Im Test vor 15 Jahren: Als Bluetooth am PC nutzbar wurde

Jan-Frederik Timm 71 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Als Bluetooth am PC nutzbar wurde

tl;dr: Der Funkstandard Bluetooth ist heute überall: Jedes Smartphone, jedes Tablet, fast jedes neue Fahrzeug und selbst die günstigsten (mobilen) Lautsprecher bieten den Standard an. Auch bei PC-Tastaturen und Mäusen hat sich das Protokoll mittlerweile etabliert. Vor 15 Jahren sah das noch ganz anders aus.

Die erste Peripherie mit Bluetooth im Test

Am 7. September 2002 hatte ComputerBase mit dem Logitech Cordless Presenter erstmals eine „kabellose Maus“ mit Bluetooth im Test. Angekündigt hatte Logitech die Markteinführung des Cordless Presenter im März zur CeBIT, damals noch die globale IT-Leitmesse. Zum Sommer konnte der Konzern liefern. Die von Microsoft im April 2002 erstmals gezeigte klassische Maus-Tastatur-Kombination Wireless Optical Desktop for Bluetooth kam wiederum erst im Oktober 2002 auf den Markt.

Nicht nur die Kombination aus Maus, Presenter mit Laserpointer und Bluetooth war zum Testzeitpunkt also einmalig. Auch eine klassische Maus mit Bluetooth gab es bis dato noch nicht. Die Schwergewichte Logitech und Microsoft setzten bei drahtlosen Mäusen und Tastaturen zuvor auf die 27-MHz-Technologie, die bei zu vielen Endgeräten auf zu engem Raum allerdings zu Problemen führen konnte und nur drei Meter Reichweite bot. Der Wechsel auf Bluetooth, ursprünglich entwickelt für Kopfhörer und in diesem Segment auch gestartet, erschien da attraktiv.

Erste Bluetooth-Peripherie war teuer

Beide Systeme hatten zu Anfang allerdings ihren Preis: Der Cordless Presenter von Logitech kostete in Deutschland 249 Euro, das Set von Microsoft 199 Euro. Logitechs Gegenangebot Cordless MX Desktop for Bluetooth kostete ein Jahr später genauso viel. Und mit dem diNovo Media Desktop stiegt der Preis um weitere 100 Euro an – auf Basis von Rubberdome-Tastern wohlgemerkt.

Der Konzern aus Redmond erklärte zur Markteinführung: „Microsoft wird seine bestehenden drahtlosen Tastaturen und Mäuse mit 27-MHz-Technologie als kostengünstigere Alternative zu Bluetooth auch weiterhin anbieten.“ Die Vorteile von Bluetooth bei Reichweite, Stromverbrauch, Interferenzen und Verbindungssicherheit ließen sich beide Konzerne also gut bezahlen.

Logitech Spotlight + 100 Gramm

Im Test des Cordless Presenter erwies sich der Zwitter in Bezug auf die Funkverbindung im positiven Sinne als unauffällig. Und als Presenter mit Laserpointer zum Steuern einer Präsentation war er mit seiner Form besser geeignet als als Maus. Von „angenehm leicht“ würde man in Anbetracht des Gewichts von 150 Gramm inklusive Batterien heutzutage allerdings nicht mehr sprechen, denn die aktuelle Generation wiegt in Form des Logitech Spotlight (Test) nur noch 50 Gramm. Anstelle eines Laserpointers kommt im Jahr 2017 eine Softwarelösung zum Hervorheben zum Einsatz, geladen wird heute ein integrierter Akku über USB Typ C.

Ohne USB-Dongle brauchte es Treiber

Sowohl Logitech als auch Microsoft lieferten die Bluetooth-Peripherie mit einem USB-Dongle aus, der die funkende Gegenstelle zu Maus oder Tastatur enthielt. Heute ragen vergleichbare Dongles kaum noch aus dem USB-Typ-A-Steckplatz heraus, damals hatten sie noch die Größe eines USB-Sticks.

