Pixel 2 (XL) im Test: Googles beste Smartphones haben ein Display-Problem

Nicolas La Rocco 159 Kommentare
Pixel 2 (XL) im Test: Googles beste Smartphones haben ein Display-Problem
Bild: Google

tl;dr: Googles zweite Pixel-Generation setzt die Rezeptur der ersten fort: sehr gute Kamera, hochwertige Verarbeitung, schnelle Hardware, aktuelles Android und sehr hoher Preis. Pixel 2 und Pixel 2 XL sind besser als ihre Vorgänger und spielen weit vorne mit. Ihre Schwachstelle ist das Display, insbesondere beim Pixel 2 XL.

HTC und LG fertigen für Google

Google will ein richtiger Hardware-Hersteller sein, so wie es Apple, Huawei oder Samsung sind. Erst im September hat Google dafür 1,1 Milliarden US-Dollar investiert und die für das erste Pixel verantwortliche Truppe an HTC-Mitarbeitern aus dem taiwanischen Konzern heraus gekauft. Zugriff auf das geistige Eigentum und damit im Wesentlichen auf von HTC gehaltene Patente erhält Google mit der Investition ebenfalls.

Gerüchten zufolge sollten Pixel 2 und Pixel 2 XL einmal beide von HTC stammen, Fakt ist aber, dass LG Fertiger des Pixel 2 XL geworden ist – mit allen Vor- und Nachteilen. Außerdem kann sich Google nach wie vor nicht vollständig von dem lösen, was der Fertiger des Pixel-Smartphones nicht schon in einem anderen Gerät unter eigenem Namen anbietet.

Das Pixel 2 XL ähnelt in Sachen Hardware dem LG V30, das kleine Pixel 2 dem HTC U11 (Test). Nach der ersten Pixel-Generation zeigen somit auch Pixel 2 und Pixel 2 XL, dass Google noch kein richtiger Hardware-Hersteller ist, der vollständig maßgeschneiderte Geräte entwirft. Beim Pixel 2 XL und dessen Display fällt das stärker auf als beim Pixel 2 – dazu aber später im Test mehr.

Klein und groß mit gleicher Ausstattung

Zunächst einmal sind die neuen Pixel wieder High-End-Smartphones, die sich nur hinsichtlich Größe und davon abgeleitet Display und Kapazität des Akkus unterscheiden. Beide Geräte bieten ansonsten eine identische Ausstattung.

Sieht man einmal von der aufgefrischten Hardware wie dem Snapdragon 835 (Test) ab und beschränkt sich auf die neuen Features, dann sind das die Stereo-Lautsprecher auf der Front, der drucksensitive Rahmen, um den Google Assistant zu starten, der optische Bildstabilisator der Kamera und das Gehäuse mit IP67-Zertifizierung. Weggefallen ist aber auch etwas: die Klinkenbuchse.

Im letzten Jahr noch als Highlight hervorgehoben und Apple damit verspottet, fehlt die 3,5-mm-Buchse jetzt selbst beim Verfechter Google. Noch nicht einmal Kopfhörer liegen den bis zu 1.049 Euro teuren Smartphones bei.

Google Pixel 2
Google Pixel 2 XL
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.0
Display: 5,00 Zoll
1.080 × 1.920, 441 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
6,00 Zoll
1.440 × 2.880, 537 ppi
POLED, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540
710 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 GB
Kamera: 12,2 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
f/2,4
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓800 ↑75 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 2.700 mAh (10,39 Wh)
fest verbaut
3.520 mAh (13,60 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 69,7 × 145,7 × 7,80 mm 76,7 × 157,9 × 7,90 mm
Schutzart: IP67
Gewicht: 143 g 175 g
Preis: ab 799 € / 909 € ab 1.149 € / 1.049 €

Design im Überblick

Das kleinen Pixel 2 kostet zwischen 799 und 909 Euro, das größere Pixel 2 XL zwischen 939 und 1.049 Euro. Unabhängig davon, für welches Modell man sich entscheidet: Der hohe Preis wird mit einer sehr hochwertigen Materialwahl und vorzüglicher Verarbeitung belohnt. Google hat HTC und LG zudem insofern unter Kontrolle, dass sich die Smartphones nicht unterschiedlich anfühlen, obwohl sie aus unterschiedlichen Fabriken in Korea und Taiwan stammen. Das sandgestrahlte Aluminium ist bei beiden Varianten identisch und verleiht den Geräten ein gutes sowie sicheres Gefühl in der Hand.

