Netzteile mit 80Plus Gold im Test: Preisbrecher von Xilence und Corsair mit 550 W im Vergleich 3/5

Nico Schleippmann 71 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Dadurch, dass weniger Verluste beim Betrieb im 230-Volt-Netz entstehen, sind die Anforderungen an den Wirkungsgrad mit 80Plus Gold EU höher als die des Standard-80Plus-Gold-Zertifikats mit 115 Volt Versorgungsspannung. Corsair wie Xilence können ihre Vorgaben nur knapp einhalten. Die zwei bis drei Prozent höheren Anforderungen für 80Plus Gold EU würde das TX550M mit dem Wechsel auf 230 Volt nicht erfüllen können. Bei typischer Auslastung liegt es einen halben bis einen Prozent hinter dem Performance X 550W.

In den Messungen mit „festen Lasten“ bleibt ein leichter Vorsprung für das Performance X 550W erhalten, wobei die Unterschiede mit steigender Last – in relativen Zahlen ausgedrückt – immer geringer werden. Ein minimal höherer Wirkungsgrad bei Volllast bedeutet aber absolut einen größeren Vorteil, weil der Vorsprung von 0,7 % einem Gewinn von 5 Watt entspricht.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Die Leistungsfaktorkorrektur funktioniert somit wie gewohnt, denn mit 99 Prozent bei Volllast entspricht der Leistungsfaktor fast dem Ideal, und für kleinere Leistungen offenbaren sich keine Auffälligkeiten. Ein besserer Leistungsfaktor würde sich für private Haushalte nicht bezahlt machen, weil dieser keine Auswirkungen auf die Stromkosten hat.

Spannungsregulation

Die Spannungsregelung kann für ein Netzteil dieser Preisklasse überzeugen. Die Messwerte befinden sich über alle Auslastungsszenarien weit innerhalb des Toleranzbandes. Die Ausgangsspannungen des Performance X 550W hinterlassen auf der 3,3-Volt-Schiene einen besonders guten Eindruck, weil mit steigender Last quasi kein Abfall der Spannung feststellbar ist. Aber auch das TX550M bleibt hierbei in einem völlig bedenkenlosen Rahmen.

Restwelligkeit

Die Restwelligkeit liegt stets weit unterhalb des jeweiligen Grenzwerts. Hier präsentieren die Testkandidaten High-End-Fertigkeiten. Auf der 3,3-Volt-Schiene kommt das Performance X 550W nicht an die herausragenden Messergebnisse des TX550M heran, mit nur 23 mV kann aber ein sehr gutes Niveau gehalten werden.

Schutzschaltungen

Beide Hersteller behelfen sich des Tricks, die 12-Volt-Schiene gegen Überströme mittels des primärseitigen Überlastschutzes (OPP) abzusichern. Da es lediglich eine Single-Rail für die 12-Volt-Schiene gibt und quasi die komplette Nennleistung des Netzteils von dieser abgerufen werden kann, ist diese Option, den Überstromschutz (OCP) wegzulassen, ein probates Mittel. Die Auslösewerte wurden für die OCP wie für die OPP sinnvoll gewählt. Der DC-DC-Wandler des Performance X 550W auf der 3,3-Volt-Schiene ist allerdings nicht für solche hohen Überströme ausgelegt, weil die Spannung mit 2,93 V bereits deutlich abgefallen ist.

Corsair TX550M
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 25 A 38 A
5 V OCP 20 A 37 A
12 V OCP 43 A 61 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 550 W 710 W
OTP 130 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)
Xilence Performance X 550W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 25 A 36 A (bei 2,93 V)
5 V OCP 20 A 34 A
12 V OCP 45,8 A 66 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 550 W 770 W
OTP 100 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Keines der getesteten Muster hat Schwierigkeiten, die Kurzschlüsse beider Szenarien zu erkennen. Genauso gut funktioniert der Überhitzungsschutz (OTP), der beispielsweise im Falle eines Lüfterausfalls das Netzteil vor einem unkontrollierbaren Ausfall schützt.

Wärmekammer

Für das Performance X 550W liegt keine Spezifikation für die Umgebungstemperatur vor. Für das TX550M werden 50 °C vom Hersteller genannt. Auch bei höheren als den angegebenen Temperaturen kann das Netzteil ordnungsgemäß funktionieren, allerdings kann sich dann die Lebensdauer stark verkürzen. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Die Spannungen regeln alle Netzteile bei der gemessenen Volllaststufe perfekt. Auch für die Restwelligkeit können nochmals exzellente Werte festgehalten werden.

Ausgangsspannungen TX550M Performance X 550W
12 V 11,99 V 12,16 V
5 V 4,99 V 5,00 V
3,3 V 3,25 V 3,31 V
5 VSB 4,94 V 4,96 V
‑12 V ‑12,28 V ‑11,98 V

Die Drehzahlen steigen mit 1.775 UPM für das TX550M und 1.515 UPM für das Performance X 550W gegenüber den Drehzahlen bei gemäßigten Umgebungstemperaturen des Lautstärke-Tests nur geringfügig an. Im Normalfall kann nämlich bei einer annähernd verdoppelten Umgebungstemperatur von einer deutlichen Erhöhung der Drehzahl ausgegangen werden.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. Corsair und Xilence verfehlen den Grenzwert von 16 ms. Diese Größe ist im Allgemeinen aber nur bei Verwendung einer Offline-USV von Bedeutung.

16 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • Corsair TX550M
      11,9
    • Cougar VTX 450W
      14,0
    • Xilence Performance X 550W
      14,2
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Minimum
      16,0
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      16,0
    • EVGA G3 550W
      16,8
    • Aerocool P7-650W
      19,7
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      20,1
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Minimum
      1,0
    • EVGA G3 550W
      2,0
    • Aerocool P7-650W
      2,1
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      2,7
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • Corsair TX550M
      3,9
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • Xilence Performance X 550W
      4,5
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      4,6
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • Cougar VTX 450W
      7,1

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann. An dieser Stelle verrichten alle Probanden den Dienst wie gefordert.

ErP Lot 6 2013 TX550M Performance X 550W
Keine Last 0,15 0,22
45 mA auf 5 VSB 0,42 0,47
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Bei geringfügiger Belastung von 45 mA der Standby-Schiene bleibt die aufgenommene Leistung beider Netzteile innerhalb der in der EU-Norm definierten Grenze von 0,5 Watt.

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