iOS 11 im Test: Für iPads und volle Speicher, nicht für kleine iPhones

Jan-Frederik Timm et al. 391 Kommentare
iOS 11 im Test: Für iPads und volle Speicher, nicht für kleine iPhones
Bild: Apple

tl;dr: Heute erscheint das Update auf iOS 11. Unterstützt werden alle iPhones und iPads mit 64-Bit-SoC. Neue Funktionen in der UI gibt es insbesondere für das iPad. Und wer viele Nachrichten mit iMessage nutzt, darf dort endlich Anhänge gezielt löschen. Besitzer kleiner 4-Zoll-iPhones kriegen hingegen wiederholt Platzprobleme.

Diese iPhones, iPads und iPods erhalten iOS 11

Update 20.09.2017 11:23 Uhr

ComputerBase hat den Artikel um erste Erkenntnisse aus der Community erweitert. Häufige Rückmeldungen betreffen die von der Redaktion schon angedeuteten Probleme mit der Akkulaufzeit sowie Apples neuen Umgang mit den WLAN- und Bluetooth-Schaltern im Kontrollzentrum; beide trennen die aktuelle Verbindung nur noch, anstatt das jeweilige Modem auszuschalten.

Update 26.09.2017 10:08 Uhr

Weltweit häufen sich die Beschwerden zur reduzierten Akkulaufzeit unter iOS 11. ComputerBase hat den Artikel über einen Abschnitt zum aktuellen Kenntnisstand zu den Laufzeitproblemen inklusive Verweis auf eine Studie, die das Problem mit objektiven Daten stützt, erweitert.

Update 02.10.2017 13:45 Uhr

ComputerBase hat sich im Laufe der letzten Wochen noch einmal mit verschiedenen Versionen von iOS beschäftigt, um die Akkulaufzeiten auf einem iPhone 7 (Plus) zu vergleichen. Darunter waren iOS 11.0, iOS 11.0.1, iOS 11.1 Beta 1 und iOS 10.3.3.

Apple stellt das kostenlose Update auf iOS 11 allen Anwendern mit iPhone, iPad oder iPod mit 64-Bit-Prozessor zur Verfügung. In der Regel beginnt Apple zwischen 18:00 und 19:00 Uhr deutscher Zeit mit der Verteilung des Updates.

Gegenüber iOS 10 fallen damit nur das iPhone 5 und das darauf basierende iPhone 5c sowie das iPad der 4. Generation aus der Liste. Das iPhone 5 mit Apple A6 sowie das iPad 4. Generation mit Apple A6X stammen beide noch aus dem Jahr 2012, das iPhone 5c als iPhone 5 im Kunststoffgewand aus dem Jahr 2013.

Diese Endgeräte erhalten das Update auf iOS 11
iPhone 7 iPad Pro 12,9 (1./2. Gen.) iPod touch 6. Generation
iPhone 7 Plus iPad Pro 10,5
iPhone 6s iPad Pro 9,7
iPhone 6s Plus iPad Air 2
iPhone 6 iPad Air
iPhone 6 Plus iPad 5. Generation
iPhone SE iPad 4. Generation
iPhone 5s iPad mini 4
iPhone 5c iPad mini 3
iPhone 5 iPad mini 2
durchgestrichen = Geräte mit iOS-10- aber ohne iOS-11-Unterstützung

Gleich zum Start ausgeliefert werden mit iOS 11 am kommenden Freitag das neue iPhone 8 (Plus) sowie Anfang November das neue iPhone X.

SoCs und Apps mit 32 Bit fliegen raus

Mit iOS werden allerdings nicht nur die Endgeräte mit 32-Bit-SoC zurück gelassen, auch Anwendungen ohne 64-Bit-Code werden obsolet. Bereits seit iOS 10 weist Apple beim Aufruf von 32-Bit-Anwendungen sporadisch darauf hin, dass die App langsam laufen könnte und vom Entwickler überarbeitet werden muss. Aufrufen konnte der Nutzer sie dann aber trotzdem. Mit iOS 11 ist Schluss damit: Der Start wird verweigert, weil er auch technisch gar nicht mehr möglich ist. Die Daten sind in der Regel verloren.

