Wolfenstein 2 im Benchmark: Das Vulkan-API-Spiel mit Vega-Feature

Wolfgang Andermahr 325 Kommentare
Wolfenstein 2 im Benchmark: Das Vulkan-API-Spiel mit Vega-Feature

tl;dr: Wolfenstein 2: The New Colossus für den PC erscheint am Freitag. ComputerBase konnte den Titel bereits vorab einem Technik-Test unterziehen. Und die Technik hat es in sich: Vulkan ist die exklusive API und das Vega-Feature RPM wird erstmals genutzt. AMD profitiert davon, aber nicht immer.

Wolfenstein 2: Vorzeigetitel für AMD RX Vega

Update 30.10.2017 11:40 Uhr

Ein erster Beta-Patch fügt die Unterstützung von Async Compute für AMD-Grafikkarten in Wolfenstein 2: The New Colossus hinzu. ComputerBase hat sich den Patch einmal genauer angesehen und eigene Benchmarks erstellt.

Wolfenstein 2: The New Colossus erscheint am Freitag, ComputerBase konnte den Titel (inklusive installiertem Day-1-Patch) aber bereits einen Technik-Test unterziehen. Die Erwartungen sind nach dem erfolgreichen und beliebten Vorgänger Wolfenstein: The New Order groß und es sieht so aus, als könne der zweite Teil qualitativ mit dem Vorgänger mindestens mithalten.

Technisch ist das auf jeden Fall schon einmal gelungen. Das(selbe) Entwicklerteam MachineGames setzt auf die von id Software entwickelte id-Tech-6-Engine, die bereits in Doom (Test) überzeugen konnte. Optisch setzt das neuere Wolfenstein 2: The New Colossus aber noch einen drauf. Die Beleuchtung ist dabei das Highlight, doch auch die Partikeleffekte, die Charaktermodelle und der Grafikstil an sich passen perfekt zu einem Wolfenstein-Spiel. Allerdings gibt es auch die für id-Tech-Titel quasi üblichen Schwächen: Einige (wenige) Texturen fallen qualitativ sehr schlecht aus und die Gesichtsanimationen wirken steif. Technisch interessant machen Wolfenstein die Eckpfeiler der Engine.

Wolfenstein 2 nutzt ausschließlich Vulkan und Vega-Features

Wolfenstein 2: The New Colossus setzt wie Doom auf die Vulkan-API – und keine andere. Das gab es noch nie. Darüber hinaus haben die Entwickler eng mit AMD zusammengearbeitet. Neben der schon in der Vergangenheit für AMD vorteilhaften API kann das Spiel wie Doom mit Shader Intrinsic (GCN und Vega) umgehen und so gewisse Hardwarekomponenten von Radeon-Grafikkarten direkt ansprechen. Zudem nutzt das Spiel erstmals FP16-Shader mit Rapid Packed Math (nur Vega), sodass auf entsprechenden Grafikkarten die Shader ressourcenschonender und schneller als die klassischen FP32-Shader berechnet werden können. Resultat: Wolfenstein 2: The New Colossus soll der Vorzeigetitel für AMDs neue Vega-Architektur sein.

Und wie Bethesda gegenüber ComputerBase bestätigte, sind sämtliche Features in Wolfenstein 2: The New Colossus von Tag eins an integriert. AMD-eigene Effekte wie zum Beispiel TressFX haben hingegen nicht ins Spiel gefunden und sollen es auch nicht mehr tun.

Ganz grundsätzlich hat MachineGames weitere Features im Vergleich zur Version für Konsolen für den PC umgesetzt. Das fängt bei einer offenen Framerate an, geht über das 21:9-Seitenverhältnis, einem Sichtfeldregler, verschiedene Anti-Aliasing-Optionen und endet in diversen Einstellungsmöglichkeiten für die Grafik.

Sechs Presets und eine sehr gute Kantenglättung

Gleich sechs Presets gibt es in Wolfenstein 2: The New Colossus. Die höchste Einstellung hört auf den spektakulären Namen „Mein Leben“. Aber immerhin trägt das Preset den Namen zurecht, denn im Vergleich mit der zweithöchsten Einstellung „Extrem“ ist „Mein Leben“ sichtbar schöner. Der Unterschied ist in den Schatten zu suchen, die im gesamten Bild bei der höchsten Einstellung deutlich ausgeprägter und detailliert sind. Entsprechend sollte „Mein Leben“ als Einstellung angestrebt werden.

