Im Test vor 15 Jahren: Schummelei wurde beim SiS Xabre 400 groß geschrieben

Robert McHardy 106 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Schummelei wurde beim SiS Xabre 400 groß geschrieben

tl;dr: Heute dominieren AMD und Nvidia den Markt für dedizierte Grafikkarten, vor 15 Jahren hatten die Hersteller im Consumer-Bereich noch Konkurrenz. Der Xabre 400 von SiS war ein DirectX-8-tauglicher Grafikchip für lediglich 80 Euro, der alledings vor allem durch seine Schummelei bei der Leistung beeindruckte.

Der SiS Xabre 400

Der Xabre 400 verfügte über vier Rendering-Pipelines mit jeweils zwei Textureinheiten. Mit einer Texelfüllrate von zwei GPix/s und einer Pixelfüllrate von einem GPix/s stand er der Konkurrenz in Form der ATi Radeon 7500 (Test) und Nvidia GeForce3 (Test) in Nichts nach. Die hatten zwar schon ihre Nachfolger erblickt, waren aber trotzdem noch teurer. Allen Grafikkarten gemein war auch der 128 Bit breite Speicherbus. Und durch den höheren Speichertakt von 250 MHz konnte der Xabre 400 gegenüber den anderen Modellen mit 8,0 GByte/s sogar einen höheren Durchsatz verbuchen.

Ein interessantes Feature der von ComputerBase vor 15 Jahren getesteten gleichnamigen Inno3D Xabre 400 war zudem die Unterstützung des AGP-8×-Modus. Da die Redaktion damals aber über kein geeignetes Motherboard verfügte, musste die Grafikkarte allerdings im AGP-4×-Modus, der auch von Nvidia und ATi unterstützt wurde, getestet werden.

Technische Daten in der Übersicht
  Xabre 400 GF4 MX 440 Radeon 7500 GeForce3
Chiptakt 250 MHz 270 MHz 290 MHz 200 MHz
Speichertakt 250 MHz 200 MHz 230 MHz 230 MHz
Speicheranbindung 128 Bit DDR 128 Bit DDR 128 Bit DDR 128 Bit DDR
Speicherbandbreite 8,0 GB/s 6,4 GB/s 7,36 GB/s 7,36GB/s
Rendering-Pipelines 4 2 2 4
TMUs je Pipe 2 2 3 2
Pixelfüllrate 1,0 GPix/s 0,54 GPix/s 0,58 GPix/s 0,8 GPix/s
Texelfüllrate 2,0 GPix/s 1,08 GPix/s 1,74 GPix/s 1,6 GPix/s
max. Texturen pro Pass 4** 2 3 4
TnL-Leistung keine Angabe 34,37 MT/s 45 MT/s 50 MT/s
FSAA-Technik Jitter FSAA Accuview MS Supersampling HRAA MS
MultiMonitor-Support nein nView Hydravision nein

Auffällig bei der Xabre 400 war der winzige Kühler. Im Test stellten sich sowohl Chip als auch die 64 MByte Videospeicher aber in der Tat als so anspruchslos in puncto Kühlung heraus, dass eine wuchtigere Kühlung keine Vorteile gebracht hätten.

In Sachen Anschlüsse wurde mit DVI, VGA und einem TV-Ausgang, der über einen Zusatzchip angesteuert wurde, für damalige Verhältnisse alles notwendige geboten. Anders als bei ATi und Nvidia konnte die Grafikkarte allerdings keine zwei Monitore mit unterschiedlichen Auflösungen oder Bildwiederholfrequenzen ansteuern. Ursache dafür war, dass lediglich ein RAMDAC verbaut wurde.

Leistungsnachbrenner mit TurboTex

ATi und Nvidia hatten es teils heimlich gemacht, bei SiS wurde es als Feature verkauft: Die Bildqualität über den Treiber zu beschränken, um die Leistung zu steigern. Unter dem Namen TurboTex vermarktete SiS die Möglichkeit, sämtliche in Spielen oder Benchmarks vorgenommenen Einstellungen treiberseitig zu überschreiben. In dem theoretischen Test VillageMark konnte ComputerBase eine Leistungssteigerung um den Faktor 3,7 mit der höchsten gegenüber der niedrigsten TurboTex-Stufe erzielen.