Bluetooth-Dongle im USB-Stick-Format
Bluetooth-Dongle im USB-Stick-Format

Der Vorteil der Dongles lag nicht nur darin, dass PCs oder Notebooks ohne Bluetooth mit dem Standard ausgerüstet werden konnten. Es brauchte auch keinen extra Bluetooth-Treiber, denn das Dongle gab die Steuerungsbefehle ja über USB weiter. Um ein direkt angebundenes Bluetooth-Modul am Rechner zu nutzen, benötigten Anwender Mitte 2002 wiederum noch entsprechende Treiber. Erst das zweite Service Pack für Windows XP brachte im Jahr 2004 die nativ im Betriebssystem integrierte Unterstützung mit.

Für einige Anwender war die kabellose Peripherie mit Bluetooth-Dongle damals nicht nur für sich genommen attraktiv: In einer Amazon-Rezension aus dem Jahr 2002 gab ein Anwender als weitere Motivation die Möglichkeit, seinen PC mit Bluetooth auszurüsten, an. So konnte er Daten von seinem Mobiltelefon Sony Ericsson T68i erstmals auch über Funk austauschen.

Proprietäre Standards auch heute stärker

Heute gibt es unzählige Peripherie mit Bluetooth am Markt, zur Marktführerschaft hat es der Standard aber nicht geschafft. Logitech setzt heute überwiegend auf die proprietäre Unifying-Technologie, die Bluetooth mit 2,4 GHz sehr nahe steht, aber inkompatibel ist. Nur die kabellosen Mäuse mit dem Fokus auf professionelle Anwender bieten parallel auch Bluetooth an. 112 Mäuse im Handel nutzen so am Ende Unifying, 33 die Kombination aus Unifying und Bluetooth und nur fünf Mäuse ausschließlich Bluetooth. Microsoft wiederum setzt entweder auf einen eigenen 2,4-GHz-Standard oder Bluetooth. Aber auch in diesem Fall überwiegt das hauseigene 2,4-GHz-Format. Und auch das ist weder mit Bluetooth noch mit Unifying kompatibel.

Im Smartphone steckt schon Bluetooth 5.0

Die erste PC-Peripherie setzte auf Bluetooth 1.1. Mittlerweile gängig ist wiederum Bluetooth 4.x, bei dem zum ersten Mal ein besonders energiesparender Low-Energy-Betriebsmodus implementiert wurde. Mit bis zu 100 Metern Reichweite können Verbindungen damit theoretisch über bis zu zehn Mal längere Entfernungen aufrecht gehalten werden, als noch vor 15 Jahren. Auch die Datenrate ist deutlich gestiegen, der Stromverbrauch gesunken.

Seit dem 6. Dezember 2016 stehen darüber hinaus die finalen Spezifikationen von Bluetooth 5.0 (PDF) fest. Auf Basis dieser Version soll die Reichweite nochmals vervierfacht und die Datenrate abermals verdoppelt worden sein. Erweiterte Möglichkeiten zur Entfernungsmessung zwischen Sender und Empfänger vereinfachen darüber hinaus die Ortung von Endgeräten, was nicht nur für Smart-Home-Applikationen, sondern auch für die Industrie von Interesse ist: Basierend auf dem aktuellen Standpunkt könnten Anwendern so noch zielgerichteter Angebote oder Hilfestellungen zu ausgestellten Produkten präsentiert werden.

Bluetooth 5.0 ist bereits im Smartphone angekommen

Während es bei Bluetooth 4.0 Jahre gedauert hat, bis erste Smartphones die entsprechende Hardware und Software zur Verfügung stellten, wurde der Wechsel auf Bluetooth 5.0 schneller vollzogen. Zahlreiche aktuelle Topmodelle wie Galaxy S8 und S8+ (Test), Lenovo Moto Z2 Force oder Sony Xperia XZ1 unterstützen den neuen Standard bereits. Diese Geräte sind damit auch erstmals in der Lage, zwei externe Lautsprecher oder Kopfhörer parallel über Bluetooth anzusprechen. Weil der Standard weiterhin abwärtskompatibel ist, können die Abspieler dabei auch eine ältere Version einsetzen.

Bei Mäusen und Tastaturen wird es aber auch Bluetooth 5.0 schwer haben. Zum einen sind die spezifischen Neuerungen für diese Produktgruppe nicht von Relevanz, zum anderen werden die Hersteller auch in Zukunft vorrangig die proprietären Funkstandards nutzen.

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In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Bisher in dieser Reihe erschienen sind:

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