Der Unterschied zwischen Extrem und Ultra ist hingegen gering, es gibt nur einen kleinen in der Umgebungsverdeckung. Selbst Hoch sieht kaum schlechter aus. Einen deutlichen Rückschritt macht jedoch das Mittel-Preset. Bei diesem fehlen diverse Schatten, was sofort sichtbar ist. Zudem gibt es teils Grafikfehler im Bild. Abgesehen von den Schatten und der Umgebungsverdeckung sind die Unterschiede zwischen Mein Leben und Mittel zwar gering, doch die Differenzen in diesen beiden Punkten sind sehr hoch. Auf Niedrig ändert sich dann die gesamte Beleuchtung – und Wolfenstein 2 ist plötzlich hässlich.

Presets – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX Vega 64:
    • Niedrig-Preset
      152,5
    • Mittel-Preset
      134,7
    • Hoch-Preset
      107,4
    • Ultra-Preset
      85,2
    • Extreme-Preset
      68,5
    • Mein-Leben-Preset
      65,3
  • Nvidia GeForce GTX 1080 FE:
    • Niedrig-Preset
      143,8
    • Mittel-Preset
      128,4
    • Hoch-Preset
      104,6
    • Ultra-Preset
      93,9
    • Extreme-Preset
      85,1
    • Mein-Leben-Preset
      80,0

Die gewählten Grafik-Presets machen in Wolfenstein 2: The New Colossus einen großen Unterschied in der Performance. Wer vom höchsten in das immer noch schöne Ultra-Preset wechselt, gewinnt auf einer GeForce GTX 1080 immerhin 17 Prozent an Performance, auf der Radeon RX Vega 64 sind es gleich deutlich höhere 30 Prozent. Wer noch einen Schritt weiter zurück auf Hoch geht erhält weitere elf Prozent bei Nvidia und nochmal gute 26 Prozent bei AMD.

Damit ist es ratsam, (falls möglich) das Mein-Leben-Preset zu nutzen. Ist dies nicht möglich, kann bis auf die Hoch-Details ohne größere Bedenken zurückgeschaltet werden. Weiter zurück sollten die Details aber nur im Notfall gedreht werden.

Wolfenstein 2 bietet eine sehr gute Kantenglättung

Die Liste der Anti-Aliasing-Möglichkeiten ist lang. Gleich sechs verschiedene Modi haben es ins Spiel geschafft und vier davon haben eine temporale Komponente (alle mit einem TX im Namen). Es ist ratsam, auch nur eine dieser vier zu nutzen, denn ohne die temporale Komponente flimmert das Spiel extrem.

Den optisch besten Eindruck macht in Wolfenstein 2: The New Colossus das TSSAA (8TX), dicht gefolgt von SMAA (1TX). Beim TSSAA flimmert selbst in 1.920 × 1.080 kaum noch ein Objekt, ab 2.560 × 1.440 überhaupt nichts mehr. Das TSSAA erzeugt zwar eine Unschärfe im Bild, doch nimmt diese in höheren Auflösungen massiv ab, zudem stört es weniger als das Flimmern. SMAA (1TX) arbeitet sehr ähnlich, jedoch wird das Flimmern nicht ganz so gut reduziert.

TAA ist eine Sonderform – und nur in Bewegung gut

FXAA (1TX) hat ziemlich große Schwierigkeiten mit der Geometrie, die sie nicht gut bearbeitet. Und TAA ist in Bewegung dann optisch dem TSSAA sehr ähnlich und die Glättungswirkung ist sehr gut. Bewegen sich Objekte im Bild jedoch nicht, geht der Glätteeffekt zu einem Großteil wieder verloren. Darüber hinaus gibt es eine Auflösungsskalierungsfunktion. Jedoch kann diese die native Bildschirmauflösung nur verringern und nicht erhöhen. Damit eignet sich die Option nicht als Glättungsoption.

Kantenglättung – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX Vega 64:
    • Aus
      80,2
    • FXAA
      78,6
    • SMAA
      75,8
    • TAA (1TX)
      65,8
    • TSSAA (8TX)
      65,3
    • FXAA (1TX)
      65,0
    • SMAA (1TX)
      63,6
  • Nvidia GeForce GTX 1080 FE:
    • Aus
      87,7
    • FXAA
      80,6
    • TAA (1TX)
      80,4
    • TSSAA (8TX)
      80,0
    • SMAA
      78,1
    • FXAA (1TX)
      75,4
    • SMAA (1TX)
      72,2

Post-Processing-Anti-Aliasing kostet normalerweise kaum Performance. In Wolfenstein 2: The New Colossus ist das aber anderes und zudem zwischen AMD und Nvidia ziemlich verschieden. Auf der GeForce GTX 1080 kostet das schönste TSSAA zum Beispiel neun Prozent Performance. Auf der Radeon RX Vega 64 sind es dann gleich 19 Prozent. TSSAA ist trotz des besten Ergebnisses jedoch nicht die anspruchsvollste Variante. SMAA (1TX) verringert die Performance auf der AMD-Grafikkarte um 21 Prozent und auf dem Nvidia-Pendant um 18 Prozent.