Apps in 32 Bit werden in iOS 11 nicht mehr unterstützt
Apps in 32 Bit werden in iOS 11 nicht mehr unterstützt

Eingeführt wurde 64 Bit mit dem Apple A7 im iPhone 5s und iOS 7 im Jahr 2013. Apple hat den Wechsel von 32 auf 64 Bit damit innerhalb von nur vier Jahren vollzogen.

Erste ungewohnte Schritte

Wer iOS 11 als Beta schon länger nutzt, der hat viele oberflächliche Anpassungen gegenüber iOS 10 bereits verinnerlicht. Dazu gehören beispielsweise abermals leicht geänderte Animationen beim Einschalten oder Öffnen und Schließen von Apps. Sofort nach dem Update fallen sie deutlich auf. Das gilt auch für die Rückkehr der Balken-Ansicht zur Veranschaulichung der Netzqualität. Sieben Jahre nach #Antennagate ist die Zeit offensichtlich wieder reif dafür.

Das neue Kontrollzentrum ist anpassbar

Der größte optische und funktionale Bruch mit iOS 10 findet im Alltag der meisten Anwender aber im Kontrollzentrum statt. Das ist jetzt wieder einseitig und kann in Grenzen angepasst werden: Die sieben am Kopf angeordneten Standardfunktionen wie die Übersicht zu den Netzwerken, der Media-Player und Heller/Dunkler sind zwar gesetzt, darunter hat der Anwender über die Einstellungen aber die Auswahl aus weiteren Funktionen. Werden nur x × 4 + 1 Funktion ausgewählt, sieht das mit nur einem Symbol in der letzten Reihe allerdings seltsam aus. Über 3D Touch oder – dann mit Zeitversatz – längeres Halten der Flächen lassen sich teilweise erweiterte Funktionen aufrufen.

Weitere auf den ersten Blick sichtbare Veränderungen betreffen angepasste Symbole für iTunes und App Store sowie Apple Maps mit dem neuen Campus im UFO-Design. Wer App-Symbole verschieben oder löschen will, freut sich über die Möglichkeit, endlich auch den iBook-Store vom Startbildschirm tilgen zu können. Diese App hatte Apple von der neuen Option in iOS 10 bisher noch ausgenommen.

Live Photos sind Standard, QR-Codes werden verstanden

Wer viel klassische Fotos aufnimmt, aber aus Gewohnheit nicht jedes Mal die Einstellungen überprüft, dem sei wiederum gesagt: Live Photo ist nach der Installation von iOS 11 in jedem Fall wieder als Standard aktiv und muss erst manuell deaktiviert werden. Live Photos erhalten mit Schleifen, Bounce-Effekt und Langzeitbelichtung neue Funktionen. Außerdem lässt sich nun definieren, welche Aufnahme des Live Photos als Standbild verwendet werden soll. Erstmals von der Kamera verstanden werden auch QR-Codes.

Erstmals mit Screen-Recording

Alle Screenshots und die kurzen Videos in diesem Bericht wurden mit den neuen Möglichkeiten aus iOS 11 erstellt. Screenshots werden nach dem Erstellen (Homebutton + An/Aus-Schalter) neuerdings noch für eine kurze Zeit als Thumbnail in der unteren linken Bildschirmecke angezeigt und können nach einem Fingertipp darauf ohne Umweg für die Fotos-App bearbeitet werden.

Über einen neuen optionalen Button im Kontrollzentrum können darüber hinaus jetzt aber erstmals Videos der Benutzeroberfläche ohne (vormals nicht geduldete) Drittanbieter-Apps oder Lightning-Dongle erstellt werden. Die Aufnahme startet mit drei Sekunden Zeitverzug, so dass nur am Ende der Aufnahme das Stoppen der Aufnahme aus dem Video geschnitten werden muss.