Von hinten betrachtet sehen sich Pixel 2 und Pixel 2 XL zum Verwechseln ähnlich, zwei kleine Unterschiede gibt es dann aber doch. Zum einen ist das Google-Logo nur beim Pixel 2 XL glänzend und leicht hervorgehoben, zum anderen sind die Positionen von Kamera und LED-Blitz jeweils getauscht: Beim Pixel 2 sitzt der Blitz außen, beim Pixel 2 XL die Kamera. Beim Pixel 2 sitzen beide Bauteile zudem etwas höher in der oberen Abdeckung aus Glas, mit der Google die Rückseite frei von Antennenlinien hält.

Erst von vorne betrachtet offenbart sich der größte Unterschied zwischen den Modellen. Das Pixel 2 XL folgt ganz klar dem Trend aktueller Smartphones, deren Displayränder auf ein Minimum reduziert worden sind. Weil Google aber Stereo-Lautsprecher auf der Front unterbringt, zählt das Pixel 2 XL nicht zu den extremen Modellen dieser neuen Kategorie „randloser“ Smartphones. Oberhalb und unterhalb des Displays bleibt jeweils gut ein Zentimeter frei. Und auch links und rechts zieht Google das Display nicht bis in den Rahmen, wenngleich das elegant abgerundete Glas dies zunächst suggeriert. Das Display hört aber bereits rund 3 Millimeter vor dem Rand auf.

Stereo-Lautsprecher bietet ebenfalls das kleine Pixel 2, allerdings hätte Google auf der zur Verfügung stehenden Fläche auch eine 5.1-Anlage unterbringen können. Mit gut 17 Millimetern „Stirn“ und „Kinn“ sind die Bereiche rund um das Display sogar noch einen Hauch größer als beim ersten Pixel. Immerhin klingen die Lautsprecher beim kleinen Modell gut, die des großen hingegen erstaunlich schlecht. Stereo-Lautsprecher hin oder her: Das Pixel 2 wirkt mit seinem altbackenen Design mehr wie ein Smartphone, das im vorletzten Jahr angekündigt wurde. Schade, dass Google den modernen Look nur dem Pixel 2 XL spendiert hat. Das kleine Pixel 2 punktet aber dennoch mit einem klaren Vorteil gegenüber seinem großen Bruder, der nichts mit der Größe zu tun hat.

POLED-Murks

Das Pixel 2 mag das kleinere, günstigere und deshalb vermeintlich schwächere der beiden Smartphones sein, es hat auf der Habenseite aber Samsung als Zulieferer des Displays. Nach mehreren Jahren mit IPS-Displays ist LG mit dem zur diesjährigen IFA vorgestellten V30 wieder bei kleinen OLED-Displays aktiv. Seit dem G Flex 2 (Test) hatte LG kein Smartphone mehr mit OLED-Display auf den Markt gebracht, sondern sich vollständig auf den TV-Markt konzentriert und ausschließlich große OLED-Displays produziert – und das erfolgreich. Auch Sony verbaut diese in seinen Fernsehern.

Dass LG respektive LG Display schon vor der langjährigen Pause Qualitätsprobleme bei der OLED-Fertigung hatte, haben schon G Flex und G Flex 2 gezeigt, als sie auf den Markt kamen. Streifige Displays, fleckige Darstellung und das Einbrennen von dauerhaft an derselben Stelle angezeigten Android-Symbolen waren vor allem beim ersten G Flex auffällig. Mit dem G Flex 2 besserte sich die Situation, auf demselben Niveau wie Samsungs Panels lagen die OLED-Displays von LG aber nicht. Und das hat sich bis heute nicht verändert, wenngleich das Pixel-2-XL-Testgerät der ComputerBase-Redaktion im Vergleich zu manchem Gerät aus den USA nur leicht betroffen ist.