Zwei ungewöhnliche Extra-Optionen und Async Compute

Die PC-Version von Wolfenstein 2: The New Colossus hat ein extrem umfangreiches Grafikmenü. In diesem finden sich zwei Optionen, die unabhängig der Presets gesteuert werden und regelrechte Exoten sind. Es handelt sich um die Punkte „Deferred Rendering“ und „GPU-Culling“.

GPU-Culling (also das Verwerfen von zum Beispiel unsichtbaren Polygonen) soll laut den Spielempfehlung auf AMD-Grafikkarten an- und auf Nvidia-Beschleunigern abgeschaltet sein. Dies macht das Spiel beim Wechseln der Hardware automatisch, manuell lässt sich die Option aber ändern.

Wolfenstein 2 – GPU-Culling
  • Radeon RX Vega 64:
    • Aus
      65,8
    • An
      65,3

Optisch macht das keinerlei Unterschiede – und auch in der Performance kaum. Ohne Culling läuft die Radeon RX Vega 64 gar minimal schneller. In der Praxis ist das jedoch nicht spürbar. Auf einer GeForce-Grafikkarte stürzt das Spiel dagegen beim Laden des Levels ab, wenn GPU-Culling aktiviert ist. Da verwundert es nicht, dass Bethesda empfiehlt, die Option auf einem Nvidia-Produkt abgeschaltet zu lassen.

Deferred Rendering ändert die Optik leicht

Die Option Deferred Rendering ist von Haus aus immer abgeschaltet. Dieser Punkt ist sehr ungewöhnlich, denn die id-Tech-6-Engine ist eigentlich ein sogenannter Forward Renderer inklusive kleineren Anteilen eines Deferred Renderers, um die Vor- und Nachteile miteinander zu vermischen. Vermutlich wird mit der Option der Hybrid-Ansatz abgeschaltet und die gesamte Engine arbeitet dann als Forward Renderer.

Ein Deferred Renderer hat Vorteile bei vielen Lichtquellen. Dazu passt, dass sich beim Aktivieren der Funktion die Beleuchtung minimal ändert. Genauer gesagt ändern sich die Schatten, die mit der Deferred-Option an einigen Stellen besser aussehen. Allerdings tauchen auch einige Grafikfehler im Bild auf. Möglicherweise ist die Funktion deswegen abgeschaltet.

Wolfenstein 2 – Deferred Rendering
  • GeForce GTX 1080:
    • Aus
      80,0
    • An
      79,5
  • Radeon RX Vega 64:
    • Aus
      65,3
    • An
      63,4

Bei der Leistung macht es sowohl auf einer AMD- als auch auf einer Nvidia-Grafikkarte kaum einen Unterschied, ob die Option an oder aus ist. Die GeForce GTX 1080 verliert ein Prozent Performance, wenn Deferred Rendering aktiv ist. Die Radeon RX Vega 64 verliert mit drei Prozent minimal mehr Geschwindigkeit.

Async Compute kann bei Nvidia an- und abgeschaltet werden

Wolfenstein 2 nutzt standardmäßig Async Compute. Auf einer Pascal-Grafikkarte von Nvidia lässt sich dies im Menü auch ein- und ausschalten. Auf einem Beschleuniger der Maxwell-Generation wird die Möglichkeit hingegen nicht angeboten, wie auch auf einer AMD-Grafikkarte nicht. Es ist davon auszugehen, dass das Spiel Async Compute auf Maxwell durchweg deaktiviert, auf Radeon-Grafikkarten hingegen durchweg nutzt.

Wolfenstein 2 – Async Compute
  • GeForce GTX 1080:
    • An
      80,0
    • Aus
      77,8

Auf einer Pascal-Grafikkarte sollte das Low-Level-Feature auch aktiviert bleiben. Mit Async Compute rendert die GeForce GTX 1080 in der Testsequenz drei Prozent schneller als bei synchroner Ausführung der Graphics- und Compute-Berechnungen.

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