Multi-Tasking-Steroide für das iPad

Im alltäglichen Umgang werden vor allem iPad-Inhaber mit gravierenden Neuerungen in iOS 11 in Kontakt kommen. Das fängt bei der Darstellung des neuen Docks losgelöst vom Displayrand an, zieht sich über dessen freie Konfiguration mit deutlich mehr Apps fort und gipfelt in den neuen Multi-Tasking-Möglichkeiten inklusive Drag'n'Drop über Fenstergrenzen hinweg.

Wie von macOS gewohnt, können Anwender in iOS 11 Desktops mit mehreren aktiven Apps konfigurieren und erhalten mit dem Doppelklick auf den Homebutton nicht mehr die bekannte App-Schließen-Ansicht sondern einen Überblick über alle offenen Apps inklusive deren Anordnung in Mehr-Fenster-Desktops. Das ist beim Desktop-Betriebssystem als vormals Exposé und heute Mission Control seit Urzeiten bekannt.

Textstellen oder Bilder lassen sich in iOS 11 erstmals mit dem Finger von einem Fenster auf dem Bildschirm in das andere kopieren, alternativ können Sie über die Taskleiste auch in nicht aktiven Apps abgelegt werden. Dabei lassen sich Inhalte auch im Stapel kopieren: Mehrere Fotos gleichzeitig von Apple Fotos in iMessage zu überführen ist damit kein Problem.

Die neuen Möglichkeiten können auch in der neuen App Files genutzt werden. Über die Anwendung verpasst Apple dem mobilen Betriebssystem einen rudimentären Explorer/Finder, der neben den lokal gespeicherten Dateien auch Daten aus dem iCloud Drive oder anderen konfigurierten Cloud-Anbietern integrieren kann.

Die neue App Files (hier auf dem iPad)
Die neue App Files (hier auf dem iPad) (Bild: Apple)

Mehr Einsatzmöglichkeiten für den Apple Pencil

Ohne Umwege in mehr Situationen einsetzen lässt sich auch der Apple Pencil. Über die neue Funktion „direkte Kommentare“ können erstellte Screenshots oder PDF-Dateien direkt mit Stiftnotizen versehen werden und durch Tippen auf den Sperrbildschirm wechselt der Anwender in die Notizen-Ansicht und kann ohne Umwege Aufzeichnungen erstellen.

Platzangst auf 4-Zoll-iPhones

iOS 11 setzt an vielen Stellen auf größere Schriften. Am offensichtlichsten wird das im neuen App Store, aber auch in anderen Anwendungen wie Mail oder iMessages stechen Überschriften wie „Nachrichten“ deutlich stärker hervor. Auf großen Endgeräten fällt das auf und kann nerven, auf kleinen 4-Zoll-iPhones ist der durch die neue Darstellung zusätzlich eingeforderte Platzbedarf allerdings verhältnismäßig groß.

Nach mehreren Wochen mit iOS 11 fällt der Unterschied zwar nur noch im direkten Vergleich auf, zu Anfang war der Verlust an Übersichtlichkeit allerdings deutlich wahrnehmbar – und an dieser zugrundeliegenden Tatsache ändert sich auch nach einer Eingewöhnung nichts. Platzsparend sieht anders aus.

Der Media-Player und 4,0 Zoll vertragen sich nicht

An anderer Stelle sind es wiederum geschrumpfte Bedienelemente, die Probleme bereiten: Im Kontrollzentrum fällt es auf einem iPhone SE trotz Übung bei auf dem Tisch liegenden Gerät immer noch schwer, im Feld für die Mediensteuerung Play oder Pause zu drücken, ohne versehentlich vor oder zurück zu spulen.

Die kleinen Endgeräte wie das aktuell noch immer angebotene iPhone SE und das noch unterstütze iPhone 5s leiden hier fraglos unter dem Fokus der Entwicklung für die größeren Display-Diagonalen. Sie stellen aber eben auch nur noch zwei der elf noch unterstützten iPhones.

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