Oberklasse-Netzteile im Test: Empfehlungen mit 550/650 Watt für 85 bis 125 Euro 3/5

Nico Schleippmann 95 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Alle drei 80Plus-Gold-Netzteile können die Wirkungsgrad-Anforderungen des Zertifikates klar einhalten. Unter Berücksichtigung von Messtoleranzen würde das Sea Sonic Prime Gold 650W unter 20- und 100-prozentiger-Auslastung sogar den Ansprüchen von 80Plus Platinum genügen – bei Halblast kann es dieses Niveau jedoch nicht halten. Das Aerocool P7-650W kann die höchste Effizienz in diesem Test bereits mit einer Auslastung von 20 Prozent vorweisen. Für Halb- und Volllast sinkt wiederum der Wirkungsgrad und genügt gerade den Anforderungen an 80Plus Platinum.

Im 230-Volt-Netz mit den Lasten nach 80Plus verschwimmt die Abgrenzung vom P7-650W zum Prime Gold 650W, wie das zweite Diagramm deutlich macht. Nur bei geringeren Belastungen kann sich das Aerocool-Netzteil von seinem Sea-Sonic-Konkurrenten leicht absetzen. Die zweite Zertifizierung des Super Flower Leadex II Gold 650W nach 80Plus Gold EU trägt das Netzteil zu Recht, wenn Messtoleranzen mitberücksichtigt werden.

Mit „festen Lasten“ zeigt sich ein ähnliches Bild. Mit Auslastungen zwischen 100 und 300 Watt beläuft sich der Vorsprung des P7-650W auf nur etwa 0,5 Prozent. Aber auch das EVGA Supernova G3 550W zeigt sich insbesondere bei kleiner Last als konkurrenzfähig – bis Auslastungen von 100 Watt führt es das Testfeld an und muss sich erst mit der 140-Watt-Last gegen das Prime Gold 650W geschlagen geben.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Der Leistungsfaktor des EVGA G3 550W und des Sea Sonic Prime Gold 650W könnte besser sein, weil bei Niedriglast vergleichsweise viel Blindleistung aus dem Niederspannungsnetz aufgenommen wird und die 99 Prozent bei Volllast nicht erreicht werden. Für private Haushalte hat der etwas schlechtere Leistungsfaktor allerdings keine Auswirkungen auf die Stromkosten, da einzig die Wirkleistung bezahlt werden muss.

Spannungsregulation

Wie zu erwarten, liefern die Oberklassenetzteile Topwerte in der Spannungsregulation ab. Sea Sonic verspricht eine besonders strikte Regelung, sodass Abweichungen auf der 12-Volt-Schiene maximal +2 Prozent und auf den Minor Rails +/- 0,5 Prozent betragen sollen. Bis auf die 3,3-Volt-Schiene, die mit ‑0,6 Prozent etwas unterhalb der gesetzten Grenze liegt, kann das Netzteil das sehr hohe Niveau halten. Nachforschungen haben herausgestellt, dass die Terminals des 24-Pin-ATX-Steckers hierbei das Problem sind. Können diese keinen ausreichenden Kontakt mit dem Terminal der Last herstellen, funktioniert die Sense-Spannungsabtastung unter Umständen nicht korrekt, auch wenn der 24-Pin-ATX-Stecker korrekt in die Buchse gesteckt wurde.

Restwelligkeit

Die Restwelligkeit liegt stets weit unterhalb des Grenzwerts. Unter anderem die Kondensatoren in den Kabelenden haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen, wobei ohne diese die Restwelligkeit immer noch sehr niedrig sein würde.

Schutzschaltungen

Außer Aerocool behelfen sich alle Hersteller mit dem Trick, die 12-Volt-Schiene gegen Überströme mittels des primärseitigen Überlastschutzes (OPP) abzusichern. Da es lediglich eine Single-Rail für die 12-Volt-Schiene gibt und quasi die komplette Nennleistung des Netzteils von dieser abgerufen werden kann, ist diese Option, den Überstromschutz (OCP) wegzulassen, ein probates Mittel. Obwohl das Aerocool P7-650W extra Shunt-Widerstände für diese Aufgabe am Ausgang besitzt, liegt der Auslösewert mit 82 A am höchsten. Aber auch die Überlastsicherung besitzt mit 1.100 W einen sehr hohen Schwellwert.