Die von Google in den USA ausgehändigten Testgeräte gingen deutlich früher an Journalisten als hierzulande, weshalb diese Geräte vermutlich aus einer früheren Charge stammen, die stärker von den Problemen betroffen ist. Denn erneut stehen Probleme wie eine Streifenbildung, fleckige Darstellung vor allem bei niedriger Helligkeit, flaue Farben, Verfärbungen und das Einbrennen von Android-Symbolen im Mittelpunkt der Kritik. Vor allem das Einbrennen von Symbolen hat Google dazu veranlasst, die Sache jetzt offiziell zu untersuchen.

Das von ComputerBase getestete Pixel 2 XL fällt hingegen vor allem durch ein Display mit sichtbarem Blaustich auf, der deutlich intensiviert wird, sobald das Smartphone nicht perfekt frontal betrachtet wird. Schon bei leichten Veränderungen des Blickwinkels ist ein deutlicher Blauschleier wahrnehmbar. Mit diesem Problem hat das kleine Pixel 2 nicht zu kämpfen.

Zudem wird im Netz eine eher bescheidene Farbdarstellung beim Pixel 2 XL bemängelt, was aber nur eingeschränkt den Tatsachen entspricht. Fakt ist, dass Google beide Varianten des Pixel 2 Richtung sRGB kalibriert hat, was angesichts oftmals übertrieben voreingestellter Displays, die besonders lebendige Farben darstellen sollen, in der Tat etwas trüb aussieht. Für viele Nutzer haben aber auch Displays mit korrekt eingestelltem Weißpunkt einen Gelbstich, weil sich der Nutzer nach Jahren des Starrens auf kühles Monitorweiß einfach daran gewöhnt hat. Dennoch ist die Farbdarstellung des Pixel 2 XL im Vergleich zum Pixel 2 unterlegen. In erster Linie betrifft das Farben wie Gelb, Orange oder Rot, die „dreckig“ erscheinen und nicht so intensiv leuchten wie auf dem Pixel 2. Googles Farben von Apps wie YouTube, Play Music oder Keep machen das deutlich.

Die fleckige Darstellung und Streifenbildung, wie sie zum Beispiel Ars Technica festgestellt hat, hat das ComputerBase-Testgerät zum Glück nicht beziehungsweise kaum. Erst bei vollständig reduzierter Helligkeit lässt sich auf großen einfarbigen Flächen in Weiß oder Hellgrau, etwa in den Einstellungen oder im Play Store, wie bei den Beispielen von Ars Technica eine Fleckenbildung ausmachen. Vor allem im direkten Vergleich mit dem Pixel 2 und in einem vollständig abgedunkelten Zimmer ist dies der Fall. Das Problem des Einbrennens hat das ComputerBase-Testgerät bisher nicht.

Samsung-OLED im kleinen Pixel 2

Doch auch beim kleinen Pixel 2 ist nicht alles perfekt, wenngleich dies nur die Helligkeit betrifft. Obwohl das Panel von Samsung stammt, fehlt wie beim Pixel 2 XL der für den Hersteller übliche Boost für die Helligkeit, der normalerweise dann einsetzt, wenn der Lichtsensor helles Umgebungslicht erkennt. Aber selbst mit heller LED-Taschenlampe ließ sich der Boost nicht provozieren – auch nicht bei LG. Deshalb schneiden beide Modelle beim Thema Helligkeit vergleichsweise schlecht ab. Immerhin wird von beiden Geräten das Pixel XL aus dem Vorjahr geschlagen. Das Galaxy S8 strahlt aber zwischen 17 und 32 Prozent heller, das iPhone 8 Plus über 40 Prozent heller als das Pixel 2 XL. Dafür fällt bei Google der Kontrast wie für OLED-Displays üblich sehr gut aus.

Nichtsdestoweniger sind letztlich beide Displays nicht gut genug für die Preisklasse. Das Pixel-2-Panel ist das bessere der beiden, wäre es nur nicht so dunkel und hätte es Google weniger altbacken mit dünneren Rändern verpackt. Beim Pixel 2 XL stimmt das Design mit dünneren Rändern und abgerundeten Ecken, dafür erreicht das Panel selbst aber noch lange nicht die Qualität von Samsung. Unterm Strich sind beide Varianten von Samsung und speziell LG nicht gut genug, um in der 1.000-Euro-Liga mitzuspielen.

Auf der nächsten Seite: Fantastische Kamera