dem Windows 10 Creators Update eingeführten neuen Schieberegler „Power-Throttle“. Über Windows 10 Power Throttle soll sich auf mobilen Geräten in Zukunft deutlich besser einstellen lassen, ob der Fokus auf hoher Leistung oder niedrigem Stromverbrauch liegt.

Drei Einstellungen hinter dem Akkusymbol

Drei Einstellungen gibt es beim Surface Pro im Netzbetrieb: „Empfohlen“, „Bessere Leistung“ und „Beste Leistung“. Im Akkubetrieb kommt am unteren Ende noch „Stromsparmodus“ hinzu. In der klassischen Systemsteuerung ist hingegen jeweils nur ein Profil hinterlegt: „Ausbalanciert“.

Surface Pro nutzt erstmals Windows 10 Power Throttle
Surface Pro nutzt erstmals Windows 10 Power Throttle

Welchen Betriebszustand der Anwender nutzt, hat dabei einen deutlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Surface Pro unter Last – je länger die Last anhält, desto gravierender ist dieser Einfluss. Von den bisher bekannten Profilen „Höchstleistung“ und „Ausbalanciert“ ist so etwas nicht bekannt. In der Regel beeinflussen die nur das Leerlaufverhalten der CPU.

Deutliche Unterschiede bei Takt und Leistung

Ab Werk sind beim Surface Pro im Akkumodus „Stromsparen“ und im Steckdosenmodus „Bessere Leistung“ eingestellt. Wobei „Bessere Leistung“ den Messungen der Redaktion zufolge vergleichbar mit „Empfohlen“ ist. Beide Einstellungen führen dazu, dass die CPU nur sehr kurz hohe Taktraten von annähernd 3,0 GHz hält. Ein Video in Handbrake zu encodieren dauert in diesen beiden Modi 8:40 respektive 8:52 Minuten, während „Beste Leistung“ dasselbe Ergebnis nach 7:04 Minuten liefert. Der Takt der CPU liegt zum Testende einerseits bei um die 2,6 GHz, andererseits bei um die 2,9 GHz, der Verbrauch der CPU bei rund 10 vs. 14 Watt.

Auch in Cinebench zeigen sich Unterschiede. Mit „Beste Leistung“ liefern die ersten drei Durchläufe des Multi-Core-Tests 390, 371 und 365 Punkte, in den anderen beiden Modi lautet die Serie 390, 350 und 332 – und von Durchlauf zu Durchlauf fällt das Ergebnis weiter und unterschreitet dabei sogar den Basistakt von 2,5 GHz. In „Beste Leistung“ passiert das knapp nicht. Allerdings: Am nächsten Tag lautet die Serie in diesem Modus 380/334/330 – zuverlässig reproduzierbar wie auf anderen Geräten sind viele Testwerte im Artikel aktuell nicht.

Anwendung Empfohlen Bessere Leistung Beste Leistung
Cinebench R15 (3×) ca. 330 Pkt. ca. 330 Pkt. ca. 360 Pkt.
Handbrake 8:52 Minuten 8:40 Minuten 7:05 Minuten
Prime95 (15 Min.) ca. 1,2 GHz ca. 1,4 GHz ca. 2,1 GHz

Das Extremszenario Prime95 treibt die Differenzen auf die Spitze: Nach 15 Minuten liefert „Beste Leistung“ noch 2,1 GHz Takt (Basis: 2,5 GHz, CPU drosselt), während „Empfohlen“ die CPU auf bis zu 1,4 GHz fallen lässt. Am Akku im Modus „Energiesparen“ fällt der Takt auf bis zu 800 MHz ab.

Funktional, aber noch fehlerhaft

Rein funktional betrachtet erweist sich Power-Throttle damit in der Tat als ein sehr hilfreiches und vor allem effektives Hilfsmittel, um insbesondere im mobilen Einsatz zu verhindern, dass das System dauerhaft zu viel Energie verbraucht, während kurzfristige Lastspitzen in allen Modi mit hohen Taktraten aufgefangen werden – wer nur im Browser unterwegs ist, sollte davon kaum etwas mitbekommen. Rechenintensive Anwendungen benötigen zwar (deutlich) länger, CPUs agieren bei niedrigeren Taktraten allerdings mit höherer Effizienz, so dass die Last auf dem Akku insgesamt trotzdem sinkt.

Die folgenden Benchmarks haben allerdings gezeigt, dass der überzeugenden Theorie aktuell noch Probleme im Weg stehen.

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