Radeon RX Vega 56 Pulse im Test: Sapphires abgespeckte Vega mit dem Nano-PCB 3/4

Wolfgang Andermahr 128 Kommentare

Lautstärke und Temperatur

Beim Spielen ist die Sapphire Radeon RX Vega 56 Pulse mit 34,5 Dezibel sehr leise, unabhängig vom genutzten BIOS. Die zusätzlichen 0,5 Dezibel im Vergleich zu den allerleisesten Modelle sind mit den Ohren nicht auszumachen. Damit ist die Grafikkarte zwar nicht unhörbar, stört aber zu keiner Zeit. Sie ist eine der leisesten Partnerkarten der Radeon RX Vega 56. Der Unterschied zum Referenzdesign ist schier riesig.

Wer sich über die identische Drehzahl der beiden BIOS-Versionen wundert: Die anliegende Drehzahl von 1.290 Umdrehungen in der Minute ist das Minimum, mit dem die Lüftersteuerung die Lüfter über einen längeren Zeitraum ansteuern kann. Die Anlaufdrehzahl liegt zwar minimal darunter, doch werden die 1.290 Umdrehungen innerhalb weniger Sekunden erreicht.

Das Testmuster der Grafikkarte erzeugt beim Spielen nur wenige elektronische Störgeräusche. Aus einem geschlossenen Gehäuse sind diese nicht auszumachen. Bei niedrigen Temperaturen wie auf dem Windows-Desktop stoppen die Lüfter vollständig.

Die Temperaturentwicklung ist durchweg gering

Die Sapphire Radeon RX Vega 56 Pulse bleibt durchweg kühl. Die Vega-10-GPU erhitzt sich beim Spielen nur auf 69 Grad Celsius. Die Kartenrückseite kommt auf 56 Grad, der HBM2-Speicher wird 72 Grad warm. Damit ist dieser weit von der kritischen 90-Grad-Grenze entfernt.

Da die Grafikkarte mit dem zweiten BIOS weniger Energie benötigt, die Lüfterdrehzahl aber gleich bleibt, sinkt die Temperatur weiter. Dann erwärmt sich die GPU nur auf 64 Grad, die Rückseite auf 54 Grad und der Speicher auf 67 Grad.

Leistungsaufnahme

Im Spielebetrieb benötigt die Sapphire Radeon RX Vega Pulse mit dem Standard-BIOS im Durchschnitt 258 Watt, mit dem sekundären BIOS sind es noch 235 Watt. Damit gehört die Sapphire-Grafikkarte zu den „genügsameren“ Modellen von AMDs Radeon RX Vega 56, die teils mehr als 300 Watt benötigen. Gegenüber dem Referenzdesign braucht der 3D-Beschleuniger 25 Watt mehr, mit dem Sekundär-BIOS sind es nur zusätzliche zwei Watt.

Wer allerdings die Leistungsaufnahme mit der ASIC-Power vergleicht, wird ins Stutzen geraten. Denn die Radeon RX Vega 56 Pulse hat mit 180 Watt dieselbe ASIC-Power wie die Radeon RX Vega 56 Nitro+ mit dem alternativen BIOS. Erstere benötigt insgesamt 258 Watt an Energie, letztere jedoch nur 220 Watt – 38 Watt Unterschied.

Die ASIC-Power ist nur ein Richtwert

Das ist ein ordentlicher Unterschied. Jedoch sagt die ASIC-Power eben auch nur aus, wie viel Energie die GPU benötigt. Was die restlichen Komponenten brauchen, bleibt unklar – zumal es sich um keine richtige Messung handelt. Zudem hat die Nitro+ ein völlig anderes PCB mit einer unterschiedlichen Stromversorgung. Es ist davon auszugehen, dass dieses deutlich effizienter arbeitet als das auf einen niedrigen Preis getrimmte PCB der Pulse.

Allerdings passt dies alles nicht dazu, dass die Pulse höher taktet als die Nitro+. So schlecht kann die GPU auf dem Testsample der Radeon RX Vega 56 Nitro+ nicht gewesen sein. Stattdessen ist davon auszugehen, dass die ASIC-Power vielmehr ein eher ungenauer Richtwert ist, der zwar halbwegs nahe an der Wahrheit dran, in ungünstigen Fällen (zwei Mal etwas weiter von der Realität entfernt) aber doch recht ungenau ist.

Übertaktbarkeit

Bei der Sapphire Radeon RX Vega 56 Pulse lässt sich noch einiges bezüglich der Performance herausholen. Nicht vergessen werden sollte dabei aber, dass dann die Leistungsaufnahme deutlich ansteigt und die Grafikkarte auch etwas lauter wird – aber nicht laut.

Bei der Radeon RX Vega 56 Pulse ist es ausreichend, im primären BIOS das Power-Limit um 50 Prozent auf das Maximum anzuheben. Dann taktet die Grafikkarte bereits deutlich höher. Manuell am Takt zu drehen, war zumindest beim Testsample nicht von Erfolg gekrönt. Da die Grafikkarte auch bei vollem Power-Limit in dieses rennt, wurde der manuell erhöhte Takt einfach nicht umgesetzt. Höchstens in Spielen mit geringen Anforderungen kann dies von Vorteil sein. Der HBM2-Speicher ließ sich um 125 MHz auf 925 MHz übertakten, bevor es zu ersten Grafikfehlern gekommen ist.

Übertaktbarkeit
  • The Witcher 3:
    • Sapphire Pulse – Übertaktet (+0/+125 MHz) + 50% PL
      64,8
    • Sapphire Pulse – Standard + 50% PL
      62,5
    • Sapphire Pulse – Standard
      57,9

Alleine das höhere Power-Limit verbessert die Performance in The Witcher 3 um acht Prozent. Wer zusätzlich den Speicher übertaktet, erhält ein zusätzliches Plus von vier Prozent. Insgesamt steigt die Geschwindigkeit um zwölf Prozent. Damit ist die Radeon RX Vega 56 Pulse schneller als jede andere Partnerkarte, solange diese nicht auch übertaktet wird.

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