Xabre Filtering -TTex0
Xabre Filtering -TTex0
Xabre Filtering -TTex1
Xabre Filtering -TTex1
Xabre Filtering -TTex3
Xabre Filtering -TTex3

Dafür waren einige Einschränkungen bei der Bildqualität hinzunehmen. Je nach eingestellter TurboTex-Stufe wurde beispielsweise jedwede Art von triliniearer Filterung unterbunden oder das Mipmap-Level-of-Detail soweit heruntergeschraubt, dass alle Texturen in niedrig aufgelöster Form dargestellt wurden. Und standardmäßig war die höchste TurboTex-Stufe im Treiber aktiviert.

Xabre TTex0 Ultima IX
Xabre TTex0 Ultima IX
Xabre TTex1 Ultima IX
Xabre TTex1 Ultima IX
Xabre TTex3 Ultima IX
Xabre TTex3 Ultima IX

In Spielen waren die Artefakte nicht so deutlich sichtbar, wie in dem Programm, das ComputerBase verwendete, um die Texturfilterung zu testen. Dennoch waren verwaschene Texturen und Grafikartefakte deutlich sichtbar.

Farbtiefen-Schummelei und Anti-Aliasing-Desaster

In den Spielebenchmarks lag der Xabre 400 in den höheren TurboTex-Stufen gleichauf bis leicht hinter der ATi Radeon 7500. Bei Aktivierung der niedrigsten TurboTex-Stufe sank die Leistung in vielen Spielen aber erheblich ab, sodass teilweise nicht mehr genug Bilder pro Sekunde für ein flüssiges Spielerlebnis gerendert wurden.

Serious Sam SE D3D v1.07
  • 1024x768x32:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      54,5
    • Inno3D Geforce4 MX440
      45,1
    • Inno3D Xabre400 default
      29,3
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      28,3
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      26,0
    • ATi Radeon7500
      25,2
  • 1152x864x32:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      49,6
    • Inno3D Geforce4 MX440
      38,9
    • ATi Radeon7500
      23,8
    • Inno3D Xabre400 default
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
  • 1280x1024x32:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      44,2
    • Inno3D Geforce4 MX440
      32,9
    • Inno3D Xabre400 default
      25,1
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      23,7
    • ATi Radeon7500
      22,5
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      20,0
  • 1600x1200x32:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      33,7
    • Inno3D Geforce4 MX440
      23,4
    • Inno3D Xabre400 default
      19,8
    • ATi Radeon7500
      19,2
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      18,2
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      12,6

Eine Besonderheit, die im Test auffiel, war die gute Leistung in Jedi Knight II, das auf der Quake-3-Engine basierte. Mit aktiviertem TurboTex konnte die Xabre 400 sich hier – selbst in 1.600 × 1.200 Pixeln – sogar vor der Konkurrenz platzieren. Das Ergebnis war aber einem weiteren Trick geschuldet: Der Treiber setzte die Farbtiefe auf 16 Bit herab, während ATi und Nvidia Bilder mit 32-Bit-Farbtiefe renderten.

Jedi Knight II OGL v1.04
  • 1024x768x32:
    • Inno3D Geforce4 MX440
      92,2
    • Inno3D Xabre400 default
      89,3
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      89,1
    • ATi Radeon7500
      88,5
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      87,4
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      86,0
  • 1152x864x32:
    • Inno3D Geforce4 MX440
      89,1
    • ATi Radeon7500
      83,3
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      82,9
    • Inno3D Xabre400 default
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      0,0
      Hinweis: Auflösung nicht unterstützt
  • 1280x1024x32:
    • Inno3D Xabre400 default
      88,6
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      87,6
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      84,0
    • Inno3D Geforce4 MX440
      79,7
    • ATi Radeon7500
      71,7
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      61,3
  • 1600x1200x32:
    • Inno3D Xabre400 default
      84,2
    • Inno3D Xabre400 TTex 1
      59,4
    • Inno3D Geforce4 MX440
      56,4
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      54,8
    • ATi Radeon7500
      52,8
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      34,8

In synthetischen Benchmarks hatte der Treiber einen noch größeren Einfluss. Durch Herabsetzung der Bildqualität durch den Treiber konnte die Xabre 400 die Konkurrenz teils deutlich schlagen. Wenn die niedrigste Stufe gewählt wurde, dann lag die Xabre in der Regel hingegen weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Das Desaster mit dem Anti-Aliasing

