Direct-to-Cell: Vodafone startet Satelliten-Test mit normalen Handys
AST SpaceMobile hat die US-Regulierungsbehörde FCC über den bevorstehenden Einsatz seiner Satelliten für Direct-to-Cell-Tests mit Vodafone in Großbritannien informiert. Die für den Funkbetrieb vor Ort zuständige Ofcom hat Vodafone bereits eine entsprechende Testlizenz erteilt.
Mobilfunkspektrum wird bis ins All verlängert
Technisch setzt AST SpaceMobile dabei nicht auf ein separates Satellitenfunkband, für das Smartphones spezielle Hardware benötigen würden. Stattdessen fungieren die BlueBird-Satelliten als Mobilfunkmasten im All und verwenden Frequenzen, für die Vodafone bereits Nutzungsrechte besitzt. Damit sollen sich handelsübliche 4G- und 5G-Smartphones ohne zusätzliche Hardware, Apps oder Software-Anpassungen verbinden können.
Aus der auf den 11. August 2026 datierten FCC-Mitteilung gehen nun konkrete Frequenzen hervor. Für den späteren Direct-to-Cell-Betrieb sind in Großbritannien 880,1 bis 885,1 MHz im Uplink und 925,1 bis 930,1 MHz im Downlink vorgesehen. Für Tests nennt AST SpaceMobile zusätzlich die Bereiche von 892,1 bis 897,1 MHz sowie 937,1 bis 942,1 MHz. Damit stehen jeweils 5 MHz Bandbreite zur Verfügung.
Die Ofcom hatte Vodafone bereits am 24. Juli eine Demonstrations- und Testlizenz ausgestellt, die zunächst bis zum 30. September 2026 gilt. Sie erlaubt ausdrücklich nur einen nicht-kommerziellen Betrieb. Ein Termin für einen regulären Dienst für zahlende Kunden geht aus den neuen Unterlagen daher nicht hervor. VodafoneThree hatte allerdings bereits im März angekündigt, im Sommer 2026 erste Kundentests mit Sprache, SMS und mobilen Daten durchführen zu wollen.
Vom Smartphone über den Satelliten ins Vodafone-Netz
Die Verbindung endet dabei nicht beim Satelliten. Bodenstationen stellen anschließend die Anbindung an das terrestrische Mobilfunknetz her. Für Großbritannien nennt AST SpaceMobile unter anderem das Gateway in Goonhilly Downs. Der Satellit nimmt somit die Verbindung des Smartphones entgegen und leitet die Daten über eine Bodenstation in das reguläre Netz weiter.
Dass gewöhnliche Smartphones auf diesem Weg nicht nur Textnachrichten übertragen können, hatten Vodafone und AST SpaceMobile bereits praktisch demonstriert. Anfang 2025 gelang aus einem Gebiet in Wales ohne terrestrische Mobilfunkversorgung ein Videoanruf über die ersten BlueBird-Satelliten. Bei späteren Tests erreichte die erste Satellitengeneration laut AST SpaceMobile Spitzenwerte von 98,9 Mbit/s direkt zu handelsüblichen Smartphones.
Die inzwischen eingesetzte nächste BlueBird-Generation besitzt Phased-Array-Antennen mit einer Fläche von rund 223 m² und soll nach Angaben des Unternehmens nahezu die doppelte maximale Datenrate erreichen. Die große Antennenfläche ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts, da auf der Gegenseite keine leistungsfähige Satellitenschüssel, sondern lediglich die vergleichsweise kleine Antenne eines Smartphones arbeitet.
Auch Deutschland ist bereits Teil der Tests
Die Aktivitäten beschränken sich unterdessen nicht auf Großbritannien. AST SpaceMobile erklärte Anfang August, dass Integrationstests inzwischen auch in Irland, Rumänien, Frankreich, Tschechien, Deutschland, Spanien und der Ukraine laufen. Zu den beteiligten Netzbetreibern zählen neben Vodafone unter anderem Orange, Telefónica und die Deutsche Telekom.
Für Europa arbeiten Vodafone und AST SpaceMobile über das gemeinsame Unternehmen Satellite Connect Europe zusammen. Deutschland soll dabei eine zentrale Rolle übernehmen: Das europäische Satelliten-Netzwerk soll aus einem Betriebszentrum in der Nähe von München oder Hannover gesteuert und überwacht werden. Bodenstationen in mehreren europäischen Ländern sollen wiederum die Verbindung zwischen den BlueBird-Satelliten und den bestehenden 4G- und 5G-Netzen herstellen.
Bis daraus ein reguläres Satellitennetz für europäische Mobilfunkkunden wird, sind allerdings noch regulatorische Freigaben erforderlich. In Großbritannien liefert die neue Genehmigung zunächst die Grundlage für zeitlich begrenzte Tests – und damit für einen weiteren Schritt auf dem Weg vom Mobilfunkmast am Boden zum Mobilfunkmast im All.
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