Aerocool P7-650W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 28 A
5 V OCP 20 A 31 A
12 V OCP 54 A 82 A
OPP 650 W 1.100 W
OTP 80 °C (Oberseite PCB neben Transformator)
EVGA Supernova G3 550W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 22 A 45 A
5 V OCP 22 A 49 A
12 V OCP 45,8 A 72 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 550 W 850 W
OTP 110 °C (Synchrongleichrichter-MOSFETs)
Sea Sonic Prime Gold 650W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 27 A
5 V OCP 20 A 28 A
12 V OCP 54 A 72 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 650 W 855 W
OTP 100 °C (Synchrongleichrichter-MOSFET-Kühlkörper auf Oberseite)
Super Flower Leadex II Gold 650W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 24 A 38 A
5 V OCP 22 A 40 A
12 V OCP 54,1 A 72 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 650 W 860 W
OTP 110 °C (Synchrongleichrichter-MOSFETs)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Keines der getesteten Muster hat Schwierigkeiten, die Kurzschlüsse beider Szenarien zu erkennen. Genauso gut funktioniert der Überhitzungsschutz (OTP), der beispielsweise im Falle eines Lüfterausfalls das Netzteil vor einem unkontrollierbaren Ausfall schützt.

Wärmekammer

Die Netzteile sind bis Umgebungstemperaturen von 50 °C spezifiziert, weshalb auch unter diesen Bedingungen allen Probanden eine korrekte Funktionsweise garantiert wird. Höhere Temperaturen gehen mit einer höheren Drehzahl einher. Aber auch die Verluste steigen an, weshalb die Belastung für das Netzteil gleich doppelt anwächst. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Die Spannungen regeln alle Netzteile bei der gemessenen Volllaststufe perfekt. Auch für die Restwelligkeit können nochmals exzellente Werte festgehalten werden.

Ausgangsspannungen P7-650W Supernova G3 550W Prime Gold 650W Leadex II Gold 650W
12 V 12,09 V 12,05 V 12,17 V 12,14 V
5 V 5,02 V 5,05 V 5,01 V 4,98 V
3,3 V 3,30 V 3,32 V 3,29 V 3,29 V
5 VSB 4,97 V 4,98 V 4,93 V 4,97 V
‑12 V ‑12,12 V ‑11,92 V ‑11,86 V ‑12,01 V

Die Drehzahlen steigen mit 1.040 UPM für das P7-650W, 1.735 UPM für das Supernova G3 550W, 1.985 UPM für das Prime Gold 650W und 1.395 UPM für das Leadex II Gold 650W deutlich gegenüber den Drehzahlen bei gemäßigten Umgebungstemperaturen des Lautstärke-Tests an.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. EVGA und Super Flower können den Grenzwert von 16 ms knapp einhalten. Aerocool und Sea Sonic haben sich mit 20 ms größere Ziele gesetzt, sodass theoretisch auch eine komplette Netzschwingung im 50-Hz-Netz überbrückt werden kann.

8 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • Cougar VTX 450W
      14,0
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Minimum
      16,0
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      16,0
    • EVGA G3 550W
      16,8
    • Aerocool P7-650W
      19,7
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      20,1
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Minimum
      1,0
    • EVGA G3 550W
      2,0
    • Aerocool P7-650W
      2,1
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      2,7
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      4,6
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • Cougar VTX 450W
      7,1

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann. An dieser Stelle verrichten alle Probanden den Dienst wie gefordert.

ErP Lot 6 2013 P7-650W Supernova G3 550W Prime Gold 650W Leadex II Gold 650W
Keine Last 0,32 0,30 0,15 0,26
45 mA auf 5 VSB 0,63 0,58 0,44 0,55
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Bei einer geringfügigen Belastung von 45 mA der Standby-Schiene haben bis auf das Prime Gold 650W alle Netzteile mit dem Einhalten der Energiesparrichtlinie zu kämpfen. Mit 0,63 W ist das P7-650W von diesem Problem am stärksten betroffen.

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