Der Xabre 400 unterstützte verschiedene Anti-Aliasing-Modi; im Test stellte sich allerdings heraus, dass lediglich der Supersampling-Modus praktikabel war. Die Ursache hierfür war, dass die niedrigeren Anti-Aliasing-Stufen im Treiber keinen Effekt auf Treppchen hatte, weil lediglich ein 2×2-Pixel-Blur-Filter über das Bild gelegt wurde. Zudem unterstützte der Chip keine anisotrope Filterung, sondern lediglich bi- beziehungsweise trilineare Filterung.

Da Supersampling die einzige praktikable Option war, Anti-Aliasing zu nutzen, hatte ComputerBase die Leistung mit aktiviertem SSAA mit der Konkurrenz, die resourcenschonendes Multisampling und anisotrope Filterung beherrschte, und somit Sachen Bildqualität gleichauf war, verglichen.

Quality-Settings (2xFSAA & 2xAF)
  • Ultima IX:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      53,19
    • ATi Radeon7500
      41,04
    • Inno3D Geforce4 MX440
      40,15
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      13,04
  • Dungeon Siege:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      36,76
    • ATi Radeon7500
      30,56
    • Inno3D Geforce4 MX440
      24,69
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      11,49
  • Aquanox:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      28,70
    • ATi Radeon7500
      20,90
    • Inno3D Geforce4 MX440
      19,80
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      7,50
  • Jedi Knight II:
    • Inno3D Geforce4 MX440
      58,60
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      51,10
    • ATi Radeon7500
      47,70
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      32,20
  • Max Payne:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      34,63
    • Inno3D Geforce4 MX440
      26,69
    • ATi Radeon7500
      25,60
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      10,68
      Hinweis: *
  • Serious Sam SE OGL:
    • Asus v8200 pure (GeForce3)
      44,40
    • Inno3D Geforce4 MX440
      29,20
    • ATi Radeon7500
      25,00
    • Inno3D Xabre400 TTex 0
      19,60

Aufgrund des enorm hohen Rechenaufwands, um Supersampling einzusetzen, sah der Xabre 400 so kein Land gegenüber sämtlichen Konkurrenten. Lediglich in Jedi Knight II wurden überhaupt Bildwiederholraten erreicht, die flüssiges Spielen ermöglichten. Käufern des Xabre 400 blieb somit außer in Ausnahmefällen keine Möglichkeit, Anti-Aliasing zu nutzen.

Wie wichtig ist dir die Qualität der Grafik in Spielen?
  • Ich opfere dafür sogar absolut flüssige FPS
    13 %
  • Qualität ja, aber nicht auf Kosten von Rucklern
    76 %
  • Geschwindigkeit geht vor Qualität
    11 %

Eine Empfehlung nur für Sparfüchse

Empfehlenswert war der Xabre 400 so nicht, gerade weil es (nahezu) unmöglich war, Anti-Aliasing und anisotrope Filterung zu nutzen oder der Multi-Monitor-Betrieb nur sehr eingeschränkt möglich war. Nur für absolute Sparfüchse bot der Chip für 80 Euro eine annehmbare Leistung, einen stabilen Treiber und eine leise Kühlung.

Auswertung der letzten Umfrage

Letzte Woche hatte die Redaktion nach der Leistung der Netzteile im Haupt-Rechner der Leser gefragt. Mit 35 Prozent verwendet die große Mehrheit aktuell ein Netzteil mit 450 bis 550 Watt, direkt gefolgt von der Gruppe 550 bis 750 Watt, die mit 33 Prozent vertreten ist. Lediglich 4 Prozent nutzen ein Netzteil mit mehr als 1.000 Watt.

Wie viel Leistung hat das Netzteil in deinem Haupt-PC?
  • bis unter 300 Watt
    3 %
  • 300 bis unter 450 Watt
    14 %
  • 450 bis unter 550 Watt
    35 %
  • 550 bis unter 750 Watt
    33 %
  • 750 bis unter 1.000 Watt
    11 %
  • 1.000 Watt und mehr
    4 %

Weitere Tests von vor 15 Jahren

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Bisher in dieser Reihe erschienen sind:

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.