Im Test vor 15 Jahren: Die Radeon 9000 hatte mit 128 MB DDR-SDRAM ein Problem

Robert McHardy 96 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Die Radeon 9000 hatte mit 128 MB DDR-SDRAM ein Problem

tl;dr: Die ATi Radeon 9000 war eine beschnittene Radeon 8500 LE, die im Test vor 15 Jahren durch ihre fragliche anisotrope Filterung und ein Problem mit dem 128-MByte-Modell auffiel. Insgesamt war die Grafikkarte – zumindest mit 64 MByte Grafikspeicher – aufgrund des geringen Preises von 89 Euro trotzdem empfehlenswert.

Radeon 9000 als beschnittene Radeon 8500 LE

Bei der Radeon-9000-Serie handelte es sich um ATis zweite Generation DirectX-8-fähiger Grafikchips. Gegenüber den im gleichen Zeitraum vorgestellten ersten DirectX-9-Grafikkarten wie der Radeon 9700 Pro sollten die ATi-Chips vor allem durch den geringen Preis überzeugen.

Die ATi Radeon 9000 basierte auf der R250-GPU, die gegenüber der R200-GPU der Radeon 8500 LE um eine Textureinheit und einen Vertex-Shader beschnitten wurde. Durch den beschnittenen Chip erklärte sich die geringere Texel-Füllrate und Transform-and-Lighting-Leistung. Zudem verzichtete ATi bei dem R250 auf die in Hardware beschleunigte Unterstützung von Freiformflächen, sodass diese auf der CPU berechnet werden mussten.

Features der Einstiegsmodelle im Vergleich
Radeon 9000 Radeon 9000 Pro Radeon 7500 Radeon 8500 LE
Chiptakt 250 MHz 275 MHz 290 MHz 250 MHz
Speichertakt 200 MHz 275 MHz 230 MHz 250 MHz
Speicherbus (DDR) 128 Bit 128 Bit 128 Bit 128 Bit
Speicherbandbreite 6,4 GByte/s 8,8 GByte/s 7,36 GByte/s 8,0 GByte/s
Rendering-Pipelines 4 4 2 4
TMUs je Pipeline 1 1 3 2
max. Pixelfüllrate 1,0 GPix/s 1,1 GPix/s 0,58 GPix/s 1,0 GPix/s
max. Texelfüllrate 1,0 GTex/s 1,1 GTex/s 1,74 GTex/s 2,0 GTex/s
Texturen pro Pass 6 6 3 6
Transistoren ~36 Mio. ~36 Mio. n. a. ~60 Mio.
TnL-Leistung ~39 MT/s ~43 MT/s ~45 MT/s ~62,5 MT/s
Shader / TnL Pixelshader 1.4, VS 1.1 Pixelshader 1.4, VS 1.1 DX7-T&L Pixelshader 1.4, VS 1.1

Gegenüber der normalen Radeon 9000 bot die Pro-Version einen höheren Speicher- und GPU-Takt, woraus sich eine 10 Prozent höhere Pixel- und Texelfüllrate und eine um 2,4 GByte/s höhere Speicherbandbreite ergab. Neuerungen im Vergleich zu der R200-GPU der Radeon 8500 LE umfassten zwei integrierte RAMDACs für Multi-Monitoring, per Pixelshader gefilterte Videostreams und einen integrierten TV-Encoder. Die Radeon 9000 gab es mit 64 und 128 MB DDR-SDRAM. Mehr war in diesem Fall aber ein Problem.

Fragliche anisotrope Filterung

Die Radeon 9000 setzte wie auch die Radeon 8500 LE auf eine fragliche Implementierung der anisotropen Filterung. Die GPU musste auf bilineare Filterung zurückschalten, wenn anisotrope Filterung genutzt wurde, während die GeForce3 trilineare Filterung nutzen konnte. Der Hauptkonkurrent der Radeon 9000, die GeForce4 MX, konnte bei maximal zweifacher anisotroper Filterung noch trilineare Filterung einsetzen, danach wurde ebenfalls auf bilinear zurückgeschaltet.

Im Test fiel die fragliche Bildqualität der Radeon 9000 bei anisotroper Filterung auf; auf den Screenshots ist sie im Vergleich zu der Filterqualität der GeForce3 zu sehen. Es stellte sich dabei heraus, dass je weiter sich der Winkel einer zu texturierenden Fläche 45° annäherte, desto geringer war der tatsächlich genutzte AF-Level – in den Screenshots machte sich dies in Form der entstandenen „Ohren“ bemerkbar. Bei der GeForce3 war dieses Verhalten ebenso zu beobachten, allerdings in deutlich weniger stark ausgeprägter Form.

