Fashion Fusion & FlyingLab: Telekom und Lufthansa schicken Start-Ups in die Luft

Nicolas La Rocco 15 Kommentare
Fashion Fusion & FlyingLab: Telekom und Lufthansa schicken Start-Ups in die Luft
Bild: Deutsche Telekom

Der Mode- und Technologiewettbewerb „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“ hat im Rahmen des jüngst abgeschlossenen Erprobungsfluges LH440 ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Die Jury hat ihr Fazit zu den Projekten der drei Wettbewerber gezogen: Mit zwei von drei Teams wird die Zusammenarbeit verlängert.

Im Rahmen des Wettbewerbs von Telekom und Lufthansa haben sich drei junge Start-Ups mit der Zukunft des Fliegens befasst. Es sollte an intelligenten Lösungen für das Flugerlebnis von morgen gearbeitet werden. Im Fokus stehen Ideen zu Gesundheit und Wellness, Service Enrichment und Prozessoptimierung sowie Kommunikation.

Präsentation in 10.000 Metern Höhe

ComputerBase hatte die drei Finalisten zuletzt in Berlin im Rahmen der ersten Präsentation der Projekte besucht. An Bord eines Airbus A380 der Lufthansa von Frankfurt nach Houston (LH440) sind die Projekte nun öffentlich vorgestellt und getestet worden. Lufthansa gibt mit dem FlyingLab Fluggästen die Möglichkeit, die Ideen der drei Start-Ups während eines normalen Linienflugs auszuprobieren und im Rahmen von Vorträgen mehr über das Thema Smart Fashion zu erfahren.

Team Feel.Flight kam gut bei der Jury an

Team Feel.Flight will das Service-Angebot für Passagiere auf Langstreckenflügen von Lufthansa erweitern. Das Start-Up hat unter anderem den intelligenten Chat-Bot „Lufthans“ entwickelt, der Fragen rund um die Reise beantwortet. Eine die Temperatur regulierende Decke mit integriertem Nackenkissen, intelligente Hausschuhe für an Bord oder neue Bekleidung für das Kabinenpersonal waren ebenfalls Teil des Projekts.

Bereits in Berlin hatten die Ideen von Feel.Light bei ComputerBase den komplettesten Eindruck hinterlassen, was auch daran lag, dass Einzelprojekte wie die Decke vergleichsweise einfach zur Serienreife entwickelt werden können. Dieser Meinung hat sich auch die Jury des Wettbewerbs angeschlossen. In dem Fazit heißt es:

Feel.Flight hat viele moderne Informations- und Fertigungstechnologien verwendet, von 3D-Druck, Laser cutting und digital unterstütztem Jacquard-Weben bis hin zu Künstlicher Intelligenz. Dem Team ist es gelungen, in extrem kurzer Zeit recht fortgeschrittene Prototypen zu erschaffen. Eine Weiterentwicklung in Richtung Serientauglichkeit erscheint nicht unrealistisch. Dank der verschiedenen Komponenten könnten auch einzelne Komponenten wie die Decke ausgekoppelt und zügig pilotiert werden.

Smart Glasses sollen vorab Informationen liefern

Das Team Lyra hat vor allem Verbesserungspotenzial bei der Kommunikation zwischen Fluggästen sowie Stewardessen und Stewards erkannt. Die Entwickler haben neue Möglichkeiten der Informationsbereitstellung auf Endgeräten wie Smartwatches oder Tablets erforscht und dabei insbesondere Smart Glasses in den Fokus genommen. Fluggäste können mit ihren eigenen Mobilgeräten Anfragen an das Flugpersonal senden. Mit den schlauen Brillen ausgestattete Flugbegleiter könnten dann zum Beispiel schon bei Annäherung zum Fluggast wissen, welche Vorlieben zu Getränken und Mahlzeiten dieser hat. Die Kommunikation zwischen Datenbrille und Fluggast erfolgt über NFC, das als passives Element im Fußboden des Gangs neben den Sitzplätzen sowie als aktives Lesegerät in den Schuhen des Kabinenpersonals integriert ist.

Die Jury des Wettbewerbs sieht in der Idee vor allem dann eine Chance, sofern die Entwickler die Komplexität der verschiedenen Geräte kontrollieren können und die angebundenen Hardware-Lösungen überzeugen. Es müsse eine intuitive Schnittstelle für die Flugbegleiter und die Passagiere entstehen. Das Fazit der Jury lautet:

Lyra verbindet verschiedene Geräte. Mit den Devices wird eine Art „Mini-Internet“ aufgebaut, das in einem Flugzeug auch offline voll funktionsfähig ist. Das System ist „Plug & Play“, also schon unkompliziert einsetzbar im Flugzeug. Die Herausforderung des Teams bestand darin, die Komplexität durch verschiedene Geräte, die an der App partizipieren, so zu kontrollieren, dass am Ende eine intuitive Schnittstelle für die Flugbegleiter und die Passagiere entsteht. Sofern die angebundenen Hardware-Lösungen überzeugen, wäre das System ist einsetzbar.

Verfügbarkeit und Sicherheit stehen OLED-Kokon im Weg

Wohl erst einmal keine Chancen auf den Einsatz in Serie haben die Projekte des Teams Smart Chair, wenngleich dies vor allem an den noch nicht verfügbaren Bauteilen des Konzepts und nicht an einer grundsätzlich schlechten Idee liegt. Dem Fluggast sollte die Möglichkeit geboten werden, eine Art Kokon für mehr Privatsphäre während des Fliegens zu erschaffen. Ein gebogenes OLED-Display in einem klappbaren Visor sollte die Funktionen des In Flight Entertainments in der Rückenlehne des Vordermanns übernehmen und gleichzeitig den Passagier vom Rest der Kabine abschirmen.

An neuen Uniformen für das Kabinenpersonal hat das Team Smart Chair ebenfalls gearbeitet. Neuartige Werkstoffe sollten die Bekleidung faltenfrei halten, wasserabweisend und zugleich luftdurchlässig machen und vor Strahlung schützen. Integrierte Heiz- und Kühlelemente hätten das Outfit an die häufig verschiedene Klimazonen der Flugbegleiter anpassen können, und Health-Tracker hätten dem Kabinenpersonal zusätzlich Möglichkeiten des Vital-Trackings geboten.

In seinem Fazit lobt die Jury vor allem den visionären Charakter des Projekts, allerdings werden auch klar Zweifel an der Umsetzbarkeit geäußert. Im Volltext heißt es dazu:

Das Projekt hat eher Visions-Charakter – für eine kurzfristige Einführung fehlen noch marktreife Technologien. Flexible OLED-Displays sind zwar in der Erprobung und stehen kurz vor der Markteinführung; bis sie ihren Weg in den Massenmarkt finden, werden aber noch ein paar Jahre vergehen. Dasselbe gilt für die genannten smarten Materialien, die in dem Maße noch keine mechanischen Aufgaben zuverlässig übernehmen können. Für die heizbaren Stoffe stehen die Chancen besser. Hier müssten für den Einsatz in Flugzeugen allerdings noch einige sicherheitsrelevante Hürden genommen werden.

Die Feel.flight-Decke schafft es ins nächste FlyingLab

Lufthansa als Initiator des FlyingLab ist in weiteren Kooperationsgesprächen mit einem der drei Teams. Die Feel.flight-Decke will die Airline im Rahmen des nächsten FlyingLab in noch größerer Anzahl pilotieren. Die Deutsche Telekom hat hingegen mehrere Teams zu Markenauftritten auf dem Mobile World Congress in Barcelona und der #FASHIONTECH in Berlin eingeladen. Konkreter wird es für das Team Lyra, mit dem die Deutsche Telekom über die Weiterentwicklung der Web-Applikation sprechen möchte.