HTC-Übernahme: Google zahlt 1,1 Mrd. USD für ausgewählte Kronjuwelen

Jan-Frederik Timm 52 Kommentare
HTC-Übernahme: Google zahlt 1,1 Mrd. USD für ausgewählte Kronjuwelen

Wie am Mittwoch erwartet, haben HTC und Google seit Monaten schwelende Gerüchte um eine Übernahme des Smartphone-Herstellers heute bestätigt. Doch die abschließend unterzeichnete Vereinbarung sieht anders aus, als es im Vorfeld vermutetet wurde: Für 1,1 Mrd. US-Dollar übernimmt Google nur einen Teil der Smartphone-Sparte.

Das Pixel-Team und Patente für Google

Die Vereinbarung sieht vor, dass, „bestimmte Mitarbeiter von HTC – von denen viele bereits heute zusammen mit Google an den Pixel-Smartphones arbeiten – zu Google wechseln“. Darüber hinaus erhält Google gegen die in Bar abgewickelte Kaufsumme einen nicht exklusiven Zugriff auf das geistige Eigentum und damit im Wesentlichen auf von HTC gehaltene Patente. Erwartet worden war von vielen Marktbeobachtern allerdings, dass Google die Smartphone-Sparte komplett übernimmt. Das ist aber nicht der Fall.

HTCs CEO Cher Wang sieht in der geschlossenen Vereinbarung eine Bestätigung der seit einem Jahrzehnt gemeinsam vorangetriebenen Entwicklung von Smartphones des oberen Preissegmentes. Gleichzeitig sei es HTC mit der verbleibenden Belegschaft der Sparte möglich, unter eigener Marke ein „klareres Produktportfolio effizienter und finanziell flexibler“ anzubieten. HTC werde auch weiterhin „über die besten Entwickler ihrer Klasse“ verfügen, die aktuell bereits mit der Entwicklung des nächsten Topmodells als Nachfolger des U11 (Test) betraut sind. Die letzten Jahre war dieses Produktsegment allerdings nicht finanziell erfolgreich.

Für Google wiederum bekräftigt die Vereinbarung die Verpflichtung des Konzerns für die Weiterentwicklung von Smartphones und das mit Nachdruck vorangetriebene eigene Hardware-Geschäft.

Google bekommt, was Google will

Der Teilverkauf mag überraschen, in Anbetracht der von Google gesammelten Erfahrungen mit der Übernahme von Motorola erscheint er allerdings nur logisch: Google braucht keinen Smartphone-Hersteller mit eigener Angebotspalette, sondern Unterstützung bei der Entwicklung der eigenen Smartphones der Pixel-Serie. Wie die Investoren hinter HTC den Teilverkauf sehen, bleibt indes abzuwarten: Vorsorglich wurde der Verkauf der Aktie bis auf Weiteres ausgesetzt.

Beide Unternehmen gehen davon aus, die Übernahme vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen bis Anfang 2018 abgeschlossen zu haben.