Fake Games: Valve entfernt 173 Schrottspiele von Steam

Max Doll 89 Kommentare
Fake Games: Valve entfernt 173 Schrottspiele von Steam
Bild: Tero Lunkka

Mit einer Reihe von Maßnahmen, darunter die Ablösung von Steam Greenlight durch Steam Direct, wollte Valve der Flut an Schrottspielen auf der Verkaufsplattform Herr werden. Nun hat das Unternehmen 173 Spiele aus dem Shop gestrichen – die alle vom selben Entwickler veröffentlicht wurden.

Die Spiele stammen von einem Studio, das unter zwölf verschiedenen Namen eine Vielzahl fast identischer Ware auf Steam veröffentlicht hat. Dieser Spiele-Spam konnte beachtliche Ausmaße annehmen: Der YouTuber SidAlpha analysierte, dass die Entwickler im Alleingang für zehn Prozent aller in den Monaten Juli und August über Steam veröffentlichten Spiele verantwortlich waren. Diese von Valve als „Fake Games“ bezeichneten Asset Flips wurden ohne nennenswerte Eigenleistung aus vorgefertigten Modulen zusammengestellt, die über den Marktplatz der Unity-Engine eingekauft wurden.

Steam Direct funktioniert nicht

Diese Module haben die Entwickler zudem ausgiebig genutzt und, wie Jim Sterling auf YouTube zeigt, mehrfach mit minimalen Variationen verwendet. So etwa im Falle von Racoon Hero, einer Pong-Variation. Das gesamte Projekt ist für rund 50 US-Dollar im Unity-Store verfügbar und wurde in mindestens fünf Spielen mit variiertem Hintergrundbild verwendet. Die 100 US-Dollar Gebühr, die Valve für jedes Spiel im Direct-Programm erhebt, hat hier keine abschreckende Wirkung entfaltet.

Im Gegenteil haben die Entwickler, so SidAlpha, gleich mehrere Spiele in einem Direct-Vorgang gebündelt und so Gebühren gespart. Jim Sterling kommt unter anderem deshalb zu dem Schluss, dass das Self-Publishing-System derzeit ein Fehlschlag ist: Ohne zumindest rudimentär auf das Wohlwollen der Nutzer angewiesen zu sein, sei die Qualität der Schrottspiele noch einmal massiv gesunken – während die Flut an Müllprodukten unverändert andauere.

Der Sinn liegt in Sammelkarten

Gewinn wird dabei nicht mit dem Verkauf der Spiele erzielt; Titel dieser Machart füllen günstige Bundles der absoluten Ramschklasse. Vielmehr profitieren die Entwickler vom Sammelkarten-System, weil sie an jeder Transaktion beteiligt werden und Nutzer mit deren Verkauf den Preis eines Spielebundles mehr als einspielen können. Diesem Missbrauch der Plattform hat Valve schon seit geraumer Zeit den Kampf angesagt.

Spamming cloned games or manipulating our store tools isn’t something we will tolerate. Our priority is helping players find games they will enjoy playing.

Valve

Die Reaktion des Unternehmens fiel entsprechend deutlich aus, zumindest Spiele eines Asset-Flip-Studios sind nun nicht mehr im Shop zu finden. Gegenüber Polygon begründete Valve den Schritt mit Beeinträchtigungen des „Shops und unserer Werkzeuge“, worunter unter anderem der Bezug kostenloser Aktivierungsschlüssel fällt, den Valve zuletzt etwas eingeschränkt hat. Durch das massenhafte Veröffentlichen „nahezu identischer Produkte“ sei es Kunden schwerer gemacht worden „spaßige Spiele zum Spielen zu finden“.

Während die Reaktion durchaus befriedigend ist, wird damit aber das grundsätzliche Problem nicht gelöst. Valve reagiert lediglich auf Symptome ohne die Ursache zu bekämpfen.