Übertaktung war nicht möglich

Im Test konnte ComputerBase bei den normalen Radeon 9000 feststellen, dass es über die vor 15 Jahren verbreiteten Tools Powerstrip und Rage3D-Tweaker nicht möglich war, die GPU-Frequenz zu erhöhen. Der verbaute Speicher konnte zwar übertaktet werden, allerdings nicht in dem Rahmen, in dem die verbauten Chips spezifiziert waren; eine Leistungssteigerung stellte sich ebenso nicht ein. Anders die Radeon 9000 Pro, bei der problemlos Chip- und Speichertakt auf 300 MHz angehoben werden konnten.

Mit 128 MByte Speicher hatte die Radeon 9000 Probleme

In Aquanox konnte sich die beschnittene Radeon 9000 in niedrigeren Auflösungen noch gegen den Vorgänger Radeon 7500 durchsetzen und auch die GeForce3 Ti200 nahezu einholen. Durch die höhere Bandbreite und Füllrate war es der Pro-Version möglich, sich um ganze 17 Prozent von der normalen Variante abzusetzen und auch die Radeon 8500 hinter sich zu lassen. In den größeren Auflösungen machte sich die höhere Füllrate der Radeon 8500 LE bemerkbar, die die Radeon-9000-Serie ausnahmslos überholte. In 1.600 × 1.200 Bildpunkten konnte sogar die DirectX-7-Karte Radeon 7500 dank höherer Texelfüllrate die Radeon 9000 (Pro) einholen.

Auffällig: Die Radeon 9000 mit 128 MByte Grafikspeicher lag 16 Prozent hinter der 64-MByte-Version – ein Bild, das sich auch in anderen Benchmarks zeigte. Diese Beobachtung konnten auch andere Magazine nachvollziehen. Da der Takt des Grafikspeichers bei beiden Modellen identisch war, fiel dies als Erklärung für die niedrigere Leistung des 128-MByte-Modells weg. Eine mögliche Erklärung war, dass ATi im Zuge der Überarbeitung der R200-GPU ein Fehler beim Speichercontroller passierte – die Radeon 8500 LE profitierte noch von der doppelten Speichermenge. Andererseits konnte die niedrigere Leistung ihre Ursache auch darin gehabt haben, dass die Speicherchips mit einer höheren Latenz betrieben werden (mussten). Abschließend konnte ComputerBase dies nicht klären.

Ein ähnliches Bild wie in Aquanox zeigte sich in der OpenGL-Version von Serious Sam: The Second Encounter. Je nach Auflösung lag die Radeon 9000 Pro zwischen fünf und 18 Prozent vor der normalen Version mit 64 MByte Grafikspeicher und diese wiederum zwischen zehn und 21 Prozent vor der 128-MByte-Variante. Die Radeon 8500 LE ordnete sich – trotz der nominal höheren Leistung – durchgehend zwischen den beiden 9000er-Modellen, was einigen Optimierungen an den Texturcaches zu verdanken war.

Im CPU-limitierten Ultima IX lag das Testfeld in Auflösungen bis 1.280 × 1.024 Pixeln nur wenige Prozent auseinander – mit Ausnahme der Xabre 400. In 1.600 × 1.200 Bildpunkten zeichnet sich das gewohnte Bild ab: Radeon 9000 Pro vor Radeon 9000 mit 64 MByte vor der 128-MByte-Version. Da der Titel ohne Geometriebeschleunigung auskam, konnte sich die Radeon-9000-Serie recht gut gegen die unbeschnittene Radeon 8500 LE halten.

Ein preisgünstiger DirectX-8-Einstieg

Für einen Preis von 89 Euro für die Radeon 9000 (64 MByte) respektive 109 Euro für die anderen beiden Modelle mit 128 MB und als Pro bot ATi einen günstigen DirectX-8-Einstieg. Die allgemein gute 3D-Leistung, der leise Lüfter und der günstige Preis konnten über die beiden offensichtlichen Mankos, die fragliche anisotrope Filterung und keine in Hardware beschleunigten Freiformflächen, hinwegtrösten. Einzig von der 128-MByte-Version der Radeon 9000 musste ComputerBase aufgrund der im Vergleich erheblich niedrigeren Leistung abraten.

Für Enthusiasten die deutlich spannendere Grafikkarte war damals ohne Zweifel aber die Radeon 9700 Pro mit ATi R300.

Wie viel hat deine teuerste Grafikkarte dich gekostet (seit Euro)
  • bis 149 Euro
    2 %
  • 150 bis 249 Euro
    14 %
  • 250 bis 349 Euro
    26 %
  • 350 bis 499 Euro
    25 %
  • 500 bis 699 Euro
    16 %
  • über 700 Euro
    17 %

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