Mining mit Gaming-GPUs: Aktuelle Benchmarks für Ethereum, Monero und Zcash 4/4

Wolfgang Andermahr 212 Kommentare

Standard vs. Optimiert – die genauen Unterschiede

Die vielen Messwerte der zwei letzten Seiten lassen leider die Übersicht ein wenig leiden. Aus diesem Grund fasst folgende Tabelle die Performance pro Watt der Radeon RX 570, Radeon RX Vega 56, GeForce GTX 1060 und GeForce GTX 1070 als beste Mining-Grafikkarten noch einmal zusammen.

Effizienz ohne Optimierung Effizienz mit Optimierung Vorteil
Ethereum
GeForce GTX 1060 5,5 Watt pro MH 3,2 Watt pro MH +72 Prozent
GeForce GTX 1070 5,1 Watt pro MH 3,1 Watt pro MH +65 Prozent
Radeon RX 570 7,5 Watt pro MH 4,3 Watt pro MH +74 Prozent
Radeon RX Vega 56 8,9 Watt pro MH 4,2 Watt pro MH +112 Prozent
Monero
GeForce GTX 1060 0,138 Watt pro H 0,119 Watt pro H +16 Prozent
GeForce GTX 1070 0,131 Watt pro H 0,107 Watt pro H +22 Prozent
Radeon RX 570 0,214 Watt pro H 0,114 Watt pro H +88 Prozent
Radeon RX Vega 56 0,143 Watt pro H 0,100 Watt pro H +43 Prozent
Zcash
GeForce GTX 1060 0,43 Watt pro Sol 0,28 Watt pro Sol +54 Prozent
GeForce GTX 1070 0,39 Watt pro Sol 0,25 Watt pro Sol +56 Prozent
Radeon RX 570 0,58 Watt pro Sol 0,32 Watt pro Sol +81 Prozent
Radeon RX Vega 56 0,62 Watt pro Sol 0,47 Watt pro Sol +32 Prozent

Fazit

Wer für die Beantwortung der Frage „Lohnt sich Mining (für Privatpersonen)?“ die aktuellen Testergebnisse heranzieht, stellt fest: Ja, auch in Deutschland lohnt sich das Vorhaben weiterhin und in Ländern mit deutlich geringeren Strompreisen stellt sich die Frage praktisch nicht.

Mit Optimierung steigt die Effizienz massiv

Wer mit seiner Spieler-Grafikkarte nebenbei Mining betreiben möchte, sollte allerdings unbedingt die Effizienz des 3D-Beschleunigers verbessern, denn das Einsparpotenzial ist sehr groß: Teils kann die Energieeffizienz gar verdoppelt werden, während die Leistung absolut weiter steigt.

Ob AMD- oder Nvidia-Grafikkarten besser fürs Mining sind, lässt sich generell nicht sagen: Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Je nach Währung (und bei AMD nach Treiber) ist mal die eine GPU schneller, mal die andere GPU effizienter. Das Ergebnis zeigt sich im Handel: In beiden Fällen kämpfen Kunden mit leeren Lagern trotz hoher Preise.

Mehr kämpfen muss auch der Miner, der Grafikkarten von AMD auf Effizienz trimmen will. Bei Nvidia sind deutlich stromsparendere und trotzdem teils schnellere Einstellungen hingegen relativ schnell ausgelotet. Bei AMD muss darüber hinaus je nach Grafikkarte und Währung auch der Blockchain-Treiber installiert werden, mit dem PC-Spiele kaum noch möglich sind. Für einen stetigen Wechsel der Einsatzzwecke bietet sich so etwas nicht an. Das gilt noch mehr für das Aufspielen alternativer BIOS-Versionen, die insbesondere beim Speicher auf Mining optimiert worden sind. Aus einer Spieler-Grafikkarte wird damit endgültig Mining-Hardware, ComputerBase hat dieses Szenario deshalb bewusst nicht in den Artikel aufgenommen.

Mining kann sich lohnen, ABER

Auch wenn sich Mining selbst in Deutschland derzeit weiterhin lohnen kann, sollten Spieler letztendlich genau abwägen, ob sie ihre Grafikkarte für diese Zwecke nutzen wollen. Frühzeitige Defekte an der Hardware sind bei derart hoher Dauerlast nicht auszuschließen und der Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung auch optimiert nicht zu unterschätzen. Bei den aktuellen Kursschwankungen, hohen Transaktionsgebühren und Wartezeiten von mehreren Tagen, bis Kryptogeld in Euro umgetauscht worden ist, ist die Teilnahme an einer Blockchain darüber hinaus mit einem nicht zu verachtenden Risiko verbunden – jüngste Hackerangriffe auf virtuelle Geldbörsen mit Totalverlust am eigenen Guthaben noch außen vor gelassen.

Diesen und weitere Aspekte hat ComputerBase aber bereits im Frühsommer 2017 im Artikel Mining mit Grafikkarten: Ethereum schürfen im Selbstversuch ausführlich behandelt.

Für Spieler ist keine Entspannung in Sicht

Entspannung bei Preisen und Verfügbarkeit von Grafikkarten ist für Spieler indes nicht in Sicht. Die Kurse müssten schon signifikant weiter fallen, damit sich Mining selbst in Ländern mit niedrigen Stromkosten nicht mehr lohnt, ohne für derzeit relevante Währungen effizientere ASIC entwickelt werden.

Auch auf entscheidenden Beistand durch die GPU-Entwickler, Boardpartner oder Händler ist derzeit nicht zu hoffen. Nvidia hat zwar Händler darum gebeten, nur noch zwei Modelle pro Bestellung zu verkaufen, die globale Lieferkette beeinflusst das aber nicht. Auch der eigene Online-Shop des Herstellers mit Preisen zu UVP hilft Spielern nicht weiter: Nvidia hat kein Modell im Direktvertrieb auf Vorrat, Vorbestellungen sind nicht möglich.

Alle Beteiligten sehen sich im Endeffekt demselben Zwiespalt gegenüber: Hersteller, Partner und ausgewählte Händler verdienen gut an der aktuellen Situation, bei AMD soll knapp ein Drittel des Umsatzwachstums im 4. Quartal 2017 auf Verkäufe an Miner zurückzuführen gewesen sein. Auf der anderen Seite steht die enttäuschte Kernzielgruppe, die langfristig nicht verloren gehen soll.

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