5G: Telekom testet Network Slicing im Hamburger Hafen

Nicolas La Rocco 21 Kommentare
5G: Telekom testet Network Slicing im Hamburger Hafen
Bild: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom testet im Hamburger Hafen das für den Betrieb von 5G Standalone wichtige Network Slicing im Rahmen des Forschungsprojekts 5G MoNArch. An den Tests beteiligt sind neben der Deutschen Telekom die Hamburg Port Authority (HPA) und Nokia. Das Testfeld erstreckt sich über rund 8000 Hektar Hafengebiet.

Network Slicing ist eine Unterteilung des physischen Netzes in logische Netze, damit die jeweils ausgeführten Dienste mit garantierter Geschwindigkeit, Latenz und Zuverlässigkeit laufen können. Bruno Jacobfeuerborn, Technikchef der Deutschen Telekom, sprach zuletzt in London im Rahmen des Mobile Broadband Forums 2017 zu diesem für 5G wichtigen Thema und zeigte eine beispielhafte Aufteilung in drei logische Netze: den IoT-Slice, MBB-Slice (Mobile Broadband) und Low-Latency-Slice.

Network Slicing wichtig für 5G Standalone

In dem jüngst verabschiedeten ersten 5G-Standard nach 3GPP Release 15 ist Network Slicing noch nicht verankert. 5G Non-Standalone (NSA) ergänzt das LTE-Netz zunächst einmal um Enhanced Mobile Broadband (eMBB) mit einer höheren Datenrate und reduzierten Latenzen auf dem Datenkanal. Bis Ende des zweiten Quartals 2018 sollen dann die Spezifikationen für 5G Standalone (SA) verabschiedet werden, das LTE nur noch als Fallback verwenden wird. Erst mit 5G Standalone soll dann auch das Network Slicing eine Rolle spielen.

Für die Abdeckung des Hamburger Hafens wurde nicht unweit der Nordelbe auf dem Hamburger Fernsehturm (Heinrich-Hertz-Turm) in Hamburg-St. Pauli eine 5G-Antenne in 150 Metern Höhe installiert. Netzausrüster ist in diesem Fall Nokia, jedoch setzt die Deutsche Telekom wie zuletzt in Berlin bei 5G auch auf Hardware von Huawei.

Getestet werden sollen 5G-Anwendungen im industriellen Umfeld. Ein Anwendungsbeispiel sind über Mobilfunk gesteuerte Ampelanlagen auf dem Hafengebiet. Zudem sollen Umweltmessdaten in Echtzeit erhoben und verarbeitet werden. Potenziell kritische Infrastrukturen wie Schleusen und Baustellen sollen über Virtual-Reality-Anwendungen besser überwacht und damit sicherer gemacht werden.

Erstes Netz mit mehreren Network Slices

Das Network Slicing wird verwendet, um in einem physischen Netz je nach spezifischer Anwendung jeweils separate, virtuelle Netze etwa für die Steuerung der Ampelanlagen und die Übertragung der Umweltmessdaten zu realisieren. Die Deutsche Telekom erklärt in der heutigen Ankündigung, dass diese neue Netz-Architektur es erstmals erlaube, Netzwerke dynamisch und flexibel an die Anforderungen verschiedenster Anwendungen anzupassen. Ein Netz mit mehreren Network Slices werde im Hamburger Hafen das erste Mal in Deutschland unter industriellen Live-Bedingungen getestet.

Die 5G-Tests im Hamburger Hafen sind Teil des auf zwei Jahre angesetzten Forschungsprojekts 5G MoNArch, was als Abkürzung der sperrigen Bezeichnung „5G Mobile Network Architecture for diverse services, use cases, and applications in 5G and beyond“ dient. Im Rahmen von 5G MoNArch sollen Erfahrungen aus dem Einsatz von 5G Network Slicing in realen Testumgebungen gewonnen und Konzepte zur 5G-Mobilfunkarchitektur in die Praxis umgesetzt werden. Daran beteiligt sind neben den im Hamburger Hafen aktiven Firmen unter anderem auch Huawei